von Fans für Fans

Bedevilled

Irrsinn auf dem Eiland

von Lovecraft
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Misshandlung, Vergewaltigung, ständige Demütigung: Unfassbar hart ist das Leben für Bok-Nam in ihrer abgeschiedenen Inselgemeinde. Aber all das trägt sie ohne Widerspruch, liegt ihre ganze Hoffnung doch in dem anstehenden Besuch ihrer Kindheitsfreundin, bei der sie mit herzergreifenden Briefen um Errettung und Hilfe bei der geplanten Flucht nach Seoul fleht. Leider ist Hae-Won keinesfalls die Ritterin in der schimmernden Rüstung, sondern - wie die ersten Filmminuten eindrucksvoll zeigen - ein herzloses, gleichgültiges Miststück, die sich keinesfalls tatkräftig in die Belange der Insulaner einmischen, sondern stattdessen nur ein paar erholsame Urlaubstage verbringen will. So ihrer letzten Hoffnung beraubt, verliert Bok-Nam noch die letzten Reisschüsseln im Regal...

Wow, was für ein Brett: "Bedevilled" ist harte Kost. Nach der bösen Exposition (Sam Raimi grüßt aus der Ferne mit "Drag me to hell") baut sich das Drama in sonnendurchfluteten Bildern eher ruhig auf, wobei einen das leicht an "Dogville" erinnernde Schicksal der ewig lächelnden und bemühten Bok-Nam zutiefst berührt. Umso emotionaler treffen uns dann die späten Gewaltausbrüche, bei denen die Blutbäche in Strömen fließen. Wie schon vor einigen Jahren bei "To Sir with love" kennt auch dieser Koreaner keine Zurückhaltung und verdient ebenso eine klare Empfehlung.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin

20.08.2010, 08:33


Bohnenpüree hilft!

von T-Killa
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Hier zeigt sich mal wieder beste südkoreanische Filmkunst!

Eine gestresste Bänkerin fährt zum Ausspannen auf eine kleine Insel, wo früher ihr Großvater ein Haus hatte. Dort wohnen neben einer Freundin aus Jugendtagen samt Kind, Ehemann und Schwager nur alte Frauen und ein alter Mann. Da auf dem rückständigen Dorf der Fortschritt nicht angekommen ist, sind die alten Bewohner auf Manneskraft angewiesen. Daher hat sich ein extrem konservatives Patriarchat gefestigt, bei dem der Ehemann und der Schwager - eigentlich Taugenichts und Tunichtgut - wie Paschas hofiert werden. Die Freundin wird nicht nur von den beiden Männern erniedrigt und geschunden, sondern die alten Bewohner heißen dies noch gut und geben ihr für alles die Schuld. Die Bänkerin erkennt zwar die Zwangslage ihrer Freundin, doch sie will und kann ihr nicht helfen. Bis es gegen Ende eskaliert.

Der Film birgt harten Tobak! Ganz ruhig nimmt er sich Zeit, die Charaktere und Hintergründe auszuleuchten. Dem Zuschauer bleibt eigentlich nur das hilfslose Mitansehen und Mitleiden. Je länger der Film andauert, desto mehr Mitleid und Bedauern empfindet man für die arme Frau. Dann bringt ein letzter Tropfen nicht etwa nur ein Fass zum überlaufen, vielmehr brechen die Niagarafälle durch! Es fließt literweise Blut! Doch auch dabei wird der Film nie hektisch, was ihn dann auch so verstörend macht.

Aber Bohnenpüree hilft...
T-Killa
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin

21.08.2010, 01:46


Vertreibung aus dem Paradies

von GeorgeKaplan
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Die einsame, paradisische Insel soll für die hübsche, aber ziemlich gestresste Bankerin aus Seoul eine Zuflucht sein, hier ist sie geboren, hier gibt es Ruhe. Womit sie nicht gerechnet hat: Die Zeit ist auf der Insel stehen geblieben und bleibt in Zement gegossen. Die Inselältesten geben das Patriarch an ihre Söhne weiter, Mädchen werden nicht zur Schule geschickt, Ehefrauen sind keine Menschen, sondern bloße Arbeitskraft und nach Feierabend Vergnügen.

Während die Frau aus Seoul so gut wie es geht dennoch ihren Urlaub verbringen möchte, durchlebt ihre alte Freundin die Hölle auf Erden. Sie wird getreten, geschlagen, Widerworte werden brutal geahndet. Und dennoch erhält sie ihre Lebensfreude und hofft auf Beistand, vielleicht auch auf Flucht mit ihrer Freundin. Die jedoch denkt gar nicht darant, sich irgendwie einzumischem. Doch irgendwann ist jedes Fass voll, irgendwann hat jede Erniedrigung ein Ende. Eine Furie bricht aus ihr heraus, all die aufgestauten Gefühle entladen sich.

