von Fans für Fans

Mayhem

Weitergedacht

von Felix Schweiger
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Ein Mann gerät bei einem Snowmobil-Ausflug in die Fänge zweier kannibalischer Schwestern. Nachdem er die Tortur überlebt hat und der Spuk vorbei ist, beginnt er in der Familiengeschichte herumzugraben und findet so eine Tochter, die als junges Kind zur Adoption freigegeben wurde. Fast besessen von der Familie, aber auch um (angeblich?) für einen Film zu recherchieren, sucht er den Kontakt zu den restlichen Mitgliedern des Clans.

Eigentlich solide gemacht, folgt der Film leider der Dramaturgie des Buches (die Autorin des Romans schrieb auch das Drehbuch) und ist damit wohl eher antiklimatisch und zu überfrachtet. Erfreulich ist, daß die Hauptfigur sich nicht dämlich, sondern eben clever verhält und damit einiges an Sympathie gewinnt. Auch sonst gut gespielt, bleibt der Film eben dank des Drehbuchs leider nur etwas über dem Durchschnitt.

Fazit: ordentlicher Thriller mit dramaturgischen Schnitzern. Ansehbar.
Felix Schweiger
sah diesen Film im Cinema, München

29.07.2004, 13:14


Misery loves Company

von todaystomorrow
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Ein Film der verpaßten Chancen, der im Wettbewerb "Wer erzählt die konstruierteste und unglaubwürdigste Story?" ganz weit vorne dabei ist - und der trotzdem insgesamt gut unterhalten würde, wenn er denn nicht so deutlich zu lang wäre. Aber auch so kann man ihn sich durchaus noch ansehen, ohne sich tot zu ärgern, denn er hat einige positive Aspekte.

Das fängt damit an, daß er eine eigentlich ganz interessante Story erzählt. Natürlich, die Ausgangssituation ist nicht neu: Medien-Celebrity gerät in der Einsamkeit der winterlichen Wälder in die Fänge zweier dämonischer Schwestern - deren Vorhaben es aber eigentlich nicht ist, sich von ihm ein (Dreh-) Buch auf den Leib schneidern zu lassen. Gegen diese beiden Mädels wirkt der Star von "Misery" tatsächlich fast normal. Kathy Bates ist allerdings die um Längen bessere Schauspielerin, wenn auch diese beiden ebenfalls alles andere als schlecht spielen. Überhaupt sind die Darstellerleistungen insgesamt (abgesehen, ausgerechnet, vom hölzern agierenden Hauptdarsteller, einer Art Möchtegern-Sam Neill) ordentlich. Mit dieser Stärke des Films hängt auch seine andere, größte Stärke zusammen: das Zeichnen interessanter und einiger wirklich grotesker Figuren. Insbesondere die beiden Schwestern wirken tatsächlich sick, und es macht Spaß, sie zu beobachten. Was leider nicht lang genug möglich ist...

Denn einige Wendungen später ist unser "Held" schon wieder zurück in seinem normalen Leben, das aber aufgrund der gemachten Erfahrungen nun alles andere als "normal" ist. Oberflächlich versucht er zwar, mit den kranken Erlebnissen aufzuräumen. Aber je mehr er das tut, desto mehr holen sie ihn zurück in ihre Fänge; desto schwärzer werden die Schatten, die die Vergangenheit auf seine Existenz wirft...

Was dann folgt, ist inhaltlich zwar interessant und auch mit ein paar beeindruckenden Momenten gesegnet (womit nicht etwa Gore gemeint ist, der bleibt weitestgehend aus), wenn es auch diverse Längen gibt. Das Problem ist eben der hanebüchene Storyverlauf. Was hier geschieht, welche Verstrickungen sich ergeben, zu welchen Handlungen sich die Figuren hinreißen lassen... das ist meist einfach unglaubwürdig und oft schlicht lächerlich.

So gesehen, ist "Mayhem" dann eben doch ziemlicher Trash, auch wenn Idee, Look und Schauspielerleistungen anderes versprechen. Und auch die Musik deutet auf Höherwertiges hin: die stammt nämlich von David Lynchs Hauskomponist Angelo Badalamenti! Das Drehbuch allerdings könnte von einem Erstsemester-Studenten einer Filmakademie stammen, und das verhunzt den Film logischerweise extrem.

