von Fans für Fans

Playground

Lolek und Bolek bauen Mist

von PinkyHH
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Der Film lässt sich trotz seiner relativ kurzen Lauflänge Zeit, die Hauptdarsteller vorzustellen. So recht in die Tiefe geht der Film dabei aber leider nicht. Kapitelartig wird auf das Unheil im Finale hingearbeitet, welches eindrucksvoll in Szene gesetzt ist. Es herrschte absolute Stille im Saal. Hier kann der Film in jedem Fall punkten.

Leider stört mich persönlich auf dem Weg zum Finale die seltsame Bildsprache mit einer Mischung aus leicht wackeligen und extrem langen Einstellungen, die häufig und leider oft unmotiviert von Jumpcuts zerrissen werden. Lernen Regisseure heute tatsächlich nicht mehr, wie szenische Auflösungen funktioniert oder ist es reine Faulheit? Ich weiß es nicht.

Dennoch transportiert der Film Atmosphäre, und es lohnt sich, ihn anzuschauen, da es durchaus mutig ist, sich dieses Themas anzunehmen.
PinkyHH
sah diesen Film im Savoy, Hamburg

10.09.2017, 11:07


Review

von André Hecker
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Wenn man vor dem Abspann von Playground sitzt, ist die eigene Welt ein kleines bisschen dunkler geworden. Der Erstling des polnischen Regisseurs Bartosz M. Kowalski ist eine schwere Bürde. Ein Schlag in die Magengrube, wie man ihn cineastisch selten erfährt. Ein Film, der ebenso schwer zu bewerten ist.

Die Handlung folgt einem Tagesablauf von zwei polnischen Jungs. Zwei Schüler, ca. 12-13 Jahre alt, die ihren letzten Schultag vor sich haben. Sie leben in schwierigen Verhältnissen, hat der eine doch einen schwer behinderten Vater, um den er sich kümmern muss und der andere ist genervt von seinem kleinen Bruder, mit dem er sich ein Zimmer teilen und sein Geschrei tagtäglich ertragen muss. Die Mutter raucht eine Zigarette nach der anderen in der Küche. Das glückliche Familienbild findet man in Playground nicht.

Die Welt der zwei Jungs ist trist, ohne große Perspektiven. Sie sind vom Leben gelangweilt und es gibt offenbar niemanden, der ihnen eine positive Richtung weisen kann. Dass sie im jungen Alter bereits rauchen, ist noch das harmloseste. Was tief in der Psyche der beiden Jungs vorgeht, zeigt Playground im weiteren Verlauf dann ungeschönt. Es beginnt mit Mobbing und endet unvorstellbar. Der Film ist extrem ruhig erzählt und kommt in vielen Szenen ohne Dialoge aus. Die Darsteller, allen voran die Kinder machen ihre Sache erschreckend gut und bringen die Abgeklärtheit und Kälte gut rüber. Zudem zieht sich ein widerliches Gefühl von Unbehagen durch den gesamten Film und man weiß stets, dass das alles nicht gut enden wird.

Die letzten 10 Minuten von Playground möchte man nicht sehen und dass das gezeigte auf einer wahren Begebenheit beruht, macht es nicht besser. Trotzdem ist Playground in seiner Form wichtig und aktueller denn je. Er zeigt, wie verroht unsere Jugend ist und was passiert, wenn man Kindern keine Perspektiven und Grenzen aufzeigt.

Playground tut weh und ich versteh jeden, der sich das einfach nicht anschauen will. Aber wer wegschaut, verschließt ebenso die Augen auch ein Stück weit vor einem immer realer werdenden Wandel der heranwachsenden Generation.
André Hecker
sah diesen Film im Savoy, Hamburg - Original-Review

13.09.2017, 13:03


Kinder, Kinder

von Herr_Kees
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Man kann sich schon fragen, mit welcher Absicht dieser Film gedreht wurde. Dass Kinder grausam sein können, ist bekannt. Vorfälle wie der im Film gezeigte kennt man leider tatsächlich aus der Zeitung. Wirkliche Hintergründe oder Erklärungsversuche deutet der Film nur an. Eine Psychologisierung wird zum Glück nicht einmal versucht. Was ist es dann? "Shock Value"? Dieses Ziel erreicht PLAYGROUND auf jeden Fall.

