von Fans für Fans

May

Review

von crayfish
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Habe den Film auf dem letztjährigen HamburgerFilmFest gesehen und war sehr positiv überrascht.

Der Film ist eher eine wunderbar böse schwarze Komödie als ein wirklicher Horrorfilm. In den ersten zwei Dritteln des Films geht es (bis auf einen Kurzfilm eines Freundes des Regisseurs, den dieser in seinen Film integriert hat - netter Splatter) bloß um das Leben und Lieben der Protagonistin, die durch eine zu enge Beziehung zu ihrer Puppe leicht verwirrt ist. Im letzten Drittel gibt es dann in angenehmer Weise überzogenen Frankenstein Horror.

Ein intelligentes Independent-Highlight mit vielen schrägen, aber gut integrierten Ideen, das man unbedingt sehen sollte.

crayfish
sah diesen Film im Cinemaxx, Hamburg

25.05.2003, 14:09


Wer ist Angela Bettis?

von Bobshock
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May ist ein echtes Highlight im blutigem Psycho-Killer-Einerlei. Die Intensität und Hingabe, mit der Angela Bettis (Girl Interrupted, Carrie TV2002) diesen Film trägt, ist absolut sehenswert und wird ihr hoffentlich ein paar weitere gute (Haupt-)Rollen bringen. Der Film selbst ist zwar kein filmisches Meisterwerk wie Brian De Palmas's Carrie, ist aber höchst vergnüglich anzusehen und wird sicherlich den einen oder anderen Szenenapplaus einheimsen. Frankenstein meets Carrie meets American Psycho. Angenehm war auch die Musik, für die Jaye Barnes-Luckett verantwortlich war und der Wortwitz in den exzellenten Dialogen vom Regisseur und Drehbuchschreiber Lucky McKee. Großartig! Dieser Film ist ein Muss für Fans der symphatischen Weirdokiller.
Bobshock

17.07.2003, 09:26


Indie Rules!

von Eraserhead
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Meistens sind ja die Best of Festivals eher anstrengend und langweilig, da ja Kunst, doch MAY ist ein echtes Highlight. Brilliant inszeniert und gespielt, super Mucke (oh ! Kim ! Kim Kim Deal) und sehr lustig. Irgendwie zwar ne stumpfe und bei weitem nicht zum erstenmal erzählte Story, doch sehr lustig und der Gore-Mensch bekommt auch seine Befriedigung. Unbedingt anschauen.
Eraserhead
sah diesen Film im Cinema, München

27.07.2003, 12:28


Amelie trifft Hannibal Lecter

von ichi
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Vor kurzem traf ich eine interessante Frau. Sie war nicht wie die anderen, sie hatte einen kleinen Augenfehler, der ihr ein recht starkes Schielen entlockte, aber das war wohl noch das Normalste an ihr.
Ganz besonders fiel mir auf, dass ein Hauch von Magie in ihrer Art lag, sich zu artikulieren, oder einfach nur still da zu sitzen und mit ihrer lautlosen Mimik zu bezaubern. Eine Frau, die Ihre Schüchternheit und ihr braves Äußeres entweder gekonnt einsetzte, um neue Kontakte zu knüpfen, oder aber dadurch zu vereinsamen drohte, richtig klar war mir das nicht. Aber wahrscheinlich war sie einfach nur eine realitätsverleugnende Träumerin, die sich nicht zu sehr in diese Welt drängen wollte. Vielleicht schwebte deshalb in mir der Gedanke, "so eine Frau gibt es nur im Märchen", "so eine Frau existiert nicht in unserer Zeit."
Jedenfalls trägt dieses zauberhafte Geschöpf den Namen May und blickt von der Kinoleinwand auf mich hinunter, so authentisch und bezaubernd in ihre Filmrolle vertieft, dass sie mir realer erscheint, als viele der Fleisch gewordenen Personen um mich herum, die hier im Saal sitzen.
All zu brave Mädchen haben in Kinofilmen ja oftmals eine unheilvolle Rolle. Entweder dienen sie zur Darstellung schlimmster Tragik und Verzweiflungs-Akten, oder aber sie spielen eine extrem kontraststarke, schizophrene Charakter-Rolle - die niedliche, süsse Killerin sozusagen. Auf May trifft nicht erstes oder zweites zu, sondern beides.
Welch rapide Ähnlichkeit sie doch mit Amelie besitzt, der französischen Elfe aus Paris. Auch Sie verstand es mit minimalsten Gesten, einem schüchternen Blick und einem breiten Lächeln, jeden Betrachter mit größter Neugierde davon zu überzeugen, dass irgendwo auf der Welt gerade in diesem Moment ein Milchbecher umkippt, oder ein sanfter Windstoss einem alten Ehepaar neue Hoffnung verleiht. Nicht die Tatsache, daß dies gerade passiert, ist von Bedeutung, sondern dass diese Lady, die davon berichtet, mit ganzer Inbrunst von der Wahrheit der Aussagen überzeugt ist und das genau so vermittelt.
Doch May ist nicht so kommunikationsfreudig wie es Amelie in die Wiege gelegt wurde. Sie blickt ihren Angebeteten oftmals nur hoffnungsvoll an, ohne ein Wort, ohne einen Laut, vielleicht in der Hoffnung, er entnehme Ihrem Blick sämtliche Wünsche und Sehnsüchte. In diesen offenbart sich auch Mays spezielle Neigung, die ihren Charakter von der frommen Amelie-Glückseligkeit radikal spaltet.
Als Sie zum ersten mal Adam trifft, fällt ihr Blick spontan auf seine Hände, wie in Trance gleitet sie in dessen zarte Umklammerung, muss aber erkennen, dass ihre Neigung zu bluttriefenden Knutscheinlagen nicht jederman(n)s Sache ist und findet sich daher schnell in einem Strudel von unglücklichen Ereignissen wieder, die ihr schwaches Selbstbewusstsein über die Grenzen hinaus belasten. Gedrängt von dem Wunsch nach Zuneigung und der Befriedigung ihrer Sehnsüchte, findet May bei ihrer Arbeitskollegin neue Zuflucht, fixiert ihre Zuneigung jedoch abermals auf einzelne Körperteile und muss letztlich erkennen, daß es keinen von Gott geschaffenen Menschen geben kann, der ihre Sehnsüchte zu 100% befriedigen kann.
In der sie umgebenden Einsamkeit und verzweifelten Lage, schmiedet sie einen blutrünstigen Plan, der alle ihre Wünsche erfüllen soll...
May ist Gore und Gänseblümchen, Hannibal Lecter und Amelie, aber ganz besonders lebt May von Angela Bettis sagenhaft bezaubernden und authentisch gespielten Hauptcharakter. Seit Amelie hat keine Schauspielerin mehr so charmant eine Rolle verkörpert und den Zuschauer völlig vereinnahmt. Alleine Angela Bettis schauspielerische Leistung lohnt bereits, den Film anzusehen und zusätzlich wird hier noch eine satirische, zutiefst ergreifende und verstörende, romantische Liebes-Komödie mit Goreeinlagen geboten.

