von Fans für Fans

The Brood

Psychoanalyse David Cronenbergs

von Leimbacher-Mario
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Auf dem Weg zum neuen Fleisch schuf Cronenberg "The Brood" - ein Film über aggressive, teuflische Wutzwerge, die bei einer verlassenen Ehefrau aus dem Bauch wachsen & auf ihren passiven Wut-Geheiß töten. Verdammt eklig, verdammt genial, verdammt Cronenberg! Vielleicht sogar mehr Cronenberg denn je, denn obwohl "Scanners" oder "Videodrome" seine berühmteren & für mich persönlich noch besseren Filme sind, ist keines seiner Werke intimer, persönlicher, privater. Denn wie oftmals zitiert, ging der Meister des Bodyhorrors zu dieser Zeit durch eine schmerzhafte, wütend machende Trennung von seiner Ex-Frau, die er wirklich am liebsten erwürgt hätte. So kann man seine persönlichen & psychischen Probleme auch behandeln - einfach einen genialen, vielschichtigen, kraftvollen & sehr schlauen Film darüber machen. Und so dutzenden Fans, getrennten Paaren & verzweifelten Menschen aus der Seele sprechen - selbst wenn diese, wie ich, erst viele Jahre & Enttäuschungen später realisieren, wie gelungen, tiefgründig & gekonnt dieser Geniestreich wirklich ist.

Es gibt sicher unterhaltsamere Filme des Regisseurs, auch härtere oder wegweisendere, doch als Gesamtpaket ist "The Brood" ziemlich stark. Ich könnte mir vorstellen, dass diese Mischung aus Ehedrama, Psychothriller & Horrorschocker noch immer sein liebster eigener Film ist. Die Spannung & der unausweichliche Schock bauen sich sehr langsam auf, die Mordszenen der kleinen Killer wirken da wie Nadelstiche in ein angespanntes Gefühlsgeflecht. Und das Finale, abartig-genial wie es nur einer kann & es selbst heute noch etwas abstößt, entschädigt dann für jede kleinere Länge. Und bei der gewohnt kurzen Laufzeit sind diese eh rar gesät bzw. fallen bei Fans gänzlich weg. Die Effekte sind sehenswert, handgemacht & blutig, die Killerzwerge der Stoff aus dem Alpträume sind. Selbst wenn an ihren Masken etwas der Zahn der Zeit genagt hat. Die Darsteller gehen hingegen vollkommen in ihren Rollen auf & gerade die Psycho-Gespräche zwischen dem Doc & seiner Patientin sind beeindruckende, losgelöste, weh tuende & tiefgreifende Leistungen. Und nochmal: Ein Finale des Grauens, dass man nicht vergisst & das sich tief ins Unterbewusstsein fräst. Macht Angst vor Kindern, vor Schwangerschaft & am meisten vor der Ehe - mehrmaliges Sehen verstärkt den Effekt!

Fazit: Cronenbergs Selbst-Therapie ist einer seiner unterschätztesten Filme & nicht nur psychologisch wertvoll! Kleine Monster ganz intim.
Leimbacher-Mario

10.10.2016, 08:14




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