Inheritance

Erbschaft mit Folgen

von Alexander
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Der Patriarch einer reichen, mächtigen und politisch einflussreichen amerikanischen Familie, die ihre Fäden sowohl in Wirtschaft, als auch in Politik spinnt, stirbt, und lässt die Erben nicht nur mit vielen Millionen, sondern auch mit so manchen Problemen und ein paar unbeantworteten Fragen zurück.

Eine Mischung aus Polit-, Crime-, Law- und Mystery-Thriller, der vielleicht etwas zu ambitioniert versucht, diese einzelnen Fäden zu einem großen Familiendrama zu verweben und gleichzeitig auch noch zur aktuellen Rassismus-Diskussion Stellung beziehen will.

Vielleicht liegt es am etwas lahmen Pacing, oder daran, das im Film manchmal vollkommen unnötig das Offensichtliche genauso kaputt geredet wird, wie das im Verborgenen liegende, dass der Film beim Publikum insgesamt nicht so punkten konnte. Etwas Straffung bei Tempo, Dialog und hinsichtlich der (durchaus vorhandenen) Dramaturgie hätten dem Film sicherlich nicht geschadet.

Das sind für mich aber schon die einzigen Kritikpunkte, denn noch dazu nach Logik zu fragen ist albern und ruiniert so manche Geschichte. Wenn man dazu neigt, jedwede Handlungsweise von Menschen in Extremsituationen zu hinterfragen, braucht man sich eigentlich auch keinen Genrefilm mehr anzusehen.

Reduziert man die Geschichte aber auf ihren Kern, kann man sich hier sehr gut unterhalten fühlen, denn „Inheritance“ ist durchaus spannend und wendungsreich.

Man sollte im Vorfeld nicht den Trailer schauen oder Reviews lesen, die zu viel verraten, um sich nicht um den großen „Twist“ zu bringen, denn dann vermag „Inheritance“ noch dazu mit einigen wirklich fiesen Ideen zu schockieren, die dem Begriff eines „schweren Erbes“ eine ganz neue Bedeutung geben.

Wer also verrätselte Thriller mag und damit leben kann, dass „Inheritance“ seine durchaus spannende Geschichte nicht ganz makellos erzählt, dürfte hier gut aufgehoben sein. Mir hat der Film gefallen und trotz seiner vielleicht einen Haken zu viel schlagenden Verästelungen und Nebenschauplätzen, die sich letzten Endes dann doch alle wie kleine Puzzleteile in das Gesamtbild fügen, ist er ganz gewiss eines nicht: Langweilig oder schlecht produziert.

Würde wenigstens einmal die Woche so ein Ding im TV laufen tät ich schon applaudieren. Ich gebe zu, dass ich halt auch genau dieses Genre liebe, deshalb kratzen wir hier sehr nahe an den 7 Punkten.
Alexander

20.08.2020, 18:00


Unterirdisch

von Herr_Kees
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Die junge Staranwältin Lauren erbt nach dem Ableben ihres Vaters nicht nur das Familienanwesen, sondern auch gleich den darunterliegenden Bunker – inklusive dem darin angeketteten Simon Pegg.

Kein dramatischer Spoiler (für all die Snowflakes da draußen trotzdem markiert), sondern die Prämisse des Films: Wie Lauren mit der Situation umgeht, welche Familiengeheimnisse es zu lüften gibt und wer der Mann im Keller überhaupt ist, bestimmen jetzt die nächsten anderthalb Stunden.

Daraus könnte man durchaus einen spannenden Mysterythriller bauen. Vaughn Stein (TERMINAL) kann das allerdings nicht. Sein Film braucht nicht mal eine Minute, um schon zu nerven: Was da stakkatomäßig an Anwaltsklischees raus gehauen wird, hätte für drei Staffeln SUITS gereicht. Und es geht gerade so weiter: Situationen aus Seifenopern, Dialoge zum Augenrollen, Schauspiel zum Fremdschämen und eine Geschichte, die so konstruiert ist, als hätten mehrere Ingenieurbüros daran gesessen, aber kein Autor.

Man kann es Simon Pegg gar nicht verübeln, dass er diese Rolle angenommen hat, schließlich darf er hier endlich mal gegen seinen sonstigen Typ spielen. Überzeugend ist er dabei nicht – gegen dieses Drehbuch und diese Regie hat er einfach keine Chance.
Herr_Kees

10.09.2020, 17:36


FANTASY FILM FEST 09/2020 #03: INHERITANCE

von untitled91
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The kind of direct-to-dvd trash crime movie the Fantasy Film Fest crowd inevitable gets exposed to. The plot is ridiculous. Every plot twist feels like it was actually announced minutes before. Simon Pegg is simply stunt casted. In the course of the movie the two main actors start an overacting competition and I am not sure Lily Collins is actually losing it. The screenwriters threw in some contemporary political discussion but are taking it nowhere and I am not sure if they knew that they were talking about. Still I didn't have a bad time, following this giant mess unfold itself over the course of its overlong 110 min. It had some pretty nice over the top 90’s flair and sometimes I miss this kind of storytelling. I would be angry if I expected a thoughtful thriller but the Letterboxd score and the reviews warned me enough. Still only recommended if you want to see something rather bad.
untitled91
sah diesen Film im Kino in der Kulturbrauerei , Berlin - Original-Review

