von Fans für Fans

Kuso

David Lynch's Kentucky Fried Movie

von Herr_Kees
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Man braucht schon einen sehr speziellen Humor (oder Kunstsinn), um diesem Film etwas abzugewinnen.

Die vier Episoden um kotzende, furzende, scheißende, eiternde, kopulierende, zusammengewachsene und fernsehende Deformierte und Infizierte werden unterbrochen von Terry-Gilliam-haften Collagen, rudimentären Computeranimationen, weirden Musikclips und absurden Werbespots und untermalt von düsteren Soundscapes sowie fröhlichen Showtunes. Selbst die augenscheinlich lustig gemeinten Episoden haben eine alptraumhafte Qualität. Vereinzelte Lacher gibt es, es obsiegt jedoch die Zähigkeit.

KUSO scheint als Durchhalteprobe angelegt zu sein, eine Art Sonderausgabe "Aushalten: Nicht lachen", nicht wegen der Ekelszenen, sondern allein wegen der Längen. Ob sich der Streamingkanal Shudder mit dieser Exklusivpremiere einen Gefallen getan hat, ist fraglich.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

17.09.2017, 01:14


A transdimensional Turd

von D.S.
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Hm, okay. Ich fühle mich gerade wie nach dem Besuch einer besonders kopfgeburtigen Ausstellung im Museum für moderne Kunst – wenn diese Kopf- eine Rektalgeburt einer Kindermeute mit ADHS gewesen ist, die kollektiv in der, nun ja, analen Phase steckengeblieben ist.

Neben kurzen Animationssequenzen, die wie mit Schere und Prittstift erstellt aussehen, sowie lupenreinen dadaistischen Fotomontagen gibt es hier in erster Linie Kotze, Kacke, Ejakulat, Muttermilch und Insektensekrete zu bewundern – in mannigfaltiger Pracht.

Tja, wer Herumgefurze, das Wühlen in und das Werfen von Scheiße, die maximal ekelinduzierende Darbietung entzündeter menschlicher Hautpartien oder generell des menschlichen Körpers bei allen möglichen Interaktionen mit Dreck für Kunst hält, wird KUSO vermutlich großartig finden. Für alle anderen bleibt hauptsächlich Stirnrunzeln, gelegentliches Amüsement ob einzelner schräger Ideen, viel öfter aber leider verzweifeltes Auf-die-Uhr-Schauen. Denn die, Pardon, Scheiße zieht sich ganz schön. Ohne erkennbares Ziel. Außer eben vielleicht dem, möglichst viel braunes, suppiges oder sonst wie "provokant" ekliges Zeug auf der Leinwand zu zeigen. Halt, außerdem könnten HipHop-Fans eventuell mit ein, zwei Tunes Spaß haben.

Eigentlich wollte ich den Film nicht bewerten, da er nicht ernsthaft in irgendein Raster dieser Welt passt. Da er mich aber so ausnehmend genervt und so gut wie überhaupt nicht unterhalten hat, da es in diesem obskuren "Kalifornien nach dem großen Erdbeben" keinerlei echte Storyentwicklung und viel zu wenig Tempo gibt und da ich diese Fäkalienfixierung irgendwo wirklich hochgradig albern finde... lande ich dann eben doch bei einer Note, und die heißt 2,5 von 10 Punkten. PS: Bier hilft hier nicht.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

17.09.2017, 02:57


Mir war noch nie so wie bei Kuso

von Frank
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Wer gerne mal sehen möchte, wie ein Kakerlakenwesen, das im Arsch eines Menschen sitzt, eine grüne Fäkalflüssigkeit direkt in den Mund eines Menschen kackt, der ist bei Kuso gut aufgehoben. Und keine Sorge, es gibt noch weitere Ekelszenen.

Das sind, kurz ausgedrückt, keine Inhalte, die mir in irgendeiner Hinsicht etwas geben.

Warum ich nun trotzdem noch ein paar Punkte vergebe, liegt einmal am Soundtrack, der es mir ermöglicht hat, bei der Stange zu bleiben und den Film bis zum Ende zu schauen, entwickelt er manchmal einen Klangteppich von sphärisch hypnotischer Kraft, zu dem ich mich gerne länger hätte treiben lassen. Doch leider werden dazu Bilder gezeigt, die ich fast ausnahmslos schlicht nicht sehen wollte.
Dann sind die gelungenen Collagen zu nennen, die detailreich und liebevoll zusammengesetzt sind und für mich als Laie recht arbeitsintensiv aussahen.
Und zu guter Letzt ist mir die Schauspielleistung des einen Schauspielers (dessen Namen ich leider gerade nicht ausfindig machen kann) in der Sprechzimmerszene positiv aufgefallen und hat mich belustigt: Absurdes mit so überzeugendem Ausdruck zu spielen (Dialog mit einer Gummipuppe), dass er den Anschein aufrecht erhält, als agiere der Darsteller in einer ganz normalen Situation, ist nicht unbedingt einfach, und ich finde, das hat er hier gut gemacht.