BEDEVILLED ist, wie Lovecraft so schön sagte, ein "Brett", und zwar ein hartes. Kein einfacher Rape-and-Revenge-Film, dazu sind die Darstellerinnen einfach viel zu gut. Selten konnte man sich so gut in die Opferrolle reinversetzen, mitfühlen. Erst dadurch bekommt der Film eine Kraft, die weit über die Möglichkeiten hinausgeht, die die Story vorsieht. BEDEVILLED ist darüber hinaus auch differenzierender, denn es gibt nicht nur Täter, es gibt auch Menschen, die zulassen, dass es soweit kommt.

Darüber hinaus zeigt BEDEVILLED, welche Auswirkungen das Verharren in jahrhunderteralter Traditionen hat. Wenn sich die Menschen durch die Neuzeit bedroht fühlen, anstatt die Möglichkeiten des Fortschrittes anzunehmen, verteufeln sie lieber das Denken. Die Konsequenzen sind nicht weniger als der eigene Untergang.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

29.08.2010, 13:32


Eine Insel....

von Zombie
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... wunderschön für Urlaub!

Oder nicht?
Gezeigt wird uns eine schöne Landschaft, die geradezu zum Erholen einlädt! Wären da nicht die Einheimischen, die scheinbar ca. 150 Jahre in der Vergangenheit stecken geblieben sind.

Die alten Frauen haben das Zepter in der Hand, die potente männliche Bevölkerung wird von ihnen unterstützt und so können sie mit der einzigen jungen Frau und dem Kind tun, was sie wollen.

Käme da nicht plötzlich eine "Ehemalige" auf Urlaub. Aus der Stadt aufs Land, Erholung pur! - FALSCH!

Die Stimmung kippt für die Städterin schnell! Brutal werden wir von einer Szene in die nächste geworfen. Uns werden Handlungen gezeigt, von denen wir zwar ahnen, dass sie auf dem platten Land in Asien an der Tagesordnung sind, aber wirklich wissen wollten wir davon nichts.

Der Film, je weiter er sich dem Ende zuneigt, wird rot und röter, flüssig und flüssiger und der Lebenssaft sprudelt nur so aus den Dörflern heraus. Doch wer ist Schuld? Wer ist verantwortlich? Wer hat hier zu gewinnen und wer wird noch böse überrascht?

Vor allem der Zuschauer!

Fazit: wer Blut und verstörende Filme mag, sollte sich Bedevilled nicht entgehen lassen!
Zombie
sah diesen Film im Cinestar 7, Berlin

29.08.2010, 18:19


Zwischen großem Drama und Trash

von todaystomorrow
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Ich bin von diesem Film leider nicht ganz so begeistert wie meine Mitrezensenten. Zwar hat "Bedevilled" ohne Frage eine großartige dramaturgische Wucht und kann den Zuschauer stellenweise tief bewegen. Aber sämtliche Charaktere sind leider viel zu eindimensional gezeichnet, um wirkliche Glaubwürdigkeit zu erzeugen. Von der urlaubsbedürftigen Großstädterin, die uns als komplett herzlose, eiskalte Bitch präsentiert wird, über ihre alte Freundin, das arme leidensfähige Opfer, bis zu den weiteren Inselbewohnern, die ohne Ausnahme moralisch zurückgeblieben, brutal und skrupellos sind - das lässt sich nur schwer ernst nehmen. Dass "Bedevilled" dennoch fesseln kann, liegt am langsamen, sicheren Aufbau des Dramas, der die Anspannung graduell steigert, bis die Situation explodieren muss...

In erster Linie ist der Film ein Sozialdrama um häusliche Gewalt, die (Selbst-)Erniedrigung von Frauen und patriarchalische Herrschaftssysteme. Hineingemischt werden Themen wie Freundschaft und Verrat, das Ausgeliefertsein an eine feindlich gesinnte Gesellschaft sowie die vorgebliche (?) Machtlosigkeit des Einzelnen ihr gegenüber bzw. die Unmöglichkeit (?) eines Ausbruchs. Bok-Nam, die auf der Insel verbliebene Kindheitsfreundin unserer Großstädterin, erleidet tagein, tagaus unfassbare Demütigungen durch die archaisch strukturierte Dorfgemeinschaft. Als der Besuch aus Seoul nicht die erhoffte Befreiung aus der Notlage zu bringen droht und ihre Situation auf der Insel weiter eskaliert, entlädt sich ihr Leiden in einem Gewaltexzess - der allerdings bei weitem nicht so brachial-blutig ausfällt, wie einige Reviews erwarten lassen. Und der für manche Geschmäcker vielleicht auch etwas zu lange braucht, bis er beginnt. Aber der psychische Terror, dem Bok-Nam vorher ausgesetzt ist, hat eine mindestens ebenso intensive Wirkung auf das Publikum...

Trotz Schwächen bei den Figuren also eigentlich ein beeindruckender Film - wenn da nur das Ende nicht wäre. Da nämlich überdreht die Handlung in einem solchen Maße, dass es fast schon lächerlich wird und ich mich an billige HK-Streifen einer unteren Schublade erinnert fühlte. Ich kann immer noch nicht glauben, dass eine so trashige Auflösung der Story für nötig befunden wurde. Sie beraubt den Film am Ende leider eines großen Teils seiner Seriosität bzw. Ernsthaftigkeit und kostet ihn bei mir mindestens einen Punkt.

