von Fans für Fans

Marlina the Murderer in Four Acts

"You women always like to play the victim."

von Herr_Kees
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Marlina hat erst kürzlich ihren Sohn verloren und ihr verstorbener Mann sitzt noch mumifiziert in der Wohnecke, als ihr sieben Taugenichtse ihr gesamtes Hab und Gut nehmen und ihre Vergewaltigung ankündigen.

Das alles läuft unfassbar unaufgeregt ab, wie überhaupt der ganze Film, doch unter seiner Oberfläche brodelt es beständig, sei es durch eine nahende Geburt, die ständige Verfolgung durch die zu allem bereit scheinenden Bösen oder durch die Tatsache, dass man als Frau hier jederzeit mit dem Schlimmsten rechnen muss, weil man entweder nicht ernst genommen oder wie der letzte Dreck behandelt wird.

Wer aufgrund der Ausgangssituation einen Rape-and-Revenge-Film erwartet, wird enttäuscht, denn dieser Teil der Geschichte nimmt nur den ersten Akt ein. Was folgt, ist eine genreübergreifende Story mit Motiven aus Suspense-Thriller, lakonischem Roadmovie, bewegendem Drama und, ja, auch aus dem Western, mit wunderbaren Aufnahmen der weiten Landschaft Indonesiens und einem herrlichen Morricone-inspirierten Score. Ein sehr stark inszenierter und gespielter Film, dem ein großes Publikum zu wünschen ist.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

13.09.2017, 00:52


Bring me the head of Markus

von landscape
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Ein Haus ausgespäht, das abgelegen liegt und nicht besucht wird, wo nur eine Frau lebt mit viel Vieh - das ist eine leichte Beute, so dachte sich Markus. Und verschätzt sich. Marlina will seinen Kopf zur Polizei bringen... und teilt sich dann den Bus mit zwei Frauen, eine davon hochschwanger.

Das mit dem Kopf hat dann etwas von Peckinpah, während von Tarantino wohl die Landschaftstableaus, die Melodie, Markus als Typ und die Zwischentitel abgeguckt sein können. Es geht aber nicht um die Rache, es geht um Gerechtigkeit und Überleben. Die Justiz kann nicht wirklich helfen - rückständig und träge wie sie ist -, so müssen die "Mörderin" und die Schwangere selbst sehen, wo sie bleiben... Ein feines Road Movie, schön zeitlos auf indonesisch transponiert.

Zu den Namen: Es könnte sein, dass die Namen Markus, Franz etc. als typische Namen aus der Kolonialzeit (unter den Niederländern) eine Rolle spielen. Ich würde annehmen, dass eher höher gestellte Klassen ihre Kinder nach niederländischem Vorbild benannt haben, hier aber sind es die Bäuerin Marlina - und die Banditen.
landscape
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

13.09.2017, 02:37


Köpfchen muss man haben

von D.S.
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MARLINA ist definitiv ein künstlerisch wertvoller Film, der sich stilistisch, ähnlich wie manche Tarantino-Werke, vor dem Western verneigt, seine Hommage jedoch mit fremdländischen kulturellen Einflüssen vermengt und daraus ein ganz eigenständiges Stück Erzählung schafft. In seinem Tonfall erinnert es mich ein wenig an eine seltsame Kreuzung aus dem Lakonie-Level früherer Jarmusch-Filme und der sarkastischen Skurrilität von Werken Emir Kusturicas – sowie einem gehörigen Maß südostasiatischer Wildheit. Die sich allerdings nur in der Nonchalance der physischen und psychischen Brutalitäten äußert, nicht etwa im Tempo.

Dieses ist nämlich über die gesamte Laufzeit hinweg äußerst niedrig gehalten; viele sehr lange Einstellungen sorgen in Verbindung mit epischen Landschaftsaufnahmen für ein fast schon meditatives Gefühl.

MARLINA verdient eine Sichtung mit viel Ruhe und Aufnahmebereitschaft. Beides war bei mir jedoch mitten im Festivaltrubel nicht (mehr) gegeben, weshalb ich mich auch nicht voll auf den Film einlassen konnte. Mir fehlten nach Akt 1, in dem die von sieben Gangstern bedrängte Marlina mit Bestimmtheit zeigt, wer in ihrem Haus die Hosen anhat, tatsächlich ein paar Höhepunkte – aber das will ich eher mir ankreiden als dem Film. Ich kann trotzdem nicht mehr als 6 von 10 Punkten vergeben. Wer bereit für seine langsame Erzählweise ist, wird ihn vermutlich besser bewerten.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 04:52


