von Fans für Fans

London to Brighton

Streets of London

von Philmtank
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Das Leben ist hart! Vor allem auf der Straße: Drogen, Prostitution, Gewalt, Kindesmißbrauch. Die Neugier treibt uns ins Kino, da wir erfahren möchten, warum das 12-jährige Mädchen fliehen muss und was aus ihr wird. Aber wie war das in der 13th street: Es ist alles nur in deinem Kopf. Die Realität, zumindest nach den Maßstäben dieses Films, fällt deutlich harmloser aus. Oder anders ausgedrückt: Obwohl die Story spannend und bedrückend erzählt wird, ist sie längst nicht so schockierend, wie sie sein möchte. Da habe ich bei einigen Folgen von "Für alle Fälle Fitz" mehr schlucken müssen. Vor allen Dingen habe ich mich am Ende aber gefragt, was der Sinn und Zweck des Ganzen war. Für einen unterhaltsamen Thriller ist der Hintergrund zu deprimierend. Für ein ambitioniertes sozialkritisches Werk zuvieles an den Haaren herbeigezogen, was so niemals stattfinden würde. Kann man sich angucken und dann wieder vergessen...
Philmtank
sah diesen Film im City, München

31.07.2007, 01:58


Independent-Juwel mit überragenden Darstellern

von PaperMoon
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Weil hier alles sehr authentisch wirkt, kam mir das manchmal gar nicht wie ein Film vor - ein Plus. Mir ist deswegen sogar mal The French Connection in den Sinn gekommen.
Die originalen Schauplätze und Außenszenen sind gut dafür, dass man nichts als die Wirklichkeit sieht. Und mit auffälligen Filtern und unmöglichen Einstellungen, die aus dem Gezeigten gleich mal einen Film gemacht hätten, ist hier gar nichts gefilmt.

Alle Figuren kommen wie wirkliche Menschen rüber und haben im Film ihre Momente. Fast alle (!) Darsteller besitzen irgendwie das gewisse Etwas. Alle passen genau zu den Rollen und überzeugen.
Wenn geredet wird, sorgt das in der originalen Sprachfassung für noch mehr Glaubwürdigkeit. Die Dialoge hören sich nie aufgesetzt an, einige gute Zeilen drin, blöde Sprüche fehlen ganz. Auffällig oft reicht auch ein Blick, sehr viel ist auch mit Mimik gesagt.

Die Szene im Imbisslokal ist die stärkste im Film. Herausragend, was die drei Darsteller da zeigen, so ein Schauspiel sieht man wirklich nicht alle Tage.

Die Story ist recht einfach und geradeaus, und der auffällig gut gewählte Puzzle-Plot wertet die -und damit den ganzen Film- stark auf.
Immer mal wieder wird ein Stück Vergangenheit aufgedeckt. Unnötig oder unnötig kompliziert ist das nicht. Der Handlung kann man noch entspannt folgen, und damit ist das Szenario nun eindeutig interessanter anzusehen, als wenn das chronologisch abgelaufen wäre.

Auf jeden Fall ein wirklich großartiger kleiner Film, dank einigen Darstellern auch mehr als ein Mal sehenswert und sogar eine Perle in Sachen LowBudget-/Independent-Film.
PaperMoon

03.08.2007, 23:05


Schmerzhaft gut

von todaystomorrow
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Wow, für mich ganz überraschend einer der Höhepunkte dieses Jahr. Wenn auch einer, der für viele Leute bestimmt ein wenig fehl am Platze wirkt. Verständlich, denn bei "London to Brighton" handelt es sich, ehrlich gesagt, um ein reines Independent-Sozialdrama - rauh, dreckig, ziemlich gemein, aber der Thrilleranteil ist tatsächlich minimal.

Was diesen Film nicht weniger aufregend und fesselnd macht. Das ist er zum einen wegen seiner Erzählweise, die recht verschachtelt ist: zwar kann man sich recht schnell sehr gut vorstellen, was in jener schicksalhaften Nacht passiert ist, aber alle Details erfährt man erst am Ende, und erst hier erschließt sich das Puzzle auch in seinem gesamten Umfang. Diese Sprünge in der Chronologie der Ereignisse sind es aber nicht einmal, die den Film so sehenswert machen. Vielmehr sind es zum anderen seine niederschmetternde Story, der Realismus seiner Inszenierung und seine großartigen Darsteller.

Letztendlich passiert hier gar nicht so viel, auch das Tempo der Erzählung ist nicht überwältigend hoch. Wir erleben, wie der schmierige, brutale kleine Zuhälter Derek die gealterte Prostituierte Kelly beauftragt, ihm für seinen wichtigsten Kunden ein junges Mädchen zu besorgen. Diese findet das zwar widerlich, wird von ihm jedoch derart unter Druck gesetzt, daß sie schließlich einwilligt. Derek behauptet zwar, er fände das auch nicht toll und stimmt ihr zu, es solle sich dann aber wenigstens um eine 10- bis 12-Jährige handeln, die mit so was schon Erfahrung hat (?!), aber er setzt skrupellos alles daran, seinem Kunden diesen Wunsch zu erfüllen. Man findet dann auch ein Mädchen, die - grandios gespielt - zwischen Abgeklärtheit und unschuldiger Kindlichkeit changierende 12-jährige Joanne, die für den "Job" perfekt zu sein scheint. Aber die Nacht entwickelt sich anders als erwartet... und dann finden sich Kelly und Joanne auf der Flucht nach Brighton wieder, von wo aus sie in eine sicherere Zukunft starten wollen. Aber da scheinen einige Personen etwas dagegen zu haben...

