von Fans für Fans
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Eden Log

Kein Paradies für Klaustrophobe

von D.S.
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Unterkühlt, düster, unangenehm - und komplett monochrom: allein durch seine visuelle Ebene sticht "Eden Log" schon mal deutlich aus der Masse des Filmangebots heraus. Auch narrativ ist er recht ungewöhnlich und verheißt erst mal eine interessante Erfahrung: denn wir erleben das Geschehen mit der Hauptperson, die zu Beginn des Films ihre komplette Erinnerung verloren hat und irgendwo in der absoluten Finsternis im kalten Matsch ihr Bewusstsein wiedererlangt. Gemeinsam mit ihr erarbeiten wir uns sehr langsam, sehr mühsam, Schritt um Schritt eine Kenntnis des Ortes, an dem wir uns befinden und der Situation, mit der wir konfrontiert sind.

Bis wir alle Details richtig einordnen können, vergeht viel Zeit - in der wir nie so genau wissen, was um uns herum eigentlich passiert und was die Hintergründe davon sind. Viel will ich hier auch gar nicht verraten, da sonst eben jener Effekt des eigenständigen Entdeckens/Aufdeckens verloren gehen würde. Unsere Umgebung ist jedenfalls eine maschinenhafte, unfreundliche, in der eine merkwürdige, machtvolle Pflanze wuchert und in der seltsame, aggressive Wesen Jagd auf alles Menschliche machen...

Leider ist es nicht unanstrengend, "Eden Log" anzusehen. Die permanente Dunkelheit unter Tage, die kratzenden Geräusche, die den akustischen Raum füllen, die deprimierende Farbgebung, das Nichtwissen um Raum, Zeit und tatsächliches Geschehen um uns herum... das zerrt ganz schön an den Nerven. Zudem ist der Film nicht eben tempogeladen inszeniert - seine Platzierung um 16 Uhr ist das einzig Richtige.

Wohlfühlen kann man sich hier sicher nicht. Inwieweit man sich aber involvieren lässt, ist eine andere Frage. Mir gelang das nicht so ganz, da mich Kameraführung und Setting auf Dauer eher langweilten. Hinzu kommt, dass die Story - als sie denn schließlich offenbar wird - alles andere als umwerfend originell ist, ja eigentlich sogar eher triviale Botschaften verbreitet. Ich fühlte mich im Speziellen an einen ganz bestimmten, damals aufsehenerregenden Film aus den 1970ern erinnert, was die Aussage angeht.

"Eden Log" ist ein Film, durch den man sich beißen muss. Mich fesselte er bei weitem nicht genug und hinterließ mich eher, tja, unterkühlt. Aber immerhin versucht er visuell und erzählerisch mal etwas anderes. Und Klaustrophobie erweckt er recht überzeugend zum Leben. Mehr als 4 Punkte kann ich ihm trotzdem nicht geben...
D.S.
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.03.2008, 04:18


