von Fans für Fans

Lord of the Flies

Kinder sind Barbaren

von Leimbacher-Mario
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Ein Flugzeugabsturz nahe einer Insel. Nur Kinder überleben, nur halbstarke Jungs. Sie versuchen eine möglichst zivilisierte Gesellschaft aufzubauen - leider ohne Erfolg. Ganz im Gegenteil - auf der verlassenen Insel entwickelt sich ein kleiner Alptraum, bei dem es vor allem für die Schwachen & Aufmüpfigen kein Überleben zu geben scheint. Wenn man eine buchgetreue Filmumsetzung des Herrn der Fliegen sucht, kommt man um diese englische Verfilmung aus den 60ern nicht herum. Konzentriert, ein wenig in die Jahre gekommen & angestaubt, aber immer noch ein wichtiger Genuss in Sachen Sozial-, Human- & Gesellschaftskritik.

Viele, gerade jüngere Jahrgänge, würden zwar die flottere Verfilmung aus den 90ern vorziehen - ich mag Peter Brooks Werk, komplett in kontrastreichem Schwarz-Weiß, aber sogar etwas lieber. Die Kinder liefern gute Leistungen, ihre Charakter trafen bei mir die richtigen Punkte im Herz. Sei es Mitleid, Bewunderung, Angst oder Entsetzen. Und da diese die einzigen Protagonisten bleiben, mussten sie den Film tragen - was zum Glück gelingt. Die Optik ist hübsch, aber eher unspektakulär, dokumentarisch fast, die technische Seite verbeugt & versteckt sich eindeutig & zu Recht vor dem tiefsinnigen Inhalt.

Ähnlich wie vielleicht Fahrenheit 451 oder Animal Farm gehört auch das Buch "Der Herr der Fliegen" fast zur Grundbildung. Aber wie gesagt, bringt auch der Film die Gedanken der Vorlage auf den Punkt. Einfach erschreckend, wie die verwöhnten Jungs aus den besten Häusern Britanniens so in archaische Muster & gewalttätige Verhaltensweisen zurückfallen. Und man spürt die Unsicherheit richtig, man merkt, wie nah das an der Realität sein könnte. Und das hat noch nicht mal nur mit dem Alter der Protagonisten zu tun. Auch nicht mit Herkunft, der Insel oder der Zusammenstellung der Gruppe - vielleicht sind viele Menschen einfach nicht so gut wie sie scheinen? In wie weit ist die ganze zivilisierte Scheinwelt um uns herum gefestigt, gut für uns? Sind wir ursprünglich nicht alle egoistische Bestien? Wie stark sind primale Urinstinkte noch?

Viel Stoff zum Nachdenken... In einer Gesellschaft mit immer spitzer werdenden Ellenbogen, immer weniger echten Freunden & immer mehr Schein als Sein könnte der Stoff nicht aktueller sein, verliert seine Wirkung wahrscheinlich über die nächsten 200 Jahre nicht. Mit seiner naturalistischen Umsetzung & Erfahrung als Theatermann arbeitet sich der Regisseur unbeirrt zum Kern der Geschichte vor & liefert einen kompromisslosen Kampf gegen unsere innersten Triebe. Schulklassen rund um den Globus besprechen diesen Stoff nicht ohne Grund - und egal, ob man ihn mit 14 oder 40 das erste Mal sieht, die Wirkung & die Denkanstöße werden bei dir bleiben.

Fazit: gute & treue Buchverfilmung, die zeigt, wie schnell & einfach selbst die zivilisiertesten Kinder (& Menschen) in ihre ursprünglichsten, oft schrecklichen Instinkte zurückfallen können!
Leimbacher-Mario

13.04.2016, 14:32




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