Bad Hair

Die Frisur flitzt

von Leimbacher-Mario
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Extensions des Todes gibt's in „Bad Hair“, einem Black Cinema Kultur- und Trashfest, das eigentlich viel mehr als „nur“ das ist. Vor allem in Sachen Trash kommt man meiner Meinung nach nicht ansatzweise wie zu erwarten war auf seine Kosten. Und das hat Vor- wie Nachteile. Angesiedelt in den auslaufenden 80ern, in der Hochzeit der MTV-Ära, in den Beginnen von Hip-Hop und modernem RnB-Pop, laufen die künstlichen Haare einer jungen Afroamerikanerin in einer oberflächlichen und schnelllebigen Musikanstalt Amok…

Schnell könnte man bei „Bad Hair“ sowas wie „Slaxxx“, „Killer Sofa“ oder „Death Bed“ erwarten. Doch dem ist (zum Glück) nicht so. Viel mehr geht's in eine Kreuzung aus „In Fabric“, Jordan Peele, „Starry Eyes“ und „The Stylist“. Der hochwertige Hulu-Look und die beeindruckende Aura-Aufnahme dieser bunten Zeit sind mehr als beeindruckend. Die Looks, die Designs, die Ausstattung, die Songs. Natürlich auch die Frisuren. Alles spot on und beeindruckend. Eye Candy in geil bis trashig. Aber nie langweilig. In Sachen Geschichte ist's Magerquark, in Sachen Gesellschafts- und Kulturkritik nimmt man sich erstaunlich ernst, man versucht zumindest wunde Punkte anzusprechen und etwas zu sagen. Der schwarze Blickwinkel wirkt authentisch und plastisch, die schwarzen Themen, Probleme und Mythen wirken fresh. Manchmal kommen fast etwas J-Horror- oder Asia-Fantasy-Horror-Vibes à la „A Chinese Ghost Story“ auf. Ich mag auch sehr den körnigen Look dieses versmoggten Los Angeles'. Inhaltlich bzw. storytechnisch wirklich dünn, dazu mit einigen sehr mäßigen und einen als Zuschauer herausziehenden Effekten. Plus natürlich mit viel weniger Lachern und Kills als man hätte erwarten können. Und meiner Meinung nach mindestens 10 Minuten zu viel auf der Uhr. Aber im Endeffekt definitiv mit starken, bleibenden und grotesk-chicen Punkten. Erst recht wenn man in dieser Zeit groß geworden ist.

Fazit: Herrlich-haarig und genauso schwarz wie bunt. So geht (nur auf den ersten Blick) „trashiges“ Horrorkino. Aber natürlich keinen Gamechanger, keinen „Get Out“ erwarten. Im Gegensatz zu Jeans oder Sofas jedoch ein welliger Wirkungstreffer. Gut geföhnter Bierfilm mit erstaunlichem Anspruch und massig Stylepunkten. Aber auch Hängern.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

26.06.2021, 01:30




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