von Fans für Fans

Downloading Nancy

Dröger als erwartet

von tatabanya
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Der Film hat ja schon nicht so wirklich ein klasse imdb-Rating, und was ich gelesen hatte, war auch eher verhalten - nachdem mir Broken ausgeredet worden war, nun also Downloading Nancy. Nach 15 min ist klar, wo die Story hingeht, und das tut sie dann auch. Ganz in Ruhe. SM konnt ich nicht erkennen, wer da was sehen will, sollte "Secretary" gucken. Alles in allem, eine lebensmüde Frau mit Mißbrauchserfahrung spürt sich nur durch Selbstverletzung. Das war's eigentlich schon. Das kann man auch nicht Spoiler nennen. Sie macht sich auf den letzten Weg, und findet übers Internet ihren "Retter". Der wiederrum taucht bei ihrem Mann auf; was da allerdings sein Motiv war, blieb mir rätselhaft. Alles ist in tristem Grau/Grün/Beige gedreht. Das unterstützt zwar das Dröge des Films, nur, bei solcher Wohnungseinrichtung plus Ehe plus gesellschaftliches Leben, da würd ich mir auch wen in Baltimore suchen, der das beendet. Sorry, das war leider gar nix. Und nicht mal der Voyeurismus (herrje, wie schreibt man das?) wird befriedigt! Von daher: gähnende Leere. Halt, der Soundtrack, dieses Elektrogeklöppel und diese sphärischen Klangteppiche ... ich hab das schon mal wo gehört, kann mich nicht erinnern, und der Name vom Score-Menschen sagt mir gar nix - aber das fand ich richtig toll. Reicht aber nicht für 'nen Film.
tatabanya
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin

19.08.2008, 08:11


Erlöse mich

von johnsfilm
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Gefangen in einer bereits 15 Jahre andauernden monotonen Ehehölle (nie war Rufus Sewell so gut wie in der Rolle des peniblen, tumben Ehemannes), greift Nancy zum Rasiermesser, um durch den sich selbst zugefügten Schmerz überhaupt wieder etwas zu empfinden. Doch sie plant mehr...
Zustandsbeschreibung einer einsamen Frauenseele, welche die Grenzen eines Arthaus-Films nicht überschreitet. In der Reihe "Fresh Blood" fehlplaziert, hinterlässt der Film bleibende Erinnerung wegen der Hauptdarsteller, allen voran Maria Bello.
johnsfilm
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin

19.08.2008, 17:36


inspired by true events

von moritzleroy
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Wenn man sich das mittelmässige imdb Rating mal genauer ansieht, kann man ja sehen, dass die Leute den Film entweder super oder aber schlecht fanden.

Nancy ist das Portrait einer Frau, die für niemanden mehr erreichbar zu sein scheint. Der Film belegt das mit starken, schmerzvollen Szenen ihrer Ehe und diversen Sexszenen, die alle nicht gerade leicht zu sehen sind.
An keiner Stelle ist der Film dabei sentimental. Eher ökonomisch mit Gefühlen. Das funktioniert für meinen Geschmack völlig, weil das angesichts der Geschichte von Nancy die einzige Option ist, kitschfrei zu bleiben.
Darstellerisch und von der Inszenierung / vom Set her lässt sich sehr viel lesen in diesem Film, die Darsteller sind allesamt grossartig und er hat ein angenehm langsames Tempo. Visuell ist wieder mal alles in Richtung blau-grau stilisiert, aber der Effekt ist noch einigermassen subtil.
Für mich ist Nancy eher ein psychologisches Kammerspiel mit herausragenden Schauspielern und einem Thema, das selten-würdevoll auf die Leinwand gebracht wird.

Eine einzige Szene fiel komisch auf: Maria Bello als brave Ehefrau, die ihrem Mann ein Spitzen Essen auf den Tisch zaubert, das alles im heimischen Esszimmer...nee, das kauf ich nicht.
moritzleroy
sah diesen Film im Cinemaxx 3, Hamburg

21.08.2008, 10:11


Nancy missed the Wakeup Call

von Timo
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DOWNLOADING NANCY ist der erste Film des Festivals, den ich als richtig gut empfand. Der Suburbia-Clash ist sicher nicht das innovativste Thema, das ein typischer Sundance-Film zu bieten hat. Aber hier vermischt sich dieser mit dem grandiosen Schauspiel der drei Hauptdarsteller und den hypnotisch unterkühlten Bildern von Christopher Doyle. DOWNLOADING NANCY bedient sich gleich einer Vielzahl an Motiven: Die traumatisierte Ehefrau will hier nicht einfach raus aus ihrem Käfig, sie will ein Ende. Das bekommt der Zuschauer recht schnell zu spüren, dennoch schafft er es nicht, sich für eine der Optionen zu entscheiden. Hier liegen die Stärken von DOWNLOADING NANCY. Fast eine Spur zu akribisch zeigt der Film auf, dass du nicht lieben darfst, was du zu quälen versuchst und dass du nicht bereinigen kannst, was du vorher mühsam getrübt hast. Ich mochte das. Eben auch, weil der Film mehr Gedankensammlung als Spielfilm ist, dafür ist er auch zu unfilmisch. DOWNLOADING NANCY bedient sich der Gedanken und Gefühle seiner Protagonisten ähnlich wie auch PARANOID PARK, welcher in diesem Feld die Nase fast noch ein Stück weiter vorne hat. Dennoch kann ich dieses melancholische, langsame, triste Machwerk nur weiterempfehlen.
Timo
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