Dennoch eine Empfehlung, allerdings sollte man beim Mitleiden mit Bok-Nam ein paar Augen hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Realismus zudrücken. Und über das Ende vielleicht am besten ganz hinwegsehen. 6 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

31.08.2010, 05:57


Point of no return

von lexx
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Brasilien und Fußball, Schottland und Whisky, Süd-Korea und ihre Rachefilme, das ist schon exquisit, was die Koreaner uns hier am laufenden Band vorlegen und Bedevilled macht da keine große Ausnahme. Natürlich kann der Film nicht mit den Regiewunderwerken Park chan-wooks mithalten, verfolgt aber auch einen ganz anderen Weg. Statt moderner, hochstilisierter Pop-Orgien zieht sich Bedevilled in die Provinz Koreas zurück, führt gemächlich alle Charaktere mit ihren zwischenmenschlichen Beziehungen ein und steigert die Spirale der Demütigung und Gewalt bis zum "Point of no return", an dem die Zuneigungen der Zuschauer 100% auf Seiten der geschändeten Person liegen und nur noch darauf warten, bis das Unausweichliche seinen Lauf nimmt, das eigene Dasein keine Gewichtung mehr besitzt und lediglich die Aussicht auf Rache den Willen am Leben erhält.
Bedevilled zeigt dabei nichts Neues, die Charaktere sind stereotyp, die Story ausgelutscht und eindimensional und der Rachfeldzug unspektakulär. Trotzdem entfacht der Film seine Wirkung. In Süd-Korea wird blutige Rache nicht gespielt, sondern zelebriert und gelebt, insbesondere Young-hee Seo legt eine leidenschaftliche Performance hin, die dem Film Seele und Leidenschaft verleiht und für mich zum besten gehört, was das Festival zu bieten hat.
lexx
sah diesen Film im Metropolis 1, Frankfurt

02.09.2010, 09:46


Korea boomt weiter!

von MarxBrother81
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Nach 10 Jahren erfolgreichen Filmessiegeszuges der koreanischen Industrie im Westen, ist ein Abbruch noch nicht vorauszusehen.
Es gab zwar schon einige Mittelmässigkeiten, aber Bedevilled ist auch wieder keine Niete.
Obwohl die Lauflänge ruhig hätte kürzer sein können.
Die Fabel über Gewalt und deren Auswirkung ist man aus anderen Filmen schon gewohnt, aber dieser Thriller-Drama-Horror-Mix ist doch sehr eigen.
Nach 40 Minuten fängt der Film erst an zu rollen, aber dann in einem guten Tempo das stark spannend tendiert.
Das splattrige Finale kommt eher ungewohnt daher, weil der Film ja ein eher japanisch-ruhiges Nebel-Tempo angibt, dann aber in ein koreanisches Gewitter-Inferno umschlägt.

Fazit: darauf einlassen, und geniessen!
MarxBrother81

23.04.2011, 13:55


Koreakino at it's best ...

von FFFler
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Voll auf die Fresse ist das Motto von Bedevilled. Jedoch seien die Gorehounds gleich vorgewarnt: Hier steht klar die ruhig erzählte Geschichte im Vordergrund! Diese handelt von einer auf einer einsamen Insel lebenden jungen Frau, die seit Jahren regelmäßig von ihren Mitmenschen aufs Brutalste misshandelt wird. Aus Liebe und Angst um ihre Tochter erduldet sie das auch über weite Strecken. Neue Hoffnung schöpft sie daraus, dass ihre Jungendfreundin sie besuchen möchte und sie sie eventuell aus dem Sumpf der Gewalt holt. Wie schon erwähnt ist das Regiedebüt von Chul-soo Jang extrem ruhig erzählt; inhaltlich jedoch zerrt dieser emotionale Ritt an den Nerven des Zuschauers, ist er doch geschockt von den Ereignissen und den Entwicklungen auf der Leinwand. Wunderbar kompromisslos und über weite Strecken ohne Hoffnung auf Besserung geht die Geschichte ihren Weg ... bis es so wohl einfach nicht mehr weitergehen kann. Bedevilled ist knallhart, kompromisslos und vor allen Dingen unglaublich gut.
FFFler

23.01.2013, 14:06


Die Unmöglichkeit einer Insel

von Herr_Kees
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Hartes, deprimierendes und auf Dauer auch etwas anstrengendes Unterdrückungsdrama von Kim Ki-Duks Regieassistent Jang Cheol-soo, der sich bei seinem Chef den Nihilismus abgeschaut hat, aber deutlich weniger subtil und souverän inszeniert - psychisch und physisch grausam bis zum äußerst blutigen letzten Akt.
Herr_Kees

11.08.2014, 10:48




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