von Fans für Fans

No Tell Motel

Ein Motel zum um die Ecke bringen

von todaystomorrow
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Zugegeben: Ich kann es kaum noch ertragen, wie heutzutage jeder zweite Horrorfilm etabliert, dass seine Protagonisten niemanden zu Hilfe rufen können. Das Handy hat keinen Empfang, das Handy ist kaputt, der Handyakku ist leer. Immer bemüht nebenbei eingeflochten, immer offensichtlich. NO TELL MOTEL lässt sich da nichts zuschulden kommen. Vielleicht wollte er cleverer sein als die Konkurrenz, vielleicht ist er einfach nur tatsächlich sehr viel dämlicher. Hier nämlich kommen fünf Teenager von Heute nach einem schweren - und selten bescheuert begründeten - Autounfall allesamt nicht mal auf die Idee, ihr Handy aus der Tasche zu ziehen. Auch nicht, als kurz darauf einer von ihnen stirbt.

Aber hey, so abgestumpft und empathielos, wie die all-american Jungs und Mädels in diesem Niedrigbudgetstreifen herüberkommen, kann einen das nicht mal großartig wundern. Deine beste Freundin wurde gerade von einem besoffenen Arschloch totgefahren? Oh, scheiße aber auch. Mann, sie ist tot. Oh je. Ach. Mann. Na dann, weiter im Text, wir haben ja schließlich einen Film zu bespielen.

Hallo? Unglaubwürdiger geht es kaum. Talentfreier gespielt auch nicht. Ohnehin fragt man sich über die erste Hälfte der Laufzeit zunehmend ärgerlicher, was das Ganze eigentlich soll. Die üblichen Klischees werden derart uninspiriert inszeniert dargeboten, dass man damit nun wirklich keinen Hasen mehr von der Bordsteinkante weglocken kann: Eine Gruppe junger Durchschnittstypen ist mal wieder unterwegs zu einem Partywochenende, nimmt mal wieder fatalerweise eine blöde Abkürzung und strandet dann mal wieder im Nirgendwo - genauer gesagt, direkt vor einem seit 35 Jahren verlassenen Motel. Dessen Besitzerfamilie auf klassischte Weise in Geisterform unterwegs ist, ihre Ablebensgeschichte nachspielt und unsere Teens in ihre damalige Katastrophe mit einzubeziehen versucht.

Die Umsetzung strotzt dabei nur so vor amateurhaften Fehlern. Neben den bereits erwähnten Handy- und Betroffenheitsproblematiken seien hier etwa derbste Continuity-Desaster erwähnt (Ich habe einen fetten Splitter im Bein! Ich ziehe ihn raus! Er ist wieder drin! Und wieder raus! Und wieder drin! Hui!) - und der Fakt, dass das Auto unserer Helden wirklich nur zwei Meter neben dem Motel zum Erliegen kommt. Das zur Suche nach Hilfe losgeschickte Pärchen aber locker gut fünf Minuten braucht, um mit der entsprechenden Ansage wieder zum Auto zurückzukehren. Vom armseligen Make-up wollen wir gar nicht erst reden: Selten haben ich weniger gruselige Geister zu Gesicht bekommen.

Story, Schauspiel und Technik sind so erschreckend erbärmlich, dass ich schon soweit war, NO TELL MOTEL als meine Gurke des Jahres zu klassifizieren. Glücklicherweise hat der Film dann ungefähr in seiner Mitte doch noch eine Idee, die ihn deutlich aufwertet. Sie sorgt zunächst einmal überraschenderweise für eine inhaltliche Überraschung; in der Folge auch, wer hätte das da noch gedacht, für so etwas wie Spannung, Tempo und demzufolge sogar Interesse beim Zuschauer. Ganz zum Schluss wird es dann glatt etwas bösartig bis zynisch.

Wäre entsprechende Fantasie auch in die erste Storyhälfte und vor allem ein wenig mehr Talent in die Umsetzung des Streifens geflossen, könnte ich ihn glatt empfehlen, zumindest Freunden lupenrein klassischer, humorfreier, letztlich ganz schön fies gestimmter Geisterfilme. Die genannten Schwächen sind aber so immens, dass man sich als Publikum über weite Strecken schlicht beleidigt fühlen muss. Mehr als 3,5 Punkte sind darum definitiv nicht drin.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis 8, Frankfurt

12.09.2012, 04:47




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