von Fans für Fans

Puritan

Geist-lose Schlaftablette.

von todaystomorrow
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Um an "Puritan" Gefallen finden zu können, muß man wohl ein großer Fan des Hauptdarstellers Nick Moran sein... und Geduld haben. Viel Geduld. Sehr viel Geduld. So viel Geduld, daß es einem nichts ausmacht, daß es geschlagene 60 Minuten dauert, bis in diesem Film überhaupt mal etwas passiert.

Okay, das ist übertrieben, natürlich passiert auch vorher schon einiges, aber es ist kaum etwas dabei, was Genre-Fans im allgemeinen großartig interessieren wird. Über zwei Drittel seiner Laufzeit hinweg ist "Puritan" nämlich nichts anderes als eine Mischung aus problembeladener Lovestory und Krimi, wobei letzteres eigentlich auch schon eine euphemistische Bezeichnung darstellt. Inszeniert in DEUTLICH zu niedrigem Tempo, erleben wir mit, wie sich der recht unsympathische, selbstmitleidige Loser Simon Puritan (er kann angeblich mit Geistern sprechen, aber jetzt keine Vorfreude, bitte: wenn er sich daranmacht, bleibt das genauso unspektakulär wie der Rest des Films) in eine hübsche Frau verliebt. Die ist aber schon verheiratet - mit einem noch unsympathischeren und dazu gewalttätigen Typen, der Vorsitzender einer Consulting-Firma ist, welcher man Verbindungen zum organisierten Verbrechen vorwirft. Diese Firma, die im Programmheft mal eben zu einer "politischen Geheimgesellschaft" erklärt wird, spielt im Film aber keine weitere Rolle. Der Ehemann der guten Frau spielt übrigens auch keine besonders große. Mal abgesehen davon, daß er der jungen Romanze eben im Weg steht, und man kann sich schon denken, was da kommen wird. Das kommt auch, irgendwann dann halt. Nachdem man sich durch eine Vielzahl furchtbar zäher, minutenlanger Dialogsequenzen gequält hat - die noch dazu oft schwer verständlich sind, da sie zumeist in den sehr großen und hohen Zimmern viktorianischer Gebäude stattfinden und darum ziemlich verhallt sind (in einer Szene sieht man übrigens das Mikrofon im Bild hängen...).

Daneben vertreiben uns auch noch zahlreiche bewegungslose Kameraeinstellungen, die vermutlich eine nicht wirklich existente Atmosphäre einfangen wollen, die Zeit mehr schlecht als recht. Immerhin aber zeigen sie ein paar schöne Bilder. Die Sets sind wirklich außerordentlich gut gewählt, dekoriert und beleuchtet, im Zusammenspiel mit recht guter Kameraarbeit vermitteln sie wenigstens einen leichten "Gothic-Touch". Den Eindruck, daß irgendwelche Aspekte der Handlung finster und geheimnisvoll wären, versucht der Film weiterhin durch seinen Soundtrack zu erzeugen, der die klischeehafteste Horrorfilmmusik seit langem dudelt. So wird uns also akustisch regelmäßig das Signal gegeben, sich auf einen Schock oder ähnliches gefaßt zu machen - aber es passiert, siehe oben, NICHTS. Das kann einem nach gewisser Zeit schon gehörig auf die Nerven gehen. Aber gut, EIN "Mystery-Element" bietet die Handlung selbst tatsächlich auch: einen seltsamen Mann mit verbranntem Gesicht, der Simon immer mal wieder aufsucht und erschreckend plakatives "Es wird etwas Böses geschehen"-MamboJambo absondert.

Irgendwann ist man dann soweit, zu akzeptieren, daß der "geheimnisvolle Touch" dem Film nur aufgepfropft wurde, um die konventionelle und eher mal sterbenslangweilig inszenierte Story ein wenig interessanter wirken zu lassen. Aber gerade dann entschließt sich "Puritan" doch noch dazu, seine übernatürliche Ebene auszuspielen und plötzlich ganz andere Sphären zu eröffnen. Das ändert nichts daran, daß der Film bis zuletzt nicht unbedingt clever wirkt (dabei möchte er doch gerade das so offensichtlich gerne sein): denn nun erscheint der Plot zwar nicht mehr ganz so konventionell, dafür aber umso konstruierter. Um nicht zu sagen, selbst im Rahmen aller "Mystery-Logik" komplett an den Haaren herbeigezogen. Dafür aber sorgt er zumindest für ein paar Überraschungen - und sogar Lacher.

Obwohl "Puritan" eine Laufzeit von nur 96 Minuten hat, kommt es einem am Ende des Films zusammengenommen aber doch fast so vor, als habe man ihn drei Stunden lang ertragen müssen. Er entwickelt sich schleppend, ist weder spannend noch geheimnisvoll, trotz verzweifelter Bemühungen, genau so zu scheinen. Als dann schließlich doch mal Tempo und Handlungsablauf geändert werden, geschieht das nicht nur bereits viel zu spät, als daß der Film nun noch sonderlich fesseln könnte. Es wirkt dazu auch noch relativ unglaubwürdig und inhaltlich überladen.

So ist "Puritan" ein Film, der vieles sein will, was er nicht ist. Eins aber ist er definitiv: nicht mehr als 4,5 Punkte wert.
todaystomorrow
sah diesen Film im Metropolis, Frankfurt

17.08.2005, 03:52




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