von Fans für Fans

The Osiris Child: Science Fiction Volume One

Weltraumschrott

von Herr_Kees
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Ein Hochsicherheits-Gefängnisplanet mit Wächtern in Kendokämpferkluft und einem sadistischen Wärter, Mutantenmonster und böse Corporations – OSIRIS hätte glatt das Zeug zu einer herrlichen 80s-SciFi-Retro-Actiongülle à la FORTRESS oder gar STORY OF RICKY gehabt, stellt sich dann aber doch als die befürchtete Vollgurke auf niedrigstem Syfy-Niveau heraus.

Wer Shane Abess’ INFINI schon unerträglich fand, sollte um SFV1 einen weiten Bogen machen: Monster aus der Sesamstraße, Dialoge aus dem Drehbuchcomputer und Schauspieler aus dem Holzbaukasten lassen den Film selbst für SciFi-Fans zur Qual werden. Zudem ist OSIRIS mangels Budget und Talent so stümperhaft zusammengeschustert, dass man sich zwischendurch mehrfach fragt, ob wohl die Filmrollen vertauscht wurden bzw. die Festplatte einen Sprung hat. Oder ob hier womöglich drei zufällige Folgen der Billig-SciFi-Serie METAL HURLANT CHRONICLES zusammengeschnitten wurden.

Die hohe IMDb-Wertung (aktuell 8,1) hat der Film vermutlich Freunden und Familien des Drehteams zu verdanken, spätestens nach seiner Veröffentlichung wird sie sich um 5 herum einpendeln.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

15.01.2017, 01:15


Große Vision, kleines Budget... mutig!

von Leimbacher-Mario
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Mit "Infini" hatte sich Regisseur Shane Abbess vor zwei Jahren gnadenlos überhoben, selbst wenn ich ihn nicht so sehr hasste wie viele andere. Liebe auf den ersten Blick sieht aber natürlich auch anders aus. Umso besorgter war ich bei Titel, Story, Genre & Ausmaß des neuen Werkes dieses Mannes: "Science Fiction Volume One: The Osiris Child". Was für ein aufgeblasener & für ein Mini-Budget hochgegriffener Titel. Doch zu meinem Erstaunen kam alles anders. Positiv! "The Osiris Child", wie ich ihn prägnanter nun erst mal nennen werde, ist ein großer Sprung in die richtige Richtung für den Regisseur & spürbaren Sci-Fi-Fan. Das Budget war unter einer Mio., die Geschichte kreist um einen fremden Endzeit-Planeten irgendwo zwischen "Mad Max", "Star Wars" & "Firefly". Gegensätze ziehen sich wohl auch im weiten Universum an... Richtig groß aufgezogen, obwohl wir immer kapitelweise & durch das Schlüsselloch an das größere Ganze herangeführt werden. Doch man merkt immer wieder die Größe & Weite der Vision. Und das Konzept geht auf, verhebt sich nicht überambitioniert. Das nötigt mir Respekt, kindlich große Augen & Spaß ab... wow, hätte ich echt nicht gedacht! Und es haben schon ganz andere Sternensagas so klein, innovativ & kreativ angefangen... von "Dune" über "Star Trek" oder "Battlestar Galactica", ohne jetzt die Latte zu hoch zu legen ;)

Die Geschichte von tödlichen Raumstationen, Gefängnisplaneten, Mutantenmonstern & futuristischen Schießeisen klingt billig zusammengeklaut & zu groß für einen schmalen Geldbeutel. Erst recht für einen so unerfahrenen & undekorierten Regisseur. Doch gegen alle Umstände klappt es. "Osiris Child" hat alles, was sich ein Sci-Fi-Head wünscht, und das auch noch oft sympathisch handgemacht oder überraschend überzeugend aus dem Computer. Der wilde Ritt scheut weder Risiken noch zu große Vorbilder oder Hürden, womit er mächtig Eindruck schindet. Eine gefühlvolle Vater-Tochter-Beziehung dient als Anker & kein Land kann Endzeit besser als Australien. Von ekligen Monsterechsen über sehr geil designte "Imperialen Truppen"-Abziehbilder bis zu satten Space-Kämpfen - wenn es eine Sci-Fi-Checkliste gäbe, sähe man vor lauter Häkchen hier kaum noch Sterne. Manchmal merkt man das fehlende Budget, durch ausgelassene oder (clever) umgangene Szenen, dazu lässt Abbess es nicht selten in Gefechten etwas zu stark wackeln. Dazu ein Gefühl, hier nur einen ganz kleinen Teil einer viel größeren Welt zu sehen... Doch besser, dieser überhaupt vorgestellt zu werden, als gar nicht. Mal sehen, ob noch Fortsetzungen folgen, vielleicht nimmt sich Netflix ja dem Konzept an & lässt was springen... ob für Filme oder Serien. Potential ist jedenfalls noch & nöcher da.

