von Fans für Fans

Hole

Im Keller

von Herr_Kees
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HOLE ist ein Film der Extreme: extrem konzentriert in Handlung (Schicksal eines Entführungsopfers), Besetzung (drei Personen) und Location (ein Brunnenschacht), extrem konsequent in der Umsetzung (z.B. beim Einsatz von Farbe, auch bleibt die Kamera fast die ganze Zeit beim gefangenen Miguel im Brunnen), extrem in den Leistungen (große Anerkennung für Make-up und Hauptdarsteller, die die lange Gefangenschaft sehr glaubwürdig demonstrieren; auch einige Regieeinfälle machen die lange einsame Zeit im Kerker richtiggehend spürbar - die ekligste Szene des Festivals zeigt Miguel, wie er sich die Fußnägel an einem hervorstehenden Stein des Brunnengemäuers feilt).
In seiner als nihilistisch zu bezeichnenden Konsequenz beschert uns HOLE entsprechend auch ein filmisch extrem unbefriedigendes Ende. So mag HOLE als Planspiel, als Metapher und als Experiment funktionieren und durchaus Wirkung zeigen - als Thriller versagt er leider auf ganzer Linie und auch als Denkanstoß bleibt er zu begrenzt.

Fazit: Teilweise sehr wirkungsvolles filmisches Experiment mit unbefriedigendem Ausgang.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol 2, Stuttgart

30.07.2006, 16:01


Lochfraß

von todaystomorrow
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Ein Mann erwacht in einem engen Raum, aus dem es keinen Ausweg gibt. Er weiß nicht, wie und warum er hier gelandet ist, was man von ihm will und was ihm blüht. Klingt irgendwie ein bißchen nach "Cube"? Stimmt, ich jedenfalls habe mich häufiger mal an die dort ja nahezu identische Ausgangssituation erinnert gefühlt. Ähnlich quälend wie bei jenem stellt man sich auch hier mit dem Protagonisten die oben genannten Fragen, und "Hole" weigert sich zunächst genauso beharrlich, uns in irgendeiner Art und Weise aufzuklären. Was hier im Gegensatz zu "Cube" aber natürlich fehlt, sind tödliche Fallen und generell jede Form von Action - leider aber auch ansonsten ein paar Höhepunkte.

Dafür gibt es für den Gefangenen, Miguel, hier immerhin mehrfachen direkten Kontakt mit den Verantwortlichen für seine Misere: zwei maskierte Männer, die ihm in regelmäßigen Abständen Kerzen, Wasser und das täglich gleiche Sandwich in seinen Brunnenschacht herunterlassen. Miguel ist niemand, der ihnen große Schwierigkeiten machen würde (wenn er das überhaupt könnte): schon nach kurzer Zeit akzeptiert er sein Schicksal zwar nicht, befolgt aber die Anweisungen seiner Wärter und versucht - von einigen Ausnahmen abgesehen - alles genau so zu tun, wie man es von ihm zu erwarten scheint. Das verändert Ihr Verhalten ihm gegenüber aber, wenn überhaupt, nur unmerklich. Und das bringt ihn bald zu der immer verzweifelter wiederholten Frage, was er denn bloß machen soll, damit er befreit oder zumindest besser behandelt wird. Aber auch diese Frage bleibt unbeantwortet...

"Hole" ist unglaublich dicht inszeniert. Der fantastische Hauptdarsteller, Kamera und Schnitt holen aus der ausweglos scheinenden Situation und der auf ein Minimum reduzierten Location alles heraus, was möglich ist: die klaustrophobische Enge, die Anspannung, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit werden für den Zuschauer fast körperlich spürbar. Man ertappt sich auch einige Zeit nach dem Sehen noch bei der Frage, wie man selbst sich wohl in der Lage von Miguel verhalten hätte; ob man mehr als er hätte machen können; ob man vielleicht schon früher aufgegeben hätte... Was dem Film allerdings fehlt, um aus ihm etwas Herausragendes zu machen - das man sich auch gerne noch mal ansehen würde - sind, wie oben schon erwähnt, die Höhepunkte. Gut möglich, daß der Regisseur solche ganz bewußt vermieden hat: schließlich hat die gefühlte Ewigkeiten andauernde Existenz unseres Protagonisten als Gefangener ja auch keinerlei Höhepunkte, alles geht seinen monoton demütigenden Gang, nichts bietet Aussicht auf Veränderung - er erlebt nur die fortschreitende Verschlechterung seiner Lage und seines Zustands. Wenn es das Ziel des Films ist, uns möglichst eindringlich in die Situation seiner Hauptfigur zu versetzen, bleibt ihm vermutlich kaum eine andere Wahl.

