von Fans für Fans

Antibirth

Drooooooooogen!

von Lovecraft
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Sehr skurriler Indie-Horror-Trash um eine Asi-Putzfrau, die nach einem Partybesuch ungewollt schwanger wird und am Ende getrennt voneinander Kopf und dann Körper des Monsters der schwarzen Lagune zur Welt bringt.

"Antibirth" ist in erster Linie eine Charakterstudie der wunderbar schrägen Hauptdarstellerin Natasha Lyonne mit eher gelegentlichen Horroreinschüben, was sich erst zum abgedrehten Finale hin ändert.

Zwar ist der Streifen nicht sonderlich spannend, allein schon dank der permanent vollgedröhnten Antiheldin und ihrer rotzigen Attitüde trotzdem ziemlich unterhaltsam. Insgesamt wohl Geschmackssache.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar, Berlin

01.09.2016, 11:53


Mit freundlicher Unterstützung der Pro Familia

von Herr_Kees
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Vergewaltigung, unbefleckte Empfängnis, Militärexperiment, Alienentführung oder alles nur Einbildung? So lange ANTIBIRTH den Zuschauer noch im Unklaren lässt und sich auf die Darstellung des abgefuckten Umfelds seiner Darsteller konzentriert, ist der Film auf ungewöhnliche und leicht weirde Weise interessant. Dazu trägt insbesondere Natasha Lyonne bei, die hier quasi ihren Charakter aus OITNB weiterspielt und bei ihrem permanenten High-Dämmerzustand wohl auch aus eigenen Lebenserfahrungen schöpfen kann. Wenn gegen Ende dann aus White Trash reiner Trash wird, hat man allerdings den Eindruck, plötzlich einen ganz anderen Film zu sehen, der sicher auch ganz nett gewesen wäre, hier aber leider die mühsam aufgebaute Atmosphäre zunichte macht.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

03.09.2016, 13:58


Lucy In The Sky With Aliens

von Leimbacher-Mario
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Umso mehr Drogen man konsumiert hat, umso abgespaceter & wirkungsvoller wird "Antibirth" - aber das gilt ja eigentlich für jeden Film. Doch hier ist es fast Zwang, denn "Antibirth" ist nüchtern betrachtet ein ziemlich mieser Film. Diese unter Blackout-Umständen entstandene Schwangerschaft eines Drogenjunkies ist ein ganz zähes Vergnügen - die finale Entbindung ist cool, trashig & vollkommen over-the-top, alles vorher ist vertane Zeit. Selbst gratis gestreamt ist der eigentlich nicht zu empfehlen - kein Horror, keine Komödie & sogar zu wenig LSD-Traumsequenzen. Nein, das war nichts & einer der Tiefpunkte des diesjährigen FFF.

Die aus American Pie bekannte Hauptdarstellerin macht ihre Sache ordentlich & selten hat man eine schwangere White-Trash-Frau so exzessiv Drogen konsumieren sehen - was nicht heißt, die ersten 80 Minuten dieses Langweilers sind der Rede wert. Da weiß man kaum, was man in seinem Review schreiben soll, so belanglos & leer ist dieser Film. Auch ziellos & aussagelos für mich. Ein talentfreier Film. Das Ende wirkt wahrscheinlich sogar nur ganz unterhaltsam, weil es so wenig zum Rest des Films passt & dieser eben so extrem spannungsarm ist.

Für Schwangere ist er nichts, doch auch die sind bis zum Finale wahrscheinlich schon weggeschnarcht. Zum Glück lief der auf dem Fantasy Filmfest als erster Film des Tages, sonst wären auch meine Augen zugefallen. Ein unverständliches Wunder, warum diese auf fast jeder Ebene enttäuschende Indie-Geburtshilfe überall auf der Welt auf Festivals gespielt wird. So schlecht, dass er dadurch gut oder Kult werden könnte, ist er nämlich dann auch wieder nicht. Mystery, Surrealismus, Sex, Aliens, Lynchismus - alles nur halb aufgedreht & ungeschickt, ungleichmäßig angestubst. Kein Empfehlungsschreiben des Regisseurs für weitere Aufträge im Horrorgenre. In keinem Genre.