11.09.2020, 12:12


Willkommen in der Vorabendserien-Vorhölle

von D.S.
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Eins muss man INHERITANCE lassen, er ist kompetent produziert. Das gilt für ausnahmslos alle technischen Kategorien, von der angenehmen Kameraarbeit über das luxuriöse Produktionsdesign und den unauffälligen Score bis zum adäquaten Casting. Wobei Simon Pegg klar als verschenkt gewertet werden muss. Auch er macht allerdings einen sauberen Job und füllt seine Rolle so gut mit Leben, wie es eben geht. Dass sich seine Figur dennoch in keinem Moment glaubwürdig anfühlt, ist seinem Spiel kaum anzulasten. Sondern vielmehr einem Drehbuch, das wie direkt aus dem 90er-B-Movie-Brei herübergebeamt wirkt – oder aus der Welt der bis zur Unkenntlichkeit glattgeschliffenen, dazu von realistischen menschlichen Verhaltensweisen weitestmöglich wegkonstruierten Vorabendserien.

Klar darf (oder sogar: soll) sich ein Crime-/Mystery-Thriller gerne spekulativ von der Sorte Geschehnisse und der Art und Weise ihrer Entfaltung entfernen, wie wir sie aus dem Alltag kennen. Dafür sehen wir solche Filme. Wenn sich fast jede einzelne Entscheidung fast jeder einzelnen Figur allerdings so weit entfernt von aller Wahrscheinlichkeit anfühlt wie der Storyaufbau eines durchschnittlichen Groschenromans: Wie soll man dann so was wie ernsthaftes Interesse entwickeln oder gar bereit sein, Empathie zu investieren? Oder, konkreter: Wenn dir ein völlig Fremder aus heiterem Himmel böse Informationen um die Ohren haut, die dein ganzes Leben komplett auf den Kopf stellen, so sie denn wahr sind: Würdest du wirklich nicht wenigstens die paar Extra-Tage warten, die es dauert, die Hintergründe und möglichen Absichten dieser Person zu überprüfen bzw. verifizieren? Zumal, wenn du – laut Drehbuch – eine mit allen Wassern gewaschene, ganz sicher nicht naiv-sentimentale Top-Notch-Anwältin bist?

Sorry, aber der extreme Mangel an jeder Art von Glaubwürdigkeit der Figuren und ihrer Handlungen, die über-offensichtliche Konstruiertheit der Story und ihres Verlaufs machen INHERITANCE zu nichts anderem als einem Ärgernis und dem vielleicht größten Ausfall des FFF 2020. Dass dem Film bis ins letzte Drittel jedes nötige Tempo fehlt und er permanent aufdringlich bemüht wirkt, sich und seine Handlung bis ins Unmissverständlichste zu erklären, fällt da kaum noch zusätzlich negativ ins Gewicht. Angefressene 3 von 10 Punkten.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

12.09.2020, 04:00


Konstruiertes Kellerkind

von Leimbacher-Mario
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Das Poster ist von „10 Cloverfield Lane“ lame abgekupfert, der Zustand Simon Peggs ist ein Stunt und gute Publicity, mehr aber auch nicht, und „Inheritance“ ist mit Sicherheit einer der aufgeblaseneren Thriller der letzten Jahre – der leider hinter seiner hochglänzenden Fassade und seiner durchaus spannenden, viele Möglichkeiten bietenden Ausgangslage meiner Meinung nach fast gar nichts drauf hat... Wir folgen einer jungen Anwältin, die im Testament ihres gerade verstorbenen, steinreichen Vaters zwar nur spärlich bedacht wird – dafür aber einen mysteriösen Kellerschlüssel erhält, durch den sie einen schon jahrelang angeketteten Mann findet und durch ihn tiefer in die dunkle Vergangenheit ihrer Familie abtaucht...

Wie gesagt: die Handlung samt Besetzung verspricht viel, klingt geil. Das Endprodukt ist dann allerdings bescheiden. Und das ist, wenn's nach mir geht, noch sehr freundlich ausgedrückt. Umso länger man über „Inheritance“ nachdenkt, desto ärgerlicher wird das Ganze... Den Darstellern kann man hier kaum einen Vorwurf machen, vor allem Pegg darf sich richtig austoben – aber wer hat denn bitte dieses nichtsnutzige, einfallslose, halbgare und stupide Skript abgesegnet?! Selten hat man einen Film gesehen, der sich für intelligent und sauspannend hält, immer meint, er hätte noch Asse im Ärmel – nur um dann zu realisieren, dass es doch eher Dreien sind oder er gar ganz am falschen Tisch sitzt, gar kein Poker gespielt wird. Von einer unsympathischen Protagonistenfamilie über eine absolut unausgegorene, unterwältigende und miese Auflösung bis hin zu Logiklöchern, unnötiger Hektik, dann wieder Auf-der-Stelle-treten und durchgehend Selbstüberschätzung – „Inheritance“ bietet alles davon in Hülle und Fülle. Und keines dieser Attribute ist eines, das man in Filmen sehen will. Im besten Fall ist der milde Thriller da und egal. Im schlechtesten Fall fährt er krachend und immer wieder im Wendehammer umher. Oder gar ganz gegen die Wand. Grinsend und selbstbewusst. Diese Pegg-Performance hätte einen viel, viel besseren Film verdient gehabt.

Fazit: Das war's?! Was für ein ödes Millionengrab. Porentief unspannend. Völlig enttäuschend. Nur Pegg top, der Rest Flop. Dumm und ärgerlich. Meint er wäre clever und interessant und packend – ist das aber nie auch nur ansatzweise.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

24.09.2020, 19:31




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