von Fans für Fans

Hounds of Love

Mama, du nervst

von Michaela
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Hätte Vicki nur auf ihre Mama gehört und sich an den Stubenarrest gehalten, wäre ihr das Martyrium durch das Ehepaar White erspart geblieben.

Klingt nach althergebrachter Torture-Porn Kost: weiblicher Teenager wird verschleppt, angekettet, gequält und gedemütigt, um letzten Endes ermordet und irgendwo im Wald vergraben zu werden. Klingt nach einem Film, den man halt noch wegen Dauerkarte mitnimmt, auch wenn es der letzte an einem langen Festivaltag ist.

Und dann erwischt es einen kalt. Es ist die Normalität und der Realismus, die einen packen. Dazu kommt noch gutes und überzeugendes Schauspiel. Und die Grausamkeiten finden meist, aber nicht immer, hinter verschlossenen Türen statt, so dass der eigenen Phantasie keine Grenzen gesetzt sind.

Ich finde, dieser Film sollte Pflichtfilm für Teenies sein, um ihnen überdeutlich zu zeigen, dass nervige Eltern manchmal Recht haben mit ihren Regeln oder Verboten, z. B. dass man nicht zu Fremden ins Auto steigen soll, nichts von Fremden annehmen soll... Da sowas durchaus tödlich enden kann.

Ein Film, der einem vor Augen führt, dass Horrorgestalten lange nicht so schlimm sein können wie echte Menschen. Nichts für besorgte überfürsorgliche Mütter.
Michaela
sah diesen Film im Cinemaxx, München

08.09.2017, 03:10


When I was a child / Running in the night / Afraid of what might be... - Kate Bush

von Herr_Kees
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Wie abgebrüht man aufgrund zahlreichen Tortureporn-Konsums auch sein mag: Das hier ist keine pubertäre Folterfantasie, das ist verdammt nah an der Realität.

Auch wenn HOUNDS OF LOVE nicht mehr Plot hat als andere Entführungsthriller, erzählt er um so mehr über seine Charaktere, die allesamt hervorragend gespielt werden und dem Film eine Intensität verleihen, wie man sie im Genrekino selten erlebt – hier sitzt man mehr als einmal mit einem Kloß im Hals vor der Leinwand.

Im Übrigen sieht HOUNDS OF LOVE längst nicht so rough aus, wie sein Trailer befürchten lässt – der gelungene Einsatz von extremen Zeitlupenaufnahmen im Außen steht im spannenden Kontrast zur fast schon dokumentarischen Kameraführung im Inneren, die dankenswerterweise allzu grausame Details ausspart.

Autor und Regisseur Ben Young ist eine echte Entdeckung – warum ist dieser Film eigentlich nicht im Fresh-Blood-Wettbewerb?
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

11.09.2017, 23:34


Das reale Grauen

von mdbnase
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Teenager Vicky gerät in die Fänge des Ehepaars White, das gerne junge Mädchen quält und tötet. Soweit so gut - oder auch nicht. Was uns Regiedebütant Ben Young hier bietet ist allerdings kein weiterer Tortureporn, sondern ein Abbild des realen Grauens.

Realismus ist das, was diesen Film, der in der OFDb als lediglich "Krimi" ausgewiesen wird, auch ausmacht und was dem Zuschauer den wirklichen Schlag in die Magengrube versetzt. Alles was hier dem Zuschauer zugemutet wird, kann genauso in der realen Welt passieren und das macht den Schrecken dieses wirklich fiesen, fesselnden Thrillers aus. Ein sadistischer Loser, eine von ihm abhängige Frau, ein argloser aber trotziger Teenager, sich sorgende Eltern, Polizisten die nur nach Vorschrift handeln. All dies mündet in dem, was keiner jemals erleben will, man aber sicher schon mal in der Boulevardpresse gelesen hat. Der Film konfrontiert den Zuschauer mit genau diesen Ängsten und auch dem was passiert, vor dem man seine Kinder immer gewarnt hat und was man erhofft, dass es einen niemals selbst betrifft.

Aber nicht nur das Inhaltliche überzeugt, sondern auch die Inszenierung. Zudem sind alle Charaktere glaubwürdig und das intensive Spiel der Darsteller lässt einen nicht nur erschaudern, sondern weckt auch viele Emotionen. Dadurch, dass die Gewalt meist hinter verschlossenen Türen stattfindet, bietet der Film zudem viel Spielraum für das eigene Kopfkino, dem man unweigerlich ausgesetzt wird und das ziemlich nervenaufreibend sein kann, wobei die musikalische Untermalung das zu sehende zusätzlich intensiviert. Ein Film, der einem wirklich an die Nieren gehen kann, wenn man sich denn darauf einlässt.
mdbnase
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

13.09.2017, 01:13


Review

von André Hecker
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Hounds of Love ist einer dieser Filme, die auf den ersten Blick nur wie ein weiterer Entführungs- oder Rape&Revenge-Streifen aussehen. Doch davon darf man sich auf keinen Fall beirren lassen.