Die ruhige dokumentarische Kamera und die strengen Bildkompositionen erinnern an Michael Haneke und Ulrich Seidl. Doch während deren Spielfilme über reine Momentaufnahmen hinausgehen und meist nicht nur ein Milieu schildern, sondern auch eine Geschichte erzählen, scheint PLAYGROUND nur auf eine einzige Szene zuzulaufen. Diese jedoch versetzt einem so plötzlich einen solchen Schlag in die Magengrube, dass man noch lange danach braucht, um sich davon zu erholen. Ob dieser Film dafür nötig war, muss jeder selbst für sich beantworten.
Herr_Kees
sah diesen Film im Metropol, Stuttgart

13.09.2017, 23:03


Das Unfassbare

von meiklsan
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Ich muss einfach noch ein paar Worte zu diesem „Titel“ verlieren, auch wenn es mir persönlich sehr schwer fällt. Denn eigentlich gibt es hierfür kaum die passenden Worte zu finden und man sollte diese fast dokumentarische Aufarbeitung eines schier unglaublichen „Out of the Blue“ Tathergangs unabhängig und außer Konkurrenz zu jeglichen anderen Filmen auf dem FFF betrachten und muss das Gesehene für sich selbst ganz alleine bewerten und verdauen.

Mutig, dass dieser Beitrag von Rosebud überhaupt ins Programm aufgenommen wurde? Denn dieser gefilmte polnische Sonderbeitrag steht völlig losgelöst, befremdlich und frei im Raum, ist gleichermaßen eine Milieu-Studie, ein Hab Acht Zeigefinger und ein sehr trauriges Abbild gesellschaftlicher Missstände in einer heranwachsenden allein gelassenen juvenilen Handy Generation X.

Ich fühlte mich während der Betrachtung dieser Studie sehr stark an die kleinen Einspieler der „XY-ungelöst“ TV Sendung erinnert. Mit dem großen Unterschied, dass es hier keine Einleitung zu dem „Fall“, geschweige denn einen Off-Sprecher zur Erklärung der Vorgänge gibt. Man wird als Zuschauer einfach mal kurz in den realen Alltag einer nicht privilegierten Gesellschaftsschicht rein geschmissen und muss schauen, wie man damit klar kommt. Der verniedlichende Titel des Films dürfte in dieser extrem zynischen und provokanten Art und Weise sehr wohl bewusst ausgewählt worden sein, um ihn überhaupt für eine breite Masse zugänglich zu machen?

Für mich ist dieser Film ein leiser aber gewaltiger Aufschrei in die Welt. Vielleicht könnte er sogar eine Auftragsarbeit der Angehörigen des Opfers sein, um ihnen damit die Trauerarbeit zu erleichtern und ihnen ein Gefühl zu vermitteln, dass sie mit dieser unmenschlichen Straftat jetzt nicht mehr alleine sind und sie ihr schreckliches Leid mit vielen Menschen da draußen teilen können!?

Hier wären Besucher des Produktion-Teams und ein Q&A mal so richtig notwendig gewesen!!! Denn als Zuschauer werden/sind wir mit unseren Empfindungen, mit unserer Traurigkeit und mit diesem tiefen Schlag in unsere scheinbar so heile soziale Welt- und Wertevorstellung völlig alleine gelassen und überfordert. Wahrscheinlich genauso hilf- und fassungslos wie die real betroffenen Angehörigen plötzlich mit diesem „Unfassbaren“ konfrontiert wurden?

Playground will definitiv aufrütteln, will uns diskret die Augen öffnen, bietet für das Gesehene bewusst keine Erklärung, denn die gibt es nicht und erspart sich jeglichen Kommentar. Für mich ist die filmische Umsetzung dieser „Straftat“ in ihrer gewählten Form deshalb absolut legitim und mit der gewahrten nötigen Distanz auch genau richtig.

