Moloch

Moor. And more Moor.

von Alexander
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Einsame Häuser am Rande von weitläufigen Moorlandschaften bereiten nicht erst seit Kurzem den sumpfigen Grund, auf dem gute Gruselgeschichten gedeihen mögen, bieten sie in der Regel doch nicht zuletzt Schauwerte und meistens auch den passenden atmosphärischen Rahmen, an denen sich der Genrefan delektieren möchte.

Allerdings sind es bei „Moloch“ eigentlich weniger plakative Bildkompositionen, die in diesem Film noch nicht mal so herausragend gemacht sind, wie man sich das eigentlich hätte wünschen wollen, sondern eher die verrätselte Grundstimmung, innerhalb derer man in eine düstere Familiengeschichte hineingezogen wird, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf sich zieht.

Sinistre Gestalten, gruselige Szenen und mysteriöse Anspielungen auf die Vergangenheit einer Familie, die seit Generationen in einer abgelegenen Gegend lebt, bilden schon mal ein interessantes Grundgerüst in diesem Mystery-Grusler.

Dazu gesellt sich bald die ein oder andere Moorleiche, die im Zuge einer Ausgrabung zutage gefördert wird, und bald graben nicht nur Forscher im Schlamm, sondern der Zuschauer mit ihnen ganz tief in der düsteren Vergangenheit …

Gewiss, die Story von Moloch ist für den Mystery-Freund eigentlich ein „must see“, ist in Teilen hoch spannend gemacht, und ich mochte vor allem die Hauptdarstellerin wirklich sehr. Allerdings hatte ich während der durchaus unterhaltsamen Spieldauer mehr als nur ein mal das Gefühl, das alles irgendwo schon mal gesehen zu haben …

Ohne zu spoilern, darf ich verraten, dass mir das, sagen wir mal „gemeine“ Ende, dann den Film gerettet hat. Würde der Film gegen 14 Uhr als Einstieg in den Tag laufen, ginge das alles auch vollkommen in Ordnung. Schaut man sich Moloch allerdings als Abschluss nach einem langen Filmfest-Tag um 22:00 Uhr an (so wie leider in Frankfurt geplant), könnte man Gefahr laufen, vielleicht doch wegzuschnarchen.

Insgesamt sehr okay, aber wirklich kein unbedingtes „Muss“.
Alexander

01.09.2022, 18:26


Die niederen Lande

von Leimbacher-Mario
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In der Tradition von Fulci, Carpenter und Co. (oder im neueren Zusammenhang „The Void“ und „We Are Still Here“) kommt dieser holländische Geisterschocker über Moor, Okkultismus, Flüche, Legenden und Familiengeheimnisse. Zwischen Nebel und Körperübernahmen, zwischen schwebenden Geistern und senkrechten Kehlenschnitten, zwischen Buddeln und Buddel, zwischen „Mama“ und Moorleiche. Klassischer Grusler - ganz ohne erwartbare Grachten, Windmühlen und Tulpen …

Das Haus der an der Moorgrenze

„Moloch“ hat sehr viel, was ich mag, womit ich im Genre aufgewachsen bin, was mir liegt, was ich sehen will. Die Macher haben ohne Frage die (o. g.) gleichen Vorbilder, Helden und Lieblingsfilme. Das reicht nicht für wahre Größe und um ebenfalls auf das Niveau zu kommen, aber es verbindet natürlich und gibt Sympathiepunkte. Man weiß eben, wo die Macher herkommen und hinwollen. „Moloch“ hätte etwas mehr (vielleicht sogar bunte) Beleuchtung vertragen können. Den ein oder anderen Goremoment ebenso. Synthietöne werden zwar inflationär benutzt, hätten hier aber sicher in dunkler Ausprägung gut gepasst. Dafür ist das typisch düstere Ende gelungen, der Mythos packt zu, die Atmosphäre ist nebeldicht und die Hauptheldin ist tough, eigen und fast schon oldschool. „Moloch“ ist allgemein von der alten Schule, mit neuen Mitteln, weswegen ich ihm nicht zu böse sein kann. Vor allem die vielen Erinnerungen an „The Fog“ ziehen bei mir sehr. Und verschleiern in meinem Kopf wohl etwas die Schauerroutine, über die man hier streng genommen nur selten hinaus geht. Olle Oktoberware. Aber hey - da gibt’s auch wesentlich mieseres!