Hätte er sich auf einen Handlungsteil (die "Misery"-Sequenz) beschränkt oder hätte er nicht versucht, sein eigentlich kleines Thema auf fast epische Größe auszuwalzen, hätte der Film vielleicht funktioniert. Aber auch so hätte er den Zuschauer bei der Stange halten können, wenn der sich nicht ständig an die Stirn würde hauen müssen. So bietet er zwar leidlich viel Unterhaltung, aber nicht genug, um besser als unterer Durchschnitt zu sein. Schade. 5,5 Punkte.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

06.08.2004, 13:23


Eine Frage der Erwartungen

von Epiphanie
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Den Kommentaren der anderen Kinobesucher nach zu urteilen, hat dieser Film wohl lediglich meinem Sitznachbarn und mir gefallen. Ich frage mich, warum? Mir war durch das, was ich im Vorfeld (nicht im Programmheft!) über den Film gelesen hatte, klar, was ich ungefähr zu erwarten hatte. Und mein Sitznachbar wusste über den Film rein gar nichts, da ich ihn kurzfristig überredet hatte, den Film mit mir anzuschauen. Hier zeigt sich mal wieder, dass beim Filmgenuss wohl die Erwartungshaltung die größte Rolle spielt.

Der Film ist jedenfalls unter dem Begriff "Midnight Madness" nicht besonders gut aufgehoben. An dieser Stelle mal wieder die Bitte an die Macher des Programmhefts, die Filmbeschreibung so zu gestalten, dass sie dem Film gerecht wird.

Der Zeichentrickfilmer Thomas Kempton wird bei einem Schneemobiltrip mit Freunden von zwei Kannibalen-Schwestern gefangen genommen und in allerletzter Sekunde gerettet. Was wie ein "Misery"-Abklatsch klingt, ist lediglich die Einführung! Im weiteren Verlauf des Filmes versucht der traumatisierte Kempton, sein Martyrium zu verarbeiten, indem er die Verwandtschaft der Kannibalen-Schwestern aufsucht. Dabei lernt er Vanessa und ihren Sohn Sandor kennen. Während Vanessa eine ganz gewöhnliche Mutter zu sein scheint, zeigt ihr Sohn Verhaltensauffälligkeiten. Daher beginnt Kempton, dem Sohn nachzuspionieren. Aber das ist noch lange nicht das Ende des Films...

Nachdem der Film äußerst spannend beginnt, weist er dann über den Rest der Spielzeit einen ruhigen Erzählstil auf. Lediglich beim vorhersehbaren Ende hätte er meines Erachtens nochmal an Tempo zulegen müssen. Mir ist jedenfalls kein Film aus dem Horror-/Thriller-Genre bekannt, der sich auf diese ungewöhnliche Art und Weise aufbaut. Das gibt Pluspunkte.

Unglaubwürdigkeiten (mal abgesehen von den Kannibalen-Schwestern an sich) und Anhäufungen von Zufällen konnte ich nicht ausmachen.
Epiphanie
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

06.08.2004, 16:46


Nicht gut, nicht schlecht

von oceansize
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Um es gleich vorweg zu schicken: Der Film macht seinem Namen nicht alle Ehre! Wer hier Splatter erwartet, wird enttäuscht sein, obwohl der B-Movie in den Fängen von unansehnlichen Hinterwäldlerschwestern mit kannibalistischen Neigungen beginnt. Aber dieser temporäre Misery-Abklatsch ist nur die Einleitung zu einem weltlichen Psycho-Thriller, in dem das offensichtlich am "Stockholm Syndrome" leidende traumatisierte Opfer Ahnenforschung bei seinen PeinigerInnen betreibt. Auf einhämmernde Art und Weise wird dabei das Prinzip der Vererbung ausgebreitet, Gen-Rassismus also gewissermaßen. Nach etlichem Schrott vom Fantasy Filmfest, den ich nachträglich auf DVD sah ("Octane", "Todes-Date") ist dieser Film vergleichsweise intelligent. Auffallend sind die üblichen Schwächen einer Videopremiere, das typische Look&Feel eines B-Movies, lieblose Synchronisation, sichtbar niedriges Budget. Der Regiesseur war zudem während der Dreharbeiten fast schon 70 Jahre alt. In den Achtzigern hat er einige Episoden für die TV-Serie "Twilight Zone" gedreht. Das sieht man dem Film an und so ähnlich läuft es auch ab, wie eine Episode der Serie in Spielfilmlänge. Da ich jene Serie gemocht habe, ist das durchaus nicht als Beleidigung zu verstehen und manchmal ist der Film auch so etwas wie spannend. Andererseits natürlich auch grober Unfug und die Musik von Angelo Badalamenti, der ja schon die Musik für "Twin Peaks" und "Mulholland Drive" geschrieben hatte, ist auch ziemlich enttäuschend. Fazit: Nicht gut, nicht schlecht. Verzeihlich.
oceansize

03.01.2005, 16:06




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