von Fans für Fans

Citadel

Handwerklich solider, aber inhaltlich arg beliebiger Horrorschocker

von ArthurA
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Ein finsteres Endzeitszenario mit beunruhigenden Sounds und Klängen (die Genreprofis tomandandy leisten hier ganze Arbeit), in dem das Drama der Figuren aber leider langsam zu versinken droht. Für Fans der schnellen Gänsehaut und Schocks gibt es ohne Zweifel bedrohlich umgesetzte Szenen zu begutachten, die aber am Ende auch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass „Citadel" letztlich nichts anderes als ein handwerklich gut gemachter Reißer ohne Langzeit- oder Tiefenwirkung ist.
ArthurA - Original-Review

04.03.2013, 00:02


Trist.

von todaystomorrow
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Erinnert sich noch jemand an HEARTLESS? CITADEL ist so was wie dessen kleiner, hässlicher Bruder (um mal die Worte zu benutzen, mit denen Rudi in Frankfurt die FFF Nights mit dem Hauptfestival verglich). Ein sehr ähnliches Setting, eine sehr ähnliche Stimmung, letztlich auch eine sehr ähnliche Storyidee - aber alles eine Nummer kleiner, billiger und weniger ausgereift als beim Vorbild.

Bei CITADEL steht zudem über einen Großteil des Films der Drama-Aspekt im Vordergrund: Der verzweifelte Kampf eines jungen Mannes (Aneurin Barnard aus ELFIE HOPKINS) gegen seine ihn zu verschlingen drohende Agoraphobie, die ihn vollständig beherrscht, seit fiese Kapuzen-Kids seine Frau getötet und es nun offenbar auf das gemeinsame Baby abgesehen haben. Das ist überzeugend gespielt, man leidet durchaus mit der Hauptfigur mit. Auch erzeugt das triste Hochhaus-Ghetto grundsätzlich durchaus eine beklemmende Atmosphäre.

Insgesamt passiert hier aber ein Stück zu wenig, die wenigen Jump-Scares sitzen nicht, und entscheidender: die Story kippt bald ins Übersinnlich-Alberne, was dem harten Drama seine Glaubwürdigkeit und Kraft nimmt. Auch sehen sämtliche Effekte und Masken eher jämmerlich aus.

Für mich deshalb insgesamt eher langweilig und bisher der größte Flop: 4 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

10.03.2013, 12:41


Sozialfalle

von Herr_Kees
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Als deprimierendes Sozialdrama und beunruhigender Psychothriller gelungen, die "Dämonenjagd" am Ende fällt allerdings eher platt und teilweise sogar unfreiwillig komisch aus.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

17.03.2013, 00:02


Review

von Francis
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Citadel zeigt die Missstände in unseren Vorstädten ... Verwahrlosung, Verrohung, Gewalt und Angst, Tristesse.
Der tristen Wohnblocksiedlung will das junge Paar Tommy und Joanne endlich den Rücken kehren und als junge Eltern in ein zwar noch immer nicht wirklich schönes, aber durchaus besseres Reihenhäuschen am Rande des Bezirks ziehen. Aber wie das Schicksal so spielt. Die schwangere Joanne wird vor Tommys Augen brutal von Kids zusammengeschlagen. Das Baby ist gesund, doch Joanne liegt im Koma und Tommy (als alleinerziehender Vater) leidet seither unter Angstzuständen und Panikattacken, wenn er das Haus verlassen muss. Einzige Bezugsperson ist die Krankenschwester Marie, die ihn immer wieder ermutigt.
In dieser Vorstadt möchte man nicht stranden, geschweige denn leben: grau und bleischwer liegt der Himmel und die Sorgen über den Häusern. Man fühlt förmlich die Trostlosigkeit. Kein Ort, um Kinder großzuziehen. Tommy will daher der Siedlung für immer den Rücken kehren - doch eigentlich, weil er Angst hat, dass die Kids es auf seine kleine Tochter abgesehen haben ...
Ab dieser Stelle geht der Film einen Genre-Mix ein, der definitiv nicht jedem gefällt. Erinnert der erste Teil ein wenig an Harry Brown, schwenkt der zweite Part eindeutig Richtung Heartless, der mich vor drei Jahren auch eher ratlos hat im Kino sitzen lassen. Doch während Heartless mit besagten Wendungen, die Spannung aufrecht erhält, wählt Citadel den geraden Weg und steuert auf ein kurzes, aber stringentes Ende hin.
Kein Highlight, aber allemal sehenswert ... dass was man so im Allgemeinen als Arthouse Horror bezeichnen würde.
Francis
sah diesen Film im Cinestar, Berlin - Original-Review

