The Angel

Babyface Killah

von Leimbacher-Mario
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Ein Gangster- und Serienmörderporträt - so schön wie verstörend, so unterhaltsam wie abschreckend, so aufwühlend wie unterkühlt. Einer von Argentiniens berühmtesten und jüngsten (!) und hübschesten (!!) Straftätern - Carlos Rubledo Puch. Morde und Diebstähle in zweistelliger Höhe (und das, bevor er mit 20 gefasst wurde!), eine unfassbare Einstellung zum Leben und dem Wert von diesem. Instinktiv böse? Verrückt? Unbedacht? Dumm? Schön blöd? Einfach nur ein Gangster? All das und noch viel mehr. Im Endeffekt ein freiheitsliebender Mensch, dem man allerdings in seinem Leben nicht begegnen will. Egal wie nett er auch anzusehen gewesen sein mag...

"El Angel" ist optisch sehr gelungen, fast wie sein Protagonist. Doch anders als dieser ist der Film auch innerlich ansehnlich und interessant. Obwohl Letzteres natürlich auch wieder auf den schmächtigen, engelsgleich gelockten Carlitos zutrifft... Besonders im Gedächtnis bleiben mir die Darsteller, vor allem ein alles überragender Lorenzo Ferro (vielleicht in der Rolle seines Lebens!) als Hauptattraktion, und der sehr gelungene, groovige Soundtrack mit einigen südamerikanischen Versionen berühmter Hits. Außerdem bleibt hängen, dass Freiheit und Lust zu leben zwar kostbar und erstrebenswert sind, diese jedoch niemals solche tödlichen, psychopathischen und menschenverachtenden Züge annehmen sollten. Die Balance zwischen Entertainment und Abschreckung, zwischen Anziehung und Schock, zwischen Mythos und Fakten hält "El Angel" lobenswert. Am Ende bleiben dennoch viele Fragezeichen und viel Ratlosigkeit über Motive, Beweggründe und seine Denke. Doch ist das bei einem solchen Menschen nicht ganz normal?

Fazit: Stilsicher, mit viel tollem Zeitkolorit und einem erschreckend guten Hauptdarsteller, der sich wie eine rasante Mischung aus Todesengel, Spasssuchti und unbedarftem Kind durch Argentinien stiehlt und tötet. Wenn das Leben nur ein Spiel ist... Egoistisch, verrückt, gefährlich. "El Angel" ist ein guter Serienkillerthriller, der wenig beschönigt, obwohl er durchaus viel Spaß machen kann. Aber man muss ehrlich sein: in der Welt der Killer und Gangster gibt es noch wesentlich interessantere Figuren und dazugehörige Filme...
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

15.04.2019, 16:24


Bübchen has a gun

von Alexander
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Als Film über einen Serienkiller angekündigt, entpuppte sich „The Angel“ mehr als die Geschichte eines soziopathischen jungen Mannes, der eine innige Liebe zu Schusswaffen entwickelt und eigentlich mehr darauf fixiert ist, Menschen auszurauben, als primäres Interesse daran zu haben, ihnen das Leben zu nehmen.

Für mich war das jedenfalls kein „echter“ Serienkiller-Film in der Tradition von Werken über Sadisten, denen es ums Töten geht. Noch dazu wirkte der blonde Bub fast komisch, es war fast ein bizarres Vergnügen ihm dabei zuzuschauen, wie er seine banalen Tage mit irgendwelchen Losern und dem herumgespiele an großkalibrigen Waffen vertrödelte und dabei genauso gelangweilt wirkte, wie er auch mich zu langweilen wusste. Schrecken jedenfalls erzeugte er bei mir nicht. Das harmloseste kleine Serienkiller-Bübchen das bislang die Leinwand erblickte, würde ich sagen.

Ohne besondere Höhepunkte oder wirkliche Überraschungen schleppt sich dann auch die Geschichte durch recht lange 2 Stunden dahin, ermüdet häufig eher als zu fesseln, wenn es auch einige recht unterhaltsame Szenen gibt, die ich aber eher einem Sozialdrama und stellenweise einer schwarzen Komödie zugeordnet hätte, als einem Thriller über „Argentiniens berüchtigtsten Serienmörder“.

Zugegeben, die Geschichte versprüht ein gewisses Flair in teils coolen Bildern, mit 70er Jahre Feeling und passendem Soundtrack. Insgesamt hinterließ der Film bei mir aber keinen sehr lange nachhallenden Eindruck und dürfte im Laufe der Zeit in der Erinnerung allmählich verblassen.
Alexander

25.04.2019, 15:56


Kühles Blondes

von Herr_Kees
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Die Faszination der Filmemacher für diesen Jungkriminellen aus ordentlichem Hause ist nachvollziehbar: Carlitos irrationale Entscheidungen und impulsive Reaktionen lassen auf eine gestörte Psyche schließen, insbesondere, da das Babyface des Darstellers keinerlei Rückschlüsse auf dessen Innenleben zulässt.

Doch Lorenzo Ferro ist kein Michael Rooker und auch kein Christian Bale, die Faszination der Figur vermag sich im Film nicht auf den Zuschauer übertragen, man bleibt von den Geschehnissen ähnlich unberührt wie der Protagonist. Ist der Junge ein Soziopath oder ist er zu Gefühlen fähig? Ist er schwul, hetero oder bi? Bedeuten ihm die Menschen um ihn herum etwas? Oder zumindest die Musik, zu der er tanzt?

Der Film wirft mehr Fragen auf, als dass er versucht wäre, Antworten zu finden. Das ist an sich nicht verkehrt, etwas mehr Zuschauerführung wäre hier jedoch wünschenswert gewesen, um dem Ganzen mehr abzugewinnen als ein wenig im gelungen eingefangenen Zeitkolorit der 70er in Argentinien herumzumäandern.
Herr_Kees

30.07.2019, 19:05




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