The Feast

Watshia di dy hun

von Herr_Kees
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Die neue Aushilfe für das geplante Festmahl im schicken, aber in jeder Hinsicht kühlen Anwesen der walisischen Politikerfamilie scheint seltsam abwesend. Sie spricht kaum, wandert durch die Gänge anstatt den Tisch zu decken und reagiert etwas extrem auf die frisch geschossenen Hasen. Doch irgendwie scheint sie einen subtilen Einfluss auf alle Anwesenden zu haben. Und wie kommen eigentlich auf einmal die Erdspuren auf die weiße Tischdecke?

Wer sich ein wenig mit Horrorfilmen auskennt, braucht nicht lange, um hier altbekannte Genremuster des Öko- und Folkhorrors wiederzuerkennen. Schließlich beginnt der Film mit einer Erdbohrung in unberührter Natur, bei der ein Arbeiter zusammenbricht.

So ist es auch weniger spannend, was passiert, aber durchaus interessant, wie es dargestellt wird. Hier kann THE FEAST mit einer kunstvollen Inszenierung, ungewöhnlichen Bildern, unterhaltsamen Charakterportraits, interessanter walisischer Sprache und nicht zuletzt gutem Essen punkten.

Auflösung und Finale der Geschichte sind dann wie angenommen wenig überraschend, trotz ein paar grauslicher Szenen funktioniert der Film als Metapher deutlich besser denn als Horrorfilm.
Herr_Kees
sah diesen Film im Gloria, Stuttgart

23.10.2021, 01:26


Schmeckt seltsam

von D.S.
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Ein Film, bei dem von Anfang an Unheil in der Luft liegt. Die merkwürdige, beklemmende Stimmung ist zum guten Teil der Figur der Cadi geschuldet: Ein junges, blasses, sehr schweigsames Mädchen, das von einer Upper-Class-Familie mit Luxuslandhaus in der walisischen Natur gebucht worden ist, um bei der Vorbereitung und Durchführung eines Drei-Gänge-Dinners für wichtige Gäste zu helfen, nachdem die reguläre Kraft an diesem Abend ausfällt. Cadi ist aber nicht nur still, sondern wirkt zudem immer wieder, auch beim Ausüben der ihr zugewiesenen Tätigkeiten, seltsam unbeholfen. Die Gastgeberin scheint dennoch sehr angetan von ihr – so wie der Rest der Familie, obwohl ihr Verhalten ein ums andere Mal sehr sonderbar ist.

Aber auch ebenjener Rest der Familie trägt zum düsteren, ungemütlichen Gefühl über dem „Feast“ bei. Hier scheint jede und jeder ein unschönes Geheimnis mit sich herumzutragen, ein kaputter Charakter zu sein, nur um sich selbst und seine eigenen Interessen zu kreisen. Und so entwickelt sich der Abend über eine Reihe emotionaler und/oder körperlicher Verletzungen sowie surrealer Episoden hinweg zu einem Ereignis, das man mit Fug und Recht apokalyptisch nennen kann.

THE FEAST ist in mehrere kurze Kapitel unterteilt, von denen ein jedes uns weiter weg vom vertrauten Boden der sogenannten Realität entfernt. Worauf die Handlung dabei hinausläuft und was es mit Cadi sowie den dysfunktionalen Familienmitgliedern auf sich hat, ist zwar spannend mitzuverfolgen (und stimmungsvoll inszeniert), jedoch letztendlich ziemlich nebensächlich. Viel mehr lebt der Film von seiner dichten, im Handlungsverlauf immer stärker verunsichernd wirkenden Atmosphäre.

Für diese ist in erster Linie dann eben doch die geheimnisvoll in Szene gesetzte sowie charismatisch gespielte Figur der Cadi entscheidend; sie geht in jedem Einzelfall subtil beunruhigende Bindungen mit den anderen Protagonisten ein und scheint sie auf ein Ziel hinzusteuern; befördert darüber den Plot und letztlich auch die überraschend klar formulierte Aussage des Films.

Und sie hat dabei eine Ausstrahlung, die gleichermaßen betörend wie verstörend ist. Das allein macht den Film schon sehenswert; das entrückte, intensive Finale setzt noch einen drauf. Für mich gute 7 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

30.10.2021, 04:47


Welsh bizarre Blüten

von Leimbacher-Mario
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In diesem walisischen Öko- und Buffethorror (!) mischt eine wortkarge Haushaltshilfe eine reiche und versnobte Gesellschaft an einem denkwürdigen Dinnerabend auf. Denn diese unersättlichen und unbändigen Menschen beuten gierig alles aus - die Natur allem voran…

Nature strikes back. Die Menschheit kannibalisiert ihr wichtigstes Gut. Und sich final auch selbst. Das sind nicht die kreativsten oder neusten Aussagen. Aber darum ging es dem Film, denke ich, auch gar nicht vornehmlich. „The Feast“ kann noch mehr als nur ein leicht surreales Öko-Message-Bombardement. „mother!“ trifft „Gaia“. Lanthimos trifft „Das große Buffet“. Die Göttin des Gemetzels. Ein Teller Geschnetzeltes. Weirde Menschen treffen ihre Richterin. Etwas mehr Saft, Splatter und Soße hätte gutgetan. An einer Stelle hatte ich sogar auf eine „Happy Birthday To Me“-Hommage gehofft. Aber ganz von der Bremse geht er nie. Schade. Wird nicht zum Slasher. Trotzdem: Nette Balance aus künstlerisch wertvoll und Ekel, aus Botschaft und Unterhaltung, aus Arthouse und artgerecht.

Fazit: Interessantes Festmahl (nicht nur) für Öko-Horrorfans. Etwas simpel, etwas langsam, etwas zaghaft in seinen Kills und seinem Ekelfaktor. Da wäre noch mehr gegangen. Dennoch: Lobenswert natürlich.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

05.11.2021, 01:11




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