von Fans für Fans

The Cat

Von Klaustrophobie und pinken Bäckchen

von Sidschei
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Es ist ja so eine Sache mit den J-Horrorfilmen: Meistens bekommt man irgendwelche Geistergestalten mit langen Haaren geboten, die mit verbogenen Hälsen - oder auch geraden - sich unter Betten oder auf Schränken tummeln, auch mal schwebend oder laufend dahinschlurfen und - im besten Falle nicht nur - unseren Filmprotagonisten damit unheimliche Angst einjagen. Viele Jahre ist es her, als mich die Filme zu begeistern verstanden, bis ich im Laufe der Zeit mehr und mehr davon gelangweilt war, da man in aller Regel immer einfach nur eine neue Kopie mit nahezu ähnlicher Auflösung des Stoffes in anderer Darbietung geboten bekommt. Der Sinn und Grund für die geisterhaften Langhaarerscheinungen war in 90% der Fälle gleich gelagert und die Story um dieses Ereignis mit wenig vorhandenem Zusammenhalt drumherum geschustert. Das wurde einfach echt langweilig, und so machte ich immer mehr einen Bogen um Filme mit dunklen Wassern, flüsternden Korridoren oder sonstigen Geisterinhalten aus asiatischen Landen.

Nun bin ich mir durchaus bewusst, dass es sich bei "The Cat" nicht um einen klassischen J-Horror handelt, sondern er aus Südkorea stammt. Ändert aber nichts daran, dass auch diese Filme oftmals nach oben erwähntem Schema ablaufen und nichts Neues zu bieten haben. Trotzdem hatte ich bei der Nennung von "The Cat" als Programmteil des 2012er FFFs irgendwie Lust bekommen, mir diesen Film anzuschauen und konnte immerhin mit einem Augenzwinkern feststellen, dass der hier auftretende Geist wenigstens nicht langhaarig, sondern mit einem - wie sie im Film immer sagen - Bob ausgestattet ist. Freche Menschen mit schauderhaften Erinnerungen an ihre Kindheit könnten es auch schlicht als Topf-Haarschnitt bezeichnen. *fg*

Daraus ergibt sich natürlich die spannende Frage, ob "The Cat" auch darüber hinaus den üblichen Zopf abschneiden kann und seinen Zuschauern mal eine runde und auch andersartig gelagerte Geschichte zu erzählen weiss. Der Anfang stimmt verheissungsvoll und weckt sofort Sympathie für die Katze, steht der erste Todesfall in naher Zukunft an. Jeder Zuschauer wird es wissen, jeder Zuschauer wird es spüren, so dass es kein sonderliches Geheimnis darstellen wird, wenn ich das hier erwähne. Seien wir mal ehrlich: Wer einer Katze pinke Bäckchen "schminkt" und dies auch noch süß findet, der hat nichts anderes als den grausamen Tod verdient! Stellt sich nur noch gekonnt die Frage: Durch wen und/oder durch was?

Seung-wook Byeon stellt sich als Schreiber und Regisseur des Filmes geschickt diesen Fragen und verzichtet dabei auf plakative Mordszenen, bei denen die Gewalt den Bildschirm beherrscht und das Blut die Leinwand tränkt. Eher subtil scheiden die Darsteller nach dem genreüblichen 10-kleine-Negerlein-Prinzip dahin und verlassen nach und nach den Cast des Filmes. Hierbei sind wir als Zuseher überwiegend eingeladen, den Anfang zu erleben und das Resultat präsentiert zu bekommen. Was dazwischen passiert, bleibt zu großen Teilen der Phantasie des Zusehers und - sehr geschickt inszeniert - auch den ermittelnden Behörden überlassen.

Hier versteht es "The Cat" wirklich, gute Momente zu setzen und die Stimmung zu steigern. Dezente wie simple, aber geschickt eingesetzte Soundeffekte tragen ihren weiteren Teil bei und untermalen den Film zusätzlich positiv. Das machte mir wirklich Spaß. Und auch das weitere Umfeld des Filmes verstand es, mich in seinen Bann zu ziehen: Es geschehen seltsame Dinge, die einen dazu einladen zu rätseln, sich Gedanken zu machen, wie sie alle in Verbindung zu bringen sind oder was sie für eine Bedeutung für den Film haben. Das ist wirklich klasse gemacht und jedes kleine, wenn auch etwas in der Länge zäh präsentierte Puzzleteil regte meine Phantasie nicht nur über den Fortgang, sondern auch die Zusammenhänge und den Ausgang der Story an. Wilde Gedanken kreisten in meinem Kopf, wenn mysteriöse Szene auf mysteriöse Szene folgte, auf die man sich noch keinen Reim zu machen verstand... Uuuuh, wirklich toll, was für Interpretationen und Spielraum der Film hier in seiner ersten Hälfte ermöglicht und aufbaut.

"The Cat" präsentiert sich bis hierhin als wirklich stimmungsvoller Film voller Mystery-Elemente, der mir mehr und mehr zu gefallen verstand. Die einzige Frage, die sich hierbei nun stellt: Wird der Film mit seiner klaustrophobisch veranlagten Hauptdarstellerin diese Erwartungen mit seinem Ende auch erfüllen können?

Ja, die Frage aller Fragen. Und ich rate nun allen, die sich selbst ebenfalls überraschen lassen wollen, die folgenden Absätze NICHT weiter zu lesen und den Film anzuschauen! Wer jedoch wissen will, ob, wieso und weshalb... der darf gerne weiter lesen.

