von Fans für Fans

Hansel & Gretel

Review

von Tweek
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Ein überraschend guter Film, der nicht unbedingt eine Variation des bekannten Grimm`schen Themas ist, sondern vielmehr lediglich das Grundmotiv aufgreift und fast bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet. Herauskommt kein Horror, sondern eher ein (im besten Sinne) altmodisches bizarres und düsteres Märchen für ein erwachsenes Publikum im modernen Gewand der Jetzt-Zeit, inklusive einiger (verzeihlicher) Längen. Routiniert inszeniert, technisch auf der Höhe der Zeit und solide gespielt eignet sich der Streifen auch für ein breiteres Publikum. Großer Pluspunkt: Ein Genre-Film, der sich dem modisch unterkühltem grün-blau-grauen Ambiente entzieht und kräftige, bunte Farben auffährt! Sieht toll aus, fühlt sich noch besser an.
Fazit: Eine Empfehlung für alle, die sich gern verzaubern lassen und nicht nur auf beinharte Kost abfahren. Kommt auf großer Leinwand bestimmt nochmal so gut.
Tweek

16.07.2009, 09:54


Review

von Wishbringer
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Nach wenigen Minuten in der normalen Welt werden wir gemeinsam mit unserer Haupt- und Identifikationsfigur, dem sympathischen Eun-Soon, an einen merkwürdigen, märchenhaften Ort geführt, der uns schon bald als an eine Art Mischung aus Paradies und Hölle erscheint, auf jeden Fall irgendwie bedrohlich und ein wenig zu fremdartig, um hier gerne auf ewig leben zu wollen. Nicht dass es hier auf den ersten Blick nicht schön wäre (hmm... lecker, jede Menge quietschbunte Kuchen und Süßigkeiten zum Frühstück und so nette Menschen), aber vor allem die schnell offensichtlich werdende Tatsache, dass man an diesem Ort gefangen ist, bereitet uns doch irgendwie Sorgen.

Und diese Sorgen werden für uns mit den typischen Methoden des Horrorfilms verstärkt. Man kann sich also auch als Zuschauer ordentlich unwohl fühlen im unentrinnbaren Wald und dem bizarren Häuschen (vor allem diese vielen Hasen, echt schrecklich). Vielleicht hat der Film zwischenzeitlich auch ein paar Längen, aber er baut schon Fragen, Rätsel und Vermutungen auf, um sich dann auf mehr zu konzentrieren, als nur eine gruselige Atmosphäre zu schaffen, nämlich eine Geschichte zu erzählen, die sich zwar an Elementen aus "Hänsel und Gretel" bedient, damit an sich aber nicht viel zu tun hat. In welchem Ausmaß es diese Handlung schafft, Spannung, Interesse und Emotionen zu wecken, liegt vermutlich auch nicht unwesentlich im Auge des Betrachters. Gezeigt werden Fantasy-Elemente, menschliche Wärme aber auch reale Grausamkeiten. Von einem Feel-Good-Märchen sind wir genausoweit entfernt wie von einem typischen Horrorfilm, von einer zu offensichtlichen Gut-Böse-Zeichnung zum Glück auch, denn vor allem das Verhältnis zu den Kindern ist zwiespältig angelegt. Und wie das Ganze ausgehen wird, da kann man sich auch nie sicher sein.

HANSEL AND GRETEL vereint visuell beeindruckende, düster-bunte Bilder, einen stimmungsvollen, immer passend eingesetzten orchestralen Score und hervorragende Darstellerleistungen. Das Zusammenfließen verschiedener Handlungsebenen im Finale, ein insgesamt sehr gelungener Spannungsbogen und dieser typische, bittersüße, koreanische Geschmack haben mir ebenfalls gut gefallen. Wer seinen Schwerpunkt mehr auf ein emotionales Märchen mit einer Portion Drama legen will als auf reinen Gruselhorror, ist hier bestimmt nicht falsch. Zwei Dinge fallen schwer: Irgendwas Schlechtes an diesem Film zu finden und ihn mit anderen zu vergleichen, trotzdem muss man den Gesamteindruck natürlich irgendwie in die ganz persönliche Film-Notenliste einreihen: 6.5/10.
Wishbringer

