von Fans für Fans

The Good, the Bad, the Weird

Westernpfanne süß-sauer

von Tweek
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Männer in langen Mänteln und tief ins Gesicht gezogenen Hüten, die mit ihrer antiken Winchester einer Fliege in 500 Yards ein Auge ausschiessen könnten; schwitzende Pferde, die unter glühender Sonne durch staubige Steppen galoppieren; berstende Saloon-Türen, blutige Shoot-Outs - ja, "The Good, The Bad and The Weird" ist ein waschechter Western, wie er im Buche steht. Spielt nur halt im Korea Anfang des letzten Jahrhunderts. Aber obwohl ich das Genre eigentlich seit Kindheitstagen mag, fliegt der Funke nicht so recht über.
Das mag daran liegen, das mir alles etwas gelackt, zu sehr steril gestylt wirkt, sowohl was die Sets aber auch die Charaktere und den Plot betrifft. Mein Interesse am Schicksal der oberflächlich herausgearbeiteten Figuren lief recht früh auf Sparflamme, und auch die Antwort auf die Frage, ob und wer denn schlußendlich den mysteriösen Schatz zu finden vermag, war mir irgendwann Schnuppe. Die Sequenzen zwischen den actionreicheren Szenen kommen nicht nur recht langsam, sondern leider langweilig herüber. Und auch wenn sich der Streifen nicht allzu ernst nimmt und eine ordentliche Portion Humor verbrät, folgt er doch insgesamt typischen geradlinigen Genre-Klischees - mehr Gaga, mehr "weird" wäre vermutlich unterhaltsamer gewesen. Technisch und optisch kann man nicht meckern, auch dieser Film bedient sich der mittlerweile gewohnt hohen Standards des koreanischen Kinos.

Fazit: Kann man sehen, oder lieber das Eintrittsgeld für eine Reispfanne beim Lieblingsasiaten sparen. Wäre vermutlich bei den Asia Nights besser aufgehoben gewesen.
Tweek

25.02.2009, 14:04


Spaghetti-Western-Hommage

von Michaela
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in einem etwas eigenwilligen Stil.
Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, fand die Typen sehr gut besetzt, mit "The Good" (obwohl, sind Kopfgeldjäger wirklich die Guten), im klassischen Staubmantel, Cowboyhut, der typische Lone Wolf, "The Bad" (schön fies und gemein und nicht kritikfähig, der Junge) sowie "The Weird" (sieht irgendwie mongolisch aus). Aber auch hier stellt sich die Frage, wer ist denn nun "Weird", oder "Bad". Ich hatte das Gefühl, hier wollte ein Fan des Spaghetti-Western seinen eigenen drehen und so sind die typischen Versatzstücke eines solchen Western gegeben: Zugüberfall, schöne Frauen, Pferde und noch vieles mehr; die typischen Leone-Großaufnahmen der Gesichter und auch ein wenig Anklang an Morricones Musik. Hie und da ein wenig 40 Wagen westwärts und sogar an From Dusk Till Dawn kann man sich erinnert fühlen. Sehr interessant fand ich auch den Stilmix der Kostüme. Das ganze schön asiatisch überdreht.

Weniger gut die teilweise verwackelte Kamera, aber das nicht sehr oft.

Also, wer die guten alten Western kennt und sie mal etwas anders präsentiert bekommen möchte, kann sich diesen Film gerne ansehen. Sozusagen der Western unter den Eastern. ;-)
Michaela
sah diesen Film im Cinema, München

15.03.2009, 12:38


Threesome Action

von Timo
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Partytime! Nicht, dass man bei Ji-Woon Kim Angst haben müsste, das Ergebnis würde nicht stimmen. Dem Schaffer von TALE OF TWO SISTERS und A BITTERSWEET LIFE gelingt hier stellenweise sogar größeres als Takashi Miike mit SUKIYAKI WESTERN DJANGO. Hier greifen die einzelnen Mechanismen noch gezielter ineinander, auch rutscht das Ganze viel seltener in die Klamaukecke ab. Fand den Film sehr spaßig, gestört hat mich nur die Länge, da hätte man noch weiter kürzen können. Ob man für den vorbelasteten Song DON'T LET ME BE MISSUNDERSTOOD nicht vielleicht einen anderen Track hätte ins Rennen schicken sollen, darüber lässt sich streiten. Allein die Titelsequenz ist jedoch das Eintrittsgeld wert.
Timo
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

