von Fans für Fans

Dead Creatures

Schlecht wäre gelobt

von the21thcenturydigitalboy
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Zombies laufen durch London und versuchen, sich ihr Leben halbwegs menschlich zu gestalten. Dumm ist nur, dass sie langsam verwesen und von einem Zombiejäger, der seine Tochter sucht, verfolgt werden.

Ich gebe zu, dass Zombie-Filme nicht unbedingt mein Genre sind, aber es passiert nichts, was erwähnenswert oder sehenswert wäre. Der Film langweilt von der ersten bis zur letzten Minute. Selbst die Splatterszenen wirken unpassend und unmotiviert. Was mich außerdem nervt ist, dass sich der Film selbst bierernst nimmt (sozialkritischer Realismus).

Noch eine letzte Warnung, während der Vorstellung haben bestimmt 10 Leute vorzeitig das Kino verlassen.
the21thcenturydigitalboy
sah diesen Film im City, München

01.08.2003, 13:42


Gut wäre untertrieben

von Eraserhead
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Ja ja, auch in Frankfurt sind mindestens 10 Leute vorzeitig aus dem Kino gegangen. Die von der Fetthaar-Heavy Metal-T-Shirt-Fraktion. Klar, wenn mann im Programmheft Zombie liest und wahlloses Rumgeballere erwartet, wo die Köpfe explodieren, ist man hier natürlich hoffnungslos überfordert. Dies ist kein "Pseudo"-Autorenfilm, sondern ein Autorenfilm. In diesem Film geht es um Sucht, Einsamkeit und Freundschaft in einer kalten Stadt. Und die Gore-Szenen lassen z.Bsp. HOUSE OF 1000 CORPSES wie eine Teletubbie-Show aussehen, aber darauf kommt es ja in dem Film gar nicht an. Der Film ist in der Tradition von MAY und bitte bitte, lasst auch weiter so anspruchsvolle Filme beim FFF, auch wenns manche Besucher enttäuscht, aber die können sich ja dann ja an so billig Plagiaten wie THE UNDEAD erfreuen...
Eraserhead
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

14.08.2003, 22:53


In der Ruhe liegt nicht immer die Kraft

von todaystomorrow
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DEAD CREATURES ist in allererster Linie ein Sozialdrama, ein sehr ernster Film über das Ausgestoßen-Sein, Abhängigkeiten, Angst. Dabei wählt er jedoch einen extrem unkonventionellen Ansatz - denn seine Protagonisten sind Zombies. Um unseren Erfahrungshorizont noch weiter zu brechen: keine stumpfen, blau angelaufenen, brutalen Monsterwesen - sondern (zumindest auf den ersten Blick) Menschen wie du und ich. Unauffällig, normal aussehend und sich auch so verhaltend. Mit dem Unterschied, daß sie von Zeit zu Zeit ihren Hunger auf Menschenfleisch stillen müssen; ausziehen, um sich Opfer zu suchen, die sie blutig ermorden und dann noch blutiger zerstückeln und auffressen.

Das klingt nach einem interessanten Konzept - und in der Tat irritiert das Geschehen auf der Leinwand zunächst ziemlich stark. Mit den ganz gewöhnlichen englischen Unterklasse-Mädels in ihren schäbigen Wohnungen, die sich über Sex und Fernsehen unterhalten, mag man es solch derbe Gore-Exzesse, wie sie uns der Film anfangs präsentiert, einfach nicht in Verbindung bringen. Und wenn sich in ihre Unterhaltungen Themen wie Mord, den zunehmenden körperlichen Verfall, das Leben als Zombies mischen, wirkt das regelrecht verstörend.

Das Hauptproblem des Films ist es aber, daß auch diese obskure Grundkonstellation, wie jede andere, sich nach einer gewissen Zeit abnutzt. Nach spätestens einer halben Stunde hat man sich an diesen Gedanken gewöhnt - spätestens hier müßte sich dann also irgendeine Form von Handlung entfalten, um das Interesse des Zuschauers aufrechtzuerhalten. Doch leider gibt es nur eine minimale Story zu erzählen, und auch diese entwickelt sich nur äußerst schleppend, kommt eigentlich erst im letzten Filmdrittel überhaupt ein wenig zum tragen: ein Mann macht Jagd auf die Zombies, weil er von ihnen Informationen über ein verschwundenes Mädchen erhalten - und sie aus dem Weg räumen möchte. Da die Zombies aber, wie gesagt, zumindest am Anfang ihrer Zombiekarriere aussehen wie normale Menschen, bleibt ihm nichts anderes übrig, als wahllos irgendwelche Leute aus der Gegend, in der das Mädchen verschwunden ist, zu kidnappen und zu foltern - und schließlich zu töten. Daß er dabei mehr als einen Unschuldigen erwischt, versteht sich von selbst... Wer ist dieser Mann? Wer ist das Mädchen? Wird er einen unserer Protagonisten erwischen?