30.08.2008, 03:47


Leben und andere Grausamkeiten

von todaystomorrow
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Ein sehr ernsthafter, ein sehr ruhiger, ein sehr nahe gehender, ein sehr dramatischer Film. Hervorragend gespielt und von Christopher Doyle hervorragend gefilmt. Von mir leider kaum angemessen zu bewerten, weil als fünfter Film des Tages um Mitternacht gesehen, und dann auch noch im Anschluss an "Martyrs" - der mich zu diesem Zeitpunkt noch ganz frisch beschäftigte.

Im Vergleich zu jenem fehlte "Downloading Nancy" etwas die Kraft, um mich unmittelbar aufzuwühlen, was aber unter diesen Bedingungen auch kein Wunder war. Wenn man sich aber auf den Film einlassen kann, auf die bedächtige Erzählweise, auf die vielen vielen Zwischentöne und die sich erst Stück für Stück erschließenden wirklichen Hintergründe des Geschehens... dann wird man in ziemlich freudlose Abgründe des Lebens gestoßen. Nämlich in die, die sich Leere, Sinnlosigkeit und absolute Freudlosigkeit eines belanglosen Daseins nennen.

Und was das Ganze erst so richtig bitter macht: diese Abgründe Nancys sind nicht die eines in irgendeiner Weise schlimmen Schicksals. Natürlich, sie wird von ihrem Mann vernachlässigt und sogar ignoriert, treibt in kalter Einsamkeit durchs Leben und findet nur noch in der E-Mail-Kommunikation mit einem sexuell dominant veranlagten Fremden etwas, das ihr Auftrieb gibt - da er ihr offensichtlich Interesse entgegenbringt. Sie sich damit wieder "sinnvoll" oder jedenfalls existent fühlt. Tatsächlich aber kann man aus der Geschichte dieses Films auch etwas viel Existenzielleres herauslesen. Nämlich die ungemütliche Wahrheit, dass Leben als solches nichts wert ist. Solange man kein Ziel mehr für sich findet, auf nichts hin lebt, von keiner Hoffnung mehr aufrecht erhalten wird - solange können die Rahmenbedingungen noch so sehr in Ordnung sein, man wird nur unglücklicher und unglücklicher, falls man sich selbst gegenüber ehrlich ist.

Nur, was macht man dann, wenn man das erkennt? Kann man diesen Zustand überhaupt noch verändern? Sich allein durch eine bewusste Entscheidung ein neues Leben verschaffen? Oder bleibt einem am Ende nicht doch nur die Suche nach dem am besten geeigneten Weg, sich wieder lebendig zu FÜHLEN - sei es durch Selbstverletzung, sei es durch die physische Flucht aus dem Bestehenden?

So habe ICH den Film gelesen. Aber er bietet natürlich auch die einfache Betrachtung des Schicksals einer einzelnen Frau an, die noch einmal einen Grund dafür finden möchte, am Leben zu sein. Und die mit ihrem bisherigen Nicht-Leben abschließen, abrechnen möchte. Wie auch immer man das Gesehene deutet, Antworten werden nicht viele gegeben, allgemeingültige schon gar nicht. Und auch in der Einordnung, der Bewertung seiner durch die Bank großartig besetzten und gespielten Charaktere hält sich "Downloading Nancy" angenehm zurück. Man muss sich seine eigenen Gedanken machen - was man zunächst über eine Figur zu wissen, zu verstehen glaubt, kann sich im Laufe des Films durchaus verschieben.

Sehr viel Symbolgehalt, sehr wenig Konkretes. Sehr viele Dialoge, sehr wenig Handlung im klassischen Sinne. Sehr viele Gedanken, sehr viel Tiefe, sehr viel Unterkühltheit und, darunter verborgen, sehr viele Emotionen. Aber auch sehr wenig Tempo. Ein Film, für den man sich Zeit nehmen und auf dessen deprimierende Schwere man sich einlassen muss. Das konnte ich in diesem Moment nur bedingt - darum von mir nur 6,5 Punkte. Aber eine Empfehlung.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 3, Frankfurt

30.08.2008, 05:32


"What makes you so special?"

von The_Coma-man
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DOWNLOADING NANCY stand dieses Jahr für mich ganz weit oben auf der Liste: der Überraschungserfolg vom Sundance, Maria Bellos schon vielgelobte Darstellung und ein mehr als interessantes Thema machten "Nancy" zum Pflichtprogramm.

Doch ganz ehrlich, den Lobeshymnen hier kann ich mich ganz und gar nicht anschließen.
Vielleicht weil es schon eine Menge wesentliche besserer Filme zu dem Thema gibt, oder man in seinem Leben ähnlichem schon Mal begegnet ist - DOWNLOADING NANCY hat mich vollkommen enttäuscht.

