von Fans für Fans

Blade of the Immortal

Hundred Killer

von Herr_Kees
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Als bekannt wurde, dass dies Takashi Miikes 100. Film sein würde, hätte ich ihm auch zugetraut, dass damit "dieses Jahr" gemeint war. In Miikes Filmographie findet sich viel gutes Handwerk, jede Menge Durchschnittsware, einige Gurken und ein paar Meilensteine wie FUDOH, AUDITION oder ICHI. BLADE OF THE IMMORTAL ist eher zwischen den ersten beiden Kategorien angesiedelt. Allzu vieles hier hat man bereits gesehen, die Story erinnert an TRUE GRIT und OKAMI, die Kämpfe sind in Ordnung, aber nichts Besonderes und der Showdown will und will kein Ende finden.

Was Miikes Hundertsten dann doch etwas über den Durchschnitt hebt, sind unter anderem die anachronistisch-futuristischen Kostüme der illustren Killer und der Running Gag, dass Manji ständig seine abgetrennten Gliedmaßen einsammeln muss und dabei entnervt umherstolpert wie Johnny Depps Jack Sparrow.

Überraschend tiefgehend hingegen ist das moralische Dilemma, das der Film aufwirft, wenn die Fronten der scheinbar so simplen Rachegeschichte nach und nach aufweichen und Recht und Unrecht immer unklarer werden.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

09.09.2017, 23:51


Review

von André Hecker
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Kultregisseur Takashi Miike hat sich für seinen 100. Film eine Manga-Verfilmung ausgesucht. Blade of the Immortal handelt von Krieger Manji, der unfreiwillig die Unsterblichkeit erlangt und die getötete Familie eines Mädchens rächt.

Typisch japanisch besteht der Film aus reichlich Overacting, langen Stand-offs und mitunter langwierigen Dialogszenen. Mit knapp 140 Minuten braucht man einiges an Sitzfleisch für dieses Samurai-Epos. Lohnenswert ist es aber allemal, allein das in schwarzweiß gehaltene Opening ist super und es geht ordentlich zur Sache. Wenn Manji sich teilweise durch hunderte Gegner schnetzelt, kommt definitiv Freude beim geneigten Zuschauer auf. Übertrieben brutal und blutig ist der Film für einen Miike aber tatsächlich nicht, man sollte also kein Schlachtfest erwarten. Die Gewalt ist eher realistisch gehalten und auch wenn der Bodycount hoch ist, gibt es keinen Splatter.

Die gesamte Atmosphäre ist dank toller Settings, Kostümen und einem stimmigen Soundtrack sehr dicht. Auch hält der Film sich vom Ablauf her nah an sein Manga-Vorbild, wenn auch im gesamten Film nicht einmal erwähnt wird, dass Manji 1000 böse Menschen töten muss, um sich selbst vom Fluch der Unsterblichkeit zu befreien. Seine Intention ist also eine andere, was dem Verlauf der Story aber nicht schadet.

Bildgewaltig, mitunter sogar ziemlich witzig, vielleicht etwas zu lang, aber dem Stoff ebenbürtig präsentiert Miike mit seinem 100. Film ein wahres Spektakel.
André Hecker
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

13.09.2017, 12:59


Auftragsrächer

von Frank
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Neben SICILIAN GHOST STORY und MARLINA THE MURDERER (JUNGLE folgt direkt danach) reiht sich BLADE OF THE IMMORTAL ein in die Reihe der Filme dieses Jahrgangs mit perfekter Lichtsetzung und überhaupt wunderschön komponierten Bildern von klarer Ästhetik, die für beste Wirkung ZWINGEND die Kinoleinwand brauchen. BLADE setzt außerdem zeitliche Rückblenden in hervorragenden s/w Bildern ein, scharf und detailreich mit gut ausbalancierten Kontrasten. Kampfschauplätze nehmen nicht selten weit aufgezogen die gesamte Leinwand ein, während in Schwertkampf-Nahaufnahmen choreografisch zuweilen ein wenig die Übersicht für das Detail verloren geht. Wirklich schlimm war das aber nicht.

Die Story ist relativ schlicht und glänzt nicht gerade mit großem Einfallsreichtum. RUROUNI KENSHIN war da z. B. komplexer, visuell jedoch weniger hochwertig umgesetzt. Ich kenne den Manga zu BLADE nicht und vermag daher nicht zu sagen, inwieweit Miike von der Vorlage abgewichen ist.

