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Deliver Us from Evil

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Fri os fra det onde

Aus dem offiziellen Programm:
Johannes zieht mit seiner Frau Pernille und den beiden Kindern hinaus aufs Land. Ein Neuanfang soll es werden – eine Flucht aus dem Dunstkreis der hektischen Großstadt; Entschleunigung als Familientherapie. Der gut situierte Akademiker kehrt zurück in jenes beschauliche Dorf in Westjütland, in dem er mit seinem Bruder Lars aufwuchs. Nichts hat sich hier verändert: Die Gemeinschaft hält zusammen, man geht in die Kirche, schwatzt mit den Nachbarn und vergnügt sich nach Feierabend mit einem Krug Bier auf der Kirmes. Doch dann liegt plötzlich die alte Anna auf der Landstraße, totgefahren vom Tunichtgut Lars.

Keiner hat’s gesehen, glaubt Lars, und richtet schnell den Finger anklagend auf Alain, den Flüchtling vom Balkan, den ohnehin jeder im Ort für einen einfältigen Trottel hält. Damit beschwört er ein selbstherrliches Blutgericht herauf. Bevor die Hexenjagd endgültig eskaliert, gewährt der Gutmensch Johannes dem Verletzten Zuflucht unter seinem Dach. Die Polizei, so hofft er, wird die Angelegenheit schon klären. Draußen steigern sich derweil erregte Worte zu rasender Wut – und als die Nacht hereinbricht, walzt ein unaufhaltsamer Mob auf das einsam liegende Anwesen zu. Enthemmt und von Hass geblendet fordern Männer und Frauen johlend das Blut des vermeintlich Schuldigen. Um jeden Preis. Wenn am nächsten Morgen die Sonne aufgeht, wird nichts mehr so sein, wie es vorher war …

Ole Bornedal ist ein ganz Großer seines Fachs. Kaum jemand in Europa verbindet sonst noch so gekonnt Spannungskino mit derart visuellem Einfallsreichtum und verweigert sich starrköpfig jeder Genrezuordnung wie der vielseitige Däne, der mit DELIVER US FROM EVIL nun schon zum fünften Mal beim Fantasy Filmfest gastiert. Sein neuester Film ist ein brachiales Meisterwerk – zuerst schwelgend in stiller, beinahe kantiger Poesie, später dann entfesselte Bildgewalt, deren anklagende Abgründigkeit geradezu weh tut. Das Panoptikum der Figuren verliert seine Unschuld in der Dynamik des rasenden Pöbels, dessen archaische Gewalt den Kampf gegen jegliche Moral bereits gewonnen hat. Der Mensch, wieder einmal, wird zum Tier.

Bornedal findet seine Motive im grimmigen Kino der 70er, bei Sam Peckinpah und John Boorman. Brutal und schonungslos hält er drauf auf die düstere Szenerie, wenn der Einzelne im Kollektiv zum Täter wird. Sowieso ist Schuld, die eigene und die der anderen, ein zentrales Thema in DELIVER US FROM EVIL. Johannes und Pernille, Lars und Alain erfahren erst in den Tiefen ihrer ganz persönlichen Hölle, dass am Ende des Tunnels ein Licht wartet. Vielleicht.


Selbstredend kann jeder Trailer potentiell Spoiler enthalten!


Score (BETA): 74 - 8.3 Sterne (65 Bewertungen) - 2009: 6.5/10

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