von Fans für Fans

Marshland

Im Sumpf des Verbrechens

von Herr_Kees
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Die 10 Goyas sagen vermutlich mehr über die spanische Filmlandschaft aus als über die Qualität dieses Films: Klar, die Detektivstory ist schön gemacht und gut gespielt und die Naturaufnahmen sind atemberaubend, aber diese Art des (in dem Fall very) slow burning Procedurals machen die Amis – und zum Teil auch die Skandinavier – heute halt "in Serie".

Fazit: Solides, wenn auch wenig spannendes Krimidrama mit politischen Untertönen für Geduldige.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

15.03.2015, 11:54


True Detective auf Spanisch? Fast...

von ArthurA
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Zwei grundverschiedene Polizeiermittler – einer ein Trinker und Womanizer, der andere jung, pflichtbewusst und idealistisch – suchen in einer sumpfigen, gottverlassenen Gegend nach dem brutalen Mörder von zwei Mädchen (und potenziell weiterer Opfer) und stoßen dabei auf ein dichtes Geflecht aus Lügen und Geheimnissen, nicht nur in der Kleinstadt, in der sie sind, sondern auch untereinander. Wer sich bei der Beschreibung an die HBO-Serie “True Detective” mit Matthew McConaughey und Woody Harrelson erinnert fühlt, liegt nicht ganz daneben, denn diese Parallele wird zum spanischen Thriller Marshland wohl jeder ziehen. Doch der diesjährige Abräumer bei den Goyas (höchster spanischer Filmpreis) ist mehr als nur die iberische Antwort auf die Krimiserie. Das Setting hier ist Spanien der achtziger Jahre, kurz nach dem Fall der Franco-Diktatur. Es ist ein Land im Umbruch, das seiner dunklen Vergangenheit zu entkommen versucht und in eine unsichere Zukunft blickt. Dies reflektiert sich auch in unseren Protagonisten. Raúl Arévalo ist der prinzipientreue, wenn auch leicht naive Pedro, dessen glänzende Karriere auf dem Spiel steht, nachdem er aus Madrid nach einigen kritischen Regimeanmerkungen in die Provinz strafversetzt wurde, wo er gemeinsam mit dem abgebrühten Juan (fantastisch vielschichtig: Javier Gutiérrez) die Morde in der Nähe von Sevilla untersucht.

Wie auch bei “True Detective” ist der eigentliche Krimiplot fast nebensächlich. Hier zählen Atmosphäre, Charaktere und die übergreifende Thematik eines gespaltenen Landes. So muss Pedro erleben, wie seine Ideale langsam bröckeln, während er hinterfragen muss, was die Vergangenheit eines Mannes für dessen Gegenwart bedeutet. Solche Fragen stellt sich Juan nicht. Ob er für seine Sünden durch ständigen Schlafmangel und Hingabe an den Fall büßen will, wird nie klar und die Figur behält bis zum Ende ihre Ambiguität. Man wünscht sich allerdings mehr gemeinsame Szenen von Juan und Pedro. So wird ihre zwiespältige Einstellung zueinander zwar immer wieder angerissen, entfaltet sich aber leider nicht zu Genüge. Wenn dann die Lösung des Mordfalls naht, wirkt dies beinahe antiklimatisch, denn eigentlich wünscht man sich vor allem, den beiden Hauptfiguren noch etwas länger zusehen zu dürfen.
ArthurA
sah diesen Film im Cinedom, Köln - Original-Review

28.03.2015, 07:26


Auch im Sumpf können sich Abgründe auftun.

von Alexander
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An die sehr gute Review von ArthurA möchte ich mich gerne noch mit den folgenden Sätzen anschließen.

„Marshland“ ist ein lupenreines Krimistück und lebt vor allem von der sehr guten Darstellung der beiden Hauptpersonen, die in einem ärmlichen, kargen Umfeld in Spanien auf Spurensuche gehen. Der depressive Nachhall der Franko-Diktatur quillt der Geschichte aus allen Poren und wird in langen, weiten und wie für die Kinoleinwand geschaffenen Einstellungen durch blasse Bilder reflektiert, auf denen Menschen gezeigt werden, die irgendwie versuchen durch den Tag zu kommen ohne dabei den in Spanien oft anzutreffenden Eigenstolz zu verlieren.

Den vom Leben, Armut und harter Arbeit Gezeichneten kommt kein unnötiges Wort über die Lippen und selbst unter Androhung von Prügel und anderen Druckmitteln halten sie ihre Lippen lieber verschlossen, was die Detektivarbeit unserer Kommissare nicht eben erleichtert.

