Gundala

Z(ähne)D(ürfen)F(liegen)-Morgenmagazin

von Leimbacher-Mario
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Als die Superhelden-Comics von DC und Marvel in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts richtig warm liefen und ein weit gestreutes Publikum erreichten, ließ sich Indonesien nicht allzu lange lumpen und druckte flott eigene, leicht abgewandelte Versionen/Kopien/Abklatsche der Helden aufs Papier. Und jetzt, wo in Hollywood die Superhelden quasi die Macht übernommen haben und unaufhaltsam die größten Blockbuster der Welt abliefern, zieht Indonesien natürlich mit seiner eigenen Riege an (zum Teil übernatürlichen) Raufbolden nach und bringt diese ebenfalls auf die Leinwand. „Gundala“ ist nun der erste Ableger dieses neuen (böse gesagt) Copycat-Kosmos’ und erzählt die Geschichte des kleinen Sancaka, dessen streikender Vater ermordet wird und dessen Mutter ihn alleine lässt. Ohne allzu große Hilfe wächst er auf der Straße auf und hat dabei immer das Gefühl, dass ihn Blitze jagen und er besondere Fähigkeiten plus einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besitzt. Ausgewachsen wird er dann zu einem „antennierten“ Superhelden, der einer korrupten Welt den Kampf ansagt...

Für seine Verhältnisse und sein Publikum ist „Gundala“ ein Brett. Das kann man nicht anders sagen. Die Fights sind spektakulärer und intensiver als vieles im MCU, der Grundton ist düsterer als alles, was die „Großen“ aus Übersee dürfen, es schwingt durchgängig eine massive kindliche Unschuld mit und der (beabsichtigte) Trashfaktor gibt immer wieder mit wilden Ausschlägen Grund zum Jubeln. Allein die Handlanger des Bösewichts sind grandios sehenswert - von einem hammerschwingenden Steinmetz bis zu einer Art tödlichem Pantomimen, von einer hysterischen Studentin bis zu einem crazy Geiger. Da gibt’s schon viel zu sehen und mögen. Die Effekte sind ausreichend schick, die Action ist Asia-typisch handfester als bei uns im Westen, es knacken hier und da auch mal Genicke oder sterben ganze Familien, es schwingen zwischendurch auch genug gesellschaftskritische Komponenten mit. All das gäbe es bei Disney oder Warner, beim MCU oder dem DCEU, niemals. Das darf man dann auch mal unterstützen und dafür applaudiere ich. Das hat mir auch besser gefallen als z.B. der nicht unähnliche „Rendel“ von vor ein paar Jahren. Allein der Plan des vernarbten Bösewichts, eine „neue Generation von Kindern ganz ohne Moral“ (!) zu züchten, ist allererste bescheuerte Sahne. Bemängeln kann/muss man die ausführliche Länge/gedehnten Backstorys, die Unbesiegbarkeit des Helden, die vielen Klischees, die etlichen (uns unbekannten) Insider und den ausufernden Fanservice - doch so würde es meinem Opa sicher auch beim MCU gehen, wenn man eben gar keine Ahnung vom Thema hat. Das macht das Ding fast noch kurioser, exotischer und sympathischer.

Fazit: toll und tollpatschig, naiv und nett, kindlich und unschuldig. Zwar ganz klar nicht für unsere westlichen Gefilde gemacht, sondern eher für den dortigen Markt und die Fans. Aber ganz ehrlich: die Kämpfe rocken, der Trash-Faktor zaubert oft breites Lächeln ins Gesicht und die spektakuläre Show ist insgesamt sympathischer als manches, was uns Hollywood in regelmäßigen Abständen kredenzt. Süßer Kinderzimmerklopper im Geiste der Power Rangers und Co. Für Fans der indonesischen Helden sicher ein Highlight - nur gibt’s die hierzulande halt nicht... Ob ich zu diesem breit gefächerten Universum jemals eine Fortsetzung sehen werde? Und ob man damit auf dem indonesischen/asiatischen Markt überhaupt genug Geld verdienen kann? Vielleicht behalte ich das mal im Auge...
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

20.01.2020, 00:52


e-Man

von Herr_Kees
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Vom Billig-Marvelvorspann bis hin zum Abspann, in dem ungefähr ein Dutzend indonesische Pop- und Heavy-Metal-Songs angespielt werden wie auf einer ADHS-Playlist, ist GUNDALA ein höchst eigener, merkwürdiger Superheldenfilm. Albern, cheesy und politisch, kein nach westlichen Maßstäben und Sehgewohnheiten „guter“ Film, aber zumindest ein kurzweiliger.

Allein die Origin-Story, die in der Kindheit unseres Superelektrikers beginnt, ist ein (zugegebenermaßen etwas grob zusammengestückeltes) Drama für sich und auch die wilde Origin-Story des Antagonisten wäre fast einen eigenen Film wert. Aber auch die Haupthandlung steckt voller abstruser Ideen wie dem Plan, noch ungeborene Kinder durch eine Droge „amoralisch“ (!) auf die Welt kommen zu lassen. Und der Showdown mit einer kleinen Armee von aus diversen Videospielen und anderen Filmen kurz zusammengeklaubten Endgegnern und Oberbösewichten ist eher unfreiwillig komisch als packend.

Selten hat man auch einen Film gesehen, in dem in den letzten Minuten nochmals neue Superprotagonisten eingeführt werden, um ausführlich ein Sequel vorzubereiten. Fazit: In gewisser Weise einzigartig, aber doch eher für Kuriositätensammler empfehlenswert.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

20.01.2020, 00:57




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