von Fans für Fans

Enemy

Itsy-bitsy spider...

von ArthurA
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Denis Villeneuve hat mit seinem (Fast-)Meisterwerk Prisoners letztes Jahr einen meiner absoluten Lieblingsfilme von 2013 abgeliefert. Enemy, den er noch vor Prisoners abgedreht hat, ist weit entfernt von der Mainstream-Sensibilität seines Hollywood-Films. Hier herrschen Symbolik, Metaphorik und eine gute Portion an "What the fuck?!". Jake Gyllenhaal, den Villeneuve auch in Prisoners zu Höchstleistungen antrieb, glänzt auch hier in der anspruchsvollen Doppelrolle. Doch der Star ist hier die Regie von Villeneuve, der auch ohne Kameramann Roger Deakins atemberaubende Bilder auf die Leinwand bannt und eine wirklich unter die Haut gehende Atmosphäre erschafft. Das Problem von Enemy ist, dass er sich mit den diversen unterschwelligen Themen von Politik und Individualität sich in seiner 90-minütigen Laufzeit etwas übernimmt. Hier wäre vielleicht weniger auch mehr gewesen. Teilweise wird man als Zuschauer mit Bildern und Motiven überfrachtet. Nichtsdestotrotz ist Enemy ein gelungener, gelegentlich zutiefst verstörender und stets fesselnder Psychotrip gelungen, der gleichermaßen fasziniert, verwirrt, erschreckt, ärgert, erstaunt und schockiert. Nichts für Arachnophobiker!
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom, Köln - Original-Review

16.03.2014, 04:49


Ich glaub' ich spinne

von Herr_Kees
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Düster-depressives Doppelgängerdrama, dessen "Story" für einen netten Kurzfilm gereicht hätte, das aber auf Teufel komm raus bedeutungsschwanger und mysteriös wirken will, weshalb alle Einstellungen in die Länge gezogen und unheilvoll atonal vertont werden mussten, was im besten Fall prätentiös daher kommt, im schlimmsten Falle nervt - und mit dem abrupten Ende macht es sich der Film dann wirklich zu einfach.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

24.03.2014, 00:04


Der Feind in meinem Bett?

von roother
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Adam ist Geschichtslehrer und führt ein relativ tristes Leben. Neben den immer gleichen Unterrichtsstunden, dem Lesen und dem Sex mit seiner Freundin, kommt kaum Neues in Adams Leben. Dies ändert sich schlagartig als er sich (ganz im Gegensatz zu seinem Naturell) einen Film ansieht und darin eine Person entdeckt, die ihm bis auf Haar gleicht...

Enemy entpuppt sich als recht sperriges Werk, voll mit Metaphorik, Symbolik und Metaebenen. Fragen nach dem Wesen des Menschen treten auf. Was macht uns zu dem, der wir sind? Wer lenkt unser Leben - wir selbst, die Menschen um uns, ein politisches System? Was würden wir machen, wenn wir unsere Sozialisation wieder auf null stellen könnten? Wären wir dann jemand anderes oder entwickeln wir uns unweigerlich erneut zu der Person, die wir schon immer waren?

Villeneuve wirft uns immer wieder kleine Häppchen hin, Brotkrumen, durch die er fast unmerklich eine Metaebene aufbaut. Ohne diese, also rein auf die narrative Ebene reduziert, lässt sich das Gesehene kaum erklären und es entsteht der ein oder andere WTF-Moment.

Die grandios aufspielenden Darsteller lassen das Geschehen nie langweilig werden, sondern ziehen einen immer tiefer in das Mysterium rund um Adam und dessen „Doppelgänger".

