von Fans für Fans

Level Up

Strickmützen-Deathmatch

von Herr_Kees
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LEVEL UP steht in einer Reihe mit Filmen wie 13 SINS und – ganz aktuell – NERVE, die ihre ahnungslosen Protagonisten durch diverse Challenges schicken. Das klingt in der Theorie ganz spannend, lebt in der Praxis aber von Ideen, Tempo, guter Inszenierung und einem charismatischen Hauptdarsteller. Das alles hat LEVEL UP leider nicht. Man hat das Gefühl, die Macher hätten die Handlung erst während des Drehs entwickelt, so planlos und willkürlich (und auch unspektakulär) verlaufen die einzelnen Stationen der Smartphoneschnitzeljagd. Die Erkenntnis, dass es sich bei diesem Spiel um einen Multiplayer handelt, versteht der Film wohl offenbar als besonders cleveren Twist, ebenso wie das Ende, das wir jedoch schon aus zahlreichen anderen Filmen mit Onlinethematik kennen. Keine Trophäe von mir.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

07.09.2016, 19:01


Es gibt viele Videospiele mit interessanterer Story

von Zwerg-im-Bikini
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Anscheinend hat sich vor mir noch kein Reviewschreiber in diesen Film verirrt, denn er ist bisher der letzte aus diesem Jahrgang, der noch nicht kommentiert wurde. Aber lasst euch sagen: Ihr habt nicht viel verpasst.

Es geht um Matt, dessen Freundin Anna entführt wird. Er bekommt von den maskierten Verbrechern ein Smartphone in die Hand gedrückt und soll von nun an ihren Anweisungen folgen. Andernfalls wird Anna getötet. Matt rennt also los...

Der Titel lässt es erahnen, Videospiele spielen eine gewisse Rolle in "Level Up". Das wird dadurch etabliert, dass man Matt anfangs in einer einzigen Szene einen Shooter zocken sieht, für den er sogar seine Freundin vernachlässigt. Was ein Gamer! Dass das Spiel furchtbar billig aussieht, nimmt dem Ganzen nur leider ziemlich die Authentizität, denn von so einem Spiel lässt sich 2016 wahrscheinlich kein "echter Gamer" mehr fesseln. Der Film will ansonsten ernst wirken, aber immer wenn die Spielszenen kamen, musste ich unwillkürlich lachen. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen existierenden Titel zu verwenden, wenn man nicht die finanziellen Mittel oder die Zeit hat etwas halbwegs überzeugendes zu programmieren?

Aber vergessen wir kurz das Spiel, es spielt nämlich keine Hauptrolle und natürlich könnte man darüber leicht hinwegsehen. Wichtiger ist, dass die Handlung levelartig aufgebaut ist, und das sorgt angenehm für Tempo. Allerdings hatte ich nach der Ankündigung erwartet, dass es noch viel direktere Videospielanspielungen gibt. Eine Menge Actionfilme sind schließlich auch so aufgebaut, dass man durch Gebäude rennt und gegen Gegner kämpft. Hätte mir vorher niemand gesagt, dass der Film mit seinem Stil auf Videospiele anspielen möchte, hätte ich es die meiste Zeit über glatt vergessen. Wer also nur deshalb neugierig darauf ist... vergesst es.

Und erinnert ihr euch noch an "13 Sins" (oder das Original "13 Beloved", das ich leider nicht gesehen habe)? Auch dort wurde der Protagonist zu zunehmend unangenehmeren Aufgaben gezwungen. Aber es funktionierte besser, weil die einzelnen Aufgaben einfallsreich waren und sich logisch steigerten. Hier wirkt vieles, was Matt aufgetragen wird, wie ein bloßes Nebenquest, was wegen der Videospielthematik möglicherweise sogar Absicht ist. Aber "Bringe A nach B" ist schon in Videospielen nicht sonderlich spannend. Und wenn dann mit einem Mal doch etwas krasses verlangt wird, wirkt dieser Sprung unlogisch.

Zu Gute halten muss man "Level Up", dass er ordentlich inszeniert ist und ein gewisses Tempo drauf hat. Nur in der Mitte kommt er etwas ins Stocken. Aber da er die Videospielthematik nicht so sehr ausreizt, wie er eigentlich könnte, hatte er für mich wenig Besonderes zu bieten. Ein paar nette Szenen, und das war es... nichts, was man gesehen haben muss.
Zwerg-im-Bikini
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt - Original-Review

07.09.2016, 20:25


Game Over. Endlich.

von Leimbacher-Mario
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"Level Up" - ein Film, den die Welt nicht braucht. Nicht die Gamer, nicht die Filmfans, nicht mal die Macher selbst, denn sie tun sich mit diesem langweiligen, zähen & in jeder Hinsicht seinen Zweck, Sinn & Wirkung verfehlenden Möchtegern-Gaming-Thriller keinen Gefallen. Lieber "Nerve" im Kino gucken, trotz starkem Teenie-Faktor. Oder "Crank". Oder "Hardcore". Oder "Saw". Sogar "Open Windows". Aber diesen Reinfall über einen Mann, der erpresst & gezwungen wird, quer durch London per Handy Aufgaben zu erfüllen & so der Rettung seiner Freundin näher zu kommen, sollte man unter allen Umständen vermeiden. Escape. Exit. Dreieck. Hauptsache raus da.

