A Good Woman Is Hard to Find

Selbst ist die Frau

von D.S.
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Yay, Belfast! Neben der überragenden Sarah Bolger (EMELIE) der zweite Star dieses sympathischen, blutig alltäglichen Films, wenn auch nicht ganz so hübsch anzusehen wie diese: Tatsächlich spielt die nordirische Metropole hier ziemlich eindrücklich die Rolle des hässlichen sozialen Brennpunkts, in dem die Polizei (und Ladendetektive) alles andere als dein Freund und Helfer ist, schmierig exaltierte Drogenbarone dafür ohne größere Konsequenzen darüber entscheiden können, wer lebt und wer stirbt.

Sarah Bolger spielt Sarah – alleinerziehende, von der Welt alleingelassene, finanziell bedenklich nah am Abgrund taumelnde Mutter zweier Kinder. Ihr Mann wurde ermordet, und sie hat im Zuge dessen nicht nur den Glauben an die Exekutive verloren (die mit den Worten „let sleeping dogs lie“ ernsthafte Ermittlungen verweigert und – wie auch die Medien und sogar Sarahs eigene Mutter – nahelegt, das Opfer sei selbst Täter), sondern auch ein funktionierendes Zuhause: ihr Sohn Ben, der Zeuge der Ermordung war, verweigert seitdem nämlich das Sprechen.

Als wäre das alles nicht schon mies, fordernd und unfair genug, gerät Sarah nun auch noch mitten in Drogen-/Gang-Streitigkeiten: der Kleindealer Tito (Andrew Simpson, ROAD GAMES) beschließt nämlich, sich massiv invasiv in ihr Privatleben einzumischen. Als er dabei einen entscheidenden Schritt zu weit geht, explodiert etwas in Sarah. Und sie schlägt zurück, mit allen Waffen, die ihr zur Verfügung stehen – auch den unwahrscheinlichsten...

Hört sich nach bitterem Sozialdrama an? Ist A GOOD WOMAN IS HARD TO FIND einerseits auch. Andererseits steckt Abner Pastolls Film so voller beißendem schwarzem Humor und liefert derart saftig spritzenden Fan-Service, dass man bei aller Ernsthaftigkeit der Thematik immer wieder befreit bis beeindruckt laut auflachen muss – und am Ende insgesamt ohne Frage eine rundum gute, blutige Zeit hat.

Dies ist kein Ken-Loach-Film. Hier geht es nicht um das Mitleiden mit einem Opfer, sondern um das Feiern der Selbstermächtigung eines zum Opfer erklärten Menschen, und das nach den Spielregeln des Genrefilms. Depression ist woanders – hier ist Überwindung. Befreiung. Letztendlich: Lebensfreude, den Umständen zum Trotz. Und für den Zuschauer großer, brutaler Spaß, der durch die Authentizität seines Settings noch gewinnt. Starke 7,5 Punkte, mit der Knochensäge erkämpft!
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

15.09.2019, 01:53


Bring me the Head of Tito the Dealer

von Herr_Kees
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An der Supermarktkasse nicht mehr genügend Geld zu haben, weil eins der Kinder im Laden schon einen Schokoriegel verdrückt hat, ist hart. Überhaupt ist Sarahs Leben nicht leicht, als Alleinerziehende mit einer vorwurfsvollen Mutter, einem traumatisierten Sohn und einem ermordetem Mann, den alle für einen Drogendealer halten. Und es wird nicht leichter, als ein Kleinkrimineller auf der Flucht vor Großkriminellen ihre Wohnung als Drogenversteck missbraucht.

Wie Sarah mit dieser sich immer extremer gestaltenden Situation umgeht, ist das, was diesen kleinen feinen Thriller so sehenswert macht. Sowohl Buch und Regie als auch Darstellerin Sarah Bolger (toll!) zeigen die Hauptfigur nämlich den Umständen entsprechend höchst authentisch und realistisch, nicht als die genreübliche eiskalte Rächerin, sondern als eine Heldin des Alltags, die über sich hinauswachsen muss, um in einer ihr feindlich gesinnten Umgebung zu überleben. So erinnert der finale Showdown nicht von ungefähr an eine Schlüsselszene aus der ersten Staffel von BREAKING BAD.

Ein fabelhafter Clash von emotionalem Sozialdrama und hartem Gangsterthriller.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

15.09.2019, 23:42


Eine solche Perle ist hart zu finden

von Leimbacher-Mario
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Den eher untergegangen „Road Games“ desselben Regisseurs konnte ich bisher leider immer noch nicht nachholen - doch spätestens jetzt nach diesem femininen Thriller über eine junge Witwe und zweifache Mama, der eines Tages ein anhänglicher Drogendealer ins Haus läuft, sollte ich mich nochmal hartnäckiger auf die Suche begeben...

„A Good Woman Is Hard To Find“ - sperriger ging der Titel nicht, doch der Film und seine Story sind sehr straight und knackig. Sarah Bolger spielt die gebeutelte Mutter mehr als stark. Man fühlt sofort mit, egal ob es ganz einfache mütterliche Probleme sind, Trauerbewältigung oder dann die Gangsterprobleme anfangen - man ist auf jeden Fall auf ihrer Seite. Sofort. Allein durch eine sehr witzige Batteriesuche zu Beginn. Nach dem Abspann gibt es nochmal ihr hübsches Gesicht in Großaufnahme - vollkommen zu recht, da sie diesen Film trägt, dieser Film IST. Audiovisuell ist hier ebenfalls alles sehr fein und hintenraus sogar richtig stylisch, wuchtig, ansehnlich, hart. Die Gangster, vor allem der Boss, schwimmen etwas im Overacting und wollen mit dem Rest lange Zeit nicht recht fusionieren, doch im Endeffekt geht die Rechnung doch noch auf, das bissige (und etwas vorhersehbare) Ende ist sehr befriedigend und es ist eine Art Coming-of-Mother-Story mit einigen Härten und ohne Bitten. Britischer Realismus trifft auf Genrehärte.

Fazit: der Mix aus Genrefilm und Sozialdrama läuft zwar lange nicht vollkommen harmonisch ineinander, aber das konsequente Finale entschädigt und alleine Sarah Bolger ist jeden Eintritt wert. Eine geerdete, ruhige Mischung aus „Ms .45“ und „Drive“ mit stark britisch-realistischem Einschlag.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

18.09.2019, 01:40




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