von Fans für Fans

Brawl in Cell Block 99

Story of Bradley

von Herr_Kees
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Man kennt die Geschichte: Ein Mann, der gekündigt wird, kommt früher nach Hause und findet dort heraus, dass seine Frau ein Verhältnis hat. Doch Bradley („not Brad“) Thomas demoliert lieber auf brachialste Weise den Wagen seiner Ehefrau, anstatt ihr etwas anzutun (auch wenn man spürt, dass jede Faser seines Körpers zuschlagen will). Und startet dann mit ihr einen Neuanfang.

Dieser Beginn ist zum einen ganz symptomatisch für den Film, denn man wird noch mehrmals scheinbar vertraute Situationen vorfinden, die von Autor und Regisseur S. Craig Zahler dann jedoch in unerwartete (und unerwartet konsequente) Richtungen weitererzählt werden. Zum anderen täuscht der Filmbeginn jedoch auch, erweckt er doch den Eindruck, man hätte es hier mit einem seriösen Drama zu tun, das sich nach und nach zu einem atmosphärisch-spannenden Thriller entwickelt. Doch spätestens wenn Udo Kier mit obszönen chirurgischen Eingriffen droht und Don Johnson als Gefängnisdirektor mit seinen eher an Nazischergen erinnernden Wärtern die Szenerie beschreitet, wähnt man sich plötzlich inmitten eines wilden Grindhouseszenarios, das sich zum Finale hin noch in ungeahnte Gore-Exzesse hineinsteigert, die man in dieser Art zuletzt in STORY OF RIKI gesehen hat.

BRAWL IN CELL BLOCK 99 gelingt nämlich etwas heutzutage ganz Eigenartiges: Es ist ein Exploitationfilm, der gänzlich ohne Ironie und selbstreferenzielle Metaebene auskommt und dabei auch zu keinem Zeitpunkt unfreiwillig komisch wirkt. Im Gegenteil: die Bedrohung ist echt, die Anteilnahme fühlbar, die Gewalt extrem hart. Dass das funktioniert, verdankt der Film seinem straighten Inszenierungsstil (selten waren 130 Minuten Film so reduziert und konzentriert) und vor allem Vince Vaughn, der seine Rolle wirklich in jedem Sinne großartig ausfüllt und keinen Muskel zu viel bewegt – auch nicht bei den knochentrockenen „brawls“. Ein echtes Brett und der beste Gefängnisfilm seit langem.
Herr_Kees

26.03.2018, 15:37


Unterdrückte Aggressionen

von Leimbacher-Mario
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Mit dem gorigen Neo-Western "Bone Tomahawk" konnte mich Regisseur S. Craig Zahler vor zwei Jahren mehr als überzeugen und nun legt er mit einem Hardcore-Knastdrama nach, dass sich nicht gewaschen hat. Irgendwo zwischen Grindhouse und Guantanamo lässt dieser minimalistische, gedrosselte und mit unterdrückter Gewalt gesegnete Actioner die Hölle in einem Drecksloch von Gefängnis los, wo ein einsitzender Drogenschmuggler erpresst wird und unter allen Umständen einen letzten Auftrag ausführen muss, da sonst seine schwangere Frau böse dran glauben muss...

Es gibt nicht allzu viele Gewaltszenen in diesem Rumble in The Prison Jungle. Doch wenn die Aggressionen herausplatzen, dann erbarmungslos und ohne Vorwarnung. Vor allem das letzte Viertel wartet mit ein paar grandiosen, erfreulicherweise handgemachten Gore-Exzessen auf, die selbst geübten Zuschauern ein "Wow" auf die Lippen zaubern. Bis dahin lässt das pessimistische Werk es höchst gemächlich angehen, füllt seine Überlänge mit viel dreckiger Atmosphäre, lässigen Dialogen und noch dreckigeren Gefängniszellen, fast schon Kerkern. Dagegen wirken deutsche Gefängnisse wie das Waldorf Astoria!

