Let the Right One In

Let the right One into your Heart or forever twelve Years old

von die_Lachsschaumspeise
Direkt vor Vorstellungsbeginn von Programmchef Rudi als "Meisterwerk" angekündigt, entpuppte sich "Let The Right One In" als zugleich sowohl weniger als auch wesentlich mehr als ebenjenes. Denn die poetische Geschichte um zwei verlorene Seelen, die einander in einer Welt, die beinahe schon an sich selbst zu erfrieren scheint, finden, erzählt ihre Version des jugendlichen Außenseiter_Innen-Dramas auf dermaßen ruhige und unaufgeregte Art und Weise und mittels einer aufs Allernotwendigste reduzierten, dennoch immer klaren, genau komponierten und gleichzeitig ihren letzten Zauber nie ganz preisgebenden Bildsprache und schafft somit einen Raum, in dem die während des Betrachtens verstreichende Zeit aufgehoben zu sein scheint, wie Spuren im Schnee, die langsam in die Oberfläche einsinken und am nächsten Morgen wieder verschwunden sein werden - was sich vom bleibenden Eindruck, den dieser Film vermittelt, jedoch ganz gewiss nicht sagen lässt.

Und wie die zu Beginn des Films sacht zu Boden gleitenden Schneeflocken, so setzt sich auch die Geschichte von "Let The Right One In" erst nach und nach, mit jedem einzelnen, wunderschön fotografierten Frame, und entspinnt sich das Geschehen langsam und allmählich vor den Augen der Zuschauenden, bis der Film schließlich einen derart hypnotischen Sog entwickelt, dass sich eigentlich kaum jemand, die_der bereit ist, sich trotz der beinahe zweistündigen Laufzeit auf ihn einzulassen, auch nur eine einzige Sekunde der 115 Minuten langweilen dürfte. Die im Film immer wieder aufscheinenden Momente jugendlicher Gewalt, welche trotz aller Ernsthaftigkeit in der Schilderung durchaus auch humoristisch-makabre Elemente aufweisen, kontrastieren und ergänzen zugleich die Beziehung der beiden Protagonist_Innen, deren Bogen von zaghaften ersten Annäherungsversuchen über eine ganz behutsam sich entwickelnde Freundschaft bis zu dem Entdecken einer tiefen Seelenverwandtschaft und Liebe (jetzt nicht unbedingt im sexuellen Sinne gemeint) reicht. Gewalt ist hier sowohl kindliche Abwehrreaktion gegenüber einer verwirrenden, verstörenden und die Erfahrungen und das Erleben der Jugendlichen nicht verstehen könnenden und wollenden Erwachsenenwelt als auch Mittel zum Entstehen und der Etablierung eines sozialen Machtgefüges unter den heranwachsenden Schüler_Innen. Dem Film gelingt dabei das große und selten gewordene Kunststück, in keinem einzigen Moment auch nur eine seiner Figuren zu verraten, zu beurteilen oder gar zu verurteilen. Und - auch das muss hier noch gesagt werden - "Let The Right One In" bezieht einen Großteil seiner Wirkung auch aus dem unglaublich guten und wahnsinnig nuancierten Spiel seiner beiden Hauptdarsteller_Innen, deren Leinwandpräsenz oft einfach nur breathtaking ist.

Über die Story und ihren Verlauf kann und will ich hier nicht viele Worte verlieren. Es geht, ganz kurz gesagt und wie auch aus dem Programmheft, den anderen Reviews und weiter oben bereits erfolgten Ausführungen ersichtlich, um die Gleichgültigkeit und das Unverständnis der Erwachsenen gegenüber kindlichen Lebens- und Erfahrungswelten, jugendliche Hackordnungen, die melancholisch-traumverlorene Einsamkeit des Kindseins, jugendliche Freundschaft/Seelenverwandtschaft, die Schwierigkeit, anderen zu vertrauen, die Möglichkeit bedingungsloser gegenseitiger Akzeptanz und das Sich-Im-Anderen-Wiedererkennen, Vom-Anderen-Angenommen-Fühlen und Sich-im-Anderen-Aufgehoben-Fühlen.
John Updike schrieb einst im "New Yorker" über eines meiner absoluten Lieblingsbücher (Arundhati Roys "The God of Small Things"): "...to discuss the plot would be to violate it." Nichts anderes trifft meiner Meinung nach auch auf dieses still funkelnde Juwel von einem Film zu, das - um zum Anfang des Reviews zurückzukommen - vielleicht nicht alle Kriterien erfüllen mag, die wesen als auf ein Meisterwerk zutreffend definieren würde, das aber zugleich doch so viel mehr ist: Ein kleines filmisches Wunder, das tief berührt und dessen schlichte Größe und verzaubernde Ernsthaftigkeit nachwirken, noch lange nachdem die letzte Schneeflocke gefallen, das letzte Bild erloschen ist.

Volle Punktzahl.

Ich kann nicht anders.

"It's that hauntingly wonderful."

(Die New York Times Book Review über "The God of Small Things" - und auch dieser Satz trifft vollkommen auf "Let The Right One In" zu.)
die_Lachsschaumspeise
sah diesen Film im Cinemaxx 1, Hamburg

19.08.2008, 17:46



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