Leider aber hat sich das "Erfühlen" dieser Situation für den Zuschauer ab einem gewissen Punkt ein wenig abgenutzt, die stets gleiche Umgebung und die nur marginalen Veränderungen im Geschehen wirken auf Dauer eben schlicht ermüdend. So bleibt der Film zwar seinem Ansatz treu, und dieser Ansatz ist zweifellos beeindruckend, aber er kann das Ganze nicht über die komplette Laufzeit tragen. Aus Intensität wird so fast zwangsläufig, zumindest vorübergehend, Langeweile.

Nichtsdestoweniger ist "Hole" relativ beeindruckend; was hier mit extrem begrenzten Rahmenbedingungen erreicht wurde, schlägt viele "große" Filme in Sachen Atmosphäre um Längen. Allerdings ist "Hole" nicht etwa als Amateurfilm zu sehen, visuell wie akustisch, von der filmischen Umsetzung wie von den Darstellerleistungen her merkt man jederzeit sowohl ein gewisses Budget wie auch eine gewisse Klasse. Zudem regt der Ausgang der Handlung zu Diskussionen an: mir bot sich am Ende eine sehr andere Deutung der Geschehnisse, als bis dahin vermutet; meine Begleiter sahen das aber wiederum ganz anders...

Ich vergebe wegen der zeitweilig fast unerträglichen Intensität knappe 6,5 Punkte, für mehr reicht es aufgrund einiger Ermüdungserscheinungen leider nicht - andere fanden den Film aber stattdessen unglaublich langweilig.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

01.08.2006, 05:31


A Touch of Oldboy

von FFFler
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Man nimmt die ersten 15 Minuten von Oldboy und macht daraus einen Feature-Film. Von der Idee her ist das Ganze auch nicht schlecht und auch durchweg spannend, jedoch weiß die Auflösung nicht wirklich zu gefallen und schiebt so den Film leider nur ins Mittelmaß.
FFFler
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

04.08.2006, 18:18


Melancholische Isolation?

von lexx
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Dieser Film ist ebenso konsequent, wie er mit erstklassigen Bildern und einer sehr gelungenen Inszenierung dienen kann. Drei Schauspieler, ein tiefes Loch und einen großen Batzen Isolation verschnürt Regisseur C. Martín Ferrera zu einer Studie über die physische Belastbarkeit des Menschen. Dabei gewinnt C. Martín Ferrera dem Film - gewollt oder nicht - einige sehr melancholische Momente ab, was bei näherer Überlegung nicht so recht passen will, denn für Melancholie ist da unten, tief im Loch, ganz sicher kein Platz. Erzeugt wird dies durch die sehr melancholische Musik und den dezent eingestreuten Außenaufnahmen von der umgebenden Natur. Doch auch wenn dies den Wahnsinn der Isolation nicht gerade begünstigt, macht es den Film doch einigermaßen erträglich und rettet den Zuschauer davor, in eine ähnliche Lethargie zu verfallen, wie der Hauptdarsteller Enric López, dessen schauspielerische Klasse wirklich bemerkenswert ist.
Ein Wermutstropfen bleibt das unbefriedigende Ende, wobei das vielleicht nur in der ersten Überlegung so empfunden wird, im Nachhinein ist es einfach nur... - konsequent.
Vielleicht weniger als Film verstehen, sondern eher als Studie, dann macht man hier nichts falsch.
lexx 
07.09.2007, 09:09




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