von Fans für Fans

Eden

Sehenswert

von landscape
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Für eine Art Filmdoku ein wirklich guter Film, der ein paar Täter und Opfer gut herausarbeitet, so daß man ein Bild von der Komplexität und vom Ausmaß der Organisation bekommt.
Die Tränendrüse wird nicht bedient, der Blick beschränkt sich auf den "Frauenknast" und einige wenige Außeneinsätze - andere Regisseure hätten vielleicht versucht, die Familien der Opfer in Parallelgeschichten leiden und verzweifeln zu lassen, damit es richtig fürchterlich wird. Das braucht es nicht, und so erlebt man, wie Eden daran arbeitet, irgendwie einen sicheren Platz zu ergattern...
Fürs Fantasy Filmfest vielleicht ungewöhnlich, aber definitiv ein Festivalfilm.
landscape
sah diesen Film im Cinemaxx 4, Hamburg

25.08.2012, 00:38


Gut gemeint ...

von johnsfilm
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Auf der Geschichte der in Südkorea geborenen Amerikanerin Chong Kim basierendes Drama der jungen Hyun Jae, die nach gezielter Entführung zur Zwangsprostitution versklavt, fortan als "Eden" gezwungen ist, sich den widerlichsten Umständen innerhalb des geschlossenen Systems eines im großen Stil betriebenen Sexrings anzupassen und Überlebensstrategien zu entwickeln, die es ihr nach quälend langer Zeit ermöglichen, zu entkommen.
Die filmische Umsetzung von Regisseurin Megan Griffith richtet sich eindeutig an das Multiplexkinopublikum. Und das tut dem Film nicht gut. Mit gefälliger Musik unterlegte, teilweise überaus geschönte Bilder, die einen ansatzweisen Realismus im Keime ersticken. Der dem Lebensschicksal logischerweise geschuldeten Vorhersehbarkeit wird nichts entgegengesetzt. Schockierend bleibt einzig und allein die "true story". In diesem Falle wäre eine Doku ergreifender und erhellender. Fazit: gutgemeintes Filmdrama, das durch beliebigen, seichten, gefälligen und spannungsarmen Inszenierungsstil als "parental guided educational" im TV besser aufgehoben ist.
johnsfilm
sah diesen Film im Event Cinema, Berlin

25.08.2012, 11:45


irgendwo!

von Christian
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Eden ist ein wirklich toller Film. Damit könnte ich mein Review auch gleich beenden. Um zu beschreiben, was in einem während der 100 Minuten vorgeht, braucht man doch ein wenig mehr als ein paar Zeilen. Ich beschränke mich daher mal auf ein paar wenige Aussagen:

Cinematographie ist eine 1 mit Sternchen. Soundsetting ebenfalls perfekt eingebettet.

Eden ist kein Film, den man gut als Pausenfüller konsumieren kann. Er entfaltet Nachwirkung.

Man erkennt sofort die Handschrift einer Frau auf dem Regiestuhl (5 Euro fürs Phrasenschwein). Augenzeugen werden beipflichten. Das Thema hätte man ganz anders inszenieren können.

Eden beginnt spielfilmhaft und wirkt dann doch mehr und mehr dokumentarisch. Wenige Schlüsselsätze ziehen sich durch den Film und bleiben haften, so wie einige Bilder.

Schwere Kost, herausragend eingefangen.

Unbedingte Empfehlung.
Christian
sah diesen Film im Cinemaxx 4, Hamburg

25.08.2012, 12:44


Zwangsverniedlichung auf Samtpfoten

von Sonysonic
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Selbst wenn sich diese Verfilmung auf die möglichst realitätsgetreue Verbildlichung einer prostitutionszweckdienlichen Entführung der Hauptdarstellerin stützen sollte, so mangelte es mir (so makaber dies unter Betrachtung der von Grund auf bereits inhumanen Ausgangssituation klingen mag) leider an der sonst üblichen (Über)Dramatisierung!

Teil dieser Realitätsnähe ist, dass die Hauptdarstellerin naturgemäß in dieser Verfilmung eines tatsächlichen Ereignisses selbstverständlich möglichst gleicher Nationalität wie das damalige (reale) Opfer ist. Problematisch ist jedoch, dass bspw. für uns Europäer Menschen mit fernöstlicher Herkunft über ein scheinbar nur sehr eingeschränktes bzw. schwer lesbares Mienenspiel verfügen. Da es sich jedoch um ein höchst emotionales Thema handelt, fiel es mir deutlich schwer, die Rolle der Darstellerin abzunehmen.

Der Umgang mit den Insassinnen (sowie untereinander) ist (meistens) ungewöhnlich human und selbst die fluchtzielenden Maßnahmen der Protagonistin verlaufen recht reibungslos und werden teils vernachlässigend geahndet.

