von Fans für Fans

I Remember You

Verzwickt und spannend

von Dr_Schaedel
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Man muss schon ganz schön mitdenken, bei diesem kleinen, feinen Geisterfilm, der wie eine mögliche CSI:Rejkjavik- Episode beginnt, sich dann aber zu einer imposanten Schauermär auswächst. Ich gebe zu, manches wurde mir und meinen Begleitern erst im Gespräch beim anschließenden Burgeressen klar. Viele Fäden werden am Anfang ausgeworfen, dann aber auch konsequent und stimmig wieder eingeholt.

Die Machart von I REMEMBER YOU ist einwandfrei, sodass der Film den Zuschauer schnell hineinzieht. Allein das Setting, die karge, farblose, aber reizvolle Landschaft Islands, wo Mythen über Trolle und Elfen fest in der Kultur verwurzelt sind, macht es einem leicht, an spukhafte Existenzen und Wanderer zwischen der Welt der Toten und der Lebenden zu glauben. Dazu kommt, dass alles im Film nach und nach, aber schlüssig aufgeklärt wird. Viele persönliche Schicksale und tragische Begebenheiten münden in den Konflikt zwischen Mensch und Geist. Irgendwie leidet man mit allen Figuren des Films mit.

Kleine Wermutstropfen finden sich in den genreüblichen Eseleien der Dramatis personae (Himmel nochmal: In dunkle, fremde Eingänge geht man nie alleine und nicht ohne ausreichende Beleuchtung. Minimum: Baustrahler.) sowie im übertriebenen Sounddesign, das mehr als einmal die Sitzreihen zum Erbeben brachte. Wäre dabei gar nicht nötig gewesen, die Gänsehaut war ja schon vorhanden. Man wollte da wohl auf Nummer sicher gehen.

Aber ansonsten ein ernster, aber unterhaltsamer Gruselfilm mit Atmosphäre und guten Darstellern. Hat sich gelohnt.
Dr_Schaedel
sah diesen Film im Cinemaxx, München

11.09.2017, 16:22


Iceland Ghost Story

von Heidi
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Bei I REMEMBER YOU handelt es sich um eine klassische Geisterstory, in der es einiges zu entdecken gilt und in Zusammenhang gebracht werden will. Für mich gab es 3 Erzählebenen, deren Verbindungen erst so nach und nach offenbart werden.

Dabei ist der Film absolut atmosphärisch und schafft es, das Wesen Islands und seiner Menschen einzufangen. Allein das genügt, um die richtige Stimmung für Geisteraktivitäten zu erzeugen, ohne großartige Effekte, die vielleicht sogar gestört hätten.

Was mir bei I REMEMBER YOU fehlte, war das Unerwartete. Vielleicht habe ich schon zu viele Geisterstorys gesehen und bin deshalb auch schon abgeklärt, aber viele Situationen, die Grusel oder Gänsehaut erzeugen sollten, funktionierten bei mir nicht, weil sie für mich vorhersehbar waren.

Nichtsdestotrotz kann ich den Film allein wegen der Story und des Plots empfehlen, weil man diesen Film auch ein zweites Mal anschauen kann.
Heidi
sah diesen Film im Cinemaxx, München

12.09.2017, 13:06


Gesehen und vergessen

von Herr_Kees
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In Island nimmt man sich noch viiiel Zeit zum Erzählen – im Vergleich hierzu wirkt manch skandinavischer Genrebeitrag wie ein Michael Bay-Film.

I REMEMBER YOU erzählt zwei parallele Geschichten. Was diese verbindet, ist Teil des Mysteriums. Die Mysterystory des Films ist im Grunde auch interessant und spannend, aber man würde sie doch lieber als Buch lesen, denn die Verfilmung inszeniert sie leider nicht mit der nötigen Atmosphäre.