Der Samurai Manji geht stark verwundet und dem Tode nah aus einer Schlacht. Eine Hexe verleiht ihm daraufhin Unsterblichkeit, worauf sich Manji von nun an unfreiwillig mit den lebenserhaltenden Bloodworms in seinem Körper arrangieren muss und ein Leben als Einsiedler führt. Es ist schon bemerkenswert welches Leid man als Unsterblicher durchmacht. Als ihn das kleine Mädchen Rin aufsucht und ihn bittet den Tod ihrer Eltern zu rächen, kämpft Manji für sie.

Setting und Kostüme überzeugen, der Soundtrack sorgt für die passende Atmosphäre. Vielleicht lag es auch an der Länge aber ich fand die Inszenierung mitunter eine Spur zu behäbig. Beispielsweise gibt es diesen fetzigen Song mit den E-Gitarren im Trailer, der glaube ich im Film erst zum Abspann Verwendung fand. Der legt nochmal ein ganz anderes, schnelleres Tempo vor, was dem Film hier und da auch ganz gutgetan hätte, gerade bei der Länge von 140 Minuten.

Insgesamt gelingt es Takashi Miike ganz gut die tief verwurzelten Zweifel und Gewissensbisse um die inneren Kämpfe der Protagonisten herauszuarbeiten und überrascht dabei auch mit einer Menge Humor aber auch mit innerer Ruhe vorgetragenen Dialogen.

BLADE OF THE IMMORTAL ist ein Samurai Spektakel von großer visueller Qualität geworden, welches hier und da ein paar Längen aufweist, insgesamt aber sehr viel Spaß macht und sogar ein wenig nachdenklich stimmen kann.
Frank
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

14.09.2017, 22:58


Samurai-Vampire?

von Zwerg-im-Bikini
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Dieser japanische Schwertfuchtelfilm war genau so, wie ich es erwartet hatte. Kennt man den Trailer, kennt man den Film. Und das ist in diesem Fall nicht einmal ein großer Verlust, denn ich beschwere mich nicht, dass der Trailer die Handlung spoilert. Der Aufbau, dem das Ganze folgt, ist halt eher simpler Natur... Ein unsterblicher Samurai kloppt sich als Beschützer eines Mädels auf Rachefeldzug durch Gegnerhorden. Und die werden teilweise ganz schön riesig.

Ein netter Bonus ist, dass es nebenbei auch um moralische Fragen geht, denn wer hier gut und wer böse ist, ist nicht so eindeutig, wie man zuerst denken mag. Aber der Hauptaspekt liegt bei den Kämpfen, und die sind gut inszeniert. Nicht so, dass mir der Film lange im Gedächtnis bleiben wird, aber so, dass ich die immerhin über 2 Stunden lange Spielzeit über gut unterhalten war. Es wird sogar manchmal lustig, zum Beispiel, wenn man sich zu fragen beginnt, ob die Unsterblichkeitsfähigkeit wie bei Vampiren funktioniert. Allerdings sollte ich vielleicht vorwarnen, dass das ganze nicht SO abgedreht wird, wie man beim Thema "magische Blutwürmer reparieren Wunden" meinen könnte. Blut spritzt in Massen, aber dass Körperteile wieder anwachsen, passiert dann doch nur in ausgewählten Szenen. Selbst die Gegner bleiben durch ihre Frisuren und Kleidung nur angedeutet verrückt. Da erinnere ich mich, dass es z.B. in AZUMI mehr auf die Spitze getrieben wurde. Hmm, den müsste ich mal wieder gucken, ist lange her...

Ach je, jetzt habe ich ganz vergessen zu erwähnen, was natürlich bei jeder Review dieses Films erwähnt werden sollte: Es ist Takashi Miikes hundertster! Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum! Während ich diese Zeilen schreibe, ist seine Filmografie wahrscheinlich schon wieder um zwei Einträge gewachsen.

Fazit: Eine klare Empfehlung für Freunde des Genres, aber ansonsten könnte er sich etwas ziehen.
Zwerg-im-Bikini
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

18.09.2017, 00:33


Wurmkur

von D.S.
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Takashi Miikes erster Film! Hm, nee, nochmal: Takashi Miikes erster Film seit Langem, der mir fast vorbehaltlos Spaß gemacht hat!

