von Fans für Fans

Follow

Review

von Lovecraft
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Thana, die dominante Freundin des Loser-Protagonisten Quinn verliert beim Sexspiel (von ihr so beabsichtigt) das Leben. Quinns eher hilflose Versuche, die Situation zu bereinigen, führen nur zur weiteren blutigen Eskalation.

Schade, im letzten Block wurde uns eine ach so bemühte Indieproduktion in permanent leicht unscharfer Billigoptik geboten, deren Prämisse und Ablauf leider nur aufgesetzt wirken. Erwartungsgemäß läuft für Quinn alles schief, was auch nur schiefgehen kann, und natürlich ist der Hauptdarsteller ein psychisch labiles Weichei, so was gehört dann natürlich auch noch dazu. Das ist weder lustig noch sonderlich unterhaltsam. Mit etwas schwarzem Humor hätte man den Streifen möglicherweise noch retten können; ähnlich hatte dies ja auch "Nina forever" schon, freilich auf einem ganz anderen Level, vorgemacht. Leider ist "Follow" aber nicht originell, dafür aber durchweg ernst gemeint und wird auch noch talentfrei dargeboten von der lokalen Laienspielgruppe von Austin/Texas.

Welchen Film der Autor der euphorischen Lobpreisung im Programmheft tatsächlich gesehen hat, wäre interessant zu erfahren.
Lovecraft
sah diesen Film im Cinestar, Berlin

24.08.2016, 10:56


Guck mal wer da sticht

von Leimbacher-Mario
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Besucher der letzten paar Ausgaben des Fantasy Filmfests werden sich erinnern bzw. vorstellen können, was dabei rauskommt, wenn man den kultigen "The Voices" mit dem britisch-trockenen "Nina Forever" mixt - ja genau. "Follow". Ein dunkelhumoriger Thriller, der unter allen Umständen zu meiden ist. Jeder sollte lieber die oben genannten Alternativen aufsuchen oder sogar andere Klassiker, bei denen aus Versehen gemordet wird, à la "Death Becomes Her". "Follow" war jedenfalls einer meiner zeitverschwendenden Reinfälle auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest & zum Glück kein Maßstab für dessen Qualität. Das hier muss Ausschussware & vielleicht ein Lückenfüller gewesen sein.

Es geht um einen Mann, der kurz vor Weihnachten seine Freundin erschossen vor seinem Bett findet - ohne Erinnerungen an die Nacht & ob er sie vielleicht getötet hat. So beginnt ein mysteriöses Gerangel um den Leichnam & die Wahrheit, die so einige Menschen mit ihrem Leben bezahlen werden... Ja, es gibt noch größere Gurken. Aber die sollten keine Ausrede, geschweige denn Standard sein. Denn wenn ein immer wieder auftretender Sänger vor der Tür des Hauses mit lustigen Weihnachtsliedern das Highlight des Films ist, sagt das schon alles. Der bestimmt nicht allzu billige Soundtrack mit ein paar klassischen Songs & Ohrwürmern ist noch das einzige weitere Highlight.

Hier hätte ich es wirklich keinem krumm genommen, wenn er früher das Kino verlassen hätte. Denn so berechenbar, amateurhaft (ohne Amateurcharme) & schlicht billig, wie sich das ganze Theater entfaltet, ist das kein gesondertes Eintrittsgeld wert. Eigentlich noch nichtmal die Mbits des Streams, wo die sarkastische Killerkomödie irgendwann landen wird. Wenn die Macher Glück haben. Eher wird "Follow" selbst im Streaming-Morast untergehen. Das hat der eigentlich ganz gute Cast nicht verdient - doch hier haben sie einfach Charakter & Billig-Twists samt ungleichmäßigem Ton bekommen, aus dem sie kaum mehr herausholen konnten. Nicht viel mehr als ein erweitertes Werk eines Filmstudenten.

Fazit: banalere Version von "The Voices", vollkommen spannungsarm & sehr vorhersehbar. Mäßig witzig in seinen besten Momenten.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

06.09.2016, 02:29


Love hurts

von todaystomorrow
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Don't believe the Hate: FOLLOW ist eine durch und durch sympathische, zurückgenommen humorvolle Indie-Produktion über Liebe und andere Geisteskrankheiten, die das Bloody-Comedy-Rad zwar nicht neu erfindet, aber mit ihrer Eskalationsstory insgesamt trotzdem gut unterhält.