Wir erleben eine Reise ohne Wiederkehr. In die dunkelsten Abgründe der Hölle. Blut, Schweiß, gebrochene Knochen, Rache und Liebe. Wir folgen Vince Vaughn und seiner zutiefst zerrissenen Figur durch eine abgründige Tour De Force. Eine solche Leistung hätte dem einstigen Comedy-Mimen vor ein paar Jahren wohl niemand zugetraut. Er wird zum Biest, zum Killer, zur Maschine. Und man kauft es ihm ab! Die Story ist minimal, Längen sind durchaus da, doch der Payoff kann sich sehen lassen, geht einem bis ins Mark. Das macht Spaß und tut weh zugleich. Fies, mies, extrem. "Brawl in Cell Block 99" ist modernes Bahnhofskino der heftigen Sorte. Er geht keine Kompromisse ein und deswegen mag ich ihn besonders. Vulkan, Slowburner, Mittelfinger, Knochenbrecher - ein Knasti wie es ihn noch nicht gab.

Fazit: Wie schon mit "Bone Tomahawk" verleiht Regisseur S. Craig Zahler seinem ultraharten Knast-Exploitationer eine Intensität und Brutalität, die einen zugleich staunen und schreien lässt. Und Vince Vaughn zeigt eine animalische Seite, die man von ihm nie erwartet hätte. "Brawl in Cell Block 99" ist heftig, launig und unberechenbar. Ein gern genommener Magentreffer, ein Mitternachtsmonster der erinnerungswürdigen Sorte!
Leimbacher-Mario

27.03.2018, 00:27


Ein düsterer Schlag in die Fresse

von Alexander
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Der Film ist hart, ultrabrutal, gemein, pervers, erbarmungslos und beklemmend. Wer auf sowas steht, wird hier bis in die letzte Schweißpore auf das Allerbeste bedient. „Brawl“ geht dabei allerdings auch an die Grenzen der Glaubwürdigkeit und verlagert sich insbesondere in seiner 2. Filmhälfte auf ein Terroir, das mit gängigen Knast-Thrillern nicht mehr viel gemein hat, sondern mehr in eine Art „over the top“ Gewaltvorstellung verkommt, gegen die so manch andrer Gefängnisfilm ausschaut, wie ein Kindergeburtstag hinter dicken Mauern.

Unser „Held“ steckt in dieser Geschichte so dermaßen Knietief in der Scheiße, das man gar nicht anders kann, als mit ihm mitzufiebern/hoffen und zu leiden, vor allem Letzteres.

Dabei dauert es seine Zeit bis dieses fiese Stück Film seinen Weg in vergitterte Kerker und zu sadistischen Wärtern findet. Die Geschichte lässt sich Zeit seine Hauptdarsteller langsam einzuführen und gut zu charakterisieren. Seit langer Zeit fühlte man nicht mehr so sehr mit einem „bad guy“ mit. Dabei gelingt Regisseur S. Craig Zahler sogar das Kunststück, das sich der Film mehr nach 70er Jahre Exploitation anfühlt, als nach aktuellem Genrekino. Dazu tragen nicht nur die oft sehr langen Kameraeinstellungen bei, die man aus dem aktuellen Kino fast nicht mehr kennt, sondern auch die ruhigen, langen Passagen von Autofahrten, unterlegt mit relaxter Musik, die im harten Kontrast zum restlichen „Programm“ stehen, das über den Zuschauer nach einer langen, aber niemals langweiligen, ersten Filmhälfte hereinbricht.

Und während es anfänglich einfach nur „ordentlich was auf die Fresse“ gibt, um zu zeigen, wo der Hammer hängt, entgleitet uns die Action alsbald in ein finsteres, sadistisches Treiben und zertrümmerte Knochen und zermatschte Schädel beherrschen das Bild und ziehen die Geschichte fast ins Groteske.

All das wirkt zwar stellenweise billig, langweilt allerdings nie. Großes Lob an Vince Vaughn, der mit seiner allmächtigen Präsenz hier einen Film fast alleine trägt und im Alleingang über den Durchschnitt hebt.

Kein Film, den ich mir unbedingt ein zweites Mal anschauen muss. Für Fans des Genres wahrlich ein Leckerbissen. Ja, WENN man sowas goutiert. Bon Appetit.
Alexander

12.04.2018, 13:28




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