22.03.2009, 02:16


Sergio Leone auf Speed

von GeorgeKaplan
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Once upon a Time in the East, genauer gesagt, um 1942, denn im Kino läuft gerade "Casablanca": Drei Gangster - ein Kopfgeldjäger (der Gute), ein Killer (der Böse) und ein Zugräuber (der Verrückte) - sind hinter einem Schatz her. Und dazu eine ganze Gangsterbande ... und die japanische Armee.

Wer es mit Sergio Leone bereits im Titel aufnimmt, gibt ein ganz großes Versprechen ab und macht sich das Leben nicht leicht. Und ganz anscheinend überhebt sich Kim Ji-Woon etwas dabei. Aber der Reihe nach:

Neben der exakten Ausgangssituation von "Il Buono, il Brutto, il Cattivo" (mit jenem irreführenden deutschen Titel "Zwei glorreiche Halunken") übernimmt der Film auch den historischen Background. Bei Leone war es der amerikanische Bürgerkrieg, hier ist es die japanische Okkupation, dem koreanischen Nationaltrauma. Weiterhin finden wir eine Entsprechung zum Strafmarsch durch die Wüste und zum Schluss-Triell. Dazu kommen etliche Filmzitate aus dem Werk von Leone: sei es das Motorrad aus "Todesmelodie", die Flucht aus dem Stall aus "Für ein paar Dollars mehr" oder seien es Zitate aus "Spiel mir das Lied vom Tod", speziell zu Anfang bei der Zugszene und der Variation des Cheyenne-Themas im Soundtrack. Angesichts des Zitatenreichtums müsste man vor Ehrfurcht erstarren.

Aber wo Sergio Leone sich auf Details konzentrierte und mit endlos langen Einstellungen Spannung aufbaute, die sich urplötzlich in Gewalt entlädt, liefert "The Good, The Bad and The Weird" ein Stakkatoschnittspektakel mit einer Kamera ab, die überhaupt keine Zeit hat, die Einstellungen, die sie findet, auch mal auszukosten. Stattdessen hastet sie atemlos den drei Protagonisten bei Ihrer Jagd nach dem Schatz und dem Chaos drumherum hinterher.
Und überspielt dabei das im Grunde ausgesprochen schwache Drehbuch.

Von Clint Eastwoods Lässigkeit, seine Gegner mit Grips und Cleverness aus dem Weg zu räumen, sind die Helden von heute weit entfernt. Wer in Korea nicht drauflos ballert, hat anscheinend keine Eier in der Hose, und darum wird permanent das Gegenteil bewiesen. Kommt der Film tatsächlich mal zur Ruhe, wirkt er seltsam sinnentleert.

Don't let me be misunderstood: In einzelnen Szenen, speziell zu Beginn und der Schlacht in der Wüste bekommt der Film die Höchstwertung. Nur mittendrin fehlt einfach jede Dramaturgie, die wichtig ist, um die beiden Höhepunkte zu verbinden. Ich bezweifle, dass massive Kürzungen den Film besser machen. Es waren ja nicht zu viele Szenen drin, sondern die Szenen selbst sind das Problem. Dazu kommt, dass die Action zu selten wirklich funktioniert, vielleicht auch, weil das Fleckchen Wüste permanent das gleiche ist.