Ok, mein allererster Gedanke war: "Oha, das ist aber kein HD". Das Bild ist handgemacht und unscharf, das Produktionsbudget lag wohl eher im Home-Video-Bereich – aber wenn man nur danach geht, hätten Filme wie THE BLAIR WITCH PROJECT nie gedreht werden dürfen. (Na gut, einige Leute denken genau das, aber das ist ein anderes Thema.) Der billige Look ist sicher unschön, aber wenn man sich auf die Story einlässt, übersieht man ihn nach kurzer Zeit.

Diese Story nun dreht sich um Quinn (immer gern gesehn: der charismatische Noah Segan, z.B. DEADGIRL und STARRY EYES), einen ambitionierten jungen Maler aus Austin, Texas, der kurz vor Weihnachten kurz vor dem Umzug nach New York und einem Studium an der Columbia University steht – wenn er denn das Stipendium erhält, auf das er sehnsüchtig wartet. Nicht erfreut über seine Zukunftspläne ist seine Freundin (Olivia Grace Applegate), die aussieht wie eine junge Julia Roberts, aber psychisch auf erheblich schrägeren Pfaden unterwegs ist als jede jemals von dieser verkörperte Figur. Bei einem gemeinsamen kuschligen Abend schiebt sie Quinn eine Pistole in den Mund und fordert ihn auf, als ultimativen Vertrauensbeweis den Abzug zu ziehen. Als er am nächsten Morgen die Augen aufschlägt, liegt sie tot vor seinem Bett. Oder?

Im Folgenden erleben wir zunächst Quinns Versuche mit, die Situation zu begreifen und mit ihr umzugehen. Dabei trifft er einige Entscheidungen, die nicht ganz so klug sind – und droht offensichtlich Stück für Stück den Verstand zu verlieren. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass die Leiche seiner Freundin auf einmal nicht mehr an der Stelle ist, an der er sie platziert hatte? Dummerweise ist er noch dazu nicht allein auf der Welt, sondern bekommt mehrfach Besuch vom Vermieter, von Freunden. Die natürlich nichts von dem kleinen Malheur mitbekommen sollen – das aber schon bald gigantische Ausmaße annimmt...

Klar, die allermeisten Ideen hier sind nicht neu, von der an THE VOICES erinnernden gestörten Wahrnehmung unseres Protagonisten bis zum eskalierenden Töten wider Willen, das man bereits aus x Krimi- und Horrorkomödien kennt. Die sehr abrupte Wandlung vom netten Kerl von nebenan zum Full-Blown-Psycho erscheint zudem nicht gerade glaubwürdig, ebenso wenig wie manch unglücklich-blutiger Zufall im Zusammentreffen von Quinn mit seinen Besuchern. Dennoch hat die Sache Charme – vor allem, da sie eben nicht so dick aufträgt wie die meisten Vorbilder, da der Hauptdarsteller seine Sache sehr gut macht, und da zumindest phasenweise das Verwirrspiel zwischen Halluzination und Realität für eine eigenständig abseitige Atmosphäre sorgt.

Das auf zwei Kurzgeschichten von Regisseur Owen Egerton basierende Indie-Werk verfügt zudem über einen richtig guten Soundtrack und ein paar schön makabre Einzelideen. Wer auch für kostengünstigere Produktionen offen ist, wird hier allemal angenehm kurzweilig-schwarz unterhalten – nur das Ende sorgt bei mir für Punktabzüge. Ich schwanke zwischen 5,5 und 6 Punkten... aber der starken Konkurrenz beim FFF 2016 wegen vergebe ich dann doch bloß 5,5.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

06.09.2016, 04:07


I'll have a Blue Christmas without you

von Herr_Kees
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Thana erzielt auf der Hot/Crazy-Skala eine ziemlich hohe Punktzahl. Da hätte sie auch gerne ihren Freund Quinn. Wird er ihr folgen?