Das hier ist mäßig stimmungsvoller Geistergrusel in gehobener TV-Ästhetik, der zudem auch nicht in jeder Hinsicht stimmig und nachvollziehbar ist. Für die "unheimlichen" Szenen werden die üblichen Standards bemüht, das Licht geht aus, es trapsen die Kinderfüßchen, eine Gestalt im blauen Umhang erscheint (rot wäre auch eine zu offensichtliche "Hommage" gewesen), die Tonspur macht einen Hans Zimmer und die Auflösung ist schließlich komplett von DARK WATER "inspiriert".

Fazit: Harmlose Spukunterhaltung für einen verregneten Sonntagnachmittag, wenn man sich nicht zu sehr erschrecken will.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

18.09.2017, 00:33


Nordische Nächte

von Alexander
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Ja, Max hatte bei seiner Ansage mal wieder Recht. Thriller können sie in Skandinavien ganz einfach. Und ich bin ein sehr großer Fan skandinavischer Kriminalfilme, verfolge auch gerne TV Produktion wie "Bron" (Die Brücke) oder die unterkühlten Episoden eines "Wallander" von Mankell. Aber der Vergleich hinkt natürlich, denn "I Remember You", die Verfilmung eines isländischen Bestsellers, ist natürlich eine weitaus geschliffenere Produktion als vorgenannte Fernsehfilme. So ging ich nicht ganz ohne eine entsprechend hohe Erwartungshaltung in diesen Film - und meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht!

Noch immer klebt der salzige Nachhall dieses an der kargen Nordwestküste Islands spielenden Schauerstücks auf meiner Seele. Denn in "I Remember You" weht einem der eiskalte Hauch des Todes von der ersten Spielminute an um die Filmnase. Ganz im Stil anderer, eingangs erwähnter, skandinavischer Kriminalklassiker, haben wir es hier mit einem weiteren beklemmenden Kriminal-Meisterstück zu tun, das seine düstere Geschichte kunstvoll mit einer Meta-Ebene verwebt, auf die man nicht ohne weiteres vorbereitet ist, und die ich aufgrund einer gewissen Spoiler-Gefahr jetzt auch nicht weiter ausführen mag.

"I Remember You" weiß seine subtilen Gemeinheiten so sanft auszuspielen, das einem das ganze Ausmaß des Schreckens erst nach einer Weile bewusst wird. Dabei faszinieren die kantigen und markanten Charaktere genauso wie die brillant in Szene gesetzten Weiten einer eisigen Landschaft, die das immer präsente aber nie wirklich greifbare Böse, in den passenden, optischen Rahmen stellt.

Der Film ist spannend, dramatisch und ein Fest für Freunde des nicht ganz so offensichtlichen Vertreters des "crime & suspense" Genres. Gespickt mit vielen dunklen Puzzleteilen und einem Drama, das unter die Haut geht, war "I Remember You" für mich alten Rätsel-, Krimi- und Mystery-Freund ein wahres Filmfest, das insbesondere durch seine so gut wie unvorhersehbare Auflösung, bei der sich mir alle Nackenhaare auf der Gänsehaut aufstellten, punkten konnte.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 09:07


Gespensterkrimi

von Zwerg-im-Bikini
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Gespenster sind eines der beliebtesten Themen in Horrorfilmen, vor allem wenn es mehr um Grusel statt um Blut gehen soll. Aber es gibt leider eine Menge uninspirierter Massenware. I REMEMBER YOU gehört zu den positiven Beispielen, was man dem Genre noch entlocken kann. Der Film basiert auf dem isländischen Roman "Ég man þig" von Yrsa Sigurðardóttir und erzählt von vermissten und herumspukenden Kindern.

Wir verfolgen zwei Handlungsstränge parallel: Zum einen geht es um drei Freunde, die ein Haus in einem seit vielen Jahren verlassenen, abgelegenen Dorf renovieren wollen. Währenddessen beobachten wir einen Arzt dabei, wie er Nachforschungen zu dem Selbstmord einer alten Frau anstellt, und dabei auf mysteriöse Hintergründe stößt.

Obwohl es Geistererscheinungen gibt, ist der Film wie ein guter Krimi aufgebaut. Schritt für Schritt werden Geheimnisse enthüllt und man wartet gespannt, was die unterschiedlichen Charaktere und Orte letztenendes miteinander verbindet. Die Atmosphäre ist bedrohlich unterkühlt, und das liegt nicht nur an der für Horrorfilme prädestinierten isländischen Landschaft.

