von Fans für Fans

Backyard

Review

von Francis
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Beklemmend und eindringlich - so sagt es schon das FFF Programmheft - ist dieser Film.
Hier geht es nicht um spektakuläre Bilder, sondern um echte Realität an der amerikanisch-mexikanischen Grenze. In den letzten zehn Jahren sind dort mehr als tausend Frauen als vermisst gemeldet. Das heißt 2 pro Woche! Auch die Statistik getöteter Frauen wegen Sexualverbrechen zeigt ein grausames Bild: Mehrere hundert Frauen werden pro Jahr am Rand der Stadt gefunden.
Eine junge Polizistin wird nach Ciudad Juárez versetzt, um sich einem dieser Fälle anzunehmen. Je mehr sie ermittelt, desto tiefer gerät sie in den Strudel aus Willkür und Beamtenfilz sowie einer patriarchalen Welt, die nachwirkender nicht hätte inszeniert werden können.
Francis
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin - Original-Review

26.08.2010, 16:17


Frauen gut, Männer böse

von FFFler
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Einer der Downer des diesjährigen Fantasy Filmfests. Der mexikanische Oscarbeitrag Backyard zeigt die wahre Geschichte über eine Region in der jährlich zig Frauen entführt, vergewaltigt und ermordet in der Ödnis wieder zurückgelassen werden. Dabei geht der Film konsequent zur Sache, ist nie beschönigend und hat zudem auch gute Darstellerleistungen zu bieten. Sehr interessant auch der Einblick, dass scheinbar nur der weiblichen Bevölkerung etwas an einer Änderung der Situation liegt, während die männlichen Wesen das Ganze mehr oder weniger als gegeben hinnehmen. Zwar schleichen sich immer wieder ein paar dramaturgische Schwächen ein, aber wer sich von einem Film gerne herunterziehen lässt, der ist hier definitiv an der richtigen Adresse.
FFFler
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin

04.09.2010, 14:39


Review

von Alan Smithee
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In den letzten Jahren gab es immer wieder Filme, die eigentlich nicht ins "klassische" Fantasy Filmfest Programm passen, mit ihrer Mischung aus Fakten und Fiktion aber noch lange nachwirken: 2008 war dies "Waltz with Bashir", 2009 "Blood Brothers" und in diesem Jahr nun "Backyard". Ich persönlich hoffe sehr, dass solche Filme auch in den kommenden Jahren ihren festen Platz auf dem FFF haben werden.

"Backyard" handelt von den weitgehend immer noch ungelösten Frauenmorden in der nordmexikanischen Stadt Ciudad Juárez, die seit Jahren im Fokus sachlicher Berichterstattungen wie auch wilder Spekulationen stehen. Bei den Opfern der Sexualdelikte handelt es sich meist um Mädchen und Frauen im Alter von 12 bis 22 Jahren, der Großteil davon zu Niedriglöhnen angestellte Maquiladora-Arbeiterinnen. Die örtlichen Behörden gehen offiziell von etwa 400 Opfern seit 1993 aus, Ortsansässige aufgrund der hohen Zahl immer noch Vermisster hingeben von über 5000.
Der Film folgt den Ermittlungen der Polizistin Blanca, die von Ana de la Reguera wirklich sehr eindrucksvoll verkörpert wird, und entwirft dabei ein Schreckensszenario, in dem die Rollen aller Beteiligten ausgeleuchtet werden. Beachtlich ist aus meiner Sicht, wie sehr man sich darum bemüht hat, ein ausgewogenes (mögliches) Bild der Gesamtsituation zu zeichnen, das sowohl Fakten als auch Gerüchte mit einbezieht und weitgehend auf eine einseitige Darstellung der Figuren verzichtet. Beispielsweise äußert sich der Gouverneur der Stadt in einer Szene sehr zynisch über die Negativwirkung der Medienberichterstattung auf den Tourismus, wird andererseits aber auch als Mann gezeichnet, der sich täglich im Spannungsfeld zwischen moralischen Erwägungen und der maroden Haushaltslage sowie finanziellen Interessen internationaler Investoren behaupten muss.
Insgesamt entsteht so der traurige Eindruck, dass in Ciudad Juárez viele Faktoren zusammentreffen, die die Morde auf eine fatale Weise begünstigen. Ebenfalls angesprochen wird im Film die Problematik, dass sich die Behörden in erster Linie auf die zahlreicheren Morde im Zuge von Drogen- und Waffendelikten konzentrieren, denen ebenfalls kaum beizukommen ist. Um so wichtiger erscheint es da, dass es engagierte Berichterstatter und Filme wie "Backyard" gibt, die verhindern, dass "Las muertas de Juárez" in Vergessenheit geraten, zumal die Todesstatistiken am Ende des Filmes eindringlich zeigen, dass Frauenmorde auch in vielen anderen Städten Mexikos ein kontinuierlich wachsendes Problem darstellen.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

08.09.2010, 19:01


Review

von Lovecraft
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Am meisten beeindruckt der Abspann: Wenn in nüchternen, aber nahezu unfaßbaren Zahlen die Statistiken über verschwundene und ermordete Frauen in Mittel- und Südamerika auf der Leinwand erscheinen, herrscht im Kinosaal betretenes Schweigen.

Doch auch der Film an sich beeindruckt: Zum einen wird uns enorm facettenreich der tägliche Kampf der jungen, idealistischen Polizistin Blanca gegen den mordenden Irrsinn und das Konstrukt aus Hilflosigkeit, Wegschauen und Gleichgültigkeit, das weite Teile von Bezirksregierung und Polizei lahm legt, vorgeführt. Dann gibt es noch die Parallelhandlung von Margara, einem jungen, naiven Ding aus der Provinz, das in der Grenzstadt zum gelobten Land (i.e. USA) sein Glück sucht. Dass die Hoffnungen der von Amorita Rasgado mit einer umwerfenden Natürlichkeit verkörperten jungen Frau zum Scheitern verurteilt sind, vermutet der Zuschauer von Beginn an. Trotzdem kann man sich, je weiter die Handlung fortschreitet, letztlich ein Schlucken nicht verkneifen.

Backyard will gleichzeitig beklemmen und aufrütteln - und das gelingt ihm, trotz kleinerer dramaturgischer Schwächen mühelos.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin

11.09.2010, 19:45




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