Nicht streamen, nicht gucken, nicht erwähnen - einfach so tun, als ob es ihn nicht geben würde. Zum Glück wird er so oder so untergehen. Verdient. Manche Filme haben keine lange Kritik verdient, daher nur die Hauptaufreger, warum mich der Film so wütend gemacht hat & warum er seine coole Idee ärgerlich ungenutzt lässt. Der Hauptdarsteller bleibt mehr als blass, man fiebert keine Sekunde mit oder gönnt ihm den Sieg. Die Bilder Londons sind maximal auf TV-Niveau. Das Tempo ist auf Atari-Niveau - gerade bei so einem Setting ein Todesurteil. Noch dazu ziehen die wenigsten Jokes, das Ende ist billig (wie alles im Film) & die einzelnen Aufgaben sind lahm & wirken redundant. Ein Film, wie wenn man bei Super Mario nach links läuft, nur leider etwas länger. Sogar Härte fehlt, eine Meta-Ebene wird nur gestreift & gerade für Speed gewohnte Gamer ist der Schuss Friendly Fire.

Fazit: erbärmlich, langweilig, tempoarm - jedes Videospiel ist da fesselnder, schneller & eine bessere Nutzung seiner Zeit. Ganz schnell den Ausknopf oder die Resettaste drücken!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

08.09.2016, 02:31


Müdes Spiel

von todaystomorrow
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„Spannend, schnell und süchtig machend“? Hmm, da hat der Autor des Textes zu LEVEL UP im FFF-Programmheft wohl einen anderen Film gesehen. Denn all das ist dieser britische Beitrag leider gerade nicht. Dafür fehlt der vielleicht treffendste Begriff in der Aufzählung: ärgerlich. Ärgerlich, weil die ohnehin nicht bahnbrechend neue Storyidee – die zum Beispiel in 13 BELOVED schon vor zehn Jahren wesentlich radikaler umgesetzt worden ist – äußerst bräsig umgesetzt worden ist und jedes Potential verschenkt, wenigstens in stilistischer Hinsicht irgendwie Eindruck zu hinterlassen.

"Schnell" ist dabei noch der harmloseste Euphemismus, denn insgesamt ist das Tempo des Geschehens die meiste Zeit über zumindest akzeptabel. Adrenalinschübe wie bei HARDCORE sollte man aber nicht mal im Ansatz erwarten: Hier rennt Matt, ein wenig bemerkenswerter Durchschnittstyp, halt ziemlich planlos durch East London, nimmt auch mal das Mofa oder die Tube, und gerät ein paar Mal in körperliche Auseinandersetzungen mit Leuten, die sich ihm in den Weg stellen: "Gegner", die für ihn von den Machern eines Reality-Videospiels auserkoren wurden, oder Abgeordnete der Macher selbst.

Diese Macher haben seine Freundin entführt und erteilen ihm per Smartphone nicht eben sehr komplexe Aufträge ("Bringe das Päckchen nach x! Triff dich mit y!"), die es zu erfüllen gilt, damit seine Freundin überlebt. Daran scheint Matt aber offenbar gar nicht so schrecklich viel gelegen zu sein, denn wie sonst wäre sein ständiges Zögern und Hinterfragen der Aufträge zu erklären? Gut, am Ende ist das vielleicht sogar ganz realistisch – er will eben verstehen, was eigentlich los ist. Es behindert aber enorm den Fortgang der Handlung. Und das so oft und hartnäckig, dass man ihn nehmen und „Jetzt mach doch endlich!“ brüllen möchte.

In diesen Momenten wird’s dann doch zäh; noch zäher – und noch viel weniger spannend – aber in Szenen, in denen minutenlang schlicht gar nichts passiert. Außer, dass Matt in der Wohnung von Kleinganoven herumsitzt. Oder einen Monolog mit der Rezeptionistin einer Karaoke-Bar führt. Szenen, bei denen man sich fragt, was sie in der finalen Schnittfassung des Films verloren haben, da sie auch nichts zur Story beitragen. Und davon gibt es einige.

Vielleicht am problematischsten ist aber, dass Matt viel zu wenige Gegenspieler und Missionen präsentiert werden. Wäre LEVEL UP ein Game, wäre man nach einer Stunde durch. Und hätte nicht gemerkt, dass man mehr als ein Level durchgespielt hat – denn weder inhaltlich noch stilistisch sind im Verlauf des Films großartige Veränderungen feststellbar.

Nein, hier fehlt einfach an allen Ecken und Enden die Spannung. Man hat nie das Gefühl, dass wirklich etwas auf dem Spiel steht, echte Gefahr droht. Die Auflösung des Ganzen interessiert dann schon kaum mehr – und ist zudem bereits x-fach besser erzählt worden.

Diverse logische Schwächen und Ungereimtheiten im Handeln Matts fallen da kaum noch ins Gewicht, sind für sich genommen aber auch ärgerlich und verstärken den Eindruck, dass das Drehbuch nicht sonderlich sorgfältig ausgearbeitet worden ist. Wenigstens gibt es zwei, drei Lacher, darunter den misslungensten Mofa-Diebstahl aller Zeiten. Und über das erste Viertel der Laufzeit hinweg wirkt das Set-up zumindest noch interessant. Insgesamt aber sind nicht mehr als 3,5 Punkte drin.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

08.09.2016, 03:29




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