Fazit: eine der schlimmsten Schwangerschaften - nicht nur für die Protagonistin. Ziemlich zähe Drogenparade & Anti-Baby-Werbung, bei der sich das Warten auf das nochmal trashig aufdrehende Ende zieht wie eine 30-stündige Entbindung - nur langweiliger & blutärmer!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

05.09.2016, 03:00


Wirrer Trip à la Cronenberg mit toller Hauptdarstellerin

von ArthurA
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Mit seinem Spielfilm-Debüt Antibirth hat Experimentalregisseur Danny Perez einen wilden Genremix abgeliefert, der sich irgendwo zwischen der Surrealität eines bunteren David Lynchs, der Trash-Note von Gregg Araki und dem Body Horror von David Cronenberg bewegt. Erinnerungen werden insbesondere an Cronenbergs Die Brut wach und ähnlich wie schon der Cronenberg-Verschnitt Bite letztes Jahr, enthält auch Antibirth eine ordentliche Dosis ekliger Momente, wenn Lou eine überdimensionale Blase an ihrem Fuß aufschneidet, sich Hautfetzen vom Hals abzieht oder einen Zahn aus dem Mund zieht. Das Problem des Films besteht darin, dass er die zahlreichen Verweise auf seine Vorbilder recht ziellos einsetzt. Antibirth ist wie ein halluzinogener Drogentrip, jedoch kein besonders guter oder schlechter. Man erlebt weder ein wirklich unter die Haut gehendes Horrorszenario, noch die Ekstase von einem Rausch, sondern der Film dümpelt kryptisch durch einen dunstigen Plot-Nebel vor sich hin, wirft hier und da Fragen auf, greift einige Handlungsstränge auf und lässt sie wieder fallen, und kulminiert schließlich in einem brutalen Over-the-Top-Finale, bei dem sich zumindest die Makeup-Künstler ordentlich austoben durften. Letztlich ist der Film aber zu sehr damit beschäftigt, sich weder auf ein Genre noch auf eine Geschichte noch auf einen durchgehenden Stil festzulegen, um die Aufmerksamkeit der Zuschauer wirklich zu fesseln.

Es wäre gelogen zu behaupten, dass der Film nicht auch seine Reize hätte. Diese gehen hauptsächlich von Natasha Lyonne aus. Die "Orange is the New Black"-Darstellerin, die man nur selten in Hauptrollen sieht, fasziniert ungemein als Lou, die ihrem selbstdestruktiven Lebensstil auf Teufel komm raus frönt. Der Charakter bemüht sich nie um die Sympathie der Zuschauer, durchlebt auch keine mirakulöse Wandlung während des Films, sondern lässt sich durch ihr verrücktes und eigentlich schon längst aufgegebenes Leben treiben. Es ist, wie einem Autounfall in Zeitlupe zuzusehen: schrecklich, aber man kann die Augen nicht abwenden.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

07.09.2016, 16:01


"I love to piss!"

von todaystomorrow
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Über seine erste halbe Stunde hinweg ist ANTIBIRTH grandios unterhaltsam. Die zelebriert nämlich einzig Natasha Lyonne als Lou, eine Extrem-Variante ihrer ORANGE IS THE NEW BLACK-Figur, und es ist ein wahres Fest, ihr beim Saufen, Drogen nehmen, Herumpöbeln und ganz generell ein assiges Dasein genießen zuzusehen. Außerdem haut sie ein paar echte Killer-Lines raus. Man beachte nur den Titel dieses Reviews. Aber nicht nur sie macht ihre Sache gut: auch die immer wunderbare Chloë Sevigny als ihre beste Freundin Sadie (die wiederum Sevignys White-Trash-Figur aus BLOODLINE ähnelt) und später, in geringeren Anteilen, Meg Tilly als alternde Esoterikerin Lorna spielen glänzend auf.

