von Fans für Fans

Freeze Frame

Frame-ed

von Felix Schweiger
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Sean ist paranoid, denn seit er, obwohl unschuldig, eines Verbrechens beschuldigt wurde, leidet er unter der Angst wieder unter Anklage zu geraten. So filmt er jede Sekunde seines Lebens mit unzähligen Kameras und archiviert sein Leben. Als dann aber wieder die Frage kommt was er denn im Herbst 1998 so getrieben hat, fehlen dummerweise die rettenden Tapes. Versucht man ihm wieder was anzuhängen?
Angefüllt mit ungewöhnlichen Perspektiven erleben wir Seans armseligen Alltag mit, denn er lebt Maulwurfsgleich zurückgezogen als Gefangener seiner Kameras in ständiger Angst vor dem verpassten Bandwechsel. An soziale Kontakte ist nicht zu denken, und das spiegelt sich auch in seiner kühlen Metallhöhle und seinen Selbstgesprächen wieder. Auf Inhaltsebene brauchts etwas bis der Thriller in Fahrt kommt, schlägt aber dann brav Haken wie ein Hase auf der Flucht und fasziniert im Gesamteindruck. Die Schauspieler stossen zwar gegen Ende dann doch an ihre Grenzen, das stört aber nicht allzusehr. Und ja, Lee Evans ist nicht komisch.
Fazit: Visuell orgineller Thriller. Auf jeden Fall sehenswert.
Felix Schweiger
sah diesen Film im City, München

31.07.2005, 11:45


Review

von ZardoZ
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Der Film hätte letztes Jahr schon auf dem FFF laufen sollen, wurde dann aber aus mir unbekannten Gründen wieder zurückgezogen. Das er nun beim diesjährigen wieder im Programm steht, ist eine verdammt gute Entscheidung. Der Film ist nämlich ein ausgesprochen fesselnder Psycho-Thriller, der ohne große Logikfehler, Plotholes und konstruierte Handlungsentwicklungen auskommt. Er ist ziemlich vertrackt und irgendwann fragt man sich als Zuschauer, was man denn eigentlich noch glauben und wem man vertrauen soll, auch wenn der eine oder andere Handlungstwist weniger am Ende nicht geschadet hätte. Auch audio-visuell konnte der Film mich vollstens zufriedenstellen. In kalten blau-grauen Tönen und immer wieder in den typischen, verrauschten und verzerrten Videoaufnahmen wird der Film präsentiert und erzeugt eine fast schon surreale Atmosphäre. Ein Geheimtipp des Fetivals!
ZardoZ

08.08.2005, 13:35


Immer im Bilde

von Herr_Kees
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Starkomiker goes Thriller - das hatten wir bereits mit Robin Williams (INSOMNIA, ONE HOUR PHOTO) und Steve Martin (THE SPANISH PRISONER). Was der bei uns weniger bekannte Brite Lee Evans (FUNNY BONES) hier jedoch abzieht, stellt die Bemühungen der Kollegen locker in den Schatten. Evans rasiert sich den Schädel, Evans klagt an, Evans winselt, Evans schreit, Evans verzweifelt. Den gequälten Paranoiker nimmt man ihm in wirklich jedem Frame ab.

Auch der Film selbst überzeugt - mit konsequent kühlem Stil, durchgehend spannender Atmosphäre und ein paar netten kleineren Twists. Nur gegen Ende waren die Ambitionen nach Komplexität wohl etwas größer als die Absicht, einen runden, guten Film zu machen, denn die Entwicklungen im Finale gleiten doch allzusehr ins Unglaubwürdige ab.