Ins Auge sticht zunächst der sehr schmutzige Look, der London von seinen häßlichsten Seiten zeigt und wenig Platz für irgendwelche positiven Gefühle übrig zu haben scheint. Tatsächlich sind hier alle Charaktere moralisch restlos verkommen - man macht alles mit, solange es ein wenig Geld einbringt. Von der Kameraführung über die Dialoge bis zum Set-"Design" hat man nur selten das Gefühl, einen Spielfilm zu sehen. Zu realistisch und unglamourös wirkt hier alles, zu nahe sind wir an "echten Menschen am Abgrund" dran. Das einzig offensichtlich Filmische ist die non-lineare Narration - und natürlich die Konstruktion der Figuren und ihrer Handlungsoptionen, die teilweise schon ein wenig aufs Extrem getrimmt scheint. Und natürlich ist Joanne eine wunderbare einfache Projektions- und Sympathiefläche: wer würde nicht mit einer süßen 12-jährigen Ausreißerin hoffen und bangen, die eigentlich nichts weiter als familiäre Zuwendung, Geborgenheit und ein Zuhause sucht, aber in die Hände eines skrupellosen Pädophilen gerät? Zudem packt "London to Brighton" ganz am Ende einen sehr platten Symbolismus aus, der vielleicht nicht unbedingt einen Kitsch-, aber doch einen Billigkeits-Eindruck hinterläßt. Auch ist das Timing des Films mindestens am Anfang nicht immer optimal; es dauert ein wenig, bis die Inszenierung einen wirklich ins Geschehen hineinzieht, zunächst verbleibt eine gewisse Distanz.

Im Großen und Ganzen aber bietet diese heftige kleine Geschichte eine erfreulich unsentimentale Auseinandersetzung mit einem Tabuthema und vor allem mit gesellschaftlichen Außenseitern, die hier auf mitreißende und bewegende Weise ums blanke Überleben kämpfen. Unbedingt sehenswert, schmerzhaft bis deprimierend und sehr, sehr geschickt erzählt. 7,5 Punkte und klares Pflichtprogramm für alle, die auch über den üblichen FFF-Tellerrand hinausschauen wollen.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

07.08.2007, 04:55


Schmerzliche Reise

von meiklsan
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Meine schmerzliche Erfahrung begann um 15 Uhr mit einer Fresh Blood Reise von London nach Brighton. Wobei ich von zwei jungen Mädels begleitet wurde. Die eine im Gesicht übelst zugerichtet, schon etwas älter, verbraucht; die andere unschuldig, verspielt, traurig, erst 12 Jahre jung. Was für ein seltsames Gespann? Im Verlauf der Fahrt erfuhr ich, dass die Ältere der beiden die Laufhure eines skrupellosen Zuhälters ist und das Lolita-Teeny direkt von der Strasse weg für einen Pädophilen angeheuert wurde. Aber beim ersten Geschäft mit der Kleinen lief so ziemlich alles schief, weshalb sie jetzt beide auf der Flucht sind.
Kindesmißbrauch und Zwangsprostitution in einem offenen, dreckigen, fast dokumentarischen Film mit überschaubarer Handlung und echten Charakterköpfen. Ein very british Soziodrama aus den Abgründen der lower-class. Es sind zum Glück nicht die Detail-Bilder, die uns hier betroffen machen, sondern die prompte, ehrliche unvermittelte Direktheit der Geschehnisse. Kein gewohntes FFF Highlight, aber sicher auch keine einfache Kost für Zwischendurch.
meiklsan
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

07.08.2007, 14:25


Laaaangweilig

von FFFler
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Gehe ja immer wieder gerne in die Filme, die normalerweise nicht zum Festival selbst passen, denn gerade bei den genreuntypischen Werken erweisen sich viele oft als kleine Perle, wie dieses Jahr beispielsweise schon An American Crime. London to Brighton jedoch ist meilenweit davon entfernt zu überzeugen, denn so sind dem Zuschauer die Leidengeschichten der Charaktere ziemlich egal, da sie unsympathisch präsentiert werden und man teilweise das Verhalten des Zuhälters eher nachvollziehen und sogar Verständnis dafür aufbringen kann. Dabei kann sich der Regisseur auch nicht entscheiden ob er nun ein ernstes Drama oder einen coolen Film im Guy Ritchie Stil hinlegen will. So mixt er beide Komponente, was insgesamt eher einen bescheidenen Eindruck hinterlässt. Schlecht ist der Film beileibe nicht, aber kein Vergleich zu den anderen ruhigen Filmen des FFF in diesem Jahr.
FFFler
sah diesen Film im Metropolis 6, Frankfurt

13.08.2007, 14:55




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Kommentar von Yvie :
Gut gemachter Film. Durch Rückblenden interessant gestaltete, aber leider sehr offensichtliche Storyline ohne größere Überraschungen. Trotz Längen im Mittelteil gut anzusehen.
28.07.2007, 13:21

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