Diese Darstellerleistungen machen ANTIBIRTH alleine fast zu einem sehenswerten Film: hier sind einfach Profis am Werk, denen man die Spielfreude anmerkt und die einen keine Sekunde zweifeln lassen, dass es sich bei ihren seltsamen Figuren um "echte Menschen" handelt. Leider kann das Drehbuch da aber nicht ganz mithalten: Es erzählt seine 100%ige B-Movie-Story um experimentelle Drogen, finstere Geschäfte mit ihnen und haarsträubende Folgen ihrer Konsumption auf äußerst konfuse Weise, verliert zwischenzeitlich komplett den Fokus und lässt einzelne Figuren dann aus heiterem Himmel Dinge sagen und tun, die durch nichts motiviert – und dadurch völlig unglaubwürdig – wirken. Das Finale dann ist immerhin schön konsequent. Man hätte dorthin aber auch auf spannungsvollere, zumindest aber zielstrebigere Weise kommen können. Zwischendurch passiert hier nämlich nicht sonderlich viel, und irgendwann hat man sich an der Inszenierung der gesellschaftlichen Außenseiter-Abgründe auch etwas sattgesehen.

Für Fans von Ekel- und Body-Horror hat der Film dafür einiges zu bieten, von deformierten Gesichtern bis verfaulenden Extremitäten werden diverse unappetitliche Momente eingestreut. Schwangerschaften sind ja ohnehin nicht gerade die "leckerste" Sache auf Erden, diese hier geht aber vor allem im letzten Drittel wirklich ans Eingemachte.

Ein bisschen sehr planlos, wie bekifft inszenierte Trash-Story im noch trashigeren Umfeld, mit passendem Soundtrack unter anderem von DEAD MOON und SUICIDE versehen sowie klasse gespielt: Ich hätte ANTIBIRTH gern besser gefunden, richtig unterhaltsam ist er aber leider nur streckenweise. 5 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

09.09.2016, 06:10


Grotesk & Kaputt

von Alexander
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Aus „Antibirth“ hätte man ohne weiteres eine Kurzfilmfolge für die Akte-X Reihe machen können, die krachende und wirklich unerwartete Pointe der skurrilen Geschichte würde zu der Reihe passen und die relativ dünne Story wäre ohne große Verluste auf 45 Minuten zu straffen gewesen, machte mir wegen ihrer absoluten Unvorhersehbarkeit und der mit viel Liebe zum Detail produzierten, stimmungsvollen Erzählung aber auch so in der gesamten Länge Spaß.

Dabei ist die erste Hälfte von „Antibirth“ vollgepackt mit ausgesprochen unterhaltsamen One-linern und grotesken Szenen mitten aus einem auf die Spitze getriebenen Whitetrash-Szenario, das ich in dieser Form im Kino noch nicht erleben durfte.

Wie die von Natasha Lyonne sensationell verkörperte Junkiebraut Lou durch ihren Drogennebel driftet und sich dabei zugerichtet und verlottert dem Konsum hingibt, ist auch aufgrund der zahllosen zum brüllen komischen Statements hochgradig unterhaltsam und war trotz der Geschichte anhaftenden Dramatik für viele Lacher gut.

Mit der Zeit wandelt sich „Antibirth“ aber in ein seltsames Ekelpaket, das gegen Ende immer mehr an den 80er-Jahre-Trash „X-Tro“ erinnert, und einen mehr als nur stabilen Magen vom Betrachter erfordert, damit ihm das Popcorn nicht gleich wieder hochkommt.

So bleiben die Lacher dann auch zusehends auf der Strecke und die bizarre Geschichte gipfelt in einem vollkommen unvorhersehbaren, grotesken Ende, das uns Zuschauer mit offenem Mund im Kinosessel zurücklässt, mit seinem abrupten Schluß jedoch riskiert, für so Manchen zur Totgeburt zu werden.

Außergewöhnlich und grenzsprengend? Ja, die Beschreibung im Programmheft passt und der Film ist, als unprätentiöses FFF-Fastfood genossen, einer der für mich unterhaltsamsten und besten Indie-Beiträge in diesem Jahr.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

09.09.2016, 12:44




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