Ich kann jeden verstehen, der diesen Film angesichts seiner optischen Nummernshow auf den Podest hebt. Mich hat das Spektakel allerdings merkwürdig kalt gelassen.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

23.03.2009, 19:55


The Over-Ambitious

von todaystomorrow
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Und was haben wir hier? Einen "Mehr Stil als Substanz"-Film, der vor allem wegen seiner technischen Brillanz über weite Strecken zweifellos grandios unterhält. Aber nicht zuletzt aus demselben Grund stellenweise auch extrem langweilt. Beziehungsweise, genauer gesagt: wegen des allzu deutlich spürbaren Willens von Regisseur Kim Ji-Woon, die Grenzen des ihm vorliegenden Mediums, der zu erzählenden Geschichte hinter sich zu lassen und auf Teufel komm raus ein Style-Statement abzugeben... der Welt zu zeigen, was für ein verrückter Hund er doch ist. Hat er geschafft. Alle Erzählschwächen von verrückten Hunden eingeschlossen.

Vor lauter Bemühen, dritte und vierte Erzählmetaebenen einzubauen, sich über das Medium Film, das Genre Western und die profane filmische Konkurrenz hinwegzusetzen - sowie ganz generell eben als der coolste, lässigste Motherfucker im Business rüberzukommen -, hat Kim Ji-Woon leider manchmal sein Publikum vergessen. Er inszeniert konsequent sich selbst und seine Herangehensweise an einen Leone-Klassiker, er inszeniert seine inszenatorischen Skills, er inszeniert seinen ach-wie-ironischen Umgang mit Genre, Sujet und Zuschauer-Erwartungen - aber immer wieder nicht gerade überzeugend die Story.

Was des öfteren in ermüdenden Dialog-Sequenzen, repetitiver Action und oftmals belanglosen Witzchen resultiert. Und in meinem Fall sogar in mehrfachem Wegdösen.

Aber ok, insgesamt bekommt er schon noch die Kurve. Unsere Protagonisten versprühen reichlich Spielfreude und über den größten Teil des Films passiert genug, um einen bei der Stange zu halten. Natürlich, die Intensität des Originals wird nie erreicht, und schon von seinem ganzen Ansatz her kann "The Good, the Bad, the Weird" niemals mehr sein als eine - manchmal allzu offensichtlich - postmoderne Fußnote der Filmgeschichte.

Insofern kann man dem Gezeigten eigentlich kaum mehr als den Rang eines Fan-Machwerks einräumen, so clever es auch gerne wäre. Aber immerhin den eines außerordentlich talentierten und auch weitgehend unterhaltsamen Fan-Machwerks. Möglicherweise wäre hier sogar etwas Großartiges drin gewesen, zumindest ein Highlight der diesjährigen FFF-Nights. Etwa, wenn man das Ganze um 45-60 Minuten gestrafft und/oder auf ein Drittel der Pseudo-Tarantino-Attitüden verzichtet hätte.

So aber reicht es nur zu knappen 7 von 10 Punkten. Was aber immerhin wesentlich mehr sind, als ich erwartet hätte. Und deshalb ist "The Good, the Bad, the Weird" für mich persönlich sogar eine der positiven Überraschungen der FFFN09. Wenn auch bei weitem nicht das, wofür er sich selbst viel zu offensichtlich hält.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinedom 9, Köln

24.03.2009, 02:07




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Kommentar von Deviant :
Wow! Dieser Film hat mich umgehauen. Die Schnitte, die Kamera, das Timing, die Gags, einfach alles hat gestimmt. Die Koreaner verblüffen einen doch immer wieder! Ich wüsste jetzt gar nicht wo ich anfangen soll, das würde glaub ich den Rahmen sprengen. Schaut ihn euch einfach selbst an, auch wenn ihr jetzt nicht unbedingt Fans von asiatischen Filmen seid. Western sind ja allgemein gerade voll im Trend bei den Asiaten, hab ich mir sagen lassen. "Sukiyaki Western Django" war der Anfang und jetzt das. Ich hoffe es finden noch mehr dieser Perlen den Weg in die westlichen Kinos. Ich bitte darum!
22.03.2009, 21:20

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