von Fans für Fans

Almost Blue

Tatort auf italienisch

von Niki Wurster
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Keine Verarsche, dieser Film ist wie eine italienische TATORT-Folge. Ein Serienkiller geht um, eine junge erfolgreiche Kommissarin hinterher. Die ist klein, hat aber grosse Augen, die jedoch irgendwie tot aussehen. Um meinen Kumpel Markus zu zitieren: ihre Tüten sind auch gross, sieht man dafür aber nie. Das nervt (beides). Nicht nur das, der ganze Film nervt irgendwie.

Es passiert nichts und wenn doch, dann nichts tolles. Das hätte man spätestens dann wissen sollen, wenn das Wort "Chat" in der Inhaltsangabe auftaucht. Das erinnert an Zelluloid-Verbrechen wie HACKERS und PASSWORD SWORDFISH und daran möchte man nun wirklich nicht erinnert werden. Gut ist allerdings, dass das Internet nur am Rande eine Rolle spielt. Hilft ALMOST BLUE allerdings auch nicht weiter. Die Suche nach dem Killer ist langweilig und unspektakular, oder unspektakulär und darum langweilig. Ansichtssache. Ein Neo-Giallo ohne Spannung. Der Killer ist ein uninteressanter Bengel, dessen Identität dem Zuschauer viel zu früh offenbart wird. Abgedreht soll er sein. Man arbeitet mit so lässig modernen Features wie Piercings, Kopfhörern und Smiley-Kontaktlinsen.

Das Ende ist besonders visionär. So visionär, dass keiner den Sinn versteht. Zum Schluss bleibt nur ein Krimi mit etwas mehr Blut, dafür aber ohne Spannung. Kein guter Deal.
Niki Wurster
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

08.08.2002, 16:41


Farbfilm für die Ohren

von Alan Smithee
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Unsichere Kommissarin jagt psychopatischen Serienkiller. Keine allzu neue Story, aber auch kein typischer "Tatort". Der Ansatz den Killer zu finden, hängt mit einem blinden Zeugen susammen, der Telephongespräche abhört. Der Blinde assoziirt die Stimmen mit Farben. Der Film greift das auf, indem die Farben verfälscht werden. Mir gefällt die Umsetztung dieser Idee sehr gut. Gelungen finde ich auch den Soundtrack.
Alan Smithee
sah diesen Film im Residenz, Köln

12.08.2002, 12:04


Stark angefangen, stark nachgelassen...

von todaystomorrow
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Bei diesem Film kann man zum Eindruck kommen, den Verantwortlichen sei entweder nach kurzer Drehzeit schon das Budget ausgegangen, weshalb man nach furiosem Beginn auf visuellen und inhaltlichen Leerlauf umstellen mußte. Oder aber, nach Fertigstellung des Films habe sich ein externer Fachmann noch mal mit dem ersten Drittel des Machwerks beschäftigt, diesem ein spannendes Gesicht gegeben, und danach das Interesse verloren. Habe selten einen Film gesehen, der derart stark auseinanderfällt: zunächst voller Tempo, beklemmender Perspektiven, origineller Bilder, rauschhafter Sounds. Und dann immer konventioneller (v.a. in der Erzählweise) und auch mißlungener: mehr und mehr voller Klischees, Ungereimtheiten in der Handlung, zum Einschlafen reizender Montage.

Wir werden mal wieder direkt in das Geschehen hineingestoßen. Ohne zu wissen, um wen und um was es eigentlich geht, sehen wir Blut, viel Blut, eine blutige Leiche, jemanden, der mit blutigen Fingern an einem PC-Keyboard sitzt und chattet.

Schnitt. Im Polizeirevier von Bologna versuchen eine Beamtin aus Rom und ihr Vorgesetzter, den lokalen Behörden ihr neues Computer-Ermittlungssystem schmackhaft zu machen. Indem sie die Daten jüngerer ungelärter Morde im Distrikt eingegeben und Parallelen entdeckt haben, die sie den unwilligen Kollegen jetzt aufzeigen: alle Opfer waren Studenten, alle wurden nackt und (vor allem im Gesichtsbereich) verstümmelt aufgefunden, alle wurden von sämtlichen Dokumenten beraubt, die etwas über ihre Person verraten hätten (Personalausweis usw.).

In der Folge begleiten wir die Ermittler bei ihren Bemühungen, aus den vielen versteckten Hinweisen, die sie finden, Aufschlüsse über die Identität und die Beweggründe des Killers zu erhalten. Und erleben, dazwischen geschnitten, die Taten des Killers, und sehen die Welt auch ein paar mal kurz aus seiner Sicht (was von der Inszenierung her das spannendste ist).

Das ganze ist, wie gesagt, anfangs sehr spannend in Szene gesetzt. Verwandelt sich aber nach kurzer Zeit in einen derart unspekatulären, unausgereiften, unbedeutenden Streifen, daß ich nicht mal mehr Lust habe, hier ausführlich zu beschreiben, was denn alles verhindert, daß dieser Film einen fesselt. Jedenfalls ist der Film vollgepackt mit schwachbrüstigen, pseudo-psychologischen Erklärungen für das Handeln des Killers, absolut unglaubwürdigen Verhaltensweisen sämtlicher Figuren, Klischees bzgl. Handeln und Persönlichkeit der Figuren sowie diversen Unklarheiten im Handlungsverlauf. Und Fehlern im Bereich "Logik".

Was den Film vor dem völligen Verriß rettet, ist der gutgemachte, experimentierfreudige und spannende Anfang, sind ein paar blutige Szenen, sind wenige gute Ideen im visuellen Bereich (fast ausnahmslos im ersten Filmdrittel angesiedelt), ist ein ganz brauchbarer Soundtrack. Insgesamt aber kann ALMOST BLUE nicht fesseln, führt mehrfach zu kräftigem an-die-Stirn-Schlagen beim Betrachter, wird mit immer längerer Laufzeit immer ärgerlicher. Gerade, weil er so gut anfing.

Gesamturteil: Chance vertan, im Unerheblichen gelandet.
todaystomorrow
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

14.08.2002, 02:28




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Eraserhead
Lari-Fari
Barrett
XhellbroX
Kommentar von Eraserhead :
So ein Schrott! Was für ein Scheiß?! Und wegen solchen Müll wurde uns dies Jahr eine Hommage vorenthalten...Unwürdig weiter noch darüber zu schreiben.
15.08.2002, 17:04

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