Männer sind Schweine (Folge 957)

von Alexander
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Es lässt sich nur schwer verleugnen, dieser Jahrgang steht unter dem Zeichen des Feminismus. Aus den Poren jeden dritten Filmes quillt die Message des bösen, die Frau unterdrückenden Mannes. Das mag unter dem Anspruch der "political correctness" sicherlich lobenswert und ehrenwert sein, allerdings nutzt sich die Botschaft irgendwann genau so ab wie der Wille des Filmfreundes, permanent die gleiche Message in neuem Aufguss serviert zu bekommen. Da macht "Marlina" leider keine Ausnahme. Es ist auch vollkommen egal ob der angehende Vergewaltiger nun vermöbelt, gefoltert, vergiftet, kastriert oder geköpft wird - das Ergebnis bleibt letzten Endes so vorhersehbar wie die sich inhaltlich nur marginal voneinander unterscheidenden Leidensgeschichten, und da macht auch "Marlina" keine Ausnahme.

Die im Nirgendwo von Indonesien spielende Handlung gleicht fast einer indonesischen Sozialstudie und dürfte die Zustände in Teilen des Landes bedauerlicherweise realistischer abbilden, als es manchem Zuschauer bewusst sein mag. Das kann zum Teil recht verstörend wirken, manch einem Zuschauer in Frankfurt muss es sogar sehr lustig vorgekommen sein, anders kann ich mir die zahlreichen Lacher nicht erklären. Wirklich unterhaltsam, fesselnd oder gar spannend war das alles dann aber leider nicht, auch wenn "Marlina" das klassische "Rape & Revenge" Thema hier erzähltechnisch verdreht und auf den Kopf stellt: Für mich war es eher "Marlina in 4 boring acts".

Die recht dröge Story wird ohne nennenswerte Höhepunkte in 90 Minuten, die auf mich allerdings wirkten, wie sehr lange zwei Stunden, wie Kaugummi in zugegebenermaßen ansprechenden Cinemascope Bildern auf der Leinwand ausgewalzt und fordert einiges an Geduld vom Zuschauer. Dazu ein repetitiver "Ennio Morricone" Soundtrack für Arme. Ein Film, der die Sammlung eines jeden Feministinnenclubs sicherlich zu bereichern vermag. Ich jedoch war gelangweilt.
Alexander
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.09.2017, 05:49


Die gar nicht so fabelhafte Welt der Marlina

von Leimbacher-Mario
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"Marlina the Murderer in Four Acts" ist storytechnisch genauso simpel wie sein Titel sperrig: Marlina wird von einigen Männern bei sich zu Hause, irgendwo in der wunderhübschen indonesischen Pampa, überrascht, kocht für die Eindringlinge und soll nacheinander mit jedem der gut gelaunten Gangster schlafen. Das sieht die hübsche Dame nicht ein, vergiftet den Großteil der Dreibeiner und köpft ihren ersten Vergewaltiger. Nun macht sie sich mit dessen Kopf unterm Arm auf in die Stadt... Gerechtigkeit muss sein und gezeigt werden! Ein exotischer Neo-Western, irgendwo zwischen Peckinpah & Jarmusch, wie man ihn noch nie gesehen hat und sicher so schnell nicht mehr vergisst.

Audiovisuell verschlägt einem dieser melancholische Rachewestern immer wieder vor lauter einnehmender Schönheit den Atem. Seien es die prachtvollen und filmisch selten bis nie beleuchteten Landschaften, ein exotisch-genialer Soundtrack oder Marlina als staubtrockener Racheengel selbst - das ist Weltkino, das weit mehr als nur seinen Exotenbonus vorzuweisen hat. "Marlina" ist eine dieser Perlen, die irgendwann ein großer, cooler Hollywood-Regisseur sieht, stark beeindruckt ist und sich Notizen macht. Ein Tarantino z. B., der dann acht Kapitel in der gleichen Zeit abspult und fünf (bitter nötige), blutige Highlights mehr einbaut. "Marlina" ist jedoch cool, ohne Planung. Schön, ohne Anstrengung. Feministisch, ohne plakativ zu sein. Hier schlägt die indonesische Frau zurück. In der dortigen Gesellschaft wohl noch wesentlich wichtiger und berechtigter als hier. Einfach traumhaft schön!

Fazit: Wunderschöne Landschaften, schrullige Figuren, Feminismus pur - vor "Marlina" wird sogar Tarantino dahinschmelzen. Fantastisch!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

28.09.2017, 01:57




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