Für mich fehlt es insgesamt an emotional authentischer Dramaturgie und glaubhaft mitleidsloser Inszenierung dieser.
Sonysonic
sah diesen Film im Event Cinema, Berlin

29.08.2012, 03:27


Review

von Francis
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Ein erschütterndes, auf einer wahren Geschichte beruhendes Drama um ein Mädchen, das entführt und zur Prostitution gezwungen wird.
Wenn man vergleicht, was man an Brutalität auf Leinwand gebannt schon gesehen hat, dann nimmt sich Eden eher harmlos aus. Denn der Horror besteht darin, dass es nicht irgendwo, sondern mitten in Amerika passiert. Geschützt durch Polizei und einen abgelegenen Standort fliegt der Menschenhandel nicht auf. Die Beteiligten gehen ihren Tätigkeiten (Entführung, Mord etc.) nach, als würden sie einen langweiligen 08/15-Job haben und die Mädchen wirken trotz des erniedrigenden Lebens alle ganz fit und munter. Dadurch zeigt der Film manchmal eine zu sanfte Seite und spielt damit diesen wahren Horror herunter.
Francis
sah diesen Film im Cinestar, Berlin - Original-Review

09.09.2012, 22:52


Review

von BuzzG
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Für den vollen Text bitte auf den Link unten klicken:

Megan Griffiths kann schicke Bilder inszenieren - bei ihrem Drama „Eden" hat die Regisseurin den Ton des finsteren Themas jedoch gänzlich verfehlt. Dies ist die wahre Geschichte einer jungen Frau, die eines Nachts von einigen grausamen Gestalten entführt und neben anderen Mädchen in einer umgebauten Lagerhalle als Prostituierte gefangengehalten wird. Mitten in den USA. Es ist eine Geschichte, die erschüttern und bewegen sollte. Doch die Filmversion der Ereignisse vermag es nicht, echte Emotionen für das Leid ihrer Protagonistin hervorzurufen - die Darstellung ist zu glatt, zu sauber, zu wenig bedrohlich. Fast könnte man meinen, dies sei eine neuzeitliche, gebügelte Variante früherer Women in Prison-Produktionen aus dem Roger Corman-Katalog.
BuzzG - Original-Review 
15.09.2012, 01:14


Review

von Alan Smithee
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„Eden" basiert auf dem Schicksal von Chong Kim, einer koreanisch-stämmigen US-Amerikanerin, die als Teenagerin entführt und von Menschenhändlern über zwei Jahre lang zur Prostitution gezwungen wurde. Nach ihrer Flucht vergingen fast sechs Jahre, bevor sie mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit trat. Auslöser war eine Konferenz an der University of Minnesota über organisierten Menschenhandel („human trafficking"), bei der osteuropäische Frauen von ihren Erfahrungen berichteten. Die Aussage eines Sachverständigen, dass US-Bürgerinnen in ihrer Heimat vor diesem Schicksal sicher seien, machte Kim wütend und veranlasste sie aktiv zur Aufklärung der Öffentlichkeit beizutragen. Sie gründete eine wohltätige Organisation (MASIE - Minorities and Survivors Improving Empowerment), die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution unterstützt, und tritt regelmäßig als Rednerin bei Informationsveranstaltungen mit entsprechendem Schwerpunkt auf. Kim wirkte auch am Drehbuch von „Eden" mit, der in den USA leider nicht regulär in die Kinos kam, aber immerhin auf einigen Festivals ausgezeichnet wurde und mittlerweile auf DVD erschienen ist.

Hyun-Jaes Geschichte in „Eden" orientiert sich eher lose an Kims Leidensweg, bleibt ihm ab dem Zeitpunkt der Entführung aber in den wesentlichen Punkten treu: ihre Gefangenschaft mit anderen Teenagerinnen, die regelmäßigen Treffen mit „Kunden", Folter bei Ungehorsam. Überraschenderweise ist der Film in seiner Darstellung verhältnismäßig zurückhaltend: Sexuelle Gewalt, Kinderprostitution, Babyhandel und Exekutionen werden nur indirekt gezeigt oder am Rande erwähnt. Es spricht für Megan Griffiths (Regie und Drehbuch), dass sie ganz bewusst eine exploitative Herangehensweise vermied und Rücksicht auf Kims Gefühle nahm. Dass ich eine explizitere Darstellung zu keinem Zeitpunkt vermisst habe, lag vor allem an Jamie Chungs schauspielerischer Leistung: Die anfängliche Panik und Verzweiflung der Hauptfigur fängt sie ebenso glaubwürdig ein wie die Entschiedenheit, mit der sich Hyun-Jae später in eine moralische Grauzone begibt, indem sie ihre Peiniger aktiv unterstützt, um zu überleben. Aus meiner Sicht trägt es erheblich zur emotionalen Wirkung des Films bei, dass ihre Rolle nicht auf die eines Opfers reduziert ist.

Am Ende bleiben einige Fragen offen, was von Griffith gewiss beabsichtigt war, um den Zuschauer zur weiteren Auseinandersetzung mit der Thematik zu bewegen. Der Film wäre vermutlich noch bedrückender geworden, hätte er sich enger an Kims Biografie gehalten. Für mich fällt dies aber nicht wirklich ins Gewicht, da die US-amerikanische Öffentlichkeit laut Hilfsorganisationen unzureichend über die Existenz von Menschenhandel innerhalb der eigenen Landesgrenzen informiert ist und „Eden" in seiner entschärften Form wohl ein größeres Publikum erreichen wird.
Alan Smithee
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

03.08.2013, 23:17




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