Hier jagt zwar nicht ein Jump Scare den nächsten, aber wer einmal über den Tellerrand dessen lunzen will, was Hollywood einem alle paar Monate in Form immer wieder ähnlich gestrickter Fortsetzungen vorsetzt, bekommt hervorragende Kost geboten. Zum Mitdenken, Miträtseln und Mitgruseln.

Außerdem muss ich bei dem Originaltitel an eine Embryonalform von Manbearpig aus South Park denken und darüber jedes Mal schmunzeln... :D
Zwerg-im-Bikini
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt - Original-Review

24.09.2017, 22:59


Und mal wieder kein Empfang...

von landscape
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Nicht ganz einfach, die Spielebenen im Blick zu behalten - dem Auditorium wird es nicht einfach gemacht, die Chronologie zu entschlüsseln, und davon hängt viel ab.
Bleiern, blau und schwer ist die Tonalität, das Erzähltempo etwas behäbig, aber atmosphärisch stimmig. So war es zu erwarten.
Die Mischung aus Mystery/ghost story und thriller passt, ist aber leider mittlerweile auch ziemlich auserzählt.
Und unbefriedigend aufgelöst, dafür der ganze body count? Was ist mit den Zeichen, bedeuten die was?
Würde ihn unter "solide Arbeit" verbuchen, immerhin unterhält er gut.
landscape
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

26.09.2017, 00:00


Aus den Augen, in den Sinn

von Leimbacher-Mario
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"I Remember You" baut gerade gehörig Buzz auf. Einer der erfolgreichsten isländischen Filme aller Zeiten, nicht nur im Gruselbereich. Den Fresh Blood-Award des Fantasy Filmfests abgesahnt. Weitere Festivals weltweit prügeln sich um Vorführungen. Die baldige deutsche Blu-ray-Veröffentlichung wird da sicher noch etwas mehr Mundpropaganda oben drauf packen. Haben wir es also wirklich mit einem neuen Geisterklassiker zu tun? Ja, zumindest in Teilen hatte ich das Gefühl. Außerdem wirkt der Film nach, sticht aus jedem Festivalalltag heraus. Die Geschichte rund um einen vermissten Jungen und mysteriöse Geistererscheinungen auf Island, hat es in sich. Das Setting kann nur als majestätisch beschrieben werden, die für uns unbekannten Darsteller spielen glaubhaft, die Soundkulisse ballert einem die Gänsehaut in den Nacken und die Geschichte ist erstaunlich emotional und bodenständig. Typisch Island das alles. Eiskalte Exzellenz.

Auf Grund des Hypes haben mich viele Freunde gefragt, mit was "I Remember You" am ehesten vergleichbar sei. Da habe ich meist "irgendwo zwischen den nordischen Stieg Larsson-Verfilmungen und J-Horror" geantwortet. Doch eigentlich macht dieser eisige Edelgrusler sein ganz eigenes Ding. Man hat diese Art Geistergeschichte, egal wie generisch sie klingt, schlicht so noch nicht gesehen. Das mag an der erhabenen Landschaft liegen oder an der in sich ruhenden, sehr spannenden Geschichte. Oder an der Atmosphäre, wobei der Regisseur hier nicht ganz zu Unrecht den "echten" Geistern dankt, die am Drehort zu spüren gewesen sein sollen. Eine clever verflochtene Erzählweise und einer der lautesten und dröhnendsten Scores tun ihr Übriges. Das Gesamtpaket gerät so zu einem schmackhaften Vier-Gänge-Menü, interpretiert Genreklischees auf isländisch neu. Ernsthafter Grusel, der es sich ganz gemächlich unter der Haut gemütlich macht.

Fazit: Allein wegen einem der schönsten Länder der Welt eine lohnenswerte & sehr atmosphärische Entdeckung für Geistergeschichtenjäger. Exotisch, unterkühlt, emotional. Gruseltipp des Jahres?!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

03.10.2017, 15:04




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