08.04.2013, 23:35


Agoraphobie, Hoodie-Horror & ein winziges Budget

von Leimbacher-Mario
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Ein Mann muss aus einem kaputten Fahrstuhl mit ansehen, wie seiner schwangeren Frau von einer Gang Halbstarker eine Drogenspritze in den Bauch gerammt wird. Das Baby überlebt, sie stirbt nach einiger Zeit im Krankenhaus & dem gebrochenen Mann bleibt nun nur noch die Kleine als Hoffnungsschimmer in einer grauen, britischen Ghetto-Welt. Und die fiesen Teenager scheinen ihn bis zur Wohnung zu verfolgen, aus der er sich sowieso nicht mehr wirklich heraus traut. Sind das überhaupt Teenager, oder geht in der Welt da draußen mittlerweile schon viel Schlimmeres vor?

Der Film lief vor 2 Jahren auf den Fantasy Filmfest Nights & ging dort wohl etwas unter, vom Gefühl her. Ich kam jetzt erst zum Vergnügen & muss sagen: durchaus ein empfehlenswerter, atmosphärischer Low-Budget-Horror von der Insel. Ein sozialkritischer Ansatz, eine tolle Vermittlung der Krankheit Agoraphobie (Angst, das Haus zu verlassen), ein grauer Depri-Look & einige spannende Home-Invasion-Momente. Da leidet man schon mit, denn der arme Mann hat nicht nur die Liebe seines Lebens verloren, muss nun sein Baby verteidigen, er kämpft auch sehenswert gegen seine inneren Ängste & Dämonen. Außerdem will ihm kaum einer glauben, dass es sich bei den Gangstern um etwas viel Bösartigeres handeln könnte.

Die Schauspieler geben ihr Bestes, fallen aber eigentlich weder positiv noch negativ auf. An Effekten wurde budgetbedingt gespart, wenn man was sieht, ist das Creature-Design aber gruselig. Sowieso wird viel improvisiert & abgeblendet, was dem Kopfkino & der verwahrlost-verängstigten Stimmung aber sogar noch eher hilft als schadet. Schade ist eigentlich nur das schwache letzte Drittel, welches wohl tempo- & actionreicher erscheinen soll, aber bei weitem nicht so creepy funktioniert wie vieles davor, teilweise sogar langweilig oder mit dem blinden Jungen unfreiwillig komisch. Die besten Szenen sind einfach, wenn der sowieso schon fertige Protagonist (der oft etwas wie Pete Doherty aussieht) durch die Tunnel & Straßen verfolgt wird, man in Spiegelungen die Hoodie-Monster rumschleichen sieht oder man einen kaputten Kapuzen-Freak regungslos vor seiner fast offenen Glastür stehen sieht, vor allem, wenn man selbst genau so eine Tür hat!

Fazit: auch wenn der Film hinten raus dann doch recht gewöhnlich & mau wird, machen ein gelungener Spannungsaufbau & viele Gänsehaut-Momente in der ersten Hälfte plus das sensible Krankheits-Thema genug Punkte.
Leimbacher-Mario

14.04.2016, 13:17




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