Meiner Ansicht nach kann man dem Film also handwerklich ein gewisses Niveau nicht absprechen. Darüber hinaus hat er ein unterhaltsames Intro, nach dem ich mir für den Film allerdings mehr erhofft hatte.

Kuso erinnert daran, wie Überstimulanz mit immer den gleichen Reizen zu Gleichgültigkeit und Abstumpfung führt. Daher kommen die Ekelszenen irgendwann kaum noch als eklig an, sondern, wie auch die Story, nur noch als banal. So gesehen hab ich auf dem FFF durchaus schon Schlimmeres gesehen.

Ich hoffe, man kann aus dem hier Gezeigten nicht auf das Fucked-up-Level L.A.s schließen, befürchte es jedoch leider.
Eigentlich wollte auch ich den Film nicht bewerten. Da er aber auch, wie oben beschrieben, einige wenige Qualitäten aufweist, möchte ich meine Wahrnehmung hier mal in Punkten aufsplitten:

1,5 für Soundtrack und Soundkulisse
1    für die Collagen
0,5 für das Intro und überzeugend ernstes Schauspiel in einer absurden Szene.
Keinen Punkt für die Ekelszenen und das, was hier "erzählt" wird.
Insgesamt "dicke" drei Punkte, ja, ich hätte fast 3,5 gegeben. LoL
Frank

17.09.2017, 15:39


Der krasseste Mindfuck aller Zeiten

von Leimbacher-Mario
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Respekt an das Fantasy Filmfest, "KUSO" zu zeigen. Noch mehr Respekt an Shudder, den als ersten exklusiv zu vertreiben. Damit macht man sich einen Namen. Jedoch sicher nicht bei allen einen guten. Ich habe mich jedoch etwas in "KUSO" verliebt. Damit bin ich klar in der Unterzahl. Iss mir ejal, wie wir in Kölle sagen. Eine spaßigere Midnight Madness hatte ich noch nie. Bier reicht hier kaum. Nüchtern ist ein No-Go. "KUSO" ist für die Mehrheit ein No-Go, keine Kunst und kann weg. Ich sehe das komplett konträr.

Call It Bad Taste, Call It Genius. Aber das Ding rockt, schockt, vernichtet jede Geschmacksgrenze. Kreativität ist unbegrenzt. Abartigkeit und kranker Kopf ebenso. "KUSO" fickt meinen Kopf. Eigentlich müsste ich noch über 4 andere Filme schreiben. Kann ich nicht, will ich nicht. Diese Gehirnmisshandlung verhindert dies. "KUSO" muss man sehen. Allein, um mitreden zu können. Er machte meinen Abend unvergesslich. Ein Ding für die Ewigkeit. Psychedelisch. Abartig. Nicht von dieser Welt. Ich schäme mich. Und fühle mich so gut dabei!

"KUSO" ist das Tor zum siebten Kreis der Kreativitätshölle. Verstehe, wenn man ihn hasst. Mich hat er einfach nur geflasht und meine Grenzen um Lichtjahre verlegt. Als ob "Kentucky Fried Movie", "Eraserhead", "Rick & Morty", "Tokyo Gore Police" und "The Greasy Strangler" auf einem ostanatolischen Bauernhof eine Orgie gefeiert haben und das Baby an den Teufel verkauft haben. Das ist einfach abgefuckt. Einmalig. Nicht zu toppen. Wahnsinnig. Pflichtprogramm und Gesprächsthema aller Genrefilmfans. Abseitig, unberechenbar, eine Anthologie des Wahnwitzes und schlechten Geschmacks. Das macht Lust, sich über Flying Lotus genauer zu erkundigen. "KUSO" wird einer der All-Time-Drogenfilme. Wenn man denkt, man hat schon alles gesehen...

"KUSO" kann das härteste und erfahrenste Festivalpublikum wegblasen, spalten, schockieren. Jeder Zehnte findet ihn gut. Dann ist es aber auch wahre Liebe. Wie bei mir. Ich weiß nur nicht, ob er zuhause vielleicht nur noch weniger funktioniert als mit dem schon passendsten Publikum zur Geisterstunde. Von Arschkakerlaken über interdimensionale Plüsch-Kackwerfer bis zu abstrakten, handgemachten Zwischenmontagen. "KUSO" wird euch überraschen, überlasten, überfluten. Mit allen Körpersäften, die diese Welt bietet. Ich kann nicht mehr. Nicht aus dem Kopf zu streichen. Selbst, wenn man es wollte.

Fazit: WTF-Maximum erreicht. Der beste Film, den ich je gesehen haben. Und der schlechteste Film, den ich je gesehen habe. KUSO muss groß geschrieben werden. Mit Nichts auf der Welt zu vergleichen. Fäkalien-Furunkel, Kotz-Collage, abartiger Geniestreich. Worte reichen nicht. Ganz sicher, der umstrittenste Kult- und Kunstfilm des Jahrzehnts. Danke an alle Beteiligten. Es war mir eine Ehre. WE SURVIVED!!!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

30.09.2017, 02:27




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