Vicki (Ashleigh Cummings) wird eines Nachts von einem Pärchen entführt, das sie in ihrem kleinen Häuschen in einer australischen Vorstadt an ein Bett fesselt. Was anschließend mit ihr passiert, verraten nur die durch Mark und Bein gehenden Schreie, denn Hounds of Love belässt die Gewalt im Kopf des Zuschauers. Nur anhand von Vickis Blessuren kann man sich ausmalen, welche Qualen sie hinter verschlossener Tür durchleiden muss. Zeitgleich liegt aber vor allem auch die Beziehung der Entführer im Fokus. Lebensversager John (hassenswert gespielt von Stephen Curry) kuscht vor der Tür vor Dealern und ist ein erbärmlicher Mensch, doch innerhalb seiner vier Wände quält er entführte Mädchen und schlägt seine Frau Evelyn (grandios verkörpert von Emma Booth). Letztere macht das Spielchen mit, ist John hörig und kann sich trotz schrecklicher Taten weder gegen ihn durchsetzen, noch von ihm lösen. Während man teilweise als Zuschauer Mitleid mit ihr bekommt, schändet sie in der nächsten Minute ebenfalls die hilflose Vicki und man baut den gleichen Hass gegen sie wie gegen John auf. Dieses perverse Spiel aus Macht, Abhängigkeit, unerwiderter Liebe und Verzweiflung gibt dem Film erst seine ganz eigene, widerliche Note.

Insgesamt eher ruhig gefilmt, versprüht Hounds of Love eine triste und kalte Atmosphäre. Dass die grausamen Taten mitten in einer Wohnsiedlung stattfinden und kein Nachbar etwas ahnt, macht den Film und seine Gräueltaten unangenehm greifbar. Minutenlange Zeitlupen-Kamerafahrten durch die Kleinstadt sollen vermitteln, dass sich Vickis Entführung wie eine Ewigkeit hinzieht, nutzen sich aber auf Dauer ab. Hier hätte man den Schnitt etwas straffen können. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau, denn Hounds of Love wirkt, auch lange nach der Sichtung.
André Hecker
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

13.09.2017, 13:00


Grauen hinter geschlossenen Türen

von Leimbacher-Mario
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"Hounds of Love" ist Torture Porn ohne Porn. Ein grauenhaft-guter Film. Ein Meisterwerk der Kidnap-Movies. Dagegen können "Chained", "Mum & Dad", "Megan is Missing" oder "Berlin Syndrome" einpacken und dieser Australien-Thriller vereint all deren Stärken, nahezu ohne deren Schwächen. Okay, den schwarzen Humor aus "Mum & Dad" nicht. Doch beim Rest ist dies das letzte Wort. Ein humorloses Brett, dass meinen Hals zusammenzieht und meine Finger zucken lässt. Fast fehlen mir die Worte. Routiniert, beiläufig und völlig gestört wird hier ein jugendliches Mädchen von einem älteren Ehepaar entführt und in ihrer Wohnung angekettet und festgehalten, missbraucht und geschunden. Harter Tobak, eigentlich auch nichts Neues oder sonderlich kreatives. Doch wie hier alles zusammenkommt - Style, Inhalt, Schauspiel, Emotionen, Realismus, Boshaftigkeit - macht diese Hunde der Liebe zu einem der Schocker des Jahres. Und das fast ausschließlich in unseren Köpfen, da die Schandtaten so gut wie nie gezeigt werden. Hier zeigen geschlossene Türen, zerstörte Blicke und blaue Flecken das greifbar Böse. Oh, und die Schreie. Diese Schreie... Ein paar davon werden mich wohl noch lange begleiten...

"Hounds of Love" ist Horror in seiner realistischsten, greifbarsten und nebensächlichsten Form. Die Nachbarschaft wird zur Hölle, Nachbarn zu Monstern, Ungewissheit zu Schmerzen, Sekunden zu Ewigkeiten. Selten fühlte sich ein so stärker Film so quälend lang an. Selten war ein so stilistisch wunderschöner Film so schwer anzusehen. Selten war so handverlesen gute Musik so qualvoll richtend. Regisseur Ben Young atmet nicht nur Film, sondern sicher auch Musik. Was für eine Atmosphäre, was für ein Soundtrack, was für ein Killercouple. Das Entführerpärchen steht hier klar im Vordergrund und ihre gestörte Beziehung und Welt verstört uns Zuschauer zunehmend. Erst recht bei solchen Performances. Glaubhafte Monster mit Hintergründen. Sagenhaft. Ich kann mich nur wiederholen: das Ding ist intensiv, fies, stylisch. Und könnte genau so passieren. Bei dir um die Ecke. Das ist der wahre Horror. Keine fliegenden Eingeweide, keine Geister, Monster oder unsterbliche Killer in deinen Träumen. "Hounds of Love" wird dich verfolgen, packen, nicht mehr loslassen. Tut weh!

