von Fans für Fans

Dark Tourist

Ungewöhnliches Hobby

von meiklsan
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Grief tourist:
"One who travels with the intent to visit scenes of a tragedy or disaster."

Über diesen Film gibt es eigentlich nicht viel zu berichten, denn es passiert nur sehr wenig.
Aber das Thema erscheint interessant, und bevor ich diesen Film sah, war mir dieser „Grief Tourism", den es scheinbar wirklich gibt, noch nicht bekannt.
Manche werden den Film wohl als Schlaftablette bezeichnen, aber der Inhalt und die Wirkung der Arznei haben es durchwegs in sich!

Wir haben es hier mit einem schwermütigen, atmosphärischen, ruhigen und gemächlichen reinrassigen Drama zu tun, das uns stimmungsmäßig versucht, immer tiefer in die Story hinein- und gefühlsmäßig runterzuziehen.

Grief Tourist, Opfer, Tragödie oder dramatische Vergangenheitsbewältigung?

Unser lonesome Protagonist lebt sein schlichtes einsames eintöniges Alltagsleben als Security Guard, hat sich über die Jahre hinweg diverse Marotten angewöhnt, die wir von dem Stereotyp eines Einzelgängers erwarten, und geht im Urlaub seinem ungewöhnlichen Hobby als „Grief Tourist" nach.
Er quartiert sich in ein schäbiges Motel ein, von wo aus er die Locations of tragedy and disaster besucht. Neben allerlei zwielichtiger Begegnungen und Überraschungen ist besonders das Aufeinandertreffen unseres Protagonisten mit der ziemlich in die Jahre gekommenen Melanie Griffith als Servicekraft besonders bemerkenswert.
Trotz der Jahre hat Melanie nämlich nichts von ihrem reizvoll verführerischen Charme vergangener Jahre verloren, und beide Schauspieler liefern hier ein zutiefst deprimierendes schmerzerfülltes Duett der Sonderklasse ab.
Den gesamten Film hindurch wird der geneigte Zuschauer übrigens von einem hypnotisierenden Off-Sprecher begleitet, der uns mit seiner sonoren Stimme zusätzlich zu der schleichenden Story langsam, aber kontinuierlich immer tiefer in das Geschehen hineinsäuselt.

Suri Krishnamma zeichnet hier eine dramatische, fast kammerspielartige gefühlvolle Charakterstudie über die Abgründe einer scheinbar verlorenen Seele und läßt uns trotz des offensichtlich unscheinbaren Eindrucks manchmal mit einem staunenden Entsetzen zurück.

Definitiv einen Blick wert.
Nahezu gewaltfrei und actionlos.
Ruhig, gemächlich und laaaangsaaam.
Deshalb für den späten Festivalabend nicht empfehlenswert, schnarch!
meiklsan

25.07.2013, 18:57


Serienkiller, Melanie Griffith und Suzanne

von Michaela
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Ein Portier/Nachtwächter, der lieber für sich ist, hat ein spezielles Hobby: er besucht die Schauplätze von Unglücksfällen, von Morden eines Serienkillers. Auch dieses Mal macht er sich wieder auf den Weg, um die Tatorte des Serienkillerls Carl Marznap zu besichtigen. Er begegnet einer Kellnerin, die sich ihm annähert (wunderbar gespielt von Melanie Griffith, warum kriegt die nicht mehr Rollen?), seiner Zimmernachbarin Iris und einem Gesprächspartner zu den Morden von Carl Marznap. Der Film an sich ist sehr langsam, aber trotzdem stimmungsvoll. Man muß sich schon auf das Geschehen einlassen. Ganz vereinzelt kommt es zu Gewaltausbrüchen - an diesen Stellen bin ich dann auch ziemlich erschrocken.

Ganz gefangen genommen hat mich der Film aber dann, als Leonard Cohens Lied Suzanne ertönte.

Mir gefiel the Dark Tourist aufgrund der Musik und seiner Stimmung, auch die Handlung ist ganz interessant.

Die Stimmung zu diesem Film wurde mir allerdings von einer Dame verdorben, die ständig mit irgendwelchen Tüten raschelte - und das bei einem sehr leisen Film, der auch noch teilweise schwer verständlich war (manchmal wünscht man sich auch für englische Filme Untertitel).
Michaela
sah diesen Film im Cinema, München

05.09.2013, 00:12


Opfer und Täter und wie man dazu wird

von todaystomorrow
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Unter seiner Oberfläche beschäftigt sich GRIEF bzw. DARK TOURIST mit einem sehr finsteren Thema, nämlich der Frage, was Menschen zu Serienmördern werden lässt. Und er findet einige noch viel finsterere Antworten auf diese Frage, die einem lange zu denken geben.

Die Inhaltsangabe klingt ja schlicht recht skurril; doch bald stellt sich heraus, dass hinter dem Drang der Hauptfigur Jim, berüchtigte Mordschauplätze zu besuchen, weit mehr steckt als bloß ein ausgeprägter Hang zu makabrem Voyeurismus und Sensationsgeilheit. Nur allzu viele Menschen wollen die Leichen frischer Unfallopfer am liebsten noch zucken sehen - Jim wird von anderem angezogen. Schmerzhafterem. Und so weicht diese scheinbare Skurrilität des Set-ups mehr und mehr einem Gefühl von tiefstem Nihilismus, das sich durch die Handlung zieht und in einem konsequenten Finale mündet. Die Atmosphäre ist entsprechend: bedrückend, düster, freudlos. Auf dem Ferientrip von Jim durch Kalifornien werden wir in einen Strudel der Negativität hineingezogen, aus dem es kein Entkommen gibt - und der uns nicht nur zu Zeugen (weniger) extremer Gewaltausbrüche macht, sondern uns auch zeigt, dass nichts so sehr verletzen kann wie eine Beleidigung im richtigen Moment.

Man braucht allerdings Geduld, um in der düsteren Welt des TOURISTs wirklich anzukommen. Geduld, die unter Umständen bis über den Film hinausreichen muss: Beim Sehen und unmittelbar danach fühlte ich mich zum Teil arg gelangweilt, denn das Geschehen zieht sich hier schon enorm. Es dauert bis ins letzte Filmdrittel, bis tatsächlich „Greifbares" passiert. Der Strudel zieht einen jedoch auch im Nachhinein immer tiefer - die Nachwirkung des Films ist nicht zu unterschätzen. Die Endsequenzen und seine Aussagen sind derart bitter, dass man erst mit einigem Abstand realisiert, was man da eigentlich gerade serviert bekommen hat.

DARK TOURIST ist mit Sicherheit einer der ernsthaftesten, forderndsten Filme des FFF 2013. Sehr langsam im Tempo, sehr dialoglastig und inhaltlich sehr deprimierend, hat er neben einem hervorragenden Hauptdarsteller (und einer nicht minder überzeugenden Melanie Griffith) vor allem eine radikale Sichtweise auf die Welt und ihre Bewohner sowie einen konsequent finsterer werdenden Tonfall zu bieten, der ihn auch ohne Gore-Exzesse zu einem ziemlich brutalen Erlebnis werden lässt. Unter Vorbehalt deshalb durchaus zu empfehlen.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 9, Frankfurt

08.09.2013, 05:50




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