Enemy ist ein Film, der noch lange nachwirkt und etliche Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit der Thematik liefert. Kein einfacher Film, aber ein extrem packender. Nach dem recht geradlinigen, aber extrem spannenden „Prisoners", überzeugt Villeneuve auch mit seiner Adaption von José Saramago „The Double" auf ganzer Linie.
roother
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

25.03.2014, 20:42


Spinnt ein Netz in deinem Kopf & du bist gefangen!

von Leimbacher-Mario
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Es gibt auch in jüngster Vergangenheit noch Filme, die mich so umgehauen, verwirrt & gleichzeitig begeistert haben, dass ich sie fast mit den ersten Eindrücken einiger Meisterwerke von Kubrick oder Tarkovsky auf mich vergleichen würde. Ob ein "Under The Skin" oder eben "Enemy" auch in Jahrzehnten noch so einen Nachhall haben werden wie "2001" oder "Solaris", bleibt natürlich abzuwarten & anzuzweifeln. Aber trotzdem ist es schön zu sehen, dass solche verschachtelten, extrem cleveren Werke überhaupt noch produziert werden. Villeneuve baut mit diesem Psychotrip seine beeindruckende Serie an tollen Filmen aus & man muss sich um den neuen Blade Runner, den er übernimmt, trotz unermesslich hoher Erwartungen wenig Sorgen machen. Spoilerwarnung direkt mal, da es schwer ist, meine komplette Begeisterung ohne diese rüber zu bringen.

"Enemy" handelt oberflächlich von einem gelangweilten Professor, der eines Tages in einem Film einen Darsteller entdeckt, der genauso aussieht wie er. Er nimmt Kontakt auf & ein komplexes Spiel beginnt, bei dem nichts so ist, wie es scheint, alles möglich ist. Von siamesischen Zwillingen bis hin zu Einbildung, Zeitschleifen, Träumen oder der wahrscheinlichsten (& richtigen) Interpretation, dass beide ein & dieselbe Person sind & die Geschichte uns mit dem Unterbewusstsein eines fremdgehenden Ehemanns konfrontiert. Mehrmals sehen ist fast ein Muss, selten lohnte sich ein Film so für den Heimkinoschrank von geneigten Arthouse-Thriller-Fans & Rätselknackern! Ein Film wie ein Alptraum, faszinierend & angsteinjagend zugleich!

"Enemy" liebt man einfach oder man kann gar nichts mit ihm anfangen. Das hat dann nicht unbedingt mit "schlauen" & "dummen" Menschen zu tun, eher mit Zuschauern, die sich auf Filme einlassen & auch nach Abspann gerne denken & forschen, im Gegensatz zu Zuschauern, die es gewohnt sind, dass ihnen alles vorgekaut & erklärt wird. "Enemy" ist extrem sperrig, bietet dutzende Interpretationsmöglichkeiten & hat mich gefesselt wie die vielen Spinnenbezüge im Film. Gyllenhaal hat definitiv ein Händchen für gute, nicht leicht zu lösende Rätselfilme - "Enemy" geht vielleicht sogar noch etwas weiter als "Donnie Darko". Dass der Herr mittlerweile einer der besten Schauspieler der Traumfabrik ist, dürfte eh jedem klar sein. Eine beeindruckende Show in beiderlei, gegensätzlichen Rollen.

Dass Villeneuve auch optisch & technisch zu den versiertesten momentan aktiven Regisseuren gehört, sieht man auch bei "Enemy" an allen Ecken & Enden. Von seinen typisch erdig-blassen Farben bis zum hypnotisch wummernden Soundtrack - ein Fest & schon allein deswegen sind die 90 Minuten ein Genuss, für mich nie langweilig. Dass die Geschichte sich dann wie ein Mix aus Hitchcock, Antonioni, Lynch & Nolan entfaltet, trägt den Rest zu meiner Begeisterung bei. Und die finale Einstellung war so unerwartet & WTF?, dass mein Puls nochmal in die Höhe schoss. Sicher ist: Arachnophobiker halten besser Abstand! Im Übrigen auch ein echter Männerfilm - aber das Gegenteil eines Films für einen Männerabend mit Bier & kurzweiliger Unterhaltung. Dass der Film auf Netflix & anderen Streaming-Portalen so eine schlechte Durchschnittsnote hat, spricht nicht gerade für die dortigen User & deren Anspruch.

Fazit: einer der kryptischsten & metaphorischsten Filme aller Zeiten. Entweder man verliert sich, oder es lässt einen kalt. Wer mein Review gelesen & meine Wertung gesehen hat, weiß, wo ich mich wiederfinde!
Leimbacher-Mario

14.04.2016, 08:12




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