Die erste halbe Stunde ist mit ihren Psychospielchen und dem allgemeinen Setup recht vielversprechend. Doch dann geht es rapide bergab – sowohl mit dem mentalen Zustand unseres Protagonisten als auch mit der Qualität des Films. So hanebüchen und konstruiert ist der weitere Hergang, dass man sich wie in einer Depri-Variante von A FILM WITH ME IN IT wähnt. Erst am Schluss kann der Film mit einem dann doch überraschenden Twist und bösem Humor wieder ein paar Punkte gut machen.

Darüber hinaus nominiere ich FOLLOW hiermit zum offiziellen Nachfolger von BITE in Sachen dezente Titel-Einblendung.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

06.09.2016, 23:45


74 Minuten zu lang

von ArthurA
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Festival-Stammgast Noah Segan (u. a. Brick, Deadgirl, Cabin Fever 2, Starry Eyes) spielt den aufstrebenden Künstler Quinn, der davon träumt, seiner kleinen Heimatstadt zu entkommen und von einer prestigeträchtigen Uni angenommen zu werden. Seine in ihn vernarrte Freundin Thana (Olivia Grace Applegate) soll ihm folgen, doch es kommt alles anders als geplant. Nachdem er während eines bizarren Sexspielchens in den Schlaf wegdriftet, wacht er am nächsten Morgen auf und stellt Folgendes fest: seine Freundin liegt mit Loch im Kopf tot auf dem Boden und er hält eine Pistole in der Hand. Während er verzweifelt versucht, mit der Situation irgendwie klarzukommen, steht seine ihn umschwärmende Arbeitskollegin Viv (Haley Lu Richardson) vor der Haustür. Da Quinn nicht weiß, wie er ihr die Situation erklären soll, sperrt er sie kurzerhand in den Keller ein. Das ist erst der Beginn seiner Abwärtsspirale in den Wahnsinn, die aber zugleich neue künstlerische Talente in ihm freisetzt.

Es gibt einen guten Grund, weshalb Noah Segan so häufig in Genrefilmen anzutreffen ist. Er strahlt eine gewisse Unberechenbarkeit aus, die ihn in jeder Sekunde vom netten Kerl von nebenan zum Psycho umschwenken lassen kann. Follow ist da keine Ausnahme und der Verfall von Quinns Verstand ist überzeugend dargestellt. Leider bleibt Quinn dennoch ein blasser Charakter und zu keinem Zeitpunkt ist es schlüssig, wieso sich Thana und Viv Hals über Kopf in ihn verknallen würden. Doch während Quinn zumindest irgendeine Entwicklung in dem Film durchmacht - auch wenn diese gänzlich aus der Luft gegriffen zu sein scheint und durch die kurz angeschnittene Hintergrundgeschichte der Figur auch nicht interessanter wird, bleiben alle Figuren um ihn herum lediglich Mittel zum Zweck, um die Handlung in Gang zu setzen und voranzutreiben. Thanas (der Name als unsubtile Anspielung auf den griechischen Todesgott Thanatos) Entwicklung von der liebenden zur durchgeknallten Freundin mit seltsamen Vorstellungen wird einfach als Tatsache hingestellt, ebenso wie Quinns Wandlung zum Psychopathen, der von dem Tod seiner großen Liebe gar nicht so erschüttert zu sein scheint.

So manche werden Follow mit dem FFF-Beitrag The Voices vergleichen. Am ehesten zeigt jedoch die schwarze Psycho-Komödie mit Ryan Reynolds all das auf, was Follow falsch macht. Während The Voices lustig, innovativ und sehr energisch inszeniert war, ist Follow amateurhaft umgesetzt, uninspiriert und trotz seiner 74-minütigen Laufzeit verdammt träge. Auch verweigert sich der Film jedem Anflug von schwarzem Humor und spielt sich wie eine todernste Version von Immer Ärger mit Bernie ab, was ihm nicht gut bekommt. Am Ende wirkt Follow einfach gemein, unangenehm und hohl - ein wenig wie seine Hauptfigur.
ArthurA
sah diesen Film im Residenz, Köln - Original-Review

09.09.2016, 03:10




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