Und ich kann gar nicht mal genau sagen, warum. Vielleicht, weil er erstaunlich straight erzählt ist, und das trotz der üblichen Überlänge. (Aber kann man das eigentlich wirklich noch Überlänge nennen, wenn heutzutage auch eine simple Actionkomödie wie KINGSMAN 2 volle 140 Minuten lang ist?) Vielleicht, weil seine Helden ausnahmsweise mal sympathisch daherkommen. Seine Heldin, zumindest. Kunststück, es handelt sich um ein süßes kleines Mädchen. Vielleicht aber auch, weil die übertrieben skurrilen, anstrengenden Nebenfiguren, mit denen Miike in vielen seiner jüngeren Werke nur so um sich geworfen hat, hier nur in homöopathischen Dosen verabreicht werden. Und weil der Film immer wieder humorvoll ist, ohne aber seinen ernsten Kern – einen klassischen Rache-Plot – einer albernen Klamotte zu opfern. Wobei, am besten gefallen hat mir ja vielleicht sogar, dass unser stolzer unsterblicher Held sich bei fast jedem Kampf andauernd schwere Verletzungen zuzieht und über 80% des Films wie ein halbtotes Wrack durch die Gegend schlurft. So gar nicht heldenhaft eben. Und dadurch umso menschlicher.

Nein, ich kann es nicht genau festmachen. Ich weiß nur, dass mich BLADE OF THE IMMORTAL insgesamt sehr gut unterhalten hat und mir nur äußerst selten auf die Nerven gegangen ist. Obwohl Schwertkampf-Spektakel nun wirklich überhaupt nicht mein Genre sind und die Kämpfe selbst irgendwann dann doch ein wenig ermüdend wirken.

Egal, hier gibt es immer wieder hübsch Tempo, nett viel Blut, einen Bodycount jenseits von Gut und Böse und dazu gegen Ende auch noch echten moralischen Tiefgang: Mehr kann man von einem solchen Film in der heutigen Zeit eigentlich kaum erwarten. 7 von 10 Punkten, Samuraifreunde vergeben gerne noch einen mehr; ausdrückliche Fans Miikescher Skurrilitäten vielleicht einen weniger. Banzai!
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

18.09.2017, 05:40


Schnetzelmeister

von Leimbacher-Mario
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Herzlichen Glückwunsch, Takashi! Doppelt, dreifach, endlos. Denn du hast mit "Blade of the Immortal" nicht nur deinen 100. (!!!) Film abgeliefert, sondern einen ganz großartigen zudem. Eine Comicbuchverfilmung irgendwo zwischen "Ninja Scroll" und "Seven Samurai". Typisch Miike, typisch groß, typisch saftig. Es geht um einen Loner im feudalen Japan, dessen kleine Schwester vor seinen Augen umgebracht wurde und der, nachdem er sich durch ca. 100 Mann geschnetzelt hat, von einer mysteriösen Hexe unsterblich gemacht wird... und das ist nur Intro!

Ich weiß nicht, ob der Macher von "Ichi The Killer" oder "Audition" schon mal ein größeres Budget zur Verfügung hatte. Aber mehr Spaß werden er und alle Beteiligten selten gehabt haben. Der Bodycount sprengt alle Skalen und ist gefühlt vierstellig, die Big Brother-Harmonie zwischen dem Protagonisten Manji und seiner "kleinen Schwester" ist jederzeit fühlbar und das emotionale Schlachtenepos bietet ein paar der denkwürdigsten Bösewichte des jüngeren Kinos, die ihre Comicursprünge zu keiner Zeit leugnen können oder wollen. Da will das Grinsen einmal um den Kopf reichen, so freut man sich einen ab.

Es geht um Rache, Ehre, Loyalität. Den Sinn des Lebens und des Sterbens. Große Klappe, viel dahinter. Die großen Namen des Asiakinos geben sich wie selbstverständlich die Klinke in die Hand und sind sich für Miikes Jubiläum selbst für Kurzauftritte nicht zu schade. Und die größte Errungenschaft der Schnetzeljagd: Trotz aller Totenberge, mystischer Gestalten und legendären Schauwerten, verliert er nie sein Herz und den Blick fürs Wesentliche. Die Beziehung zwischen Manji und seiner kleinen Auftraggeberin, die er bis in den Tod zu schützen schwört. Und dieser kann, wie der Titel schon verrät, noch etwas auf sich warten lassen...

Fazit: Eine würdige Nummer 100. All Hail Miike. Ein Meer aus Leichen, die Flüsse färben sich rot. "13 Assassins" meets "Leon, der Profi". Die schnellsten 140 Minuten des Jahres?!

P.S.: Warum ein kleiner Abzug? Wackelige Kamera in den Massenszenen und einseitige Kampfchoreos störten mich minimal.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

03.10.2017, 15:37




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