von Fans für Fans

The Dead Girl

Anatomie eines Mordes

von GeorgeKaplan
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Leichte Kost war das ganz sicher nicht. "Dead Girl" ist nun auch alles andere als ein einfacher Episodenfilm, sondern fängt im Epizentrum an, beobachtet dann die Wellen, die das Gewaltverbrechen schlägt, um dann zum Schluß wieder zum Ursprung zurückzukehren.

Ungewöhnlich, vor allem für eine us-amerikanische Produktion: keine der handelnden Personen wird verurteilt. Das klingt leichter als es ist, etwa wenn der Mörder zwar mit seinen Taten konfrontiert wird, das aber zu keiner wie auch immer gearteten Konsequenz führt. Letztlich müssen alle mit ihrem Schicksal, sei es als Täter oder Opfer, alleine zurechtkommen. In den schönsten Momenten finden aber Menschen zusammen, die sonst nie zusammen gefunden hätten.

Über die Darsteller wurde ja schon lobend gesprochen, und dabei fast noch untertrieben. Was da an Emotionen auf der Leinwand rübergebracht wird, ist schon enorm. Ich würde mich freuen, wenn der Film auch ein reguläres Publikum finden würde. Verdient hätte er es.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 4, Köln

24.03.2007, 22:36


"What was it like, finding that dead girl?"

von die_Lachsschaumspeise_!
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Zwischen den Baumreihen einer Obst-Plantage in den Bergen findet eine Frau die verstümmelte Leiche eines ermordeten jungen Mädchens. Diese Entdeckung beeinflusst sowohl das Leben und die Beziehungen der Finderin als auch die von drei anderen Frauen, deren Geschichten in vier lose miteinander verbundenen Episoden erzählt werden. Zuviel zum Inhalt dieser Episoden zu sagen, würde meiner Meinung nach dem Film-Erlebnis seine Intensität nehmen. Jedoch lässt sich sagen, das sowohl neue Beziehungen zwischen vorher einander Unbekannten entstehen als auch alte Bande zerstört und /oder gekappt werden.

In ausgewaschenen Farben präsentiert uns der Film das Bild einer Gesellschaft, in der Ideal / Wunschvorstellung und soziale Realität / Alltag so weit auseinanderklaffen, dass alle Versuche, zwischen Beiden eine Deckungsgleichheit herzustellen, letztendlich scheitern müssen. Zwischen Mikrowellen-TV-Tray-Fraß, öden Shopping Centern und einsamen Telefonzellen an menschenleeren Ausfalls-Strassen verlieren sich die Träume der Protagonistinnen genau so wie die Spuren des "Dead Girl". Ihren Mitmenschen nur schwer vermittelbare Sehnsucht, Kommunikationsunfähigkeit, und der Unwille / die Unfähigkeit, sich das Scheitern der eigenen Träume einzugestehen, bestimmen die Handlungen der Charaktere. Die Auswirkungen von und der Umgang mit Geschlechtermachtverhältnissen werden dabei genauso angeschnitten wie verschiedene Formen von Beziehungen unter Frauen, und die (Un)Möglichkeiten, diese auszuleben. Jedoch legt die Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, nie eine Vorverurteilung nahe, es liegt an den Zuschauenden, sich im Kopf ein Bild zusammenzusetzen und zu verstehen versuchen. Die Handlungen der Frauen bleiben alle nachvollziehbar und werden schlussendlich auch in ihrer Tragik und Schockhaftigkeit verstehbar.

Die abschliessende Episode schildert den letzten Tag im Leben der Ermordeten. Die Tat selbst wird nicht gezeigt, auch ihre näheren Umstände nicht. Die soziale Tristesse, in der die Menschen Jede_r für sich mit ihren Unvollkommenheiten, Hoffnungen und Traumata leben, ist dabei aber im Laufe des Films so deutlich geworden, dass Eine_n Motive und Topoi des Films noch lange nach dem Verlassen des Kinosaals beschäftigen.

Ein in all seiner Traurigkeit tief bewegender, anrührender Film, mit einer absoluten Ausnahme-Besetzung, die so unglaublich gut spielt, wie ich das in der Gesamtheit der cast bei einem Film schon lange nicht mehr erlebt habe. Brittany Murphy als impulsiv-traumabeladene Neo-Goth-Sexarbeiterin liefert hier die wohl beste Vorstellung ihrer an Höhepunkten nicht gerade armen Karriere ab, und auch die wunderbare Toni Collette als verhuschte Tochter einer herrschsüchtigen Übermutter, sowie Rose Byrne als emotional eingekapselte Pathologin, Mary Beth Hurt als sozial vereinsamte Ehefrau, Kerry Washington als Mitbewohnerin und Geliebte der Toten, und Marica Gay Harden als gutbürgerlich-verzweifelte Mutter legen hinreissende und noch lange hängenbleibende Ausnahme-Performances hin.

Harter Tobak, auf jeden Fall, und nichts für Popcorn-Kino-Fans. Wer aber aussergewöhnliche, ruhig erzählte und tief bewegende sowie zum Nach- und Weiterdenken anregende Filme mag, sollte sich "The Dead Girl" nicht entgehen lassen.
die_Lachsschaumspeise_!
sah diesen Film im Cinemaxx 1, Hamburg

31.03.2007, 06:35


Review

von Roughale
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Einer der gross angekündigten Filme der FFF Nights 2007, zugegeben, er war interessant angelegt, gut erzählt und auch herausragend gespielt, nur war er leider etwas zu langweilig erzählt und es fehlte mir an einer spannenden Wendung, die die interessante Erzählstruktur irgendwie erwarten liess, die kam aber nicht. Insofern blieb ein enttäuschter Eindruck bei mir zurück. Ich denke der Film war nicht gut als Opening Film in Hamburg platziert...
Roughale
sah diesen Film im Cinemaxx 1, Hamburg

02.04.2007, 11:13




Alle Bewertungen im Überblick:
Sidschei
Review zeigen (SPOILER!)
Bloodline
GeorgeKaplan
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LeslieVernon
todi
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Kommentar von kinokoller :
Drehbücher, die die Welt nicht braucht
Frage mich, von was für einem "Puzzle" in der Inhaltsangabe zum Film die Rede war? Darsteller, Kamera, Musik und Maske waren ok, aber die Story? Hanebüchen! Die Reaktion des Publikums nach der letzten Szene war dementsprechend verhalten.
28.09.2008, 12:01

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