Fazit: Moor und Folklor', Sumpf in stumpf, Wald wird alt, Nebel mit Knebel. Holland aber dennoch nicht in Genrenot - denn aus Deutschland sieht man das noch seltener und wenn dann schlechter. „Moloch“ versumpft etwas, zieht sich aber noch an seinem Zipfelchen aus Zitaten und Andenken am eigenen Schopf raus.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

17.09.2022, 09:55


Moorleichen und dergleichen

von Herr_Kees
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Betrieks Mutter musste die Ermordung ihrer eigenen Mutter mit ansehen, Betrieks Mann kam auch ums Leben – kein Wunder, dass die Familie denkt, mit einem Fluch belegt zu sein.

Die Funde von Moorleichen gleich nebenan scheinen damit zunächst nichts zu tun zu haben, doch als sich merkwürdige Vorkommnisse und gar Mordversuche häufen, schließt sich langsam ein Kreis.

MOLOCH kombiniert Familiendrama und Folkhorror – wie viele andere Filme vor ihm. Das Setting ist recht atmosphärisch, die Charaktere sympathisch, doch der Film tritt auf der Stelle, kommt nie so richtig in Gang und so wirkt das Finale irgendwie überstürzt.

Hier wäre ein strengerer Spannungsaufbau wünschenswert gewesen, denn die Auflösung ist in sich stimmig – und zugleich tief traurig.
Herr_Kees
sah diesen Film im EM, Stuttgart

17.09.2022, 23:38


Geisterstunde, europäisch

von D.S.
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Der Trailer verspricht einen intensiven, verstörenden Grusler im europäischen Mythengewand – der Film liefert dann einen in der Tat sehr europäisch, sprich: hüftsteif daherkommenden Geisterstreifen, der auch eine TV-Produktion hätte sein können. Und sich im Kern um ein Götterwesen dreht, dessen Mythologie im arabischen Raum verortet ist.

Verpackung und Inhalt passen hier also nicht so recht zusammen, und angesichts des offenkundigen Willens der Filmemacher, einen „Folk Horror“-Beitrag zu kreieren, verwundert es umso mehr, dass keine Legende, kein Mythos zum Thema gemacht wurde, die/der auch einen fundamentalen Bezug zum Handlungsort hat. Wobei: Zum Teil geht es ja tatsächlich um eine niederländische/norddeutsche (Hexen-) Saga. Ihr wurde allerdings eine weitere Ebene übergestülpt, die das Gesamtergebnis sicherlich global besser vermarktbar macht – genau wie die Integration eines internationalen Forscherteams um den englischen Anthropologen (?) Jonas (Alexandre Willaume, THE WHEEL OF TIME) in die Handlung. Sie sorgt jedoch ultimativ vor allem dafür, dass die eigentlich sehr simple Geschichte unnötig kompliziert aufgeblasen wird. Man hätte sie auch wesentlich einfacher, geradeaus und dadurch mit mehr Punch erzählen können.

Stattdessen wird verquere Ecke um verquere Ecke genommen; es dauert sehr lange, bis die scheinbar unzusammenhängenden Handlungsstränge auf ein kohärentes Ziel hinführen. Das steigert in diesem Fall allerdings nicht die Spannung oder das Zuschauer:innen-Interesse, sondern führt immer wieder zu Story-Leerlauf, der durch nur mäßig spannende Familiendramen gefüllt wird.

Hinzu kommen zahlreiche nachts spielende Szenen, die an mangelndem Kontrast leiden und dadurch so blass wie unklar bzw. „verschleiert“ wirken, sowie CGI-Effekte, die schwer zu günstig aussehen. Die Leistungen der Darsteller:innen sind allerdings gut, die Figuren wirken glaubhaft, die neblige Mooratmosphäre ist dicht, das Ende der Erzählung konsequent und finster. Nur der Weg dorthin fühlt sich unnötig behäbig sowie nicht immer kinematografisch genug umgesetzt an – und vor allem will er eben einfach nicht recht auf den Punkt kommen, sondern nimmt Umweg nach Umweg.

MOLOCH ist einer der äußerst wenigen Filme, von denen ich mir ein US-Remake wünschen würde. Bei dem hätte ich nämlich die Hoffnung, dass es die Stärken der Geschichte zielgerichtet ausspielen würde. Statt Zeit mit „niedlichen“ Nebensächlichkeiten wie Schultheateraufführungen zu verschwenden und mit überflüssig umständlich gestalteten Erklärungen von Handlungshintergründen zu langweilen oder gar zu verwirren. Mehr Straffung und bessere Effekte, und MOLOCH wäre ein veritabler Geister-Hit. So langt es allerdings nur für 5,5 Punkte. Holländisches Campingplatz-Feeling inklusive.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

25.09.2022, 04:41




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