Eine Bewertung im klassischen Sinne finde ich für diesen Film nicht als angemessen! Playground läuft für mich deshalb außer Konkurrenz und tut sehr weh!
meiklsan 
21.09.2017, 21:08


Harte Kost

von D.S.
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Der ausnehmend spröde inszenierte PLAYGROUND erzählt die schockierende Geschichte des Mordes an James Bulger – verlegt sie jedoch vom Liverpool des Jahres 1993 in eine namenlose polnische Kleinstadt der Jetztzeit. Und lässt der Story diverse weitere Änderungen zuteil werden. Die sie in dieser filmischen Version ein ganzes Stück harmloser erscheinen lassen, als es in der Realität der Fall war. Ja, harmloser. Was kaum zu glauben ist, wenn man das Finale von PLAYGROUND hinter sich gebracht hat. Denn dieses ist ein brutaler Tritt in die Magengrube; für manche Zuschauer bestimmt schwer verkraftbar und verstörender als das meiste, das jemals auf dem FFF zu sehen war.

Seine schmerzhafte Kraft bezieht der Film dabei jedoch direkt aus seiner realen Vorlage – indem er sein Geschehen genau so inszeniert, wie es stattgefunden hat. Als trostlos tristen Alltag zweier soziopathisch veranlagter kleiner Jungs mit familiären Problemen, der wie aus dem Nichts in etwas unfassbar Grausames umschlägt. PLAYGROUND ist eine in mehrere Akte unterteilte, ansonsten aber äußerst unfilmisch gehaltene und nüchtern, fast dokumentarisch wirkende Milieustudie, die den Betrachter auf Abstand hält und in seinem letzten Akt die Distanz sogar noch – buchstäblich – erhöht. Was 1993 in Liverpool geschehen ist, war für die Öffentlichkeit schier unerklärlich. Und der Film konfrontiert uns mit eben diesem Unerklärlichen, wie es sich für den außenstehenden Beobachter dargestellt hat. Antworten, Erklärungen, Verständnis...? Wer etwas davon finden will, muss einiges an eigener Arbeit leisten. Auch, wenn der Film uns Hilfestellungen gibt, indem er Einblicke in das kaputte Familienleben und das gestörte Sozialverhalten der beiden Protagonisten gewährt.

PLAYGROUND ist alles andere als ein einfacher, zugänglicher oder gar unterhaltsamer Film. Ich persönlich muss ihn auch nicht so dringend noch einmal sehen. Und es ist verständlich, dass er bei einem Großteil des FFF-Publikums auf Unverständnis oder Ablehnung trifft. Denn er vermittelt das Grauen seiner Geschichte eben auf äußerst unspektakuläre Art; zeigt hauptsächlich Dinge, die oberflächlich sehr "normal" scheinen. Wodurch das Finale einen noch sprachloser macht. Was manchem jedoch als zu radikaler Bruch erscheinen mag, dessen Sinnhaftigkeit sich nicht sofort erschließt.

Aber die Realität dieses Falles hatte nun mal keine Sinnhaftigkeit. Sie geschah, unüberbietbar grausam. Was dieser Film nachvollziehbar macht. Oder auch nicht. Er hinterlässt den Betrachter jedenfalls annähernd so sprachlos wie seine wahre Vorlage.

Wer auf Tempo, "Action" oder dramatische Höhepunkte aus ist, sollte PLAYGROUND wohl besser auslassen. Er hat nichts davon zu bieten. Er zeigt Alltag, der in ECHTEN Horror umkippt. Ohne offensichtliche Begründung. Ohne Ausgleich. Ohne dramaturgisch verbrämte Verharmlosung. Wer das verkraften kann, darf diesen Film nicht verpassen.

Eigentlich nicht zu bewerten. Der Statistik halber vergebe ich 7/10.
D.S.
sah diesen Film im Cinestar, Frankfurt

24.09.2017, 04:14




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