von Fans für Fans

Black Serenade

Vertraue nie dem Musikanten

von Felix Schweiger
Permalink
In Spanien gibt es die Tradition der Studentenmusiker, einer derer (der dunkle Spielmann) ist ein böser welcher und mordet die schlechten Studenten. Da er eine Maske trägt und auch noch mit den Opfern spielt kann das lustige Mitraten beginnen.

Anleihen und Parallelen zu allen anderen Neo-Slashern (alles von und nach Scream) finden sich zu hauf, mal hier besser mal auch schlechter umgesetzt. Beim mitraten bin ich auch in eine Falle getappt. Fairerweise sollte man sagen, daß die wirklichen Hinweise etwas dünn gestreut werden. Leider kommt irgendwie die grosse Spannung nicht auf, auch das Feurige Finale (teil gut teil schlecht getrixt) lässt einen etwas kalt.

Fazit: leicht überdurchschnittliche Mörderhatz.
Felix Schweiger
sah diesen Film im Cinema, München

01.08.2002, 12:41


Lustige Musikanten

von todaystomorrow
Permalink
Yep, dieser Film ist genau das, was Programmheft und Trailer versprechen: ein Teenie-Slasher der "klassischen" Bauart, mit Anleihen bei SCREAM und Co., was Storyaufbau, Narration und Inszenierung angeht. Wer solche Filme nicht mag, sollte sich BLACK SERENADE nicht ansehen. Er wird ihm nicht gefallen. Wer Slasher dagegen in sein Herz geschlossen hat, dem sei der Film empfohlen. Denn in seinem Subgenre ist er wirklich gelungen, und definitiv überdurchschnittlich.

An einer Uni in Spanien geschehen grausame Morde. Über eine Chatline setzt sich ein mysteriöser Typ, der sich "Tuno Negro" ("Schwarzer Minnesänger") nennt, mit einer Gruppe StudentINNen in Verbindung und zeigt ihnen Aufzeichnungen der Morde, droht ihnen, macht finstere Andeutungen. Offenbar will er die Legende der Schwarzen Minnesänger zum Leben erwecken (ein sektiererischer Geheimbund, der im Mittelalter all jene Minnesänger ermordete, die nicht aus den "richtigen" - armen - Gesellschaftsschichten kamen) - angepaßt an die Umstände der Gegenwart. Und in der Tat wählt er seine Opfer nach einem ganz bestimmten, grausamen Muster aus...

Dieses Muster ist sehr amüsant, und auch wenn es natürlich etwas arg konstruiert erscheint (und der Killer auch ansonsten alle Leute erledigt, die ihm irgendwie in die Quere kommen), wirkt es nicht so verkrampft wie in vielen ähnlichen Filmen (z.B. CHERRY FALLS). Ich weiß nicht, ob die genannte Legende in Spanien wirklich existiert, aber sie gibt dem Film reichlich Gelegenheit zur Beschäftigung mit Folklore und Historischem, inklusive düsterer Settings in einer teils original mittelalterlichen Stadt (Kathedrale usw.). Zwar muß man deshalb des öfteren banjospielende Barden ertragen, aber das ganze ist niemals langsam oder langweilig inszeniert; ständig herrscht Bewegung, liegt Gefahr in der Luft.

Natürlich sind alle SCREAM-Zutaten enthalten: ein Mörder in einer Maske, ein ausuferndes "Wer-ist-der-Killer?"-Spielchen mit vielen falschen Fährten, brutale Morde, sexy Frauen (der Film hat eine erstaunliche Menge erstaunlich offenherziger Erotik bzw. Nacktheit zu bieten!). Dazu eine Hauptdarstellerin, die eine nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit mit Neve Campbell besitzt. Außerdem gibt es hier eine Menge Witze. Im Gegensatz zum typischen Neo-Slasher sind diese aber fast nie selbst- bzw. genre-referentiell, sondern entstehen fast ausschließlich aus der Story heraus. und sind überraschenderweise richtig gut!!! In einigen Momenten erleben wir tatsächlich Situationskomik erster Klasse, und der Saal brüllt vor Lachen. Ohne, daß die Story dadurch weniger ernsthaft und düster wird. Hinzu kommt eine wirklich sehr originelle Auflösung; die es allen Ernstes schafft, innerhalb dieses Subgenres noch einmal eine ganz neue Idee zu bieten.

Eigentlich also wirklich nette Unterhaltung mit einigen Höhepunkten (inlusive einer coolen Hommage an EL DIA DE LA BESTIA), mit guten schauspielerischen Leistungen, viel Fleisch (in jeder Hinsicht); spannungsvoll und mit einigen guten Schock-Szenen versehen. Ein großartiger Film ist das natürlich trotzdem nicht - weil das Erzählmuster einfach schon zu bekannt ist; weil die Figuren viel zu eindimensional sind; weil es ein paar ERHEBLICHE Logikfehler/blödsinnigste Handlungsweisen/durch und durch konstruierte Situationen gibt. Außerdem gibt es Abzüge für die krampfhaft "modernen" Gimmicks (Internet und Co. - wirkt ziemlich aufgesetzt).

Dennoch: macht Spaß, kann man sich ansehen, war für mich eine positive Überraschung. Denn das Ding hier hat Feuer, ist sehr professionell und atmosphärisch stimmig, ist witzig und spannend und (in seinem Rahmen) vergleichsweise originell.

P.S.: Zwei Leute vom deutschen Verleih (Anolis) waren bei der Vorführung anwesend und sagten uns, daß BLACK SERENADE im Dezember 2002 in Deutschland als DVD erscheinen wird. Wer den Film auf dem FFF verpaßt, sollte ihm zumindest dann eine Chance geben.
todaystomorrow
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

15.08.2002, 15:02




Alle Bewertungen im Überblick:
Felix Schweiger
Review zeigen
todaystomorrow
Review zeigen
kalle
TemPelTerRoR
MarxBrother81
XhellbroX
Sephiroth
Kommentar von MarxBrother81 :
Tödlicher Anruf
Spanien im Aufmarsch. Dieses Relikt beweißt es: die alten Stierkämpfer haben's voll drauf.
17.05.2008, 16:53

Weitere Informationen (externe Links):
Unterstütze f3a.net durch einen Kauf bei unseren Partnern:
amazon.de€ 4,99
amazon.com$ 51,99


Der tatsächliche Preis kann abweichen! Preise werden max. stündlich aktualisiert. Markierte Preise sind seit dem letzten Abruf ↓ gesunken oder ↑ gestiegen.
loading