Zu erst zum Guten:
Maria Bello spielt tatsächlich bestechlich. Ihre Darstellung eines zerstörten Charakters ist überzeugend und eine Tour de Force. Zu schade, dass der Charakter, den sie spielt, wirklich schmerzhaft aufs eigene Leid konzentriert ist. Angesprochen während des Filmes, warum Nancy denn denkt, dass sie so "besonders" ist, dass ihr Leiden so groß ist, dass sie nicht mehr Leben möchte, setzt sie nur einen grundlosen Wutanfall entgegen. Dem Zuschauer werden zwar immer wieder Anhaltspunkte gegeben, woher ihr Zustand stammen könnte (Missbrauch, lieblose Ehe etc.), doch schafft der Film nie eine nötige Balance zu finden. Rufus Sewell als liebloser Ehemann trägt mit einer höchst übertriebenen Performance auch nicht zum positiven Eindruck bei.

Je weiter der Film voranschreitet, um so unnachvollziehbarer werden die Handlungen der Protagonisten, es scheint, als würde sich der Trotz Nancys auf die anderen Figuren legen, bis die einzelnen Charaktere spätestens in der Mitte des Films so merkwürdig agieren, dass man sich nur noch in einem Kunstprodukt wähnt, und nicht mehr in der Darstellung eines realistischen Leidens (oder einer realistischen Krankheit).

Kamera und Regie sind überraschend blass (trotz Christopher Doyle), die Nebenfiguren bleiben schemenhaft und es fällt einem zunehmend schwerer nachvollziehen zu können, warum jeder der Protagonisten nur noch den Ausweg in der Katastrophe sieht.

Als Fazit bleibt ein Film, dessen Thema in anderen Filmen sowohl wesentlich besser behandelt wurde, der die realistische Seite einer Krankheit wie manischer Depression oder dem Borderline Syndrom zeigen möchte, dafür aber zu künstliche Charaktere und eine zu unnachvollziehbare Handlung schafft, um wirklich zu überzeugen.
The_Coma-man
sah diesen Film im Cinemaxx 7, Berlin

02.09.2008, 10:03


Uploading Review

von Acrylamid
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Unter dem Namen "Downloading Nancy" konnte ich mir wenig vorstellen, ebenso passend hätte er als "The Art of Negative Thinking" oder "Just another Lovestory" firmieren können. Jedenfalls erwartet einen ein Film, der wenig klassische Handlung, dafür viele kleine Ereignisse darstellt. Die einzelnen Puzzlestücke liefern ein trauriges, tragisches Bild über das Leben dreier Menschen. Manche Szenen haben aber auch den Effekt, dass man lachen muss um nicht zu weinen, manchmal mit den Figuren, manchmal über sie, manchmal beides.

Nancy, eine Frau zerrieben zwischen Schmerz und ihrem abnehmenden Lebenswillen, macht sich auf eine Reise nach Baltimore um Louis zu treffen, den sie im Internet kennengelernt hat, ohne ihrem Ehemann Albert zuvor etwas davon zu erzählen.
In ständigen Zeitsprüngen werden typische Einzelerlebnisse über die Figuren erzählt; durch die Figurenkonstellationen hat man als Zuschauer aber nie Probleme mit der zeitlichen Einordnung.
Die eine Zeitebene spielt vor Nancys Abreise und präsentiert Szenen einer Ehe und Besuche bei der Therapeutin.
Die nächste zeigt Nancy bei Louis und den zurückgebliebenen Albert.
Schließlich sieht man, wie Louis Albert einen Besuch abstattet.
Die Spannung erschließt sich weniger daraus, was passieren wird, vielmehr, warum es passieren wird. Man versucht Nancy zu verstehen, leidet mit ihr mit, schaut sie entsetzt an, zweifelt.

Als Zuschauer fällt es schwer, einen "Schuldigen" zu benennen, von Szene zu Szene wechseln die Sympathien, die man empfindet, obwohl sich die Figuren doch alle in sich konsequent verhalten. Antworten gibt der Film keine, dafür stellt er viele Fragen:
Wer ist Opfer, wer Täter, wer Nutznießer?
Wie soll man mit seinem Schmerz umgehen?
Was soll man tun, wenn das Leben nicht mehr lebenswert erscheint?
Wer kann helfen - der Ehemann, ein Unbekannter, die Therapeutin, man selbst?
Und wie kann Hilfe aussehen?
Können die Wunden der Vergangenheit überhaupt jemals heilen?

Der Film maßt sich nicht an, dafür Antworten zu finden.
Kann reine menschliche Empathie anderen helfen, sich selbst zu helfen?
Der Film bejaht diese Hoffnung zwar nicht, weckt aber doch im Zuschauer den Antrieb, im Zweifelsfall noch geduldiger mit seinen Mitmenschen und deren Problemen zu sein, den anderen nicht allein zu lassen.
Und das ist doch schon eine Menge Positives für so einen negativen Film.
Acrylamid
sah diesen Film im Cinecitta' 2, Nürnberg

04.09.2008, 12:15




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