von Fans für Fans

Matinee

Eine bombige Ode an B-Movies

von Leimbacher-Mario
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Die Kubakrise - unsere Welt steht kurz vor ihrer Zerstörung. Angst & Paranoia sind so groß wie nie. Die beste Zeit für einen schlechten Horrorfilm über einen Mann, der durch radioaktive Strahlung mit einer Ameise verschmilzt! Das denkt sich zumindest John Goodman als erfolgreicher B-Movie-Visionär in Joe Dantes unterschätztem "Matinee". Also sind wir Zeuge, wie in diesem charmanten & für Filmfans prachtvoll gefüllten Kuriositätenkabinett von 1993 eine amerikanische Kleinstadt die Premiere des Jahrhunderts erlebt & ihr etwas Flucht vor der wesentlich mehr angsteinflößenden Realität geboten wird. Vor allem den Jugendlichen, die natürlich nie Nein sagen zu riesigen Insekten, Rumble-Rama, AtomoVision & einem Date mit dem heißesten Mädchen der Schule...

Ehrlich gesagt hatte ich bis vor Kurzem keine Ahnung, was "Matinee" ist, geschweige denn wie süß & guckenswert er gerade für Filmfans ist. Aber besser spät entdeckt als nie. Vielleicht ist Joe Dante hier nicht mehr ganz auf seinem Zenit wie in den 80ern, trotzdem strotzt diese spektakuläre Nachmittagsvorstellung nur so vor Nostalgie, Liebe für die alten Monsterfilme & fängt die damalige Angst vor der nuklearen Katastrophe überraschend leichtfüßig & trotzdem korrekt ein. Diesen Spagat zwischen surrealem Trash & realistischer Paranoia muss man erstmal so hinbekommen. Dabei ist allein der Film im Film, "Mant", mehr als sehenswert & bietet massig Lacher & Schauwerte. So schlecht, dass man ihn einfach lieben muss. Für Fans von "The Fly" oder "Tarantula" zum Zungeschnalzen.

Selbst wenn hier mehr der Weg das Ziel ist, Atmosphäre im Vordergrund steht & die Geschichte nirgendwo wirklich hinführt & schnell vergessen ist, macht "Matinee" gehörig Spaß. Sei es nur an der geteilten Freude am abtrünnigen Kino, an den toll verplanten Jugenddarstellern, einem John Goodman in Bestform oder etlichen Anspielungen von Hitchcock bis zu verrückten Erfindungen à la Hollywood wie 4D oder vibrierenden Stühlen. Die Details (allein die Poster!!!) & die Liebe zu diesen machen den Unterschied. Den Film in ein Genre zu stecken, fällt daher wirklich schwer. Begrüßenswert schwer & erfreulich glitschig windet er sich. Damals durfte ein recht großer Regisseur wie Joe Dante halt noch machen, was er wollte. Umso ernüchternder zu sehen, wo er heute gelandet ist & was er fabriziert.

Fazit: charmante Verbeugung vor den frühen abseitigen Filmen der 50er/60er vor dem Hintergrund der Kubakrise. Einfach zum Wohlfühlen & so heutzutage (leider) nicht mehr machbar. Ein unbeschwertes Kind seiner Zeit, das man nur lieben kann!
Leimbacher-Mario

07.07.2016, 08:51




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