Raven’s Hollow

Poe - Parade - Prequel - Prolog

von Leimbacher-Mario
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Edgar Allan Poe - ein Name allein schon wie ein Gruselgedicht. Einer der legendärsten Schriftsteller im Bereich Horror, die es je gegeben hat. Ohne ihn wäre die Stilrichtung nicht ansatzweise das, was wir kennen. Filme, Interpretationen und Adaptionen seiner Werke gibt es wie Sand am Meer. „Raven's Hollow“ nimmt eine etwas andere Herangehensweise und handelt von ihm selbst. Seine fiktive Ausbildung in jungen Jahren in einem Militärtrupp und die schaurigen Ereignisse in und um einem kleinen Dorf, die ihn zu seiner Faszination für die Dunkelheit inspiriert haben könnten …

„Raven's Hollow“ hätte im besten Falle eine Mischung aus fiktivem Biopic und „Sleepy Hollow“ werden können. Doch im Endeffekt lässt er mich als zwar Kenner, aber sicher nicht Experte der Materie recht kalt und wenig an sich heran. Seine oft sehr literarisch-steife, verschnörkelte Sprachwahl passt hier. Das Creature Design hat was, selbst wenn man selten wirklich viel erkennt. Die Epoche wirkt unverbraucht genug. Die Darsteller sind bemüht und in der Materie. Und die vielen Anspielungen zum Meister - von pochenden Herzen bis zu wortwörtlichen Zitaten - geben jedem Anhänger seines geschriebenen Wortes sicher mindestens ein Schmunzeln mit. Diese Hommagen sind Kern und Herzstück der Übung. Leider macht die Monster- bzw. Kriminalstory an sich wenig her, die Figuren bleiben blass und nicht jeder Effekt ist auf der Höhe der Zeit. Zudem irritiert manch ein billig wirkendes Kostüm und der dauernde Weichzeichner über allem. Insgesamt sehr nischig und total Special Interest. Für die betroffene Zielgruppe (zu der ich nur sehr eingeschränkt gehöre) aber ein milder Tipp.

Fazit: Für Fans sicher ein gefundenes Fressen, sozusagen voller „Edgar Eggs“. In seinen besten Momenten erinnert alles etwas an die Serienhighlights „Hannibal“ und „Sherlock“. Das Setting wirkt auch frischer als die Jetztzeit. Dennoch bleibt die Story auf der Strecke, die Figuren blass und alles eher für Eingeweihte. Fräulein Ingram ist hier jedoch fein fein.
Leimbacher-Mario
sah diesen Film im Residenz, Köln

19.09.2022, 02:16


Die Abenteuer des jungen Edgar Allan Poe

von D.S.
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RAVEN’S HOLLOW ist ein zumindest visuell recht ansprechender, altmodischer Gruselfilm, der leicht an SLEEPY HOLLOW erinnert und in den 20er-Jahren des 19. Jahrhunderts in Neuengland angesiedelt ist – in jener Zeit und Gegend, in der Edgar Allan Poe kurz nach dem Erscheinen seines ersten Gedichtbandes seinen Dienst in der US Army begann (bevor er dann in die Südstaaten verlegt wurde). Und so lernen wir den später so einflussreich werdenden Schriftsteller hier als einen von fünf Kadetten kennen, die bei einer Ausbildungs-Tour zu Pferd auf einen übel zugerichteten Mann stoßen, der wie eine menschliche Vogelscheuche an eine Art Folterinstrument gefesselt worden ist. Kurz, bevor er verstirbt, haucht er Poe auf die Frage nach dem Verantwortlichen noch das Wort „Raven“ ins Ohr. Auf Betreiben des jungen Edgar macht sich der Trupp an die Aufklärung des Todesfalls und nimmt dabei den nächstgelegenen, weitgehend verlassenen Ort ins Visier, da dieser nämlich „Raven’s Hollow“ heißt. Dessen Bewohner geben sich alles andere als freundlich und wollen die Fremden möglichst schnell wieder davonreiten sehen – doch zu ihrem Missfallen (und dem seiner Kameraden) zeigt sich Poe nicht bereit, die Ermittlungen vorzeitig abzubrechen. Schon bald wird ihm aber klar, dass etwas Übersinnliches den Ort im Griff hat …

Vermutlich hätte die Geschichte auch ohne die Einbindung einer fiktionalisierten Version von Poe genauso gut funktioniert, vielleicht sogar besser. Denn eine der größten Schwächen des Films ist die Besetzung und/oder Zeichnung der Hauptfigur. Diesem so adretten wie kernigen, anpackenden wie vernunftgläubigen jungen Soldaten nimmt man es schlicht nicht ab, dass sich aus ihm ein in den Sphären von Wahn und Schrecken fischender, geistig zerbrechlicher und lyrisch beseelter Schriftsteller entwickeln wird. Jene Momente, in denen er Monologe im Stile Poes vorträgt (die auch mit Originalzitaten aus Poe-Texten versehen sind), fühlen sich deshalb auch extrem nach „breaking character“, einem aus der Rolle fallen an. Aber auch die anderen Darsteller hinterlassen kaum bleibenden Eindruck, am ehesten noch kann Kate Dickie (die Queen aus THE GREEN KNIGHT) als Mutter Ingram überzeugen, die ihre Feindseligkeit Poe & Co. gegenüber souverän unter der Oberfläche brodelnd zur Schau trägt.

Ein weiteres Problem des Films sind seine bestenfalls mäßigen Effekte sowie das alles andere als überzeugende Creature Design, das mich persönlich zum Lachen brachte. Auf der Habenseite können hingegen eine angenehm düstere, hoffnungslose Atmosphäre sowie einige überraschende und überraschend intensiv ausfallende Splatter-Szenen verbucht werden. Und dann sind da natürlich die Poe-Bezüge. Abgesehen von den erwähnten, vielfach unpassend untergebrachten Originalzitaten haben wir da etwa Charaktere, die nach Poe-Figuren benannt sind (z.B. „Usher“), eine fiktionale Erklärung für Poes angebliche (mittlerweile widerlegte) Opiumsucht, das Unterbringen einzelner Motive aus Poes Erzählungen (z.B. „Das verräterische Herz“) sowie knappe Nebenhandlungsstränge, deren einziger Zweck es zu sein scheint, Werke von Poe zu referenzieren (z.B. „Eleonora“). Vor allem aber, natürlich, dient die Filmhandlung als vorgebliche Hintergrundgeschichte für Poes wohl bekanntestes Werk, „Der Rabe“.

Kann man als Fan von Edgar Allan Poe sicher mal anschauen, als Fan von Folk-Horror-Settings oder klassischem Geister-/Monster-Grusel ebenfalls. Das Gesamtgefühl dieser Shudder-Produktion ist allerdings das eines Piloten für eine TV-Serie. Nicht sehr spektakulär. Mehr als behäbige 5 Punkte sind dafür nicht drin.
D.S.
sah diesen Film im Harmonie, Frankfurt

26.09.2022, 02:21




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