von Fans für Fans

Killing Ground

Anfangs "Hui!" , dann richtig "Pfui!"

von Alexander
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Filme aus Australien waren in der Vergangenheit auf dem Fantasy Filmfest für so manche Überraschungen und einige, oft unerwartet drastische, Härten gut, ob sie nun an einsamen Pazifikufern Menschen zeigten, die in der Umgebung einer rauhen Natur allmählich den Verstand zu verlieren drohten, oder Rucksacktouristen, die im staubigen Outback einem Serienkiller über den Weg liefen. Für Höchstspannung war eigentlich immer garantiert. Egal ob es sich um ein "Long Weekend", ein "Wolf Creek" oder ein "Reef" handelte - wenn Australien auf der Verpackung stand konnte sich der Genreliebhaber in der Regel an einer bösen Ladung Suspense-Inhaltes erfreuen und es lieferte das oftmals beängstigend karge Setting der Weite Australiens den passenden Rahmen für spannende Geschichten.

Auch in Killing Ground dienen Bilder der rauhen Natur Australiens und die Einsamkeit eines abgelegen Gewässers, irgendwo ziemlich weit entfernt von der nächsten Stadt, dazu, beim Betrachter von der ersten Film-Minute an ein gewisses Unbehagen auszulösen, wenn ein junges Paar sich an einem abgelegenen Ort zu im Wind unheilvoll wiegenden Bäumen zu einem kleinen Liebes-Camping niederlassen möchte.

Der Film nutzt in der ersten Hälfte Zeit- und Orts-Sprünge, um ganz allmählich das sich verbergende Unheil zu entblättern, das sich um die jungen Protagonisten wie eine Schlinge um deren Hals zieht. Dabei wird die Spannungsschraube für den Zuschauer sehr langsam aber noch recht wirksam angezogen, wenngleich das unvermeidbare Drama für den erfahrenen Cineasten bereits auf halber Strecke zu erahnen ist. Die in Rückblenden erzählte Geschichte von Opfern und Tätern vermag zu diesem Zeitpunkt den Zuschauer bei der Stange zu halten, ist aber bei weitem nicht so intelligent, wie sie es gerne wäre.

Denn auch wenn sich die Geschichte bis zur Mitte des Films noch anfühlt wie eine gute Kopie des ähnlich verstörenden und von mir sehr geschätzten "Backwater", und insbesondere in den ersten 30 Filmminuten "Killing Ground" wie eine Blaupause dieses extrem spannenden Thrillers wirkt, so driftet "Killing Ground" nach einer viel zu früh gelieferten "Auflösung" in mittelmäßig inszenierte Banalität ab, die mit unlogischen Handlungssträngen und inkonsequenten, ja nahezu unbefriedigenden Szenen gespickt ist, und deren nicht mehr wirklich fesselnde Bilder mehr an die stumpf um ihr Leben rennenden Gestalten eines "Carnage Park" erinnern, und dem zuvor nicht unclever aufgebauten Spannungsbogen in keinster Weise mehr gerecht werden. Ein viel zu langer und zu der zuvor gezeigten Intensität nicht mehr passender Showdown ermüdet mehr als zu fesseln, und nach etwa einer Stunde hatte mich der Film durch diesen regelrechten "Anticlimax" endgültig verloren und ließ mich am Ende etwas verärgert im Sessel zurück.

Fazit: Definitiv einer der schwächeren Beiträge aus "Down Under", dessen im Vorfeld proklamierten Hype ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Wegen der anfänglichen Intensität und der unerbittlich in Szene gesetzten und unter die Haut gehenden Gewalt in der ersten Hälfte dürfte er bei so manchem Zuschauer im Gedächtnis haften bleiben, für Freunde des Genres empfehle ich aber unbedingt den ähnlich aufgebauten, aber wesentlich spannenderen und vor allem unvorhersehbaren "Backwater" (der auf dem FFF übrigens nie gezeigt wurde).
Alexander

28.07.2017, 22:45



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