16.08.2009, 17:30


Ja, es ist ein Märchen

von landscape
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Dieses Märchen lebt von der Innenausstattung und den merkwürdigen Leuten, die in dem Haus wohnen bzw. wohnen müssen. Weg kommt man da nicht, deshalb rechnet man mit der üblichen asiatischen Ghost-Geschichte, was zum Teil auch stimmt, aber so einfach ist das dann auch wieder nicht.
Der Mechanismus, der dahinter steckt, dass man nicht wegkommt, wird wirklich gut aufgelöst und überrascht auch. Eine wirklich gute Geschichte ist halt manchmal ein Märchen, aber man darf die Geschichte nicht mit der Realität verwechseln, das lernen wir auch.
landscape
sah diesen Film im Cinemaxx 6, Hamburg

22.08.2009, 00:43


Wer mag der Herr wohl von diesem Häuschen sein

von Frank
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Eun-Soo wacht nach einem Autounfall benommen auf. Ein kleines Mädchen führt ihn zu einem Haus mitten im Wald, wo sie mit ihren Eltern und Geschwistern ein scheinbar paradiesisches Leben führt. Er hofft von dort Hilfe holen zu können, doch es gibt kein Telefonnetz. Die Bewohner scheinen von der Außenwelt völlig isoliert zu leben. Sein Versuch am nächsten Tag zum Unfallort zurück zu kehren, führt ihn wieder zurück zum Haus.

Zu Beginn ist gar nicht eindeutig, wo Hansel and Gretel eigentlich einzuordnen ist. Doch schnell mehren sich die leicht grotesken, skurrilen und fantastischen Elemente und wir wissen: Wir befinden uns in einem Märchen; Einem sehr intelligenten Märchen für Erwachsene, dessen Inspirationsquelle Hänsel und Gretel der Brüder Grimm von 1812 ist.

Das etwas nicht stimmt merkt Eun-Soo, als die Eltern der Kinder verschwinden, und er plötzlich mit ihnen alleine ist. Und die haben ihn auch noch soo lieb, das sie ihn gar nicht wieder gehen lassen wollen. Langsam tastet er sich vor, die Wahrheit hinter all dem zu verstehen, doch als plötzlich zwei weitere Gäste ankommen und nicht wieder gehen, werden die Geschehnisse immer unberechenbarer und sind mit Alltagslogik nicht mehr zu erklären.

Und hier findet sich eine erste Analogie der Geschichte zu ganz einfachen Erkenntnissen, die mit der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen zusammenhängen.
Mit zunehmender Adoleszenz verschwindet in der Regel die Ausprägung der (kindlichen) Vorstellungskraft. Fantasie und Vorstellung werden durch Logik und Vernunft ersetzt oder von ihnen zurückgedrängt.
Das Universum von Hansel and Gretel mutet deshalb wie eine Parallelwelt an, weil das Wirken dieser Fähigkeiten (oder Eigenschaften) hier nahezu komplett unterdrückt ist.

Erwachsene in einer Welt, in der sie nicht mehr ihr Schöpfer sein können, sondern Opfer der Umstände sind, während die wahre Macht in der Imagination liegt, über die ANDERE verfügen. So wird die Atmosphäre trotz einem gemütlichem Zuhause und bunten Farben für Eun-Soo, wie für den Zuschauer immer befremdender.

Hilflosigkeit, Ausweglosigkeit und Ohnmacht, finden ihre Entsprechung zum einen in der Ignoranz der Kinder gegenüber den Bedürfnissen der Erwachsenen! Im Prinzip ein stures Verhalten (Ja, woher kommt das?).
Zum anderen in der Tatsache, das es kein Entrinnen aus dem Wald gibt; Scheinbar oder offensichtlich?: Die Grenze ist vage und Hansel and Gretel lässt hier Interpretationsspielraum für den Zuschauer.

Kulisse, Score und Drehbuch arbeiten Hand in Hand und versinnbildlichen das Gefühl des Gefangenseins im Inneren wie außen, bis aus einer befremdenden Situation eine bedrohliche wird und die gruselige Seite die Oberhand gewinnt.

Glücklicherweise bedienen sich die Kreativen auch im weiteren Verlauf stilistisch und dramaturgisch der richtigen Mittel, auch dann, wenn der Geschichte schließlich neue Storyelemente hinzu gefügt werden und der Zuschauer mit (sensibel dosierten) Grausamkeiten konfrontiert wird, so das die Geschichte geschickt den Bogen zu ihrer Auflösung findet.

Doch droht ihr sorgfältig und feinfühlig inszenierter Aufbau beinahe an einem Dialog zu zerbrechen, der zwei Minuten zu lang geworden ist und sich in immer den gleichen verbalen Wiederholungen verfängt. (Ich empfand diese Übertreibung als typisch asiatisch.)
Der Zuschauer ist, was solche Dinge angeht, wie ein Seismograph. Seit 15 Minuten war es still im Kino und plötzlich hört man Stimmen: "Na nun is aber gut" usw. Hansel and Gretel kriegt hier gerade noch die Kurve.

Fotografisch ist diese Produktion bunt, glänzend, akkurat. Fraglos schöne Bilder, die jedoch zuweilen zu glatt wirken. Hansel and Gretel`s Surrealoptik war mir insgesamt zu zurückhaltend. Eine alternative Kameraoptik, wie sie zum Beispiel in "Vidocq" zu sehen war, hätte dem evtl. besser gestanden. Aber vielleicht irre ich mich und solche stilistischen Übertreibungen hätten das sensible Gefüge des Films gestört...

Hansel and Gretel ist ein sensibel inszeniertes Märchen, das dem Zuschauer zu Beginn etwas Geduld abverlangt. Ein ausdrucksstarkes Plädoyer für eine bewusste und friedvolle Kindheit und ein Werk über die Macht und den Wert der Imagination.
Frank
sah diesen Film im Cinemaxx 6, Hamburg

27.08.2009, 19:56


Visuell beindruckend und etwas zu lang

von Abciximab
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Der Film lief in Köln parallel zu District 9- da ich vom letzteren eh erwarte, dass er in den nächsten Monaten in die deutschen Kinos kommt, habe ich mich für Hänsel & Gretel entschieden.
Generell mag ich kroeanische Filme- A Tale of Two Sisters ist einer meiner All-Time Favourites, und irgendwie erinnert Hänsel und Gretel streckenweise an diesen Film.
Der Film ist sehr detailverliebt und haut einen visuell buchstäblich vom Hocker. Gerade in der ersten Hälfte wird das Düstere nur langsam angedeutet und gewinnt langsam und beständig an Intensität. Die Schauspieler- insbesondere die Kinder- sind durchweg großartig, die Kamera brilliert- die Flashbackszenen in der zweiten Hälfte gehören Dank Kameraführung zu den verstörendsten, die ich je gesehen habe und hinterlassen noch lange ein mulmiges Gefühl.
Problem ist nur- wie bei vielen asiatischen Filmen- er dauert einfach zu lange, was es unmöglich macht, das hohe Niveau vom Anfang konstant durchzuhalten. Am Ende fliessen dann viel Tränen und wenig Blut, und die Auflösung wird dem Zuschauer etwas zu penetrant unter die Nase gerieben; gerade bei einem derartig surrealem Film wäre es besser gewesen, den Zuschauer mehr rätseln zu lassen, statt ihm sämtliche Antworten auf dem Silbertablett zu servieren.
Abciximab
sah diesen Film im Cinedom 6, Köln

29.08.2009, 11:45


Deutsche Märchen aus fernöstlichen Blickwinkel

von GeorgeKaplan
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Eines der sicher ungewöhnlichsten Projekte, eine koreanische Neuinterpretation und Wiederbelebung des alten deutschen Märchen, hinterließ einen sehr zwiespältigen Eindruck. Genauer, je länger "Hansel & Gretel" voranschritt, desto mehr wünschte ich mir, er hätte sich im Wald einfach verirrt, anstatt einen Ausgang zu finden.

Es fängt sehr verheißungsvoll an, denn mit den wunderbar komponierten Einstellungen entfaltet sich eine satte Farbenpracht auf der Leinwand, die ihresgleichen erst mal sucht. Ein mythischer Wald, welches ein Rotkäppchen mit Laterne punktuell ausleuchtet, ein hübsch illuminiertes, einsames Haus, die deutsche Märchentradition erfährt eine ordentliche optische Blutauffrischung. Das etwas faul ist in einem Haus, in dem es zum Frühstück Donuts gibt und an den Wänden Plüschtierbilder hängen, wird dabei sehr schnell klar. Hinter dem Disneykitsch lauert das Grauen, und eine Flucht aus dem Wald ist nicht möglich.

Aber da wir nun mal in einem asiatischen Film sitzen, versteht sich die Geschichte nicht nur als Parabel, sondern das Grauen hat einen Ursprung, die Wurzel des Übels liegt in der Vergangenheit. "Hansel & Gretel" holt die ganz große Moralkeule vom unerlösten Schuldkomplex heraus, die eben typisch für den gemeinen Grusler aus Fernost ist. Was in anderen Filmen gut funktioniert, wirkt hier jedoch artfremd und extrem aufgesetzt. Zwar erhält das Märchen damit eine neue Deutung, aber die wird mit einer Pathetik serviert, die jeden Horror erstickt und dem Film einen endlos dauernden Todesstoß versetzt.

"Hansel & Gretel" ist sicher eine interessante Variation, deren anfängliche Magie sich aber zum Ende hin immer mehr auflöst, was umso schader ist, da es im ersten Teil des Films noch viel zu entdecken gegeben hätte. Was etwa ist hinter dem Haus? Was hat es mit dem endlosen Dachboden auf sich? Daraus hätte man doch was machen können.
GeorgeKaplan
sah diesen Film im Cinedom 6, Köln

29.08.2009, 11:58


Asia Grütze

von lexx
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Du lieber Himmel was für ein Schund. Ich hoffe man darf das so ehrlich sagen, kann ja jeder anders sehen, aber so was Schlechtes habe ich schon lange nicht mehr über mich ergehen lassen müssen. Die Spanne reicht von purer Langweile bis hin zu beschämendem Entsetzen, auf Grund des klischeetriefenden Pathos am Ende des Filmes. Nerventötendes Gekreische, super verkitschte Sets, selten dämliche "böse Kinder die ach so lieb sind" Story, ein schlechter Hauptdarsteller, dieser Film hat mich von Anfang bis Ende einfach nur genervt.

Es gibt so einige Leute die schauen sich gerne Filme auf dem Fantasy Filmfest an, aber die Auffassung vertreten, "Asia Filme, nein danke!". Obwohl ich das nicht so sehe, kann ich die Gründe für diese Abneigung durchaus erahnen und Hansel und Gretel bündelt praktisch alle diese Gründe in einem einzigen Film und vergrault auch die letzten Asia Skeptiker die den Sushi Pionieren eine aller letzte Chance gegeben haben.

Es passt auch, dass ich in dieser Vorstellung das erste Mal überhaupt das Rascheln der Popcorn Becher und Tüten als extrem störend empfand. Entweder weil ich mich nicht auf diesen schlechten Film einlassen konnte und die Umgebung daher intensiver wahrgenommen habe, als die Geschehnisse auf der Leinwand, oder weil dieser Film einfach zu wenig Cineasten und dafür zu viele normalsterbliche Popcorn Groupies angezogen hat.

Na ja, wer mit dieser ganzen "böse Kinder" Schiene etwas anfangen kann und asiatischem Kitsch, sowie schlechten Schauspielern nicht abgeneigt ist, kann ja mal reinblinzeln, alle anderen nehmen lieber das Parallelprogramm - und wenn's die letzte Gurke ist!
lexx
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

01.09.2009, 09:31




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