System Shock

von lexx
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Wunderbar diese Franzosen, einfach wunderbar. Von der ersten bis zu letzten Sekunde bin ich derart intensiv in dieses abgrundtief geniale Sc-Fi "Endzeitszenario" eingetaucht, daß ich gar nicht mehr nach Luft schnappen wollte. In der Kürze liegt wohl auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Film, hier hätte man ruhig noch eine Stunde weiter drehen können, ich hätte es schlichtweg genossen.
Viele werden meine Euphorie vielleicht nicht ganz nachvollziehen können, es gab auch keinen Applaus am Ende, aber es hängt eben ganz davon ab, ob man sich von der Atmosphäre des Filmes völlig vereinnahmen lassen kann und damit immer tiefer und tiefer in diese Welt eintaucht, viel tiefer noch, als man es sonst gewohnt ist. Wer mit dem Szenario nichts anfangen kann und es nicht bereits als Genuss ansieht, dem Hauptdarsteller auf dem Weg durch die tiefen, unergründlichen, chaotischen Ebenen zu folgen, dem wird der Film nur schwer schmecken. Ich hatte mich wie bei allen anderen Filmen auf diesen FFFN in keinster Weise über die Filme vorher erkundigt, einfach Dauerkarte bestellt und rein ins Vergnügen. Dieser Schachzug war wirklich die beste Maßnahme, die ich mir antun konnte. Wenn der Film startet und man keine Ahnung hat, wo man sich befindet, worum es geht und der Film das auch genau so vermitteln möchte, dann schnellt der Filmgenuss ungemein in die Höhe. Wir begleiten den Hauptdarsteller durch Sets, die so atemberaubend genial designed sind, daß man die Kinoleinwand nicht mehr als solche wahrnimmt. Wir kriechen durch Labyrinthe, voll gepackt mit Blech, Dreck, Elektronik, Wurzeln, allerlei verrückten, engen Räumen, poltern von einer misslichen Lage in die Nächste und erfahren nach und nach mehr über die Geschichte dieser zerfallenen Welt. Wer das Gefühl von alten PC-Rollenspielen kennt, sich die ganz Nacht lang durch morbide Dungeons gekämpft zu haben, die eigenen vier Wände um sich herum völlig zu vergessen, der kann sich in etwa vorstellen, wie Eden Log auf einen wirken kann. Fast scheint es, als hätte die Film-Crew ein Leben lang System Shock gespielt um nun endlich diese Leidenschaft auf die Leinwand zu bannen. Hinzu kommt ein sagenhafter Ambient-Soundtrack, der jedem Altmeister experimenteller, elektronischer Musik alle Ehre macht. Ich halte jetzt schon Ausschau nach dem OST.
Ich möchte noch kurz eine kritische Aussage von blairwitch.de zitieren: "viel zu oft wird der Betrachter in diesem tiefen Loch aus Dunkelheit zurückgelassen." Richtig, aber eben das ist ja der Reiz, der Betrachter ist derart auf sich alleine gestellt, in dieser verzweifelten, endzeitlichen Welt, wie selten zuvor in einem Film. Wer wirklich erleben will wie es ist, wie man sich fühlt, wenn alles zu Ende ist, das Chaos regiert und unsere industrielle Welt in Schutt und Asche liegt, der hat mit Eden Log sein Highlight gefunden.
Lange Rede, kurzer Sinn, Eden-Log ist mein persönliches Highlight auf den FFFN 2008 und für mich jetzt schon ein zeitloser Klassiker in Reinform. Ich kann nur hoffen, daß dieser Film sein Publikum finden wird, auch wenn er an den Kinokassen leider zu floppen scheint.
lexx
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

31.03.2008, 07:40


Ein Experiment

von GeorgeKaplan
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Man muss gar nicht gar nicht großartig nachschlagen, was Herr Vestiel vorher gedreht hat, denn spätestens nach einer Viertelstunde weiß man, dass das sein Debütfilm ist. Mit all seinen Stärken, aber noch mehr seinen Schwächen.

Stilistisch imponiert der Film, keine Frage. Allein der Beginn mit den stroboskopartigen Effekten, da hat er ne ganze Menge an der Filmhochschule gelernt. Und monochrom, klar, für einen echten Cineast ist edles Schwarz-Weiß Ehrensache.

Worum geht's? Das ist das Problem, nicht nur für den Helden. Man erfährt sehr lange Zeit überhaupt nichts. Nun ist es keine schlechte Eigenschaft, sich für eine Geschichte Zeit zu nehmen, wenn man denn eine Geschichte wirklich erzählt. Wenn aber gar nichts passiert bzw. der Zuschauer auch bewusst nichts erfahren soll, wird es irgendwann langweilig. Hierin liegt das Problem des Films: Die Auflösung ist die Geschichte. Er kann sie gar nicht vorher verraten, da er sonst keinen Trumpf mehr in der Hand hat.

Und es genügt leider nicht für einen Langfilm, eine Idee für eine Kurzgeschichte künstlich in die Länge zu ziehen und bis dahin auf die tolle Atmosphäre, das schöne Sounddesign und die klaustrophobischen Sets zu setzen, aber den Zuschauer außen vor lässt. Vor allem dann, wenn die Auflösung nicht mal besonders originell präsentiert wird - und sie es eigentlich auch nicht ist.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 4, Köln

07.04.2008, 01:08




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