Fazit: Spannender, gut gespielter, atmosphärisch dichter Thriller, der am Ende etwas zu konstruiert wirkt.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

09.08.2005, 14:57


Low Budget Memento

von oceansize
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Die Inhaltsangabe war bereits lecker: Ein isolierter Mensch, angetrieben von dem Trauma einer ungerechtfertigten öffentlichen Beschuldigung, setzt sein Leben aus Hunderten von Videotapes zusammen, damit keine Sekunde seinem wohlmöglich nötigen Alibi entgeht.
Der Film lebt dabei natürlich vor allen Dingen vom großartigen Hauptdarsteller Lee Evans, der den vermeintlichen Killer als in seinem Innern zwar zornigen, aber insgesamt doch eher kleinlauten Paranoiker gibt.
Die Grundidee ist verlockend, das Setting angemessen düster. Die "Auflösung" nicht dumm, allerdings doch ein klein wenig holprig. Auf jeden Fall ein guter und unterstützenswerter Low Budget-Film, der allerdings den letztjährigen Paranoia-Movies "One Point 0" und "The Machinist" nicht das Wasser reichen kann.
oceansize

14.08.2005, 03:40


Die Macht der Bilder.

von todaystomorrow
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Im Wust der vielen Filme neige ich dieses Jahr dazu, besonders zwei bestimmte ständig miteinander zu verwechseln: "Freeze Frame" und "Feed". Nein, das liegt NICHT daran, daß es sich in beiden Fällen um Thriller handelt, deren Titel mit "F" beginnen. Sondern daran, daß der eine wie der andere durch seine extrem konstruiert wirkende Story gehörig den Spaß am Sehen verdorben hat.

Dabei ist "Freeze Frame" natürlich der wesentlich bessere Film. Wo "Feed" (den ich, im Nachhinein betrachtet, ein ganzes Stück zu gut bewertet habe) zwar nicht vom Sujet, aber von der Inszenierung und vom Look her kein Stück aus der Masse herausragt, ist "Freeze Frame" zumindest visuell extrem innovativ. Wenn die fast ausschließliche Verwendung von blassen Blau- und Grautönen, der verwaschene Metallic-Look mir auf Dauer zwar ein wenig zu eintönig war, schafft er es doch zweifelsfrei, Einsamkeit, Paranoia, Kälte, Verzweiflung zu transportieren - die Gefühlslage, in der sich der Protagonist befindet, seitdem er vor zehn Jahren unschuldig (?) eines Mordes bezichtigt wurde. Er ist Gefangener seiner Angst, jemals wieder verdächtigt zu werden, und Gefangener einer Gesellschaft, die in ihm immer noch den Schuldigen sieht; ein Monster, das kein Recht hat, am Leben der Allgemeinheit teilzuhaben.

Um künftigen Anschuldigungen Beweise entgegensetzen zu können, filmt er sich rund um die Uhr mit einer Vielzahl von Kameras. Sie sind es, die den Film neben seiner Farbgebung am stärksten prägen: denn der überwiegende Teil der Handlung wird uns aus der Sicht dieser Kameras gezeigt. Dabei wechselt die Darstellung zwischen dem Bild von Überwachungskameras, Webcams, Handhelds usw., zwischen griseligen Fullframe-Aufnahmen und unscharfen Splitscreens, die meist vier verschiedene Kameraperspektiven gleichzeitig auf die Leinwand bringen.

Wie schon angedeutet, ist die Bildführung des Films dabei nicht nur stilistisches Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit, sondern hat gleichzeitig einen unmittelbaren inhaltlichen Bezug. Der Film arbeitet also auf sehr intelligente Weise und gleichzeitig innovative Weise mit dem Medium, wobei er im Verlauf der Handlung immer deutlicher Stellung bezieht zur Macht genau dieses Mediums (und generell der Medien): im Kern ein Krimi, ein nahezu klassischer "Whodunnit" im Paranoia-Setting, klagt "Freeze Frame" ganz nebenbei nachdrücklich, wenn auch leider auf zu plakative Weise, den Einfluß an, den die Berichterstattung in Print und TV heutzutage auf uns hat; er führt uns vor Augen, wie leicht aus Vermutungen scheinbare Wahrheiten konstruiert werden können - wenn man nur die richtigen Bilder zur Hand hat.