Zum größten Teil aber funktioniert DEAD CREATURES nicht storybasiert. Wir werden unmittelbar ins Geschehen hineingeworfen, verfolgen den Alltag einer Gruppe weiblicher Zombies (und es dauert eine Weile, bis wir begreifen, daß sie Zombies sind). Ja, und dann... verfolgen wir ihren Alltag weiter. Und weiter. Und wenn man sich an die Grundidee gewöhnt und die blutigen Szenen zu Beginn des Films verdaut hat, dann... wird das ganze leider doch relativ langweilig. Denn es passiert einfach zu wenig. Der Film wirkt über weite Strecken fast dokumentarisch, distanziert, grau und schmutzig wie die Londoner Slums, in denen er spielt. Das erschwert es aber sehr, Interesse oder gar Sympathie für seine Figuren zu entwickeln.

So betrachten wir von außen einen sehr ruhigen, sehr unfreundlichen, sehr langatmig inszenierten Ausschnitt aus dem Leben einer Gruppe extrem Andersartiger. Sicherlich ein interessanter Story-Ansatz, und ein nachdenklich stimmender Film. Aber um wirklich zu gefallen, bräuchte der Film etwas mehr - entweder mehr Handlung, oder aber eine "filmischere" Erzählweise. Für mich leider nur 4,5 Punkte, da ich mich letztlich überhaupt nicht berührt gefühlt habe.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin

20.08.2003, 05:12


Big Zombie-Brother

von Horowitz
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Ich kann mir nicht helfen, aber mehrere Male fühlte ich mich an Big Brother erinnert. Die Zombietruppe wurde so authentisch in Szene gesetzt, man möchte fast annehmen, die häuslichen Nachbarn hätten sich im Kino verewigt.
Aus den Zombie-Real-Life Situationen erfährt man dann auch einiges über ihr Gefühlsleben und gängigen Tagesablauf. Wenn dies nun die besagten Längen darstellen sollen, dann besteht praktisch der gesamte Film daraus.
Action wird hier in keinster Weise geboten, ein Dialog folgt dem nächsten, während wir die Zombietruppe dabei beobachten, wie sie sich ihre extravagante Nahrung besorgt und relativ unbeeindruckt Körperteile abtrennt und verspeist. Die Gore-Szenen sind dabei recht ordentlich in Szene gesetzt. Etwas Spannung erzeugt ein alter Mann, der nach einem Mädchen sucht und die ganze Zeit als großer Zombieschreck umhergeistert, dabei aber auch Normalos dezimiert.
Vielleicht erreicht der Film ja, dass wir die nächsten Zombie-Shlasher-Movies mit etwas mehr Feingefühl betrachten und nicht jedes Zombiemassaker mit frenetischem Beifall beklatschen - glauben tue ich allerdings nicht daran.
Wer Zombies gerne beim alltäglichen Einerlei zusieht, was allemal interessanter ist, als die Hirnleichen bei Big Brother zu beobachten, kann hier mind. ein Auge riskieren, aber nicht zu weit rein halten!
Horowitz
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt
 
19.09.2004, 15:18




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Mamo1860
albi68
cthulhu314
Kommentar von Alan Smithee :
dead creatures
werde mir den film erst noch ansehen und möchte vorerst nur kurz einen kurzen kommentar zu meinem vorschreiber [todi's Anm.: Eraserhead] abgeben, wenn es gestattet ist: kennst du diese "fetthaarigen heavy metal t-shirt träger" denn persönlich?!? ich vermute NEIN! wie kannst du diese subgruppierung der menschlichen rasse (haha...ganz so schlimm ist es dann doch nicht!) so einfach gewissenlos als synonym für "das grunzende, saufende prollpack ohne jeglichen funken an existenter intelligenz" verwenden!?! ja, ganz recht...gehöre selbst zu den metal t-shirt trägern, wasche meine haare allerdings regelmäßig und wundere mich ebenfalls oft darüber, mit welchen armseeligen mitteln man euch "normalos" zufriedenstellen kann! ;-) ...würde deshalb allerdings niemals eine derartige wahrnehmung meinerseits in eine rezension bauen und somit alle angehörigen einer ganzen musikszene (wie als beispiel in deinem fall) über einen kamm scheren und somit einzelne individuen beleidigen! ich urteile nur über mich, weil ich nur mich einigermaßen gut kenne...das solltest du auch mal ausprobieren...bevor du einfach so locker flockig mal ein paar hunderttausende von menschen aburteilst! ;-)
18.08.2003, 09:42

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