The Devil’s Backbone

Der wahre Horror liegt da draußen...

von D.S.
Wieso wird hier immer wieder SIXTH SENSE als Bezugspunkt aufgeführt?? Nur, weil in beiden Filmen Geister auftreten und ein Kind die zentrale Rolle spielt? SIXTH SENSE ist (intelligentes) Hollywood-Kino. THE DEVIL’S BACKBONE dagegen ist zutiefst europäisch - was einerseits den Aufbau der Story und die Erzählweise angeht, aber vor allem auch, was die Hintergründe und Rahmenbedingungen des Ganzen betrifft.

Daß der Film zum Ende des spanischen Bürgerkrieges spielt, in einer Zeit also, in der es so aussieht, als würden Idealismus und Hoffnung auf Freiheit endgültig besiegt von Brutalität, Resignation und Repression, ist kein Zufall. Genauer betrachtet, spiegeln sich diese Rahmenbedingungen sogar eins zu eins in der Story wieder; die erzählte Geschichte ist nichts anderes als eine konsequente Analogie zur tatsächlichen Zeitgeschichte. Und geht natürlich darüber hinaus: in ihren fast universell gültigen Aussagen, und in den übersinnlichen Elementen, die aus der bloßen Politparabel hervorragende, düstere, atmosphärisch dichte Unterhaltung machen. Dennoch: jenseits jeden sanften Gruselns, das die Story hervorrufen kann, wartet auf die Protagonisten der wahre Horror erst am Ende des Films: als sie in die trostlose Zukunft eines Spaniens unter jahrzehntelanger faschistischer Herrschaft entlassen werden.

Definitiv ein ernsthafter Film, der weit mehr durch seine Atmosphäre, die guten schauspielerischen Leistungen (insbesondere der kleine Carlos ist hervorragend besetzt) und durch seine Aussagen fesselt, als durch Story-Idee und Verlauf derselben. Es gelingt dem Film auf beeindruckende Weise, den Zuschauer in die Situation hineinzuversetzen, in der sich die Figuren (sowohl zeitgeschichtlich als auch im Rahmen der Story) befinden - man lebt das alles förmlich mit. Den Zustand zwischen Verzweiflung und Resignation, in dem sich die Schule im spanischen Niemandsland und die Leiter der Schule befinden; den Zustand als Außenseiter und Opfer, den Carlos erlebt. Und auch die Dramatik, mit der sich das Leben der Figuren zum ausweglosen Höhepunkt hin bewegt.

Abzüge für mich: Eduardo Noriega in einer wichtigen Rolle, der m.E. nur mäßig talentiert ist und hier deutlich überagiert. Und seine Figur ist einfach ein bißchen zu klischeehaft gezeichnet. Und vielleicht gibt es auch ein paar Längen zu viel im Film.

Insgesamt aber definitiv für jeden sehenswert, der einen ernsten, "wertvollen" und trotzdem packenden, düsteren und - trotz der vielen jugendlichen Darsteller - sehr erwachsenen Film erleben möchte. Einen in jeder Hinsicht europäischen Film.
D.S.
sah diesen Film im Turm-Palast, Frankfurt

12.08.2002, 05:49



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