Dummerweise gilt das aber auch für "Freeze Frame" selbst auf gewisse Weise. Natürlich, er ist spannend inszeniert, und er hat ganz ohne Frage die "richtigen Bilder", um uns bei der Stange zu halten. Zu oft aber verhalten sich seine Figuren - die übrigens, abgesehen von der grandios gespielten Hauptfigur, nicht immer optimal besetzt wirken und teilweise extrem blaß bleiben - einfach zu unglaubwürdig; zu offensichtlich ist die Story einfach bei weitem zu unrealistisch angelegt, von ihrer Ausgangssituation wie auch von ihrem Verlauf und Ausgang her. Das ist ein großes Ärgernis, denn bei genauerer Betrachtung gewinnt man leicht den Eindruck, der Film würde nur auf seiner außergewöhnlichen visuellen Umsetzung aufbauen.

Die interessante Form reicht aber angesichts einer letztendlich schwer konventionellen Geschichte, die zudem meist ziemlich konstruiert erscheint, nicht aus, um aus "Freeze Frame" einen wirklich überdurchschnittlichen Film zu machen. Wer Lust auf optische Reize hat, sollte sich den Film unbedingt ansehen - aber ich werde das Gefühl nicht los, daß hier grandios viel Potential durch ein schwaches Drehbuch fahrlässig verschenkt wurde. Darum leider nur 6 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

16.08.2005, 03:55


Paranoia

von Alexander
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Endlich mal wieder eine schön-schaurig bizarre Produktion, die schon alleine durch das ungewöhnliche Set-Design, Farbverfremdungen und andere Ideen zu faszinieren weiß. Eine gute neue Idee, klasse Story und der superbe Hauptdarsteller lassen einen bis zur letzten Sekunde mitfiebern und -fürchten. Kein Film für Menschen mit der Neigung zum Verfolgungswahn. Selten wurde das Thema PARANOIA so fett auf der Leinwand behandelt. Der Vergleich zu "One Point Zero" drängt sich aufgrund von Optik und Konzept definitiv auf, ich halte Freeze Frame aber für den etwas besseren Film.
Das lange Warten auf diesen Beitrag (sollte schon auf dem letzten FFF gezeigt werden und wurde in letzter Minute aus dem Programm genommen) hat sich definitiv gelohnt. Im letztjährigen Mystery-Rausch von One Point Zero, The Machinist und The I Inside wäre Freeze Frame vielleicht untergegangen.
Alexander
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

18.08.2005, 14:03


Das Warten hat sich gelohnt

von Bobshock
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Im Gegensatz zum vielgelobten Eröffnungsfilm "KISS KISS BANG BANG" hat "Freeze Frame" eine eigene Optik und eine unverbrauchte Idee mit guten Wendungen. Der Hauptdarsteller Lee Evans spielt sensationell glaubwürdig und voller Hingabe, Bravo! Lobenswert zu erwähnen ist auch die tolle Homepage des Films, die wie die Nachbearbeitung des Filmmaterials auf einem technisch sehr hohen Niveau realisiert wurde. Alles stimmt hier: Ton, Schnitt, Kamera und digitale Effekte. Festivaltipp!
Bobshock

18.08.2005, 17:18


Ist das wirklich Lee Evans?

von FFFler
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Eine sehr interessante Grundgeschichte, die zudem auch noch gut umgesetzt wurde. Des Weiteren muss man einfach ein großes Lob an Lee Evans aussprechen, dem ich so eine Rolle nie zugetraut hätte, da ich ihn in jedem Film nur als äußerst nervigen Sidekick gesehen hatte. Aber was er hier abliefert: Respekt! Leider geht das Ganze im Finale ein wenig zu weit, jedoch konnte dies meinen guten Gesamteindruck nicht schmälern.
FFFler
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

19.08.2005, 22:47




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Kommentar von kinokoller :
Mord, Lügen und Video
Gefällt der Film zu Anfang - trotz unrealistischer Ausgangslage - noch mit monochromer Optik, so bleibt am Ende wegen Überstrapazierung durch unsinnige Plot-Twists ein enttäuschend konventioneller Who-Done-It-Krimi übrig. Bin darüber mehrfach eingeschlafen...
16.09.2008, 11:32

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