Fazit: die beste Serien-Pilotfolge, die gar keine ist... ein kleines Sci-Fi-Schmankerl aus Down Under, das sein eingeschränktes Geld extrem clever umsetzt & sich an seiner mächtigen Vision nicht überhebt. Her mit weiteren Kapiteln, Volumes & Episoden... wie auch immer man sie nennt. Toll!
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

15.01.2017, 01:43


Science Fiction von Minderbemittelten, Volume One

von D.S.
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Die gute Nachricht gleich vorweg: Shane Abbess’ neuester Filmversuch erreicht nie das Quäl-Niveau von INFINI. OSIRIS CHILD kann man sich tatsächlich ansehen – und wenn man die richtigen Vorlieben hat, kann man ihn vermutlich sogar genießen. Diese Vorlieben müssen dann allerdings bei testosterongeschwängerten Abziehbildfiguren liegen, die mit hölzerner Miene noch hölzernere Dialoge direkt aus der Pathoshölle führen, bei billigsten Effekten sowie bei Plots, die locker auf einen Bierdeckel passen. Aber gerne mithilfe von ein paar eingeschobenen Rückblenden erzählt werden dürfen, damit die Stumpfheit vielleicht nicht ganz so auffällt.

Kurz gesagt: Wer ein Faible für schundige 80e-Actionfilme hat, der könnte auch hieran Gefallen finden. Allen anderen wird deutlich abgeraten. Ähnlich wie jene Filme ist OSIRIS nämlich pures B-Geschrammel auf bedenklich niedrigem technischen und intellektuellen Niveau, das sich aber furchtbar ernst nimmt, unerklärbar wichtigtuerisch daherkommt – wie sich bereits an seinem Titel sowie seiner Aufteilung in nicht minder pompös benamte Kapitel zeigt – und doch keinerlei Inhalt oder Aussage enthält, der ein solches Selbstverständnis rechtfertigen würde.

Zum absoluten Reißer dürfte der Film allerdings selbst beim gröhlig-fröhlichen Saufabend des Dorffußballklubs nicht avancieren, denn dafür bietet er nicht nur deutlich zu wenige Frauen im Cast (jaja, ein echter "Jungsfilm" halt). Nein, es mangelt ihm auch eindeutig an Action, von gut inszenierter Action ganz zu schweigen. Hier wird erstaunlich viel geredet, was sich angesichts der erwähnten papierdünnen Charaktere und der sie verkörpernden Knallchargen nicht gerade als die beste Idee der Macher entpuppt.

Abgeschossen wird der Vogel allerdings von den „Monstern“, die im Verlauf der Handlung als entsetzliche Gefahr etabliert werden sollen. Da sie jedoch wie eine unglückliche Kreuzung aus Sockenpuppe, Schildkröte, „Fuchur“ aus der UNENDLICHEN GESCHICHTE sowie dem leibhaftigen Toxie aussehen, will das leider nicht recht gelingen.

Zugutehalten muss man OSIRIS, dass er zum Ende hin ein, zwei Plot-Entscheidungen trifft, die so nicht unbedingt zu erwarten waren. Sowie seine leicht MAD MAX-artige Atmosphäre. Die inhärente Schwülstigkeit und die spürbare Überzeugung der Macher, hiermit etwas Großes abzuliefern, obwohl es nur kleiner, müder, extrem billiger Trash ist, gleichen das aber mehr als aus. Von meiner Warte aus sind deshalb nicht mehr als 3 Punkte drin.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

22.01.2017, 02:27




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