ichi
ichi
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

14.08.2003, 19:01


Anders als die anderen...

von todaystomorrow
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Ja, May Kennedy ist wirklich ein wenig "anders" drauf. Seit frühester Kindheit wegen eines Augenfehlers (ihre rechte Pupille bewegt sich nur sehr langsam) weitestgehend ausgeschlossen und allein, hat sie sich zu einer scheuen, ängstlichen, sozial inkompetenten jungen Frau entwickelt. Zwar lassen spezielle Brillengläser und Kontaktlinsen ihr Leiden im Verborgenen, aber trotzdem hatte sie noch nie einen Freund - weder im Bett noch im Leben. Abgesehen natürlich von einer ziemlich häßlichen und bedrohlich wirkenden Puppe, die ihre Mutter ihr vermacht hat - aber selbst die durfte May noch nie berühren.

Sie sehnt sich so sehr nach Nähe und Zuneigung, daß sie schließlich sogar ihre Angst überwindet und Schritte unternimmt, einem jungen Mann näher zu kommen. Dieser ist Argento- und Splatterfreak und sowieso vom "Andersartigen" fasziniert. Zumindest behauptet er das. Genau wie mehrere andere Menschen, die sich zunächst von May angezogen fühlen: sie sagen ihr immer wieder, daß sie ja auf "weird things" stünden - und darum auch auf May. Bis sie dann mit der kleinsten echten Andersartigkeit in Mays Verhalten konfrontiert werden woraufhin sie sich sofort zurückziehen. Und May noch mehr verletzen. Irgendwann hat sie genug - und ergreift Maßnahmen, um das ewige Verlassen-Werden zu unterbinden...

In allererster Linie ist MAY eine Charakterstudie - ein sehr ruhiger Film, der die Probleme zwischenmenschlicher Kontakte und Beziehungen aus der Sicht einer verstörten Außenseiterin betrachtet. Dabei wird aber keine Problemfilm-, sondern eine sehr abgründige Herangehensweise genutzt - May tappst immer tiefer in Verhaltensmuster, die den Rest der Welt schließlich schockieren und abstoßen MÜSSEN. Wobei der Film in weiten Teilen schwarzhumorig und skurril ist, seine Hauptfigur aber immer mit Respekt behandelt - und es so vielleicht tatsächlich schafft, den einen oder anderen Betrachter zum Hinterfragen seiner Sicht auf "merkwürdig" scheinende Menschen zu bringen. Er erweckt Verständnis und Sympathie für seine Protagonistin - ohne auch nur ein mal den moralischen Zeigefinger zu erheben. Selbst, als May dann im letzten Drittel des Films ein für ihre Umwelt recht schmerzliches Verhalten an den Tag legt, erscheint sie niemals als Monster. Sie wurde, so der Film, von der Außenwel zu ihrem Verhalten getrieben - und ihre verstörte Persönlichkeit scheint ihr kaum eine andere Handlungsoption offenzuhalten.

Obgleich MAY ein Film über eine seltsame Frau und ihre noch viel seltsameren Taten ist, ist er ein sehr warmherziger Film. Mehr Drama als Freakshow. Mir persönlich etwas ZU ruhig, und teils doch zu vorhersehbar. Darum "nur" 7,5 Punkte. Aber in jedem Fall: ein Film, den man gesehen haben sollte - nicht nur, wenn man selbst ein wenig "anders" als die anderen ist.
todaystomorrow
sah diesen Film im Cinemaxx, Berlin

18.08.2003, 04:03




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