Harpoon

Drei Arschlöcher auf einem Boot

von Alexander
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Am besten beschrieben haben "Harpoon" meiner Meinung nach immer noch die 4 Menschen, die sich auf einer Couch fläzend, diesen Film des diesjährigen FFFs rezitierend, in ihrem wunderbaren Video als „3 Arschlöcher auf einem Boot machen das, was sie am besten machen – sie „arschlochen“" beschrieben haben. Besser kann man es eigentlich auch nicht mehr sagen. Oder doch?

Wenn zwei junge, hormongesteuerte, männliche Alphatiere eine hübsche junge Frau umgarnen, kann das eigentlich nur damit enden, dass einer der Männer den Kürzeren ziehen wird. Und dies im wahrsten Sinne des Wortes, wenn Strohhalme gezogen werden, um auszulosen, wer auf einem irgendwo im Ozean treibenden Boot mit nur begrenzt verfügbarer Nahrung und Wasser überleben soll...

„Harpoon“ erinnert nicht nur entfernt an die auf den Wellen des weiten Ozeans treibenden, beklemmenden Überlebens-Thriller wie z.B. „Open Water“, unterbricht seine im Kern eigentlich düstere Story aber immer wieder mit herben Einspielungen von solch genial-witzigen, schwarzhumorigen Szenen, dass ich permanent am Ablachen war. Hier machen sich 3 junge Menschen das Leben so herrlich zur Hölle, dass man schon nach wenigen Minuten jegliche Empathie für die Protagonisten zu verlieren droht, und eigentlich nur noch darauf wartet, welcher Schmerz sie als nächstes treffen mag.

Das entbehrt nicht einer gewissen abartigen Lust am Spannen und zündet durchaus auch einen „guilty pleasure“-Trickerpoint beim Zuschauer. Dabei nimmt sich der böse kleine Film allerdings niemals so richtig ernst und haut seine Gags fast schneller raus als seine Gemeinheiten.

Das auf einen relativ engen Raum begrenzte Kammerspiel geizt allerdings auch nicht mit Spannung und so manchen blutigen Szenen und hält einen mit immer wieder neuen Wendungen und bösen kleinen, psychologisch wirklich schmerzenden Twists bei der Stange.

Und trotz einer sowohl optisch insgesamt weniger reizvollen als auch sonst recht mediokren Produktion war „Harpoon“ für mich einer der unterhaltsamsten Filme in diesem Jahr, der einmal mehr beweist, dass es kein großes Budget braucht, um gute Unterhaltung zu bieten, wenn einfach das Storyboard stimmt. Das sind die Filme, die ich auf dem FFF liebe.
Alexander
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

12.09.2019, 23:27


Schiffbruch ahoi

von D.S.
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Die kleine, kompakte, sich aufs Essentielle beschränkende Indie-Produktion HARPOON ist smart, fies und macht Spaß – viel mehr, als man angesichts der preisgünstigen Optik, den durchweg eher unsympathisch gezeichneten Protagonisten und der extrem „begrenzten“ Ausgangssituation vielleicht erwarten würde: Drei junge Leute (darunter als „Jonah“ Munro Chambers, das „Turbo Kid“ höchstselbst) treiben auf einer kleinen Yacht auf dem Atlantik, der Proviant ist äußerst knapp, die Konfliktherde sind dafür zahlreich.

Daraus entwickelt sich jedoch nicht etwa ein dialoglastig-anstrengendes Kammerspiel, sondern ein beizeiten richtig gemeiner Thriller um Freundschaft und Eigennutz, der sich bei fortschreitender Laufzeit immer wohliger in eine Aura des erstaunlich Makabren kuschelt.

Twists, Turns, psychologische – sowie auch einige sehr physische – Unappetitlichkeiten; all das immer wieder nonchalant kommentiert von einer sarkastisch gestimmten Erzählerstimme: Hätte HARPOON ein bisschen mehr fürs Auge zu bieten, hätte er glatt Hit-Potential.