Fazit: Was für ein Brett. Realistischer & bitterböser Aussie-Schocker, der eine Art "Wolf Creek" für Torture-/Kidnap-Filme werden könnte. Abscheulich, intensiv, unvergesslich. Mit einem Killersoundtrack. Und einem Killerpaar für die Annalen. Muss man sehen. Aber auf eigene Gefahr. Zeigt so gut wie nichts und ist trotzdem hart zu schlucken.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

24.09.2017, 03:08


Der Horror nebenan

von D.S.
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Wer glaubt, schon alle denkbaren Varianten von Filmen über Serienmörder, Kidnapper, sexuell motivierte Folterer gesehen zu haben, der hat HOUNDS OF LOVE noch nicht gesehen. Dieser australische Debüt(!)-Langfilm vereint inhaltlichen echten Horror mit stilistischer Brillanz, einen erzählerischen Realismus mit äußerster filmischer Fingerfertigkeit, die sich nicht zuletzt in einem häufig sehr intelligent kommentierenden Soundtrack und dem mehrfachen Einsatz atemberaubend ästhetischer Ultra-Slo-Mo-Sequenzen manifestiert.

Auch in der Wahl seines Story-Setups geht der Film vergleichsweise ungewöhnliche Wege. Hier geht es nicht um einen einzelnen, brutalen Täter: Hauptfigur Vicki Maloney (Ashleigh Cummings (TOMORROW, WHEN THE WAR BEGAN) fällt in die Hände eines moralisch degenerierten, dabei nach außen aber erstaunlich normal und beizeiten gar charmant wirkenden Pärchens – gespielt von Stephen Curry (ROGUE) als pathologisch aggressiver Loser John White und Emma Booth (GODS OF EGYPT) als seine Frau Evelyn, die seit ihrem 13. Lebensjahr mit ihm zusammen ist, an schwersten Minderwertigkeitskomplexen leidet und sich deshalb von ihm in jeder Hinsicht ge- und missbrauchen lässt.

In dieser Etablierung eines Pärchens als Antagonisten und insbesondere in seiner Zeichnung ihrer Charaktere ist HOUNDS OF LOVE deshalb vermutlich von realen Fällen wie dem von Karla Homolka und Paul Bernardo inspiriert, deren – wie die Filmhandlung – im Jahre 1987 beginnende Geschichte beim FFF 2006 im Film KARLA auf der Leinwand zu sehen war. Aus Deutschland fällt einem da als Bezugspunkt das Geschehen um das "Horrorhaus" in Höxter ein. Wie dem auch sei: Die Figurenkonstellation eröffnet HOUNDS OF LOVE eine zweite Ebene neben der Handlung um das Entführungsopfer und sein Schicksal, die sich um die Dynamiken einer krankhaften Beziehung zwischen Angst, Affirmation, Hörigkeit und Manipulation dreht. Diese werden äußerst glaub- und schmerzhaft dargeboten und tragen so ihren Teil dazu bei, den Betrachter immer tiefer in die finstere Welt der Täter hineinzuziehen, die da mitten im sonnendurchfluteten Perth in einer sozial schwachen Siedlung Jagd auf die noch Schwächeren machen: auf minderjährige Mädchen, die sie zur Befriedigung ihrer krankhaften Gelüste missbrauchen.

Im Zentrum der Handlung steht aber eine Figur, welche die Aufmerksamkeit des Publikums im Handstreich gewinnt – nicht nur durch ihre realistische Zeichnung als rebellische Jugendliche, die ihre Mutter für die Trennung der Eltern verantwortlich macht und trotzig die von ihr aufgestellten Regeln missachtet. Tatsächlich verhält sie sich auch als Entführte sowohl glaubwürdiger als auch weniger wie ein hilflos dummes Opfer, als dies in thematisch ähnlichen Filmen meist der Fall ist.

Dabei ist ihre Glaubwürdigkeit in erster Linie dem überragenden Spiel von Ashleigh Cummings geschuldet, aber ihre Co-Protagonisten tun es ihr gleich – tatsächlich wollte ich dieses Review zunächst mit den Worten "Fuck, war der gut gespielt!" beginnen. Zusammen mit tollen stilistischen Einfällen und einer Inszenierung, die den wahren Horror geschickt erst im Kopf des Betrachters entstehen lässt, ohne dabei im Rahmen der gezeigten Handlung irgendwelche Fragen offenzulassen, wird HOUNDS OF LOVE dadurch zu einem wahnsinnig intensiven, emotional schwer belastenden Stück Film.

Bewegend, glaubwürdig, verstörend: für mich der Höhepunkt des FFF 2017. Mit einer der emotionalsten Schlussszenen seit Jahren, kongenial unterlegt mit Joy Divisions "Atmosphere". Starke 8 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

26.09.2017, 02:01




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