Ähnlich eines Romans von Hemingway wird hier kein Wort zu viel gesprochen, jeder Satz hat eine Bedeutung, jede noch so kleine Geste der Protagonisten scheint wichtig zu sein für den Handlungsverlauf, der vom Zuschauer erhöhte Aufmerksamkeit verlangt. Durch viele interessante Charakterdarsteller und immer neue Twists bleibt die Mördersuche spannend.

Das spanische Setting und der Originalton tun ihr Übriges um dem langen, ruhigen Film Atmosphäre zu verschaffen. Auch wenn Untertitel bei spanischen Filmen oft anstrengend sind, weil Spanier i.d. Regel relativ schnell sprechen, ist der Film im Originalton einer Synchronisation vorzuziehen, da der Originalton der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.

Liebhaber von Kriminalfilmen der alten Schule, langen Kameraeinstellungen und ruhigem, leisen Understatement, sei dieser Film dringend empfohlen. Wer auf bunte, lärmende Action steht, bleibt besser fort.
Alexander

29.03.2015, 12:56


Krimi-Kunst auf höchstem Niveau

von todaystomorrow
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Ich bin kein großer Krimi-Fan oder gar -Kenner, deshalb kann ich den hier bislang veröffentlichten Reviews kaum etwas Erwähnenswertes hinzufügen – außer vielleicht der Anmerkung, dass MARSHLAND für mich persönlich trotzdem das klare Highlight der FFN 2015 darstellt.

Die Kameraarbeit, das Spiel der Hauptdarsteller und die dichte, abgründige, bedrohliche Atmosphäre des Films sind schlicht grandios; selten hat mich in letzter Zeit ein Handlungsverlauf derart gefesselt – obwohl er eigentlich schon fast nebensächlich für die Wirkung des Gezeigten ist, wie es von „ArthurA“ bereits beschrieben wurde.

Die Figuren der 1980 einen schnell ausufernden Fall von Missbrauch und Mord an jugendlichen Mädchen in Andalusien untersuchenden Ermittler Juan und Pedro wirken außerordentlich plastisch und vielschichtig, sind mehrfach gebrochen und darüber nachhaltig faszinierend. Die politischen und moralischen Untertöne der Erzählung verleihen ihr zusätzliche Tiefe, ohne sie in den plump pädagogischen Habitus etwa eines deutschen TV-Krimis verfallen zu lassen. Die Story selbst schließlich ist twistreich und intensiv genug inszeniert, um niemals auch nur einen Gedanken an Langeweile aufkommen zu lassen.

Ja, man fühlt sich bisweilen an TRUE DETECTIVE erinnert. Aber kann es für einen modernen Krimi ein größeres Kompliment geben? Gute 8 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

31.03.2015, 14:56


Spanish Detectives

von Leimbacher-Mario
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Bei diesem spanischen Thriller & der kleinen Entdeckung vom Fantasy Filmfest trifft True Detective auf David Fincher und den Tatort.

In Sachen Thriller sind die Spanier schon seit Jahren an der Spitze des Games (z.B. The Body) und auch hier wird für den wachen, mitdenkenden Zuschauer wieder einiges geboten: coole Detektive mit interessanten Hintergründen & Spannungen untereinander, eine Geschichte mit einigen Twists & Turns, wundervolle Aufnahmen, gute Schauspieler, eine realistische Story.

Es geht um zwei Ermittler, die im spanischen Sumpfland das Verschwinden zweier junger Mädchen aufklären sollen & dabei nur noch mehr mysteriöse Mordfälle & mögliche Täter aufwirbeln. Klassischer Stoff - realitätsnah & konsequent langsam erzählt. Auch an den originalen Insomnia wurde ich oft erinnert, spricht alles für Marshland, der in seinem Heimatland schon mit Preisen überhäuft wurde.

Die Musik ist unauffällig, aber wirkungsvoll. Die Aufnahmen, gerade die Panorama-Shots von oben von den Schauplätzen, waren Gemälde-like. Die Schauspieler gehören mit Sicherheit zur spanischen Elite.

Die traurigen, zweischneidigen Charaktere der Geschichte sind glaubhaft & nachvollziehbar (keine Schwarz-Weiß-Malerei hier!): ein gerade Vater werdender Kommissar, der seine gerade entstehende Familie in Madrid vermisst & ein Eigenbrödler mit anscheinend faschistischer Franco-Vergangenheit, die nun wider Willen zusammenarbeiten müssen.

Einfach gutes Thriller-Kino, das man erstmal so hinkriegen muss. Leider schlief ein Besucher der Vorstellung lautstark ein, was ich aufgrund der Vielzahl an Filmen auf dem Filmfest zwar verstehen kann, aufgrund der Qualität des Filmes aber nicht.

Fazit: ein langsamer Thriller-Tipp, der trotz ein paar Längen gut unterhält & zudem Eye-candy en masse bietet.
Leimbacher-Mario

14.04.2016, 13:55




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