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Und ja, fast muss ich schon mit einem Glitzern der Wut und Enttäuschung sagen: Nichts, aber wirklich nichts von der aufgebauten Mystik konnte der Film einhalten und das Ende präsentiert sich in exakt den Abläufen der Ereignisse, wie ich sie schon 100 Mal gesehen habe und die dazu geführt haben, dass ich solche Filme einfach nur noch langweilig finde. Wahrscheinlich muss es in asiatischen Ländern so sein, es muss immer so ablaufen, wahrscheinlich stehen sie einfach drauf. Schön und gut... aber dennoch: Ich will einfach nur abkotzen und dem Film und seinen Machern eine überziehen. Nichts. Wirklich nichts von den in der Vergangenheit aufgetretenen Ereignisse wird irgendwie auch nur ansatzweise geklärt oder auf einen Pfad gelenkt, der die eigenen Gehirnzellen zur Klärung des Ganzen etwas anregen könnte. Nein. Nicht nur, dass sich der Film gegen Ende wirklich in einige logistische Schwächen verliert, über die man zwar durchaus hinwegsehen kann, die aber dennoch etwas ärgerlich sind, er nutzt nicht eine seiner aufgebauten Chancen, dem Genre des asiatischen Geisterhorrors mal wieder neue Akzente zu geben. Könnte ich damit noch leben, kann ich mit der Tatsache des Nicht-Vorhanden-Seins irgendeiner Erklärung des zuvor Gesehenen allerdings nicht mehr leben.

Fazit:
Mein persönliches Fazit lautet daher: Komplett alles verschenkt, was der Film aufgebaut hat. Und das reißt den gesamten Streifen natürlich komplett in meiner Endbewertung runter. Er war definitiv gut gemacht, bietet tolle Mystery-Elemente und erzeugt durchaus Feeling und Spannung. Und Freunde dieser Filme werden an "The Cat" durchaus ihren Spaß haben. Ich war allerdings nur maßlos enttäuscht vom Ende und kann dem Film daher nichts, aber wirklich gar nichts mehr abgwinnen nach Einsetzen des Abspannes... außer natürlich dem rein sachlichen und nüchternen Blickwinkel auf die Machart und Präsentation des Filmes.

Neutrale Wertung: 7.0/10
Meine Wertung: 4.0/10

(Wer dem Link folgt, kann weitere Gedanken und Infos lesen, die sich dort in Spoiler-Tags befinden und die ich hier absichtlich weggelassen habe!)
Sidschei - Original-Review

11.08.2012, 12:07


Soft kitty, boring kitty

von Lovecraft
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Geisterstory aus Fernost, wie gehabt, ja wie schon dutzende Male gesehen. Diesmal mit knuffigen Stubentigern. Sadakos Brunnen aus "Ring" weicht einem Stahlboiler, und die Spukgestalt trägt einen kurzen Haarschnitt! Ende der "Innovationen". Der Ausgang wirklich sämtlicher Szenen ist bereits nach jeweils fünf Sekunden klar ersichtlich, was den gesamten Streifen unglaublich öde erscheinen läßt. Zutiefst unlogisch ist, warum die überzuckert süßliche Hauptdarstellerin von dem Geistergör, das sich sonst nur an bösen Tierquälern vergreift, bedrängt wird. Und beim besten Willen, die pure Anwesenheit niedlicher Katzenhorden reicht allein nun wirklich nicht für einen erfüllenden Kinonachmittag, zumindest auf dem FFF. Nur sehr hartgesottenen Asia-Gruselfans zu empfehlen.

4 Punkte, gutwillig!
Lovecraft
sah diesen Film im Event Cinema, Berlin

01.09.2012, 11:08


Muschifilm.

von glorrk
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Eine Tierliebhaberin, ein blaß geschminkter Kindergeist, viele viele Katzen und ein paar böse Katzenquäler.

Hätte was werden können, anstatt dessen "unterhält" der Film mit Langeweile, Vorhersehbarkeit und wirkt insgesamt, wenn man von den Katzenhorden mal absieht, schon wie 1000x gesehen in ähnlicher Form.
Und seien wir mal ehrlich, blaß geschminkte Kinder/junge Frauen mit großen Augenringen, die überraschend auftauchen, sind schon lange nicht mehr furchteinflößend.

Dass dann das Ende fast schon unangehm rührselig ist, macht es nicht besser.

Das beste an dem Film sind die Muschis.
glorrk
sah diesen Film im Cinema, München

06.09.2012, 00:12


Review

von Francis
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Als Katzen- und Fantasy Filmfest-Fan natürlich fast ein Pflichtfilm. Aber wenn man diesen Streifen nicht gesehen hätte, wäre es auch nicht so schlimm.
So-yeon arbeitet in einem Tiersalon - und ihre letzte Arbeit des Tages ... sie macht aus einer weißen Katze eine Hello Kitty, mit rosa Bäckchen und Schleifchen am Ohr ... wird sie weiterverfolgen. Denn die Kundin wird am selben Abend Tod im Fahrstuhl aufgefunden. Die Polizei in Form eines früheren Schulkameraden Joon-suk bringt ihr daraufhin gleich mal die Katze vorbei, die die Kundin bei sich hatte. Zu Hause ist die Kuschelmietze aber alles andere als schmusig und So-yeon wird von seltsamen Träumen und Halluzinationen geplagt. Zusammen mit Joon-suk macht sie sich daran, dies zu ergründen.
Der Film bietet die typischen asiatischen Horrorbilder, zwei putzige Darsteller und eine Menge Vierbeiner, die hoffentlich alle noch leben.
Denn real gruselig war das dort gezeigte Tierheim. Kein Vergleich zu denen hier in Deutschland ...
Francis
sah diesen Film im Cinestar, Berlin - Original-Review

17.12.2012, 12:48




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