Auch so verbringt man hier aber eine rundum unterhaltsame Festivalzeit, bei der man einiges über Aberglauben auf hoher See lernt – Bananen bringen Unglück! – ... und noch mehr über die Gefahren, die mit enger Freundschaft kommen können, wenn der Wind sich dreht. Gute 6,5 Punkte.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

15.09.2019, 01:31


Speargun!

von Herr_Kees
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Drei Freunde machen eine Bootsfahrt. Jeder einzelne hat Dreck am Stecken, von dem der eine oder andere allerdings nichts weiß. Noch nicht. Aber auf einem Boot, das plötzlich auf hoher See stillliegt, hat man ja viel Zeit zur Klärung. Notfalls mit Faust und Harpune, sorry, Speargun.

Eine schöne Konstellation, die sich Writer/Director Rob Grant da ausgedacht hat. Und drei klasse Performances, die seine Schauspieler hier bringen, allen voran Emily Tyra, die hier als eine der schlechtesten Krankenschwestern der Filmgeschichte so ziemlich alle (unangenehmen) Gefühlsregungen durchmachen darf. Kommentiert wird das ganze Geschehen von einem hübsch sarkastischen Erzähler und ein paar eingeschobenen Rückblenden (die einzige wirkliche Schwäche des Films, hier wäre technisch und kreativ sicher mehr drin gewesen).

Wer befürchtet, es könne mit nur drei Personen auf einem Boot langweilig werden, der sei beruhigt: es wird interessant, gemein, nervig, witzig, tricky, eklig und sehr, sehr blutig.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

16.09.2019, 23:55


Life of Drei

von Leimbacher-Mario
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Kammerspiele sind meins. Egal ob witzig oder böse, egal ob Horror oder Komödie, egal ob klassisch oder modern - die sind oft kurz und effektiv unterhaltend für mich. Wenn sie mit einem teuflischen Grinsen kommen, umso besser. „Harpoon“ (oder unter Insidern auch „Speargun“ genannt) ist genau solch ein hinterhältiger Fiesling, in dem drei junge Erwachsene und „Freunde“ mit einem kleinen Boot aufs Meer hinaus fahren und dort stecken bleiben. Eine echte Ahoisause nimmt ihren Lauf, denn Geheimnisse und Intrigen, Neid und Aggressionen, Dummheit und ein sehr sonderbarer Survivalinstinkt geben sich hier die nasse Klinke in die Hand und können nur zu Mord und Totschlag führen... oder?!

Wenn es in einem Film nur drei Darsteller gibt, bleibt der Bodycount natürlich eher übersichtlich und die Frage nach dem „Wie?“ rückt in den Vordergrund. Außerdem ist es immer interessant zu sehen, wie es ein Film schafft zu fesseln, wenn er nur von ekelhaften Charakteren bevölkert wird. Doch „Harpoon“ gibt beeindruckende Antworten auf diese Fragen. Oder zumindest kurzweilige, unterhaltsame, launige. Er bleibt nicht länger als er muss und vermeidet Längen mit Schmackes und (gedrosselter) Boshaftigkeit, die jungen Darsteller spielen top ihre arschigen und etwas überzogenen Rollen, der Off-Erzähler avanciert schnell zum Publikumsliebling, von dem man leider viel zu wenig hört. Insgesamt werden vielleicht nicht genug richtig tolle Ideen mit an Bord genommen, die Figuren regen einen von Natur aus auf und das Setting bietet ebenso natürlich nicht allzu viel Abwechslung. Immerhin ist die Auflösung genau das, was man sich wünscht. Der Weg dahin hält oberflächlich und locker bei Laune. Selbst wenn man sich dauernd fragt, warum und ob sich diese Menschen wirklich mehr hassen, als sie überleben wollen, was mit zumindest etwas Kooperation sicher besser klappen würde...

Fazit: ein feucht-fröhliches Kammerspiel auf hoher See mit Aggressionsströmungen und drei unsagbar unsympathischen Arschgeigen. Trio infernale. Fies, knackig, simpel und zumindest am Ende befriedigend. Und der schön-zynische Off-Kommentar rockt. Im Endeffekt aber nichts Weltbewegendes. Für den Sonntagnachmittag mit Freunden